demzufolge die Aussichten für den deutschen Botschafter in Wien, Prinzen Reuß, um ein Bedeutendes gestiegen wären.
Oesterreich.
Teplitz, 19. Februar. Das Unglück, welches Teplitz betroffen, hat selbstredend auch in den anderen böhmischen Bädern eine geroiffe Bestürzung erregt. Es wurde die Befürchtung laut, daß dieselben in Mitleidenschaft gezogen würden. Glücklicher Weise entbehrt diese Befürchtung jedes thatsächlichen AnhaltS und wir sind insbesondere in der Lage, die Mitthetlung einer Berliner Zeitung, daß auch Karlsbad von den nachthetltgen Folgen heimgesucht worden sei, entschieden dementiren zu können. Zur Beruhigung Derjenigen, die in Karlsbad Trost und Heilung suchen, wird dem „Berl. Tagebl." von authentischer Seite aus Karlsbad geschrieben:
„Die Besürchtungen, daß das Teplitzer Unglück auch auf die Karlsbader Quellen zurückgewirkt habe, sind durchaus grundlos. Unser Sprudel springt so lustig und munter, wie immer. Unsere Quellen wurden und werden sehr oft gemessen und es ist zu constatiren, daß sich nicht die geringste Veränderung gezeigt hat. Nebenbei sei bemerkt, daß unsere neue Sprudel-Colonade, ein heizbarer Prachtglasbau, welcher eine Wandelbahn für mehr als 1000 Personen bildet, ihrer Vollendung entgegengeht. Diese prächtige Anlage wird mit Springbrunnen, Aquarien rc. geschmückt werden. Uebrigens kann sich Karlsbad derartige Verschönerungen wohl erlauben, denn außer dem Kurbesuch haben sich die Bestellungen auf Karlsbader Sprudelsalz in den letzten Jahren so gemehrt, daß eine umfangreiche, leistungsfähige Fabrik mit Dampfbetrieb vor 8 Tagen eröffnet werden konnte, die pro Jahr 1000 Centner Salz erzeugen soll."
England.
London, 18. Februar. Im Unterhause meldete Dtlke eine Resolution an, welche erklärt, daß das Haus bereit sei, die Regierung zu unterstützen, um die Scharte in Südafrika auszuwetzen, aber die Gründe der Invasion im Zulu-Lande für unzulänglich erachte.
Italien.
Rom, 19. Februar, Abends. Heute fand hierselbst eine Versammlung von Persönlichkeiten aus den verschiedenen Provinzen Italiens statt. Zweck der Versammlung war die Bildung einer neuen conservativen Partei mit der Tendenz, eine Betheiligung der Katholiken an den politischen Wahlen herbei- zusühren. Es wurde eine Commission behufs Modification einiger Punkte des Programms eingesetzt.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. lkorrespondenz-Bureau.
Berlin, 20. Februar. Reichstag. Bei der Wahl des zweiten Vicepräsiventen werden 210 Stimmen abgegeben. 11 Zettel sind unbeschrieben, 122 erhält Lucius, 75 v. Seydewitz, die übrigen Stimmen sind zersplittert. Lucius, der somit gewählt ist, nimmt die Wahl dankend an.
Berlin, 20. Februar. Reichstag. Erste und zweite Berathung des österreichischdeutschen Handelsvertrages. Minister v. Bülow leitet die Debatte ein mit einem Ueberblick
über die Vorverhandlungen: Die österreichischen Vorschläge wären anfänglich weiter gegangen als im diesseitigen Interesse gelegen war; daher sei viel Zeit bis zur Erzielung einer Verständigung vergangen. Die Reichsregtrrung sei sich bei Abschluß des Vertrages ihrer vollen Verantwortlichkeit bewußt gewesen, der Abschluß unter Vorbehalt der Zustimmung des Reichstags erfolgt. Die österreichische Regierung habe dies mit großer Zuvorkommenheit acceprirt. Der Vertrag sei nunmehr sofort vorgelegt und sei zu wünschen, daß derselbe bald zu Stande komme. Die Regierung habe die Jnteresien des Reiches, seines Handels und Verkehrs auch in dem Vertrage möglichst gewahrt. (Beifall.) Delbrück gibt zu, daß bezüglich der Handelsverhältnisse zwischen Deutschland und Oesterreich zuletzt eine Nothlage entstanden sei, welcher durch den jetzigen Vertrag abgeholfen würde. Redner beleuchtet die früheren Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich, deren hauptsächlichster Werth seit einem Vierteljahrhundert in dem Schutz der beiderseitigen Industrien bestand. Der Hauptwerth des Vertrages besteht darin, daß er die Möglichkeit gewähre, zu einem neuen Vertrage auf Grundlage der früheren Verträge zu gelangen. Jedenfalls sei durch den Vertrag die Gefahr einer Entfremdung gegen Oesterreich vermieden, mit welchem man so lange in intimen handelspolitischen Verhältnissen gestanden. Bezüglich des Meistbegünstigungs-Verhältniffes, des Veredelungsverkehrs, der Behandlung der Leinenwaaren an der schlesischen Grenze und des Zollkartells enthalte der Vertrag das möglichst Erreichbare. Hinsichtlich des Veredelungsverkehrs wäre es freilich besser gewesen, wenn die österreichische Regierung nicht allzu scharfe Maßregeln gegen etwaige Mißbräuche verlangt härte. Delbrück beleuchtet diese Maßregeln im Einzelnen und sucht nachzuweisen, daß dieselben als bloße Verkehrserschwerungen zu betrachten seien. Diese in österreichischen officiösen Kreisen gegen den Veredelungsvcrkehr herrschende Strömung sei sehr bedauerlich. Betreffs des Verkehrs der Eisenbahnwagen erkenne er im Einklang mit der Denkschrift an, daß das öffent- lrche Jnteresie hier das überwiegende sei. Rur bezüglich der Dauer des Vertrages habe er . gedenken. Der Vertrag sei für zu kurze Zeit abgeschlossen und hätte wenigstens
m i cr 1 Juli 1880 ausgedehnt werden müssen, sonst komme man wieder in die
Nothwendtgkett, den definitiven Handelsvertrag erst nachträglich durch den Reichstag genehmigen zu lassen, wenn man nicht etwa im Laufe des Decembers den Reichstag zu einer außerordent- lichen Session berufen wolle. Delbrück beantragt schließlich die Durchberathung des Vertrages im Plenum °
krttisirt einzelne Punkte des Vertrags, sowie einzelne Ausführungen 8 e rollfreie Einfuhr von Rohleinen ganz aufhöre. Richter (Hagen)
bedauert, daß kein Tarifvertrag zu Stande gekommen sei und mißt die Hauptschuld daran d-n Vertlnlaundfort A^Mk bet, welche Redner angreift. Gammacher rechtfertigt den Vertrag und wünscht desien Annahme. — Fortsetzung der Berathung morgen.
-a £ v KTUa.r- Abgeordnetenhaus. Bei der dritten Berathung des Gesetzent
wurfs, betreffend die academtsche Gerichtsbarkeit, kommt es zu einer längeren Debatte über die
X(? $ 0C?en Stufende verhängte Freiheitsstrafen bis zu 2 Wochen im
innXn5 l^en fDnn^ Schließlich wird die Bestimmung bei Abstimmung durch itw A partes mit 139 gegen 115 Stimmen aufrechterhalten, obwohl Regierungs- Comnnssar Gopper erklärt hatte, dieselbe widerspreche den Reicksgesetzen. Die übrigm Para- graphen werden mit emem unwe.entUchen Zu atz genehmigt. Lasker verlange mit Hinweis auf d.e Erklärung des Regterungs-Lommchars besondere Abstimmung über das ganze G^etz, welches tag 10 Uhr^ $ÖU * b^ossenen Form angenommen wird. — Nächste Sitzung Frei- , 20 Februar. Der Bericht des B-rstrakh-s Wolff an die geo
logische Reichsanstalt kommt zu dem Schluffe, daß Teplitz sich beruhlaen könne und keinen Saisonverlust haben werde. " °
Kairo,20. Februar. Der Khedive hat in Uebereinstimmuna mit den Ministern alle Maßregeln ^griffen, um die Aufrechterhaltung der^Ordnuna zu sichern. Es herrscht vollständige Ruhe. $
ir, Bukarea, 20. Februar. Auf Befehl der Regierung haben die rumä- Nischen Truppen heute das Fort Arab-Tabia geräumt. Der Pestcordon ift noch nicht gezogen. 1
Lorrvorr, 80. Februar. Das „Reuterffche Bureau" meldet aus der Capstadt vom 89. Januar: 4000 Zulus griffen am 24. Jmuar Oberst Woods' Evlonne an. Die Engländer zersprengten den Feind unter unbedeutenden Verlusten. Oberst Woods zog sich hierauf nach Utrecht zurück. Die Angriffe auf die anderen britischen Colonnen wurden ebenfalls zurückgewtesen.
Die Zulus concentrirten sich in der Richtung von Ekowe, wo Oberst Pearson sich verschanzt hat und täglich ihren Angriff erwartet. Dle Lage ist, ohn Uebertretbung, ernst. Die Operationen beschränken sich bis zur Ankunft der Verstärkungen auf die Defensive.
Berlin, 20. Februar. Der Schluß des Landtags ist auf morgen Mittag 1 Uhr im weißen Saale des königlichen Schlosses nunmehr desinttto festgesetzt.
Versailles, 20. Februar. Deputirtenkammer. Justizminister Loreyer brandmarkt lebhaft die Commune; dieselbe sei kein durch die Verhältnisse her- vorgerusener Ausbruch gewesen, sondern eine lange vorbereitete sociallstische Bewegung, vollbracht unter ersch verenden Umständen im Angesicht des Feindes. Man könne unmöglich solchen Empörern Amnestie bewilligen, welche beanspruchen, die Commune wieder herzustellen und die Acte, für welche sie verunhellt wurden, zu qlorificiren. Leroyer widerspricht der Behauptung, baß dle Mehrheit der öffentlichen Meinung der vollständigen Amnestie günstig sei; die Landbewohner wiesen dieselbe zurück. Der Minister erklärt weiter, er würde die volle Amnestie selbst dann nicht annehmen, wenn die überwältigende Mehrheit der öffentlichen Meinung sie fordern würde. Die Deputaten müßten die Regierung stützen und der öffentlichen Meinung widerstehen, wenn sie das Bewußtsein haben, daß die Regierung im Recht ist. Nach der Regierungsvorlage würden nur 1156 Personen von der Amnestie ausgeschlossen sein; auch diesen könne später Gnade bewilligt werden. Leroyer beschwört schließlich die Kammer, der Reg'erung ihr Vertrauen nicht zu versagen. (Beifall.) Nach einer Rede Niqael's (Intransigent), welcher für die Totalamaestie eintritt, wird die General-Discussian geschlossen. Morgen folgt die artikelweise Berathung der Amnestie-Vorlage.
Lokales.
Gießen, 21. Februar. Die Apotheke des Herrn Dr. Laubinger wurde zum Preise von 150,000 JL verkauft.
— Heute Nacht logirten nicht weniger denn 41 Handwerksburschen auf der Herberge. Rechnet man, daß von diesen allen das Stadtgeschenk erhoben wird, so kann man sich einen Begriff machen, welche Anforderungen an den Armenverein allein in dieser Richtung gestellt werden.
Vermischtes.
Darmstadt, 19. Februar. In einem Hause, Schloßgartenftraße 49, fand man im Keller eine Kindesleiche im Sand verscharrt; ein Füßchen sah heraus und verrieth so das Verbrechen, welches die in der Hofstraße dienende Magd Christine Löffler von Beerfelden während eines Besuchs bei ihrem vormaligen Brodherrn begangen. Die Mörderin des lebend geborenen Kindes verbarg sich 1 */2 Tag in den Bodenräumen ihrer jetzigen Dienstherrschaft, wo sie die Schutzmannschaft aus ihrem Versteck holte, um sie in's Arresthaus zu bringen; aber auch dort konnte sie wegen ihres bedenklichen Zustandes nicht verbleiben und mußte in's Spital überführt werden.
— Es ist eine wohlbekannte wissenschaftliche Thatsache, daß die menschliche Hand in kochendes Blei bei Weißglühhitze gesteckt werden kann, ohne verletzt zu werden, da sie vor dem Verbrennen durch die Feuchtigkeit der Haut geschützt ist. Man erzählt sich, daß der Prinz von Wales und Doctor Lyon Playfair, der berühmte englische Chemiker, einst in der Nähe eines Kessels standen, der Blei enthielt, welches bei Weißglühhitze kochte. „Haben Eure Köngliche Hoheit Vertrauen in die Wissenschaft?" — „Gewiße, antwortete der Prinz. — „Wollen Eure Königliche Hoheit Ihre Hand in das kochende Metall stecken und etwas davon herausfischen?" — „Scherzen Sie nicht?" fragte der Prinz. — „Nein!" antwortete der Doctor. Der Prinz holte sodann eine Handvoll geschmolzenes Blei aus dem Kessel, ohne seine Hand im mindesten zu verletzen.
— In der Umgebung von Teplitz wüthet unter der Erde nicht nur das Waffer, sondern auch das Feuer. In dem zum Brüxer Reviere gehörigen Schachte „Saxonia" bei Triebschietz wüthet schon seit Langem ein furchtbares Feuer; dieses hat in letzter Zeit eine solche Ausbreitung gewonnen, daß ein neuer Stollen getrieben werden mußte, um das Werk wieder pro- ductionsfähig zu machen. Vorgestern entstand unmittelbar vor dem neuerbauten Hause des Steigers ein Tagbruch, aus welchem sofort eine Rauchsäule emporstieg und Feuer emporloderte; dieses verbreitete sich so rasch, daß das genannte Haus sofort geräumt werden mußte. Als man das im Stalle befindliche Pferd herausführen wollte, fand man ketns varin, wohl aber eine tiefe Grube, in welche es hinabgesunken war. Das Maschinenhaus mußte ebenfalls, weil man das Aergste befürchtete, geräumt werden. Wie es heißt, sollen zu dieser Calamttät die früberen Besitzer ves Kohlenwerkes, welche Raubbau getrieben hatten, den Grund gelegt habem
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 20. Februar. (Fruchtbericht.) Die Witterung der letzten acht Tage war feucht und hört man allseitige Klagen, daß der Boden zu viel Näffe erhält. An allen tonangebenden Börsenplätzen sowohl als auch an den Wochenmärkten macht sich nunmehr eine günstigere Stimmung bemerkbar. Die dieswöchentlichen Umsätze concentrirten sich hauptsächlich auf Weizen ab unserer Umgegend, der Verkehr darin war jedoch durch Mangel an Verkäufern ein nicht sehr ausgedehnter. Weizen ab unserer Umgegend JL I8V2—3/<, frei hier 19, fremder Prima viel über Notiz. Roggen leichter verkäuflich, es sind nur Verkäufer aus zweiter Hand, die den Verkehr ausmachten; Prima-Roggen JL 153/4, andere Sorten 13'/,—14i/2. Gerste umsatzlos, Cours nominell v4L 17—l*1 /2. Hafer war fest, da das Proviant-Amt, wenn auch nur für feinste Waare, als Hauptkäufer auftrat, J4 121/,—13l/2, feinste Waare über Notiz. Hülsenfrüchte geschäftslos. Mehl und Futterstoffe Anfangs in ruhiger Stimmung, fanden bald darauf aber mehr Beachtung sowohl prompt als auf Lieferung. Von Raps und Rüböl nur Detailgeschäft.
Irischbäcker in Gießen.
Sonntag den 23. Februar. Ludwig Kroneberg, Neustadt. Karl Plank, Wolkengasse. Gustav Eger, Lindenplatz.
.......
Kirchliche Anzeigen
der evangelischenGemeinde ^uGießen.
Gottesdienst:
Sonntag den 23. Februar: Morgens: Pfarrer Dr. Seel. (Feier des heil. Abendmahls.) Nachmittags: Mttprediger Dr. Buch hold. PaffionSgotteSdienft in der Hospttalkirche.
Mittwoch den 26. Februar:
Abends 6 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Anm. Die Ordnung der Passionsgottesdienste nebst der zu singenden Lieder findet die Gemeinde in der Kirche vor.*) Am Eingang wird eine Büchse ausgestellt sein, in welcher Beiträge zur Förderung des Kirchengesanges gesammelt werden.
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 23. Februar bis 1. März besorgt Pfarrvicar Schöner.
*) Die ausgetheilten Hefte verbleiben in der Kirche. Wer ein Exemplar zu besitzen wünscht, kann es durch Herrn Buchhändler Ferber zu 20 H beziehen.


