schen Handelstages die Frage zu richten, ob er von dem Partettreiben des Herrn Delbrück Kenntniß hat, dasselbe billigt und mit der Würde des deutschen Handelstages im Einklang findet?
Darmstadt, 18. Februar. Wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, ist der Zusammentritt der evangelischen Landessynode für die ersten Tage des Monat März in Aussicht genommen. Von Seiten des Großh. Oberconsisto« riums sind bei dem Präsidium der Synode bereits zur Vorlage gelangt: der Entwurf eines Kirchengesetzes, die Abänderung des § 4 des Kirchengesetzes vom 8. Januar 1876 über die Classification des Diensteinkommens der evangelischen Geistlichen betreffend, sowie der Entwurf einer Dienstpragmattk für die Geistlichen der evangelischen Kirche des Großherzogthums. (Darmst. Ztg.)
Berlin, 18. Februar. Ueber die geschäftliche Behandlung des Berichts der Tabaks-Enquete-Commission find wider sprechende Nachrichten verbreitet worden. In Wahrheit liegt die Angelegenheit wie folgt: Die Bun- desrathsausschüfse für Zoll und Steuer und Handel und Verkehr haben es veranlaßt, daß das preußische Finanzministerium die Ausarbeitung eines betr. Entwurfs in die Hand genommen hat. Es verlautet, daß bet der vorzuschlagenden Gewichtssteuer die Frage der Contingentirung noch offen gehalten ist. Man glaubt, daß bei einer eventuell niedrigen Besteuerung des inländischen Tabaks die Conttngentirung beliebt, bei einer höheren aber nicht vorgeschlagen werden möchte."
Kassel, 19. Februar. Die Gewäffer der übergetretenen Flüffe und Bäche haben sich zwar wieder verlaufen, doch nicht ohne beträchtliche Beschädigungen zu hinterlaffen. Sehr gelitten hat namentlich die neue Waldkappeler Eisenbahnlinie, deren Eröffnung man im Herbste entgegensteht. Die Erd- arbetten, welche bereits zum größten Thetle fertiggestellt waren, müssen deshalb abermals ausgenommen werden. — Ueber die Verlegung der Main-Weser- Bahn-Direction von Kassel soll schon ein definitiver Beschluß vorliegen. That- sache ist es, daß die Eisenbahn Verwaltung ihr schönes Dienstwohnungsgebäude aus der Victoriastraße hterselbst der Regierung zur Jnstalltruug eines zweiten Gymnasiums zum Ankäufe offerirt hat. Doch wurde das Haus von sachverständiger Seite speciell zu diesem Zwecke wegen der störenden Nähe des Bahnhofes für ungeeignet erklärt.
Hestcrreich.
Teplitz, 18. Februar, Abends. Die Stadtverordneten beschlossen, den Ingenieur Sigmondi aus Pesth telegraphisch in der Quellen-Angelegenheit zu berufen und bet der Regierung Schritte zur Rückerstattung der Wiederherstellungskosten der Quellen zu thun. Ferner wurde beschlossen, den Beginn der Quellenabteufung mit einer einfachen bürgerlichen Feier einzuleiten, in den Gotteshäusern aller Confessionen eine religiöse Feier zu begehen und telegraphisch die Berghauptmannschaft um Schutz der Süßwasserleitung zu ersuchen. — Das Ackerbaumtnistertum hat den Professor Sueß zur Untersuchung des Thermenunglücks hierher gesendet.
Dänemark.
Kopenhagen, 18. Februar. Die Hamburger Poft ist gestern via Kiel hier eingenoffen. Nördlich Flensburg geht vor Abends 10 Uhr kein Bahnzug. Auf Fünen liegt der Schnee gegen 5 Fuß hoch. Im südlichen und nördlichen Jütland ist der Schneefall noch erheblicher.
— Wegen heftigen zweitägigen Schneefalls ist der Eisenbahnverkehr in Jütland und auf Fünen vollständig, auf Seeland, Lolland und Falster theil- weise eingestellt. — Eb?nso ist die Dampfsch'ffsahrt zwischen Kopenhagen und Schweden wegen des Eises im Sund vorläufig eingestellt.
England.
London, 18. Februar, Abends. Oberhaus. Cranbrook erklärt auf Befragen Ripon's, die Regierung sei nicht davon informtrt, daß General Roberts die Annection des Khurum-Thales proclamtrt habe; eine betreffende tele- grapb'sche Anfrage nach Indien sei noch nicht beantwortet. »i 1 । , , ■ ii i. ■■■■■ . i —— ।
Telegraphische Depeschen.
ßBagner'S telegr. Eorrespondenz- Bureau.
Berlin, 19. Februar. Der „Retchs-Anz." meldet: Amtlichen Nachrichten zufolge sind die Gerüchte von dem Auftreten der Pest in Smolensk und Ukrupino unbegründet.
Wien, 19. Februar. Wie die „Presse" meldet, ist Prof. Süß auf speciellen Wunsch des Kaisers nach Teplitz abgereist.
Berlin, 19. Februar. Fü'st Hohenlohe lehnte telegraphisch die Wahl zum zweiten Vicepräsidenten des Reichstags ab; dem Vernehmen nach ist nunmehr v. Seydewttz (deutschconservativ) für diesen Posten in Aussicht genommen. — Es heißt, der Schluß des preußischen Landtages werde den Wünschen des Staatsmlnisteriums und aus Abg^ordnetenkrersen entsprechend am Freitag erfolgen.
Berlin, 19. Februar. Reichstag. Berathung des Antrags auf Verhaftung von Fritzsche und Hasseimann wegen Verstoßung gegen $ 28 des Socialistengesetzes und des Antrages Rickert auf Versagung der Genehmigung der Verhaftung, sowie auf authentische Interpretation des S 28 de» Socialistengesetzes. Lasker verthcidigt den Antrag Rickert und hält die Interpretation für unerläßlich. ES sei sicher nicht beabsichtigt gewesen, dem Polizeipräsidenten von Berlin Einfluß auf die Zusammensetzung des Reickstags anheimzugeben. Der Kaiser habe den Reichstag auf den 12, Februar nach Berlin berufen, Fritzsche und Hasselmann seien dem Befehle gefolgt, wie dürfe sie die Polizei daran hindern? Das sei Auflehnung gegen den kaiser- Befehl. Wäre wirklich die Sicherheit Berlins durch die Anwesenheit Fritzsche's bedroht, dann müßte der Reichstag von Berlin verlegt werden; er bitte, den Antrag Rickert anzunebmen — Justizminister Leonhardt erklärt, über die Recktsfrage hätten nur die Richter zu entscheiden Der Staatsanwalt habe seine Anträge durchaus vcrfasiungsmäßig an das Laus gerichtet Der Antrag bezwecke nur die Erzielung der Möglichkeit, gegen die beiden Herren" zu procediren das heiße: ein gerichtliches Verfahren herbeizuführen. Bei dem Gericht stehe es die Verha'ftuna zu genehmigen oder abzuschlagcn. Der Staatsanwalt habe nur sein Recht geübt und seine Pflicht erfüllt, da die strafrechtliche Verfolgung einzuleiten, wo er solche als nothwendig erkannte. Der Justtzminister würde, wenn er dazu seine Zustimmung nicht gäbe die Reckts- pflege hemmen '
Staatssekretär Friedberg verweist auf Präcedenzfälle, welchen der Antrag Rickert widerspreche; stets habe der Reichstag Strafanträge gegen Abgeordnete der Geschäftsordnung Commission überwiesen, ohne jemals das Materielle der Fragen zu prüfen. Präsident Hänel habe letzteres in einem Falle sogar einmal für als dem Usus des Hauses widersprechend und unzulässig erklärt; das Haus habe dem damals auch beigestimmt. Die Regierung habe keineswegs in das Privileg des Hauses eingegriffen, sondern nur.tbun wollen, was nach den schweren Ereignissen des vorigen Jahres ihr irgend gesetzlick erlaubt schien, um ähnliche Vorkommnisse zu verhüten. Sollte dergleichen sich doch wieder ereignen, so sei die Retchsregierunq und Landesregierung dafür nicht verantwortlich. - Schwarze erklärt sich im Namen der Frci- conservativen mit der Versagung der Genehmigung der Verhaftung einverstanden, dagegen nickt mit der beantragten Declaration. Sckwarze betont ferner, man dürfe den Gerichten durch Declaration des Gesetzes nicht eine Directive ertheilen. Reichensperger (Olpe) spricht gegen
die Ausführungen des Ministers Leonhardt und für beide Theile des Antrages Rickert, v. Helldorf dagegen nur für den ersten und gegen den zweiten Theil des Antrags. Hänel bekämpft die Ausführungen Leonhardt's und Friedberg's und tritt für beide Theile des Antrages Rickert ein, ebenso Gneist. — Schließlich wird die Genehmigung zur Verhaftung Fritzsche's und Hassel- mann's fast einstimmig versagt und der zweite Theil des Antrags Rickert auf authentische Declaration des § 28 des Socialistengesetzes mit großer Majorität angenommen; dagegen stimmen beide Fracttonen der Rechte.
Nächste Sitzung Donnerstag.
Berlin, 19. Februar. Abgeordnetenhaus. Die Gesetzentwürfe betr. Competenz- conflicte zwischen Gerichten und Verwaltungsbehörden und betr gerichtliche Verfolgungen wegen Amtshandlungen werden in dritter Beratyung nach den Beschlüsien zweiter Lesung ohne Debatte genehmigt. Der vom Herrenhause verändert zurückgelangte Gesetzentwurf betr. Abänderung von Bestimmungen der Disciplinargesetze wird fast ohne Debatte in der Fassung des Herrenhauses angenommen, ebenso die auf Wassergenossenschaften bezüglichen Gesetzentwürfe. Es folgt nunmehr die Berathung des Gesetzentwurfs betreffend die Rechtsverhältnisse der Studirenden. Bei Berathung des Gesetzentwurfs betr. die Rechtsverhältnisse der Studirenden wird Absatz 2, § 2 (Ausdehnung der academischen DiSciplin auf Vereine und Versammlungen von Studiren« den) abgelehnt Zu § 6 wird auf Antrag Hänel's der Zusatz angenommen, daß eine Relegation nur erfolgen kann, wenn eine rechtskräftige Verurthetlung wegen einer ehrlosen Handlung vorliegt. Der erste Absatz des § 15, wonach die Rechte des Studenten während eines gegen ihn schwebenden Verfahrens, welches den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte ivolvirt, ruhen, wird gestrichen. Die übrigen Bestimmungen werden nach den Beschlüssen des Herrenhauses angenommen. — Nächste Sitzung Donnerstag 10 Uhr.
Petersburg, 19. Febr. General Loris-Melikoff berichtet aus Zarizin vom 18. b.: In den tnflcirten Ortschaften sind keine neuen Erkrankungen und Todesfälle vorgekommen. Das Thruwetter hält an. Die Wolga -Uebersahrt ist sehr schwierig, bei Astrachan ist dieselbe unterbrochen. Die Santtäts-Com- misston hielt bereits zwei Sitzungen, in denen über die Frage der Herauslassung von Arbeitern aus dem Quarantäne-Rayon zum Fschfang unter Vorsichtsmaßregeln, sowie über die Organisation von Sanltäts-Detachements behufs Desinficirung der infictrten Orte des General-Gouvernements berathen wurde. Der von der Moskauer Stadtduma abgesendete Universitäts-Professor Mtnch aus Kiew, sowie der von der Gesellschaft des rothen Kreuzes delegtrte Char- kower Universitäts-Professor Kryloff, find auf den Epidemtchätten etngetroffen. Der Verweser des Ministeriums des Innern, Makoff, erhielt Nachricht vom Ausbruch einer angeblich der Astrachan'schen ähnlichen Krankheit im Dorfe Malicheff (Gouvern. Wladimir); die angestellte Untersuchung wies solche jedoch nur als Windpocken aus.
Kopenhagen, 19. Februar. Eine Bekanntmachung des Justizmini- sters verbietet die Elnfuhr aus Rußland kommender Gegenstände, im Wesentlichen übereinstimmend mit dem deutschen Einfuhrverbote.
Wien, 19. Februar. Zur Hebung der in Wielicka in der Grubenstrecke Koski etng brochenen Wassermenge wurden sofort die berettstehenden Maschinen in Betrieb gesetzt. Gegenwärtig ist der Wasserzufluß schon geringer. Der Bergwerkbetrieb nimmt ungestört seinen Fortgang.
London, 20. Februar. Als erstes Verstärkungs - Contingent ist das 91. Regiment und das 3. Bataillon des 60. Regiments gestern thetlS von London, tbeils von Southampton nach dem Cap eingeschtfft worden.
Lokales.
Gießen, 20. Februar. Eine lüderliche Dirne wurde auf Requisition einer auswärtigen Behörde verhaftet.
— In vergangener Nacht fand auf dem Neuenweg eine Keilerei statt und sind die Betheiligten zur Anzeige gebracht.
Vermischtes.
Kassel, 17. Februar. Gelegentlich der diesjährigen Versammlung der vereinigten Schmiedemetster Deutschlands, welche vom 23. bis 25. Mai in Kassel tagen wird, findet in den Räumen des dortigen Gewerbe-Museums eine Special-Ausstellung von Hülfsmaschinen, Werkzeugen und Materialien für das Schmiedegewerbe statt, die unter Beihülfe des Vorstandes des Gewerbe-Museums von dem Lokal-ComitL der Genossenschaft veranstaltet wird. Für Fabrikanten und Händler dürfte sich kaum eine bessere Gelegenheit finden, einschlägige Gegenstände bei den Interessenten bekannt zu machen und einzuführen, da die günstige Wahl von Zeit und Ort einen besonders zahlreichen Besuch der Versammlung mit Bestimmtheit erwarten läßt. (Anmeldungen sind zu richten an Schmiedemetster F. Breitbarth oder den Vorstand des Gewerbe-Museums in Kassel.) Der diesjährige Schmiedetag in Verbindung mit der geplanten Fachausstellung wird hoffentlich mit zu der Erkenntntß beitragen, daß den Innungen der Jetztzeit, nach vielen Richtungen hin ein nützliches Feld der Thätigkett vorbehalten bleibt.
Frankfurt a. M., 19. Februar. Die gelindere Witterung läßt uns wohl daS Rahen des Frühjahrs ahnen, allein es wird doch noch einige Zeit dauern ehe wir uns wieder an Blüthen und Blumen erfreuen können. Uns Frankfurtern und Denen die unsere Stadt besuchen, ist zwar jederzeit Gelegenheit geboten, sich in unserem herrlichen Palmengarten mitten unter die Boten des Frühlings zu versetzen und wird hiervon auch fleißig Gebrauch gemacht, wie der Besuch dieses Liebltngsplatzes Aller zeigt. Die Blüthen - Galerien waren den ganzen Winter über nicht Blüthenleer, allein jetzt beginnt die Flora großartiger und mannigfaltiger zu werden und sind cs eben die Camelien, welche in erster Linie unsere Blicke fesseln. Dieselben blühen dieses Jahr überreich und zeigen die schönsten Farben und Formen. Aber auch andere Kinder warmer Zonen, stehen bereits in ihrem Blüthensckmuck und wird eine reiche Abwechslung hier geboten. Auch dem Palmenhause, für welches bedeutende Neu-Anschaffungen an werthvollen Palmen und Pflanzen gemacht wurden, sieht man kaum mehr die Zerstörung an, welche die fürchterliche Katastrophe im August t>. I. hervorgebracht hatte und das üppige Grün des Teppichs und der Pflanzen lassen an diesem Platze die Schrecken des UnglückStageS fast vergessen.
Die Vorarbeiten zum Wiederaufbau des Restaurationshauses find in vollem Gange und wird bei konstanter Witterung alsbald mit dem Bau, welcher der Firma: Phil. Holzmann und Cie. nach Plänen des Architekten Hrch. Theod. Schmidt übertragen wurde, begonnen werden.
Das provisorisch errichtete Restaurationslokal erfreute sich von Anfang an des allgemeinen Beifalls unv ist stets stark besucht.
Die große Frühjahr-Ausstellung wird nächstdem beginnen und verfehlen wir nicht darauf aufmerksam zu machen, da schon jetzt ein Besuch lohnend ist.
Handel und Verkehr.
Gießen, 20. Februar. Auf dem am 18. d. M. stattgehabten Diehmarkt waren trotz des schlechten Wetters aufgctrieben: 7 Pferde, 1146 Stück Rindvieh und 255 Schweine. Die Preise stellten fick für Zuchtvieh ziemlich hoch, dagegen bei fettem Vieh weniger; nächster Markt am Dienstag den 4. März.
Fr ankfurt, 19. Februar. (Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren Heu kostete je nach Qualität per Ctr X 1.80—3, Stroh 1.50—2 Der
Victualienmarkt batte ziemliche Auswahl. Weißkraut und Kohlkraut kostete das Stück 10 bis 15 H, Rothkraut 15—2<» Blumenkohl 3u H. Butter im Großen 1. Qual. 90 2. Qual. 70—80 H, im Detail 1. Qual. 90 H bis JL t, 2. Qual. 80—90 Eier das Hundert alte 5, frische deutsche JL 5.80, italienische JL 7.30. Geflügel: Hahnen 150 bis 2.20, Tauben 70 H, Enten JL 2.50 80. Ganze Erbsen X 22—25, geschälte Erbsen X 24—28, Linsen X 24—34, Bohnen X 18—24 per 100 Kilo. Kartoffeln X 6.50 bis 7 per 1('O Kilo. Handkäse das Pfv. 50 Fleischpreise: Ochsenfleisch per Pfd. 70 bis 75 ,$(, Kuh-, Rind und Farrenfleisch 56—64 di, Kalbfleisch 60—70 d), Hammelfleisch 50—68 di, Sckweinefleisck 70—75 dl. Buchenscheitholz 1. Sorte per Kubikmeter X 1° bis 11.05, 2. Sorte X 8.50—9. Tonnenscheitbolz 1 Sorte X 8—9, 2. Sorte X 6—7. Holz je nachdem geschnitten der Centner im Großen X 1.40—70, im Detail X 1.80—2. Lohkuchen das Tausend X 9—10.
Limburg, 19. Februar. (Fruchtmarkt.) Rother Weizen X 16.20, Weißer Wetzen X —, Korn X 10.40, Gerste X 9.25, Hafer X 5.85, Erbsen X —, Kartoffeln X —- (Durchschnittspreis pro Malter.)


