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Berlin, 16. December. Der „Reichs-Anz." schreibt: „Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat die königl. Dtrectionen der Staats- und unter Staatsverwaltung stehenden Privat-Eisenbahnen, Letztere vorbehaltlich der Zustimmung der Gesellfchafts-Vtrt etungen, ermächtigt, die für die bedrängte Bevölkerung einzelner Kreise Oberschlesiens bestimmten milden Gaben an Lebensmitteln, Kleidungsstücken, Br<rnmaterial rc. frachtfrei zu befördern. Außerdem haben bereirö Enl e Octcber d- Js. mit Ermächtigung des Ministers die königl. Dtrectionen der Ntederschlesisch-Märkischen und Oberschlefischen Eisenbahn für Kartoffel-Transporte, welche nachweislich für die bedürftige Bevölkerung der oberschlesischen Kreise beschafft und verwandt werden, eine Ermäßigung um die Hälfte der tarifmäßigen Fracht zugestonden. Eine gleiche Ermächtigung ist neuerdings auch der königl. Direktion der Ostbahn ertheilt worden. Die Adressen und sonstigen Bedingungen, welche zur Verhütung von Mißbräuchen vorgeschrtkben sind und von deren Beachtung die Zuwendung der bewilligten Vergünstigungen abhängig gemacht ist, gehen den übrigen Directionen durch die königl. Direction der oberschlesischen Eisenbahn zu. Den Prtvatetsenbahn-Verwaltungen ist die Gewährung der nämlichen Erleichterun-
Dre Aenderung -er Reichsverfaffung.
An dem Jugendkleide der deutschen Reichsverfaffung beabsichtigt man bekanntlich bedeutende Aenderungen. Die Vorlage über die Abänderung der Art. 13, 24, 69, 72 liegt jetzt dem Duudesrathe vor. Bisher mußte nach Art. 13 jedes Jahr Bundesrath und Reichstag einberufen werden, während nach der neuen Vorlage diese Berufung mindestens alle zwei Jahre statt- stndev soll; nach Art. 24 dauerte die Legislaturperiode drei Jahre, die nun in Äer Jahre umgewandelt werden soll. Art. 69 bestimmte, daß die Einnahmen und Ausgaben des Reiches alle Jahre veranschlagt und der Etat ausgestellt werden muß, während derselbe nun für einen Zeitraum von zwei Jahren, jedoch für jedes Jahr besonders, durch ein Gesetz festgestellt wird. Endlich bestimmt Art. 72 jetzt, daß über die Verwendung aller Einnahmen des Reiches durch den Reichskanzler dem Bundesrath und dem Reichstag zur Entlastung für jedes Jahr Rechnung gelegt werden soll, während es bisher hieß, diese Rechnung soll jährlich geschehen. Ob es i er Regierung gelingen wird, diese Vorlage im Reichstage durchzubringen, ist allerdings eine andere Frage.
Die Gegner der Vorlage sind die Nationalliberalen, bis auf einen geringen Bruchihetl, das Centrum in seiner Gesammtheit, die Fortschrittspartei, die Polen und die Socialdemokraten. Hiirmtt ist eine Majorität vorhanden, die freilich nur dann zusammcnhält, wenn der Culturkampf im Sinne der Ultramontanen seinen Abschluß nicht findet. Vor Schluß der letzten Reichs- wgssesfion, als die geplante Verfassungsänderung bekannt wurde, standen die Cenirums-Mitglieder in ihrer Majorität zu dem Entwurf anders wie heut; sie glaubt«n an Verständigungen zwischen dem Kanzler und der Curie zu Gunsten der Curie, und damals hätten sie der Verfassungsänderung zugestimmt. Es wird demnach Alles davon abhängen, wie die Verhandlungen mit der Curie verlaufen werden. In letzter Zett tauchten Gerüchte auf, daß dieselben vollständig gescheitert seien, und daraus wurde auch die Opposition des Centrums erklärt.
Indessen wird gegenwärtig von gut unterrichteter Seite versichert, daß diese Gerüchte irrig sind. Es soll allerdings ein momentaner Stillstand in den Unterbandlungen eingetreten gewesen sein, aber von einem Abbruch kann nicht die Rede sein. Vielmehr wurden nur von beiden Setten Informationen eingeholt, und die Unterhandlungen in Wien sind entweder bereits wieder ausgenommen, oder es geschieht dies in kürzester Zeit. Jedenfalls hegt der Kanzler die ernsteste Absicht, den Culturkampf zu schließen und den kirchlichen Frieden herbeizuführen.
Der Entwurf über die weittragenden Aenderungen der Reichsverfaffung gelangt an das Parlament schon bei Beginn der Session, schon weil eine zweimalige Abstimmung erforderlich ist. Daß das Plenum des Bundesraths dem Gesetzentwurf in der Form zustimmt, die ihm die Ausschüsse für Ver- foffungs- und Rechnungswesen gegeben haben, darf als sicher angesehen werden. Käme übrigens die Verfassungsänderung nicht zu Stande, so würde dadurch ein Cousiict oder eine ernstere Verstimmung kaum hecvorgerufen werden, denn weder dem Kanzler noch dem Bundesrath könnte daran gelegen sein, die guten Beziehungen zum Reichstage zu stören oder auch nur zu unterbrechen.
Halts, dem Tode sei er zwar entronnen, aber derselbe werde ihm nicht geschenkt , wenn er nicht alle seine Rechte in die Hände einer Naliomttversamm- lung lege, und zwar solle er und das Winterpalais mit Dynamit in die Lust gesprengt werden. Die eifrigsten Nachforschungen in St. Petersburg ergaben zunächst nichts, am Sonnabend aber — und die Nacht auf den folgenden Tag soll zur Ausführung des gräßlichen Planes bestimmt gewesen sein — verhaftete man in Maschkow-Penulk, nicht weit vom Winterpalats, einen Mann, der bis jetzt hartnäckig jede Aussage verweigert; bei ihm fand man eine Anzahl electrischer Batterien ausgezeichnetster Constructton und eine Karte des Winterpalais, auf welcher jedes Eckchen, jedes Möbel auf's Genaueste angegeben war, sowie eine Anzahl von Dvnamit-Patronen. Ob Leitungen übrigens schon in's Palais hinein gelegt waren, wird man bezweifeln müssen.
— Der in Petersburg verhaftete Verbrecher heißt nacht der ,Nat.-Ztg." Tschenikew und ist seines Standes Privatlehrer. In seiner Wobnung, Zago- rodnoi-Prospect, wurden noch fünf andere Personen verhaftet. Man fand daselbst eine größere Anzahl Revolver und Gewehre und 50 Pfund Sprengstoffe, außerdem eine Menge revolutionärer Proklamationen. Die Moskauer Polizei brachte in Erfahrung, daß während der letzten zwei Monate sehr häufig in dem Häuschen der Attentäter Zusammenkünfte zahlreicher Personen stattgefun- den haben, welch' letztere dahin aus Moskau in Fiakern gefahren seien. Die betreffenden Kutscher wurden nun sämmtlich zur Polizei gerufen und über die Personen, welche nach dem Rogosch'schen Viertel gefahren, ausgeforfcht. Nicht weniger als 37 Droschkenkutscher gaben an, nach dem famosen Häuschen Passagiere geführt zu haben, von denen sie oft fürstlich belohnt wurden. Ferner sagten mehrere Kutscher aus, daß, nährend sie vor dem Häuschen auf ihre Fahrgäste wateten, diese in den hellerleuchteten, jedoch stets verhängten Zimmern saßen, ohne je gelärmt, gesungen oder sich auf irgend eine andere Weise bemerkbar gemacht zu habe». Nach dieser Auskunft blieb der Polizei nichts anderes übrig, als sämmtliche 37 Kutscher in Gewahrsam zu behalte« und sich von denselben die Physiognomien, Trachten u. s. w. der einzelnen Passagiere von dem Rogosch'schen Vierte! genau beschreiben zu lassen. Mit Hülfe dieser Personen-Beschreibungen gelang es der Polizei, bisher mehrere Leute zu verhaften, welche von den Kutschern mit aller Bestimmtheit als ihre Passagiere bezeichnet werden.
Potsdam, 17. Decbr. Prinz Wilhelm zog sich gestern Abend durch einen Fall eine leichte Contnsion des rechten Beines zu, welche ihn einige Tage an's Zimmer fesseln wird.
HeÜerreich.
Wie«, 17. December. Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel : Der russische Geschäftsträger erklärte dem Minister des Auswärtigen, Sawas Pascha, Rußland bestehe keineswegs auf Intervention von Delegirten der Berliner Signatarmächte bet der Uebergabe von Gusfinje an Montenegro, empfehle aber der Pforte wiederholt und angelegentlichst, die Uebergabe in friedlicher Weise möglichst zu beschleunigen.
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sprengen. Unmittelbar nach dem Moskauer Attentat bekam nämlich Kaiser Alexander eine gedruckte Proklamation zugesa.idt, des ungefähren In-
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anempfohlen worden."
— Der „Nat.-Ztg." kommt von zuverlässiger Seite eine Mittheilung wonach ein neuer Mordplan gegen den Kaiser Alexander vorbereitet und Ausführung nahe war, den Czaren in seinem eigenen Palast in die Luft
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Ange i kann bei mit >en. Demselben inungin meinem nächste Ostern- >lung in Mainz. nvonyilberu. 'n Stickereien
i, Luchbinder.
London, 15. December. Im Laufe des gestrigen Tages verunglückten zwei Dampfer in Folge von Zusammenstößen mit anderen: auf der Themse der Dampfer „Usworth", im Kanal der Dampfer „Trident." Beide versanken bnlb nach dem Zusammenstöße; in beiden Fällen konnte glücklicher " " * • r ......*“ *. Ueberhaupt war die vorige
ro Darmstadt, 18. December. (A l i c e - S t i s t u n g.) Gestern Nachmittag 'and im Saalbau die constituuende Hauptversammlung des Vereins „Alice-Stiftung" statt Das Resultat der noch nicht völlig zum Abschluß gelangten Sammlungen beläuft sich nach Mittheilung des Vorsitzenden, Herrn Geheimerath Dr. Goldmann, aus 34756 X 59 j>; die bis jetzt entstandenen Kosten betragen 369 X 91 Von den aes'ammelten Beiträgen sind nach dem Willen der Zeichner für einzelne Anstalten bestimmt und zwar für den Alice-Verein für Frauenbildung und Erwerb 734 X. 80 Tür die' Industrieschule für erwachsene Mädchen 1715 X, für den Alice-Verein für Krankenpflege 158 X 50 für dessen Abtheilung für Waisenpflege 134 dO iür das Hospital in der Mauerstraße hier 276 X. 20 für den Alrce-Verem für Krankenpflege in Mainz 2512 X 50 und für die Jdwten-Anstalt 14 X 60 msammen für specielle Anstalten 5546 X. 10 — Die Berathung des von dem
Vorsitzenden der Versammlung unterbreiteten Statuten - Entwurfs ergab Annahme desselben mit einigen Modificationen, von denen wohl diejenige materiell am bedeutendsten ist, daß die Mitgliedschaft durch die Leistung eines einmaligen Beitrages von mindestens 10 X. erworben werden kann, während der Entwurf 20 X vorsah Die Stiftung hat die Aufgabe, sämmtliche von der verewigten Großherzogin in's Leben berufenen und geleiteten gemeinnützigen Anstalten nach Kräften und nach Maßgabe ihres Bedürfnisses zu unterstützen. Als solche Anstalten werden vorzugsweise bezeichnet : / der Alice-Frauen-Verem für Krankenpflege mit der Heilanstalt in der Mauerstraße m Darmstadt und der Abtheilung für Waisenpflege, b. der Alice-Verein für Frauen- bildung und Erwerb mit der Bildungsanstalt für Handarbeitlehrerinnen m Hessen und ber Industrieschule für erwachsene Mädchen aus allen Ständen, o. die Jdioten-Anstalt „Alice-Stift." Zur Erreichung des Stiftungszweckes sollen die jährlichen Zinsen der gesammelten Beiträge, welche von nun an das Stistungskapital bilden, unter die genannten Vereine und Anstalten in der Weise vertheilt werden, daß in der Regel die unter u und b genannten je 3/:, die unter c genannte Anstalt xh des zu vertheilenden Üetraaes erhalten sollen. — Als Mitglieder des Vorstandes werden gewählt die Herren Oberconsistorialpräsident Dr. Koldmann, Provinzialdirector Kiichler, Oberbürgermeister OblU Geh- Egbinetsrath Dr. Becker, Seine Durchlaucht der Fürst zu Bfenburg und Liioi'naen Geh. Eommerzienrath Wecker (Offenbach), Rechtsanwalt Krug, Freiherr r>on Wedekind und Max Heyl <Worms); als Ersatzmänner die Henn Bürgermeister i)r. Dumont (Mainz), Krersrath Brahden Friedberg), Bürgermeister Bramm (Gießen), Hofmarschall Oberst von Wcsterwellcr, ©tßbtpfaner Se", mi-ruin«-,- l
zebrikant Kol.e (Bessungen), Eommerzienrath Keller (Bessungen) und W. Möser.


