Lokales
Gießen, 19. November. (Sterblichkeit in Gießens In der Woche vom 9. zum 15. November betrug die Zahl der Todesfälle in Gießen 5. Es starben 2 Personen an Lungen- schwindsnckt, eine an Unterleibstyphus, eine in Folge eineS Schädelbruchs, der durch einen Sturz in einem Fabrikgebäude verursacht war. Ein Kind starb, nur einen Tag alt, an angeborener Lebensschwäche. ___________________________________
Vermischtes.
Alzey, 13. November. Gestern fand die 6. Generalversammlung des Thterschutzver- eins für ras Großherzogthum Hessen unter zahlreicher Betheiligung hier statt. Namentlich waren viele Lehrer, die selbst aus größerer Ferne herbeigeeilt waren, anwesend. Nach Eröffnung der Sitzung durch ven Vorsitzenden, Freiherrn van der Capellen, erstattete der Schriftführer, Herr Kreisvetcrinärarzt Dr. Schäfer aus Darmstadt, ausführlichen Bericht über die seitherige Tbätigkcit des Vereins, über die Verhandlungen der letzten Generalversammlung zu Butzbach, sowie über die des 1. deutschen Thterschutz.Congreffes zu Gotha. Die verschiedenen Mit- theilungen wurden mit großem Interesse entgegengenommen. Es folgte nunmehr die Feststellung des Voranschlags pro 1880 und die Prüfung der Rechnung pro 187b. Die von dem Ausschuß gestellten Anträge wurden im Wesentlichen genehmigt. Ebenso die Vorschläge bezüglich der zu prämtirenden Personen. Der wichtigste Gegenstand der Tagesordnung war wohl die Frage: Soll sich der hessische Thierschutzverein den Nachbarvereinen anschlleßen unter dem Namen „Mitteldeutscher Verband der Thierschutzveretne"? Nach längeren Verhandlungen wurde diese Frage bejaht. Schließlich hielt Herr Präparandenlehrer Buxbaum aus Wöllstein noch einen Vortrag über den Thier, und Pflanzenschutz auf den Exkursionen des naturaltensammelnden Schülers, der sich eines merklichen Beifalls zu erfreuen hatte. Nach dreistündiger Thätigkeit trennte sich die Versammlung, nachdem sie noch vorher dem Vorstände für die umsichtige Leitung des Vereins ihren Dank und ihre Anerkennung in herzlicher Weise ausgesprochen hatte.
Paris, 16. November. Eine Depesche aus Sierra Leone meldet, daß Zweifel und Moustter, Agenten des Hauses Verminck in Marseille, im vergangenen September die Quellen des Nigers, dessen oberer Lauf bisher nicht bekannt war, entdeckt und erforscht haben.
• Gotha, 12. November. Gestern Nachmittag hat auf dem an der Langensalzaer Straße gelegenen Friedhof V. die 13. Feuerbestattung stattgefunden Die betreffende Person war die Ehefrau deS Lebensversicherungsbeamten Herrn Dietrich zu Leipzig. Heute Nachmittag erfolgte die 14. Feuerbestattung und zwar an der Ehefrau des Feuerversicherungs-Generalagenten Herrn Schiman zu Wien. Von einer weiteren Anmeldung ist amtlich nichts bekannt. Der Verbrennungsofen würde jedenfalls fleißiger benutzt werden, wenn der Preis für die Bestattung ein geringerer wäre.
Frankfurt a. M., 15. November. Gestern Nachmittag wurde in der Nähe von Isenburg in einem dichten Tanncnschlag oben an einer Fichte hängend, die Leiche eines etwa 15—16 Jahre alten Menschen gefunden. Wie wir hören, soll in Isenburg seit etwa zwei Wochen ein junger Mann vermißt werden
Bochum, 13. November. Auf der hiesigen Gußstahlfabrik fand heute eine Keffel- erplosion statt, bei welcher mehrere Arbeiter den Tod gefunden haben. Wie die „Wests. Ztg." erfährt, sind von den vier mit dem Heizen des SesselS beschäftigten Arbeitern zwei tovt und die beiden anderen lebensgefährlich verwundet. Außerdem sind noch vier Arbeiter, welche in einer unmittelbar an dem Keffelhausc liegenden Schlofferwerkstätte thätig waren, Opfer de« traurigen Ereignisses geworden, indem zwei von ihnen sofort den Tod fanden und einer erhebliche Verletzungen davontrug; der vierte hat augenblicklich noch nicht unter den Trümmern her» vorgeholt werden können.
Frankfurt a. M., 16. November. Wegen einer Correspondenz aus Mainz ist gegen den verantwortlichen Redacteur des „Frankfurter Journal", Herrn Dr. Holzamer, wegen Beleidigung des 3. Brandenburgischen Fuß-Artillerie-Regiments ein Preßproceß angestrengt worden. Die'Verhandlung in dieser Sache ist auf Mittwoch den 26. November vor der Strafkammer des Landgerichts zu Frankfurt anberaumt. Die Redactton des „Frankfurter Jourual" wird eine Reihe von Zeugen, sowohl von Mainz als von Gonsenheim vernehmen laffcn.
— (Jnseraten-Kuriosum.s In Weimar wird in einem Athem und in einem Inserat zu | verkaufen gesucht: „Ein Brautkleid, das nur zwei Stunden getragen worden ist, und zwei Mistbeetfenster." Darauf hätten selbst Schiller und Göthe keinen Reim gefunden.
— (Bet einem Wirthe wundermild schön . . .) Ein Wirth in Barmen entfernte einen sich ungebührlich betragenden ^Sast aus seiner Wirtschaft auf eine solche Welse, daß der Gast fiel und das Genick brach. „r, w
— Das „Deutsche Montagsblatt" erzählt: „Während ihrer dramatischen Rundreise durch Schweden ist Adelaide Ristori vor vierzehn Tagen fast durch ein Wunder dem sicheren Tode entgangen. Nachdem sie in Stockholm gespielt, wollte sie sich mit ihrer ganzen Gesellschaft nach Gothenburg begeben. Da ihre Zeit eng bemcffen war, mußte sie in der Nacht reisen; in der Nacht aber gehen keine Züge von Stockholm nach Gothrnburg. Es wird also ein Extrazua gemjethet, der Bahnvorstanv gtebr an alle Stattoven die nöthj^en Anweisungen, und kurz nach Mitternacht braust der aus nur zwei Personenwaggons, einem Güterwagen und der Locomotive bestehende Zug von der schwedischen Hauptstadt aus in die Nacht hinaus. Man mochte erst ganz kurze Zeit gefabren sein, als urplötzlich unter heftigem Geklingel der Zug hält; Alle fahren auf und schauten neugierig aus dem Fenster, um zu sehen, was vorgefallen ist. Aber die Dunkelheit läßt nichts erkennen, und da sich nach etwa -ebn Minuten die Wagen wieder in Bewegung setzen, forschen die Fahrenden nicht werter nach. Wer beschreibt aber ihr Erstaunen und Entsetzen, als sie in Gothenburg bereits eine Anzahl Glückwunschtelegramme ob der Rettung aus Todesgefahr vorfinden I Die Scene in der Nacht war folgende gewesen: Nicht weit von Stockholm ist ein breiter Eanal, über den eine Etsenbahnbrücke führt. In der Rächt ist diese Brücke aufgezogen, um die hochmastigen Schiffe passiren zu lasten, da kein Zug die Strecke befährt. Der Wächter dieser Brücke hat die Depesche, welche ihm den Extrazug meldet empfangen, aber da dieselbe die Anweisung trug, die Brücke um 12 Uhr 30 Minuten Vormittags zu schließen, so batte derselbe geglaubt, baß Vormittags die Mittagsstunde und nicht die mitternächtige bedeute. Die überaus große Vorsicht und rege Wachsamkeit oe« Zugführers ließ diesen aber von Weitem erkennen, daß die Brücke geöffnet sei, und es gelang ihm mit unsäglicher Mübe, den Zug wenige Meter vor dem Canal zum Stehen zu bringen; noch eine halbe Minute und die vier Wagen versanken in den Wellen. Die Glockenzeichen weckten endlich den Brückenaufseher, dieser ließ die Brücke herunter, ohne zu begreifen, wo um diese Zeit ein Zug herkomme, und der Zugführer setzte, ohne aus Zartgefühl den von ihm Geretteten von der Gefahr, der sie eben entgangen, Mittheilung zu machen, ruhig den Weg nach Gothenburg fort."
Köln, 12. November. Heute Morgen stand ein zwanzigjähriger katholischer Jüngling, eine wahre Hünengestalt, vor den Schranken der Strafkammer, der Entführung eines achtzehn Jahre alten israelitischen Mädchens angeklagt. Es wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt, das Urtheil jedoch öffentlich publicirt, woraus wir entnehmen, daß die Entführung gegen den Willen der Eltern der Braut stattgefunden, während diese einverstanden war. Sie muß, trotzdem ihr Vater neben ihr stand, sehr charakterfest für ihren Bräutigam als Zeugin eingetreten sein; denn Karl wurde nur zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt, wobei die schöne Paula ihren Geliebten mit einem so vielsagenden Blick anschaute, daß man den Schluß zu ziehen, t berechtigt ist, sie werde ihm treu bleiben.
Telegraphische Depeschen.
Wagnrr'S telegr. Correfpondenr - Bureau.
Berlin, 18. November. Abgeordnetenhaus. Eingegangen ist die Nachweisung der pro 1878/79 aus Staatsmitteln eingestellten Leistungen für katholische Geistliche. Der Gesetzentwurf, bctr. Abänderung des Statuts der Allensteiner Kreiscorporation, wird in dritter Berathung ohne Debatte genehmigt. Der Nachweis über Verwendung des im Etat der Eisenbahn-Verwaltung pro 1878/79 vorgesehenen Dispositionsfonds von 900,000 JL wird der Budget-Commission überwiesen; ebenso tue Gesetzentwürfe, betr. die Anlage eines zweiten Geleises auf der Mosel-Saar-Bahn und betreffend die Verwendung der verfallenen Caution für das Lennep-Weseler Eisenbahnunternehmen; desgleichen endlich der Gesetzentwurf, betreffend den Ankauf der Homburger Eisenbahn.
Es folgt hiernächst die erste Berathung des Schanksteuer-Gesetzentwurfes. Abg. Zelle spricht gegen die Vorlage. Man müsse abwarten, welche Folgen die kürzlich behufs Herabminderung der Schankstätten eingeführte Bedürfnißfrage habe, und einen Unterschied machen zwischen Schankstätten, deren Absatz groß, und solchen, deren Absatz ganz gering sei; sowie zwischen Bier- und Weinlocalen einerseits und Branntweln- schänken andererseits. Zu einer höheren Besteuerung des Branntweins wolle er die Hand bieten, nicht aber zu einer Steuer, die zahlreiche unschuldige Existenzen vernichten müsse. , , , , . r ,
Abg. Kropatschek (conserv ) tritt für die Vorlage em, hat aber auch seinerseits Bedenken gegen die Besteuerungsform. Abg. Grumbrecht (nat.-lib.) spricht gegen die | Vorlage; er bemängelt besonders den Vertheilungsmaßstab. Abg. Bitter (Reichenbach) I für das Gesetz. Die Wiedereinführung der Bedürfnißfrage genüge nicht. Neben einer gerechteren Abstufung der Steuersätze empfehle sich aber vielleicht die Einführung einer I Toncessionsgebühr.
Abg. Petri gegen die Vorlage, wünscht, daß die Einführung einer Schanksteuer den Gemeinden anheimgestellt werde. Flnanzminister Bitter hebt hervor, der Entwurf beruhe auf jahrelangen Erwägunaen der Regieruna und auf dem unbestreitbaren Bedürfnisse. Die Zahl der Schankstätten übersteige daS Bedürfniß weitaus. Dieselben dienten der Speculation auf die schlechten Eigenschaften. Man solle die Seelsorger, die Gefängnißbeamten, alle Personen fragen, die das Volksleben kennen. Wo die Polizeibehörden einschreiten wollten, begegneten sie dem Geschrei über Polizeiwillkür. Hier liege eine Gefahr vor, welche der Regierung die Pflicht auferlege, ernst und energisch einzutreten. Der Staat habe nicht nur Finanzzwecke, er habe auch das sittliche Interesse bei der Gesetzgebung in's Auge zu fassen. Seien Bedenken im Einzelnen vorhanden, so würden sich solche ja in der Commission ausgleichen lassen. Die Regierung wünsche eine commissarische Vorberathung und werde sich annehmbaren Vorschlägen nicht widersetzen. Der Minister betrachtet die Vorlage, die einen Ertrag von 13 Millionen bringen möchte, als einen Theil der Steuerreform, als den ersten Schritt zur Entlastung der Commune, den die Regierung thue. „Möckte sie darin nicht gehemmt werden!" (Beifall rechts.) — Abg. Stroßer (conf ) spricht für den Entwurf. Abg. Reichensperger anerkennt die löbliche Tendenz des Gesetzes, vermag sich aber keinen Erfolg davon zu versprechen. Anstatt polizeilicher Mittel möchte man mehr moralische Mittel anwenden. Er verweise auf die segensreiche Wirksamkeit der Mäßigkeits-Gesellschaften und der katholischen Ordensbrüder. — Der Entwurf wird hieraus I an eine Commission von 31 Mitgliedern verwiesen. — Nächste Sitzung morgen.
Berlin, 18. Novbr. Bezüglich der Erklärung des Aeltesten»Collegüims der Berliner Kaufmannschaft, betr. die bekannte Aeußerung des Ministers Maybach im Landtage, schreibt der „ReichS-Anz." : Es sei bedauerlich, daß sich die Vertretung einer hervorragenden Corporation zu einer nach Form und Inhalt so befremdenden Kundgebung habe hinreißen lasten. Befremdend sei zunächst, daß das Aeltesten-Collegium sich der Börse in einer Weise annehme, als ob dieselbe identisch mit der Berliner Kaufmannschaft sei, während doch ein großer Theil der Letzteren Börsengeschäfte überhaupt nicht treibe, insbesondere diejenigen Speculationsgeschäfte, wovon Minister Maybach gesprochen habe, durchaus nicht ein Gemeingut der Berliner Kaufmannschaft seien. Be» fremdend sei es ferner, daß das Aeltesten-Collegium auf die erläuternde, die erste Aeußerung richttgstellende Bemerkung des Ministers Maybach keine Rück- sicht genommen, dieselbe vielmehr damit abgesertigt habe, daß sie nicht-genügend erscheine. Das Aeltesten-Collegium habe seiner Erklärung die Austastung der Worte des Ministers Maybach zu Grunde gelegt, welche derselbe ausdrücklich als ein Mißverständniß bezeichnet habe. Dem Aeltesten-Collegium habe ein Antrag des Börsen-Commistartats vorgelegen, dahingehend, das Collegium möge „amtlich an betreffender Stelle" die geeigneten Schritte thun. Das Collegium hätte richtiger und seinem Verhältniste zur Staatsregterung entsprechender gehandelt, wenn cs diesen Weg eingeschlagen hätte, anstatt in wenig angemeffener Form die Gründe zu veröffentlichen, aus welchen es über den Antrag zur Tagesordnung übergegangm sei. Durch sein Verfahren habe sich das Aeltesten-Collegium selbst den Weg verschloffen, welcher von ihm behufs einer befriedigenden Aufklärung und Lösung des etngetretenen Mißoer- ständniffes hätte beschritten werden können und sollen.
— Der Großfürst • Thronfolger von Rußland und Gemahlin wohnten gestern Abend der Balletvorstellung im Opernhause bei und reisten nach herzlichster Verabschiedung von dem Kaiser und den Mitgliedern des königl. Hauses um 11Uhr Nachts nach Petersburg ab.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Meldung verschiedener Blätter, daß von Seiten Preußens die Uebertragung der Leitung des Reichseisenbahn- Amtes an den preußischen Handelsminister beabsichtigt sei, entbehrt, wie wir aus kompetenter Quelle erfahren, jeder Begründung.
Alliirte gewinnen aber auch mächtige Freunde, di- in der Monarchie keinen | Straßburg, 18. November. Heute Nachmittag 5 Uhr ist die Erz- tb=nbürf9aen Bundesgenossen mehr sehen würden, ocilimn, wodurch die Er- Herzogin Marte Christin- von Oesterreich unter dem Namen eraer Gräfin
aerade»u gefährdet würde. — Minister v. Horst trat Selowitz inkognito reisend, in Begleitung ihrer Mutter, der E »Herzogin
nachdrücklichst für die Zehnjährige Wehrgeseßdauer und unveränderte Präsenz- Elisabeth nebst Gefolge, mittelst Extra,ua-s hier ei.getroffen. Aus B fehl
»nt ein ■ sonst könnte di- Regierung die Verantwortung für die schlagfertig- des Kaiser« war der Statthalter Felcmarschall Manteuffel rn Begleitung des
seit d r'Armee nickt tragen. — Minister v. Stremaßr betonte aus's Entschre- Obersten v. Strantz im Bahnhof- erschienen, um 'M Namen «einer Majestät
denste die Notwendigkeit der Annahme der Regierungsvorlage aus politischen dre hohen Reisenden zu begrüßen und des Kaisers Gluck.vur.sche für die Zu-
und militärischen Gründen. — Die Parteiobmänncr versicherten, sie wollten kunst zu übe.Mitteln und zügle,» ein Schreiben L>r. Majestät zu überreichen,
die Wehr,rage nicht als Parleisrage, nicht als ein- Frage des Vertrauens Der Statthalter geleitete di- S »Herzoginnen zu ihrem Wagen. Dieselben
oder Mißtrauens für ein bestimmtes Cabinet ansehen, sond-rn objectio stiegen in einem hiesigen Gasthofe ab und werden morgen Vormittag ihre
Reise fortfftzen.
oc9anoci “ Rom, 18. No br. Cairoli überreichte heute Nachmittag dem König
Bulgarien. I die Demission des aesammlen Cadinets.
,y«.8» •arte
dksen Vorstellungen Gehör zu geben, und oerurtheilte den Minister zu einem I der muselmännischen Flüchtlinge.--
Monat Gefängniß. Vor Ablauf des Proceffes jedoch suspendirte der Mini.
ster den Richter und seine Amtsgenoffen. Diese aber beachteten diese Maß. regel nicht, weil dieselbe von einem unter Anklage stehenden Minister ange- ordnet worden. Die Sache hat hier großes Aussehen verursacht und wird ohne Zweifel den lauwarmen Conservattven zu Gunsten der Liberalen großen Eintrag thun. (Allg. Corresp.)


