1879
Sonntag den 20 Juli
Erstes Blatt
srr. 166
Telegraphische Depeschen.
Wagner'» telegr. T»rrespondeur-«urean.
München, 18. Juli. Der dem Landtage vorgelegte Gesetzentwurf, betreffend die Convertirung der 4^/zprocenttgen Etsenbahnschuld in eine 4pro- centtge bezieht sich auf die gesammte Eisenbahnschuld einschließlich der früheren Ostbahn-Prioritäten. , „ ,
London, 18. Juli. Meldung aus der Capstadt vom 1. Juli. Die britischen Truppen flnd bis 12 Meilen vor Ulundi vormarschirt. Cetewayo soll Positionen nördlich von Ulundi mit 10,000 Zulus besetzt halten.
Memphis, 18. Juli. Heute ist abermals ein TodesfaÜ in Folge des gelben Fiebers vorgekommen. Die Flucht der Einwohner nimmt zu. Kaufleute verlegen ihre Geschäfte nach anderen Städten.
Wien, 18. Juli. Ueber einen argen Straßentumult berichtet die „Polit. Corresp." aus Konstantinopel: 400 mohamedanische Arsenal- Arbeiter zogen gestern Abend vor die hohe Pforte, mit Ungestüm die Auszahlung ihres rückständigen Lohnes fordernd; ein Militär-Detachement zerstreute die Menge ohne Schwierigkeit. — Ferner meldet dieselbe Correspondenz aus Kon
NedactionSbureaur 1 Schulstraße B. 18. (^rpeditionsbureau r J
Deutschland.
Neriirr, 17. gult. Vor vierzehn Tagen soll in Dresden nach Mittbetluna des L-tpz. Taabl." in aller Stille ein socialdemokratischer Congrch getagt" haben, an welchem sich die sämmtlichen sociallstischen Re.chstagsabge- ordneten mit alleiniger Ausnahme des kranken Bracke und des abwesenden Hasselmann beiheiligten. Der Reichstagsabgeordneie Fritzsche-Leipzig führte den Vorsitz. Etliche 80 Wandale aus dcuischen Städten sollen vertreten gewesen sein. Gegenstand der Berathung war die Reorganisation der social- demokraiischen Partei in Deutschland in einer dem Socialistengesetz nicht zuwiderlausenden Form. Die Verhandlungen sollen zu positiven Resuliaten in der augedkuteten Richtung geführt haben. Derselben Feder entstteßt die eher Anspruch auf Glaubwürdigkeit besitzende Nachricht, daß in einer neuerdings stattaehabicn Besprechung der Führer der sächsischen Socialdemokraten der Beschluß gefaßt worden sei, von einer selbstständigen Beiheiligung der socialdemokratischen Partei bei den bevorstehenden Landtagswahlen gänzlrch abzusehcn. Es würden demnach bei den Wahlen lediglich die Nationalliberalen, die Fortschrittler und die Conservativen ihre Kräfte zu messen haben.
Arankreich.
Versailles, 17. Juli. Der Ministerrath hat beschlossen, den Obersten Leperche, Ches des Generalsstabcs des Armee-Corps von Lyon, tocgenjetner Theilnahme an der bonapartistischen Kundgebung in der Kirche von Saint- Vizier zur Disposition zu stellen. Die anderen Militärs, welche ebenfalls an der Kundgebung theilgenommen haben, werden Arrest von 14 Tagen erhalten und verabschiedet werden. __
stantinopel: Es verlautet bestimmt, daß Großvezir Khereddin seine Demission erbat und Versuche, ihn zum Verbleiben zu bewegen, scheiterten. Er erklärte, er werde nur bleiben, wenn er ein homogenes Ministerium bilden dürfe und der Sultan sich entschließe, zu herrschen oder zu regieren. Kadri Pa cha soll ein Nachfolger werden; man betrachtet jedoch letzeren vielfach nur als einen Platzhalter für Mahmud Nedim. •
London, 18. Juli. Meldung aus der Capstadt vom 1. d.. Umsint- wagna war am 26. Juni in Fort Naw, um Friedensvorschläge zu machen und um Einstellung des Vorrückens der britischen Truppen zu bitten; derselbe erhalt zur Antwort, seine Vorschläge sollten General Chelmsford übermittelt, die Friedenspräliminarien müßten jedoch zuvor acceptirl werden. General Wolseley war am 28. Jun, in Durban angekommen und ging nach Marrtz- burg, um den Truppen den Eid abzunehmen; derselbe beabsichtigte sich am 1. Juli von Durban nach Durnford zu begeben.
- Die internationale Telegraphen-Conferenz berieth vorgestern einen Antrag, wonach die Taxgebühren für ein Wort der gegenwärtig für 20 Worte zu zahlenden Taxgebühr dividirt durch 25 gleichkommen soll; aufeerbem on eine Grundtaxe erhoben werden, welche der Taxgebuhr für 5 Worte gleich- kommt. Die Beschlußfasiuug erfolgt voraussichtlich heute.
Wien, 18. Juli. Die „Neue Freie Presie" veröffentlicht eine auf Ansuchen des Ministeriums des Auswärtigen erlassene Zuschrift der Wiener Staatsanwaltschaft, welche die von der „Neuen Fr. Pr^ gebrachten Darlegungen der mit Ranco Alimpic wegen der serbischen Eisenbahnen geführten Verhandlungen als auf gänzlich erfundenen oder entstellten Thatsachen beruhend erklärt. Die Ableugnung des in der „Polit. Corresp. constatirten Fak ums einer durchaus befriedigenden Verständigung über alle schwebenden Punkte ist willkürlich und im Widerspruch mit der wirklichen Lage der Dinge stehend. Ein förmliches Project: Convention chemins de fer entre Autnche-Hongrie et Serbie, wurde ausgearbeitet und ein vorläufiges v°^s Einverstandnip -wischen den beiderseitigen Vertretern erzielt. Sobald dasselbevon den Nehrungen genehmigt sei und Serbien Bevollmächtigte zum formellen Ab,chl.ffse nach Wien entsenden werde, könnte unoerweilt die Convention vorbehaltlich der redactionellen Durchsicht des Entwurfs unterzeichnet werden-
London 18. Juli, früh. Unterhaus. Bei der Berathung der Arwee- disciplin-Bill bringt Hartingion einen Antrag ein, worin erklärt wird, daß keine Bill befriedige, welche die Prügelstrafe als permanente Strafe für mil - tärische Vergehen beibehalte. Die Regierung bekämpft diesen Autrag m d b - barrt bei ihren Vorschlägen tm Jntereffe der Aufrechterhaltung der Armee- disciplin. Hartiiigton's Antrag wird mit 289 gegen 183 Stimm» verworfen.
Mainau, 18. Juli, Abends. Heute Nachmittag von 3 bis 5 Uhr statteten der König und die Königin von Württemberg, sowie der Prinz und die Prinzessin Hermann von Sachsen-Weimar dem Kaiser ihren Besuch auf hiesi- gern Schloß ab.
Kichencr Myeiger
Anzüge- unb AllllbM für de« Kreis Gieße«.
Von den in dem diesseitigen Ausschreiben vom "^^h^^aUbmordeS
ausgeschriebenen beiden Personen Müller und Meier ist der ang^liche Muller^Person z^^Haft^gebracht ^vorden, ter Thal auch bereits gestrig. Was de^Complicen^^des"HNs"enbeck""^den^^angeblichen M-ier betrifft, V ist nach den bisherig Ermittelungen als festgestellt anzi.nehmen, daß derselbe der Gärtner Albert Friedrich Christian Treulieb
ist geboren am 3. September 1859 in Stuttgart, schon schwer bestraft. Der ^Htere ist noch nicht verhafte^ untersetzt, von kräftigem
^ Lie Person des Treulieb wird wie folgt, beschrieben: Je Walter «W Heilung kann indeffen
Körperbau, Mund breit, die Unterlippe stark, vorstehend und hangend, an b B0I ne si„h wahrscheinlich dunkelblond, dicht und stark.
Nach der einen Aussage sollen Rock, Hose und Weste von einem Zeuge sein ^ach anveren Mann, welcher der rc. Treu lieb sein könnte, ohne
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He r g e n h a> n.
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