Hesterreich.
Wien, 17. Mai, Abends. Officiell wird bestätigt, daß die Cotirung der österreichischen Goldrente an der Londoner Stockexchange bewilligt wurde.
Stuhlweißienburg, 17. Mai. Die Industrie-Ausstellung wurde heute durch Erzherzog Josef feierlich eröffnet. Derselbe drückte in seiner Eröffnungsrede seine Freude aus, daß die Ausstellung nicht nur in Ungarn, sondern auch im Auslande Interesse erweckte. Man werde erkennen müffen, daß sie selbst ausländischen Anforderungen entspreche. Der Erzherzog betonte, daß Ungarn zurückgeblieben sei, weil es bisher hauptsächlich Agrtcultur-Staat gewesen sei. Er hofft, daß die Ausstellung sich die Anerkennung des Inlandes und des Auslandes erzwingen und das Aufblühen des Landes befördern werde.
Schweden.
Stockholm, 17. Mat. Die vom Reichstage beschloffenen Zollerhöhungen auf die Einfuhr von Zucker, Kaffee und Tabak treten vom 19. Mai an in Kraft.
Irankreich.
SßariS, 17. Mai. Der Generalprocurator von Paris hat an den Präsidenten der Kammer das Ansuchen um Genehmigung der Kammer zur gerichtlichen Verfolgung des Deputtrten Caflagnac wegen der Artikel im „Pays" gerichtet. — Aus Antrag des Ministers des Innern hat der Depu- tirte Lockroy (radikal) seine Interpellation wegen der Agitationen des Klerus in der Dtöcese Aix aus Montag verschoben.
Italien.
Florenz, 17. Mai, Abends. Der Assisengerichtshos verurtheilte übereinstimmend mit dem Geschworenen-Verdict 3 Individuen, welche am 9. Febr. v. Js. Orsini-Bomben unter die von dem Requiem für König Victor Emanuel heimkehrenden Arbeitervereine geworfen hatten, zu 21 jähriger Zuchthausstrafe.
Spanien.
Madrid, 17. Mai. Die Meldung der „Agence Havas" daß die spanische Regierung bezüglich der socialistischen Bewegung von einigen Mächten Noten erhielt, entbehrr der Begründung.
— Der Marquis von Moltns wird seinen Posten als Botschafter in Paris wieder einnehmen. — Herzog von Tetuan, Gesandter am Hofe zu Lissabon, ist zum Minister des Auswärtigen ernannt worden.
Rußland.
Petersburg, 17. Mai. Meldung aus Livadia vom 16. d.: Die gestern eingetroffene bulgarische Deputation überreichte heute dem Fürsten Alexander (Prinz Battenberg) die Acte seiner Thronerhebung. Mittags 12 Uhr wurde der Fürst an der Spitze der Deputation vom Kaiser empfangen und richtete an denselben in französischer Sprache folgende Worte: Nachdem ich von der Deputation die Acte meiner Erhebung empfangen, erachte ich es als erste Pflicht, Ew. Majestät als Befreier unseres Volkes meine Dankbarkeit auszusprechen. — Die Deputation wurde zur kaiserlichen Tafel gezogen.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. «srrespoudenz-Bureau.
Berlin, 18. Mai. Die „Nordd. Allg. Ztg." erfährt, daß die diesjährige Generalversammlung des Vereins deutscher Eisenbahn-Verwaltungen am 28. Juli in Salzburg zusammentritt.
Paris, 18. Mai. Die „Republique francaise" behauptet, die Unterhandlungen über die Regelung der griechischen Grenze würden Anfangs Juni in Konstantinopel beginnen; die Thättgkeit der Mächte dabei werde eine col- lective sein und wahrscheinlich den Charakter einer Conferenz haben, deren Entscheidungen mit Einstimmigkeit zu treffen wären.
Wien, 18. Mai. Anläßlich des Conventions-Abschluffes verlieh der Kaiser dem Großvezir Kheireddin Pascha und dem Minister des Aeußern, Karatheodory Pascha, das Großkreuz des Stefans-Ordens, Munif Pascha das Großkreuz der Eisernen Krone.
Salonichi, 17. Mai. In Uskueb, Pristina und Mitrovitza wurde ein Firman der Pforte verlesen, welcher unter Androhung der Todesstrafe vor jedem Angriff auf österreichisches Militär warnt.
Darmstadt, 19. Mai. Der „Darmst. Ztg." wird aus Livadia gemeldet : Am 17. Mat findet in der Kirche des Schloffes Livadia ein Tedeum zu Ehren des Fürsten von Bulgarien statt. Der Fürst schifft sich darauf nach Odeffa ein, wird daselbst eine Parade obhalten über das 13. Jägerbataillon, zu dessen Ches er ernannt wurde und dann nach Wien Weiterreisen, wo er am 20. Mai eintrifft und sich dem Kaiser vorstellt. Von da reist der Fürst nach Berlin, Paris und London, von wo er sich sodann nach Darmstadt begibt.
Bern, 18. Mat. Die Volksabstimmung über Wiederaestattung der Todesstrafe ergab 166,000 Ja, 138,000 Nein, wobei das Resultat von Zürich und Wallis noch aussteht. Die Annahme ist wahrscheinlich.
Petersburg, 18. Mai. Amtlich. Ein neuer Brand ist am 15. Mai in Ntschny Uralsk bei sehr starkem Sturm ausgebrochen. Der vom Feuer verursachte Schaden ist groß. Am nämlichen Tage äscherte ein zweiter großer Brand in Orenburg einen beträchtlichen Theil der bet dem vorigen Brande verschonten Vorstadt ein.
Lokales.
Gteßeu, 1H. Mai. *) Zur Berichtigung einer Notiz des heutigen Gießener Anzeiger sehen sich die betreffenden Stuocnten genöthigt, sich gegen den Vorwurf der „Provokation" und der „Hänselet" Schutzleuten gegenüber zu wahren. Das Portemonnaie ist nämlich in der That'^verloren gegangen, was auf Verlangen durch Zeugen bewiesen werden kann Sein Inhalt wurde nickt als aus „20 oder 60 JL" bestehend, sondern bestimmt im Betrage von 44 angegeben Daß die Meldung zum zweiten Male gemacht werden mußte, erfolgte aus dem Umstande daß ber ersten Anzeige fein Gehör geschenkt wurde. Dann ist vollständig unrichtig, daß beide
*) Wir geben der „Berichtigung" unverkürzte Aufnahme in unserem Blatte, um jedem Theile gerecht zu werden, erlauben uns aber die bescheidene Anfrage an den Herrn Einsender, ob es denn Nachts 12 Uhr und 1 Uhr die richtige Zeit ist, einen Gegenstand als verloren «nzumelden, wo man doch schon mehrere Tage Gelegenheit dazu hatte? (D. Red.)
Alice - Stiftung.
Seit der letzten Bekanntmachung sind an Beiträgen weiter
1) Von Einwohnern der Gemeinde Neiskirchen
2) „ uh« Groß-Linden
3) „ „ „ „ Kirch-Göns
4) „ „ „ „ Alten-Buseck
5) „ „ „ „ Treis a. d. Lda.
6) „ „ „ „ Lang-Göns
7) „ „ „ „ Beuern
8) „ „ „ „ Watzenborn
eingegangen: JL 3.30. „ 8.80. , 2.76. „ 6.50. „ 5.52. „ 17.75. „ 5.-. „ 12.60.
Summa
JL
62.23.
Vorstehende Beittäge werden hiermit dankend bescheinigt. Es stehen jetzt nur noch die Sammellisten aus den Gemeinden Garbenteich, Klein-Linden, Steinbach Wieseck, Allendorf a. d. Lda. und Oppenrod zurück, und bitten wir diese baldgefälligst nebst den eingegangenen Beiträgen an unseren kassier, Herrn Commerzienrath Carl Gail dahier (Firma Georg Philipp Gail) gelangen zu lassen.
Gießen, den 17. Mai 1879. DaS Comits für den Kreis Gießen.
Der Vorsitzende:
Hahr», Hofgerichts-Direktor.
Studenten auf der Polizeiwache erschienen sind; nur der von dem Verluste Betroffene begab sich in das Lokal selbst, während der Andere, welcher ruhig außen wartete, in brutaler Weise angefahren, nach seinem Namen gefragt und von einem Herrn mit starkem, hellblonvem Schnurrbarte mit dem Titel „erbärmliche Person" beehrt wurde. Es ist also kaum zu begreifen, wie d-r Autor jeneö Schriftstückes von „ruhigem Blute der betr. Schutzleute" "reden kann. Nach einer solchen Beleidigung war ruhiges Blut Denn doch nur auf Seiten der Studenten.
Die Notiz, zu Deren Widerlegung wir zu diesen Zeilen gezwungen sind, scheint nur gemacht worden zu sein, um zu versuchen, der guten Sache der Studenten zu schaden. Das unpathetische, vorurtheilsfreie Publikum hat dieselbe deshalb mit Der nötigen Vorsicht aufgenommen.
Außerdem ist ganz unglaublich, daß, wenn eine Provoeation und Hänselei der Schutzleute stattgefunden hätte, es ohne die Verhaftung der Studenten abgegangen wäre. —
Zum Schluffe erwähnen wir noch, daß der als „Dritter" genannte Herr in keinerlei Beziehung zu uns stand und als völlig unbeteiligt an unserer Sache gelten muß. R-n.
Gießen, 19. Mai. Am Samstag Nachmittag gingen die Pscroe eines mit Petroleum belasteten Rollwagens am Seltersberg durch und rannten in vollem Galopp bis zum „Prinz Carl", wo es gelang, dieselben einzuhalten. Am Seltersthor fiel ein Faß vom Wagen und zerbarst, so daß der Inhalt auf die Straße floß und in Folge Dessen Die Luft Destnficirte Zwei weitere Fässer, welche vor dem „Prinz Carl" herunterrollten, blieben unversehrt.
— Am selben Nachmittag carambolitten vor der Plockstraße eine Droschke und ein Rollwagen, wobei ein zwischen diese beiden Gefährte geratener Schiebkarren mit einem Fäßchen Hefe schlecht wegkarn. Das Kuchentreibungsrnittel floß auch hier auf die Straße.
— Beim Rudern vor Dem Bootshaus der Nudergesellschaft kippte gestern Nachmittag ein Bootchen mit dem Insassen um und nahm der betr. junge Mann ein unfreiwilliges Bad.
— Bei der vom hiesigen Turnverein am Himmelfahrttage projectirten Turnfahrt beteiligen sich außerdem noch die Turnvereine von Hausen, Lich und Wieseck und scheint dieses, wenn der Himmel einigermaßen günstig ist, ein recht schönes Waldftst zu geben.
Vermischtes.
Ems, 10. Mai. <Ein Miniatur-Bergwerk) Herr Gustav Wichtrich von der Silberau bei Ems hat im Laufe des verflossenen Jahres em Werk construirt, welches in seinen einzelnen Theilcn sowohl kunstreich hergestellt und eingerichtet, als auch zur Belehrung dienend äußerst anschaulich construirt ist. Derselbe hat das Innere eines Bergwerkes naturgetreu darin dargestellt und zeigt das Werk den Bergbetrieb mit 3 Stollen uno 2 Schachten, Steig- und Pumpenwesen, 2 Rundgänge mit Karren- und Wagenförderung, Bohrversuche, Stollensäger, Steinklopfer u. s. w und eine thätige Mannschaft von ca. 120 Köpfen; Dabei wird auch ein Mühlenwerk mit Stampfer, Setzherden re. anschaulich aufgeführt. Das Ganze wird durch eine mechanische Vorrichtung in Aktivität und Bewegung gesetzt. Die beigegebenen landschaftlichen Bilder geben genau die Umgebung Der Gruben und Hütten der Gewerkschaft „Emser Blei- und Silberwerk", Der sog. Pfingstwiese und Silberau wieder, auch zeigt der Verfertiger verschiedene schöne Mineralienstufen, wie sie auf genanntem Werke gewonnen worden find, wie er auch über Das Ganze eine erläuternde Auskunft ertheilt. Das Werk zeugt von besonderer fachmännischer Kenntniß und einem gediegenen Kunstsinne, ist 150 Ctmtr. lang, 120 Ctmtr breit und 150 Ctmtr. hoch und hat ein Gewicht von über 10.» Kilo. Herr Wichtrich will in Den Anstalten und Schulen am Rhein und an Der Lahn sein Werk vorstellen. Da Derselbe durch seine sprachliche GewanDtheit im StanDe ist, eine leicht faßliche Erklärung Des Ganzen und Einzelnen zu geben uno so Die KinDer eine Deutliche Vorstellung Des Bergbauwesens erhalten, so ist Den Herren SchulvorstänDen unD Lehrern Die Vorzeigung Dcs Kunstwerkes Durch Den Künstler sehr zu empfehlen; für Die Zuschauer wirD Dieses lehrreich sein unD denselben zugleich eine Freude bereiten.
— Die Bremer Lebensversicherungs-Bank in Bremen zeigt recht deutlick wie sich ein tüchtig geleitetes Institut Dieser Art, wenn es bestrebt ist in streng coulanter Weise vorzu gehen, balD Das Vertrauen Des Publikums erwerben kann. Wenngleich Die Zeitverhältnisse Dem Geschäfte noch immer nicht günstig waren unD Die Stockungen im Handel und Verkehr vielfache Einschränkungen Dem Einzelnen auferlegten, kann die Bremer Lebensi»ersicherungs-Bank trotzdem einen sehr befriedigenden Geschäftsbericht vorlegen, worin ein fortwährendes Aufblühen Des Instituts gcmelDet wirD. Es gingen im letzten Jahre 1847 Lebensversicherungsanträge über 4,241,750 vn. unD 194 Begräbnißversicherungsanträge mit über 45,900 JL ein, von Den selben tourDen aber nur 1,297 Lebensversicherungen mit 2,973,250 JL unD 158 Begräbniß- versicherungen mit 36,600 angenommen. Ende 1878 verblieb ein Versicherungs-Bestand von 8,541 Lebensversicherungen mit einer Versicherungssumme von 14,956,365 JL und 2352 Begräbnißversicherungen mit einer Versicherungssumme von 462,150 JL oder im Ganzen 10,893 Versicherungen mit 15,418,515 JL, so daß sich der Zuwachs aus 505 Versicherungen mit 1,560,275 JL beläuft Der Recknungsabichluß weist einen Ucberschuß von 325,885 JL 31 nach, so Daß Die Bank, welche bisher stets 37, resp. 400 0 an Dividende h zahlen konnte, abermals Die DiviDenDe pro 1879 auf 37% normirt hat. Die Sterblichkeit? 1 Verhältnisse gestalteten sich günstiger, es starben nur 120 Personen, wofür 142,000 JL zu vergüten waren, währenD im Vorjahre 147 Sterbefälle mit Iy9,o00 JL verzeichnet werden mußten Dem Gewinn- und Verlustkonto zufolge hatte die Dank für 1878 u. a. eine Jahres- prämien-Einnahme von 474,581 75 H, Einnahmen an Policengebühren 8,229 Jü 60
unD an Zinsen aus belegten Capitalien 2«,735 JL 61 Die Ausgaben für Verwaltungskosten beliefen sich u. a auf 20,245 3L 67 H, für Provisionen der Agenturen auf 32,>*23 JL 12 H, Gebühren für ärztliche Untersuchungen 9,275 85
Die Bilanz schließt mit einem VermögensbestanD von 1,082,628 JL 95 H, worunter als namentlich hervorragende Posten sich finDen: 707,934 36 Hypothekarisch und
78,322 JL 68 H bei Banken unD Sparkassen auf Contobücher belegter Kapitalien.
Der in Der am 15. D. M. abgehaltenen General Versammlung erstattete sehr ausführliche Geschäftsbericht, Dem wir nachstehenDe Zahlen entnommen, schließt mit Den Worten, daß das Geschäfts-Ergebniß Des Jahres 1878 als ein befriedigendes bezeichnet werden könne und daß der Bestand und Zugang neuer Versicherungen im Verhältniß zu Den Vorjahren nicht zurück gegangen, fonDcrn stetig im Steigen sei.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 17. Mai. lMarktbericht.» Butter im Großen 1. Qual. Jü 1,15—20 2. Qual. 1,1", im Detail 1. Qual. JL 1.35- 40, 2. Qual. JL 1,30, HanDkäse Das Pf. — Ganze Erbsen stellten sich per 100 Kilo auf JL 18—23, geschälte Erbsen ^23—27, Speisebohnen 22—25, Linsen 23—30 JL Kartoffeln 8 gj kostete Ochsenfieisck per Pfd. 65—70 H, Kuh-, Rind- unD Farrensteisch 58—65 H, Hammelfleisch 48—65 H, Kalbfleisch 50—60 H, Schweinefleisch 60—70 Dörrfleisch — H, Schinken — ausgebeint — H bis — JL, Fleischwurst 70—80 H, Hausmacher Leberwurst, Preßkopf, Schwart« mag en, Zungenwurst 80—90 H, gewöhnliche Leber- unD Blutwurst 55—60 Geflügel: Hahnen JL ’,>*0—2 50, Hühner JL —, Enten V4L -, PoularDen JL 6—7, Tauben 50 H Hechte 70—80 H, Karpfen 70—80 H, Schleien — H, Cabliau — Schellfische i/z Kg. .vtL 1, Salm Das Pfo. Ji. 2,60. Eier Das HunDert Deutsche JL 4, italienische JL 5,10 Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität per Centner JL 2 -3 Stroh JL 2 2 20.
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