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116 Dienstag, den 20. Mai SS”»
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Deutschland.
Schwager des Großherzogs, Großfürst
Michael, ist mit seiner Gemahlin hier eingetroffen.
braut werden muß, wenn es nicht leicht schal und ungenießbar werden oll. Die norddeutschen Brauer können sich auch säst nirgends auf den Localconsum beschränken und muffen ihr Bier so brauen, daß es für den Versandt geeignet ist Ferner verlangt der Geschmack des norddeutschen Publikums ein kräftigeres Bier, als dies im Süden der Fall ist. Uebrigens wird auch für die bayen- schen Erporibiere ein beträchtlich größeres Malzquantnm verbraucht, als bie obige Durchscknittsziffer angibt. Die ausgezeichneten Materialien, welche : fcie südceutschen Bierbrauer verwenden, stehen den norddeutschen nicht m gleicher Weise zur Verfügung. In Bayern sind diese Materialien auf jedem Markte in fluhT Qualität und billig zu haben. In der Steuergemeinschaft muffen sie zum größten Theil importirt werden. Dadurch entstehen ober erhebliche Preisunterschiede. Eine an den Reichstag gerichtete Petition der Brauer von St. Johann hebt z. B. hervor, daß in Augsburg, München, Nürnberg rc. der gegenwärtige Preis von 110 Kilo Gerste 13 bis 14 Mk., in der Saargegend über 17 Mk betrage. Wer die Verschiedenartigkeit dieser Verhäitniffe in Betracht zieht, kann gewiß nicht behaupten, daß-im Norden durch verändertes Brauvrrfahren sich der Betrag der Steuererhöhung werde embringen lasten.
Glossen zur Reichstagsdebatte über die Brausteuer.
Ueber die Brausteuerdebatte im Reichstage liegt jetzt der stenographische Bericht vor, aus welchem ersichtlich ist, daß der Reichskanzleramts-Präsident Hosmann nicht so positiv von der Eventualität einer Herabsetzung der Branntweinsteuer gesprochen hat, als der Qldenberg'jche Parlamentsbericht annehmen ließ. Er äußerle nur, daß die Herbeisührung einer Uebereinstimmung in der Bianntweinbesteuerung bios dann in der Hand der Reichsgesetzgebung liege, wenn Geneigtheit vorhanden wäre, die norddeutsche Steuer auf das Niveau der süddeuischen zu bringen. Da nun die Schwierigkeiten für eine Gemeinschaft der Branntweinsteuer, welche nur durch eine Abminderung der norddeutschen oder eine Erhöhung der süddeutschen Steuer erreicht werden könnte, so groß sind, sollte man doch mit der Erhöhung der Brausteuer, die so viele wirthschaftliche Bedenken gegen sich hat, nicht so drängen. Aus dem stenographischen Bericht ist aber auch ersichtlich, mit welchem Eifer sich der Herr Reichskanzleramts-Prästdent gegen die Absicht einer Erhöhung der Bronntweinsteuer erklärt hat. Sein einziger Grund besteht darin, daß dadurch die Erzielung einer Gemeinschaft mit dem Süden erschwert würde. Aber diese Gemeinschaft liegt ohnehin wegen der verschiedenartigen Interessen des Südens noch in weiter Ferne. Die zarte Vorsorge, mit welcher einer höheren Belastung des Branntweins entgegengetreten wird, sällt um so mehr auf, als der Schnaps durch seine Wohlfeilheit dem Bier im Norden eine starke Concurrenz bereitet. Auf der schlesischen Brauerversammlung wurde jüngst constatirt, daß der Liter Branntwein gegenwärtig billiger, als ein Liter Lagerbier verkauft werde. Das Project, die Branntweinschenken mit einer höheren Gewerbsteuer zu belasten, wird, wie schon der Abg. Richter hervorgehoben hat, seinen Zweck zum großen Theil verfehlen. Ta nur alle Debitstellen, welche Branntwein in ger'nqeren Portionen als 2 Liter verkaufen, besteuert werden sollen, ist eine Prämie darauf gesetzt^Quantirätin von mehr als 2 Liter für den Hausbedarf aus den von der Steuer verschonten Eta- bliffements zu beziehen. Die erhöhte Gewerbesteuer würde aber auch die Bierwirthschaften treffen, sobald nur in ihnen auch manchmal ein Gläschen S^na^ie^beiden^Reichstags-Abgeordneten, welche für die Brausteuereihöhung eingetreten find, haben, was constatirt zu werden verdient, auch sehr gewichtig^ Gründe gegen dieselbe vorgcbracht. Ter oeutschconseivaNve Abg. Uhden erklärte, er halte es „nicht sür möglich, wenigstens nicht für wahrscheinlich, daß Bayern jemals das Opfer bringen kann, die Brersteuer zu einer gerne in- samen Reichssteuer zu machen." Die Reichsbiersteuer ist aber gerade das Ziel welches die Reichsregierung mit der Brausteuererhohung anftrebt. Wenn also die Erreichung dieses Zieles selbst einem Regierungs-Anhänger als unmöglich
ai.a Kntuurfe vorgeschlagene Maßbesteuerung an, indem die Motive trafl deö Oberbürgermeisters Selke (Königsberg i. Pr.) wurde Dr. ^traß-
Hektoliter Malz nur auf 101,8 Pfund berechneten, während er nach an- wann zum erst L A" t. »„c vnurhptt fnhrrtiH Ürner-
een 8 105 M>ui>d betraae. Der zur deutschen Reichs- Sitzunas aal der Stadtverordneten begab. Hier wurden sodann Oberburger
rwr^t"a^ebbiiae^Aba?Rrchtcr (Meißen), welcher inzwischen zum Vorsitzenden B. Stromer (Nürnberg) und Oberbürgermeister v. Selke (Königsberg)
der Brausteuercommijsion erwählt worden ist, gab gleichfalls zu, daß nut dem ju Beisitzenden gewählt.
vorliegenden Gesetzentwurf di- Unifictrung der Biersteuer noch außerordentlich Deutscher Städtetag. Der Stadtverordneten. Vorsteher Straßmaun mJn a8 nabe gerückt sei. In Bayern btide die Biausteuer das Fundament, | (rflln6 (,ln, B-arüüunas-Ansvrache mit einem dreimaligen enthusiastischen y°ck> aus dem sich di- ganze indtreete Besteuerung aufbau-, und dieses Land werd- vaher schwerlich stne Steuer dem Reiche überlasieu. Derselbe Redner räumte auch «’n, daß die Erhöhung der Brausteuer zunächst von den Brauern zu ,rQgfH sei und daß die,- nicht in d-r Lage seien, die Steuer jetzt auf den Koniumenten abzuwälzen. Es liegt hierin das Zugeständniß, daß die Retchs- Ärung auch in dieser Beziehung bei Einbringung der Vorlage von einer unrtchltM Voraussetzung ausgegangeu ist, indem sie in den Motiven aus- ^übrte daß di- St-uern den Consumenten, nicht den Brauern zur Last fiele. Schließlich gab Herr Richter ein Mittel an, durch dessen Anwendung die nord- deut Len Brauer den Betrag der Steuererhöhung wieder -inbnngen könnten.
Ä? uter Rath hat leider den Fehler, daß er sich nicht befolgen laß. Bei Darlegung und Begründung seines Mittels führt- Herr R.cht-r Folgendes aus \n8t>et norddeutschen Brausteuer-G-meinschaft würde» mindestens 50 Psd. Mal, auf den Hektoliter Bier verbraucht. In Bayern verwend- man nach der amtlichen Statistik auf den Hektoliter Bier durchschnittlich nur 43,5Jßfb. Malz. Wie man wist-, schmecke das bayerische Bier bei diesem g-rmgen Malz- erbrauch ganz vortresflich. Wenn die norddeutschen Brauer diese be Quan- ■ ität Bkr aus derselben Meng- Malz wie di- süddeutschen brauten, dann wäre die Wirkung der Steuererhöhung paralystrt. Freilich gehöre dazu, daß die norddeutschen Brauer auch fo ausgezeichnete Material.en verwendeten, wie dies der süddeutsche Brauer thue. Herr Richter vergißt, daß die Verbältntsi im Norden ganz andere als in Bayern sind. Für den Localconsum kann ein schwächer eingebrautes Bier geeignet sein wenn es rasch abgeht. D°s ist m I '‘“,'7fofen ^gen "bereiis entschieden. Bayern allgemein der Fall, und daher -'klärt sich der geringere Ma -v-rb auch. g- Der
dn Norddeutschland ist der Localcon um verhältnißmäßig viel geringer und in «ar.orr.ye, ....
den Wirth,chaflen wird das Bier langsamer verzapft, weshalb es stärker ringt- I .
Berlin, 17. Mai. Reichstag. Zweite Lesung des Zolltanss. Posttwn. Tnen und Eisenwaaven v. Wedell (Malchow) zieht unter Hinweis aus die gestrige Ad- ftimmuna seine übrigen Anträge aus Herabsetzung der Eisenzolle zurück. Delbikck bringt ein und rechtfertigt einen Antrag wonach tömiebbare^ ?eüeuert° wird" tion aeain Erlaubnißschein und unter Eonttole nur mit 50 Pfennig besteuert wird. Der Rundes-Commifsär Burchardt spricht sich gegen den Antrag aus. Schsieper bringt p;n unb befünooxtct einen Antrag auf Zoüfreiheit für schwedisches Holzkohlen-Esten in a-wM-n Dim"°si°n-n Abg K°Ä-r l-gt unter Anknüpfung, an die discut.rte Pontwn die (Gründe dar, warum er für Eisenzölle stimme. Er wird hierbei wiederholt zm Sacke aerufen wogegen er remonstrirt, indem er sich über verichiedenartige Behandlung de? Redner beschwert Kayser wird deßhalb vom Präsidenten zur Ordnung gerufen- An den weiteren Debatten betheiligen sich Stumm, Sonnemann und Richter (Hagen> hierauf wird das Amendement Schlieper abgelehnt und das Amendement ^elbruck angenommen. Die Positionen 6b, 6c und 6d der Tarifvorlage werden unverändert genehmig^ ße ((gil-enn)rtQren) beantragt Stumm Erhöhung des Zollsatzes von o n1lf § nnb von 6 auf 10 Jl. für gewisse Eisenwaaren. Melbeck beantragt gleichfalls Erhöhung für gewisse Eisenwaaren. Bundescommissar Geh. - Rath Burchardt spricht sick gegen beide Amendements aus. Rach längerer Debatte werden beide Amendements abgelehnt und wird Positton 6 e unverändert genehmigt. - Nach te Sitzung Montag- Tagesordnung: Das Sperrgesttz und zweite Lefung des Zolltarif.'.
Berlin, 17. Mai. Heute Vormittag gegen ll^Uhr wurde im Festsaale des Rathhauses der deutsche Städtetag eröffnet. Die Präsenzliste wies 117 Deleairte auf. welche 72 Städte aus allen Theilen Deutschlands vertraten. Wegen plötzlicher Erkrankung des Bürgermeisters Duncker begrüßte ... diK Nirsammluna. Auf An-
_ Deutscher Städtetag. Der Stadtverordneten > Votsteher Straßmann sckloü seine Bearüßungs-Ansprach- mit einem dreimaligen enthusiastischen Hock au den Kaiser8 Oberbürgermeister Moll (Mannheim) begründete die vorge- ick aaene gegen bie Getreide- und Vi-Hjöll- sich ausspiechende Resolniiou Oberbürgermeister Hache (Esten) «klärte, nicht sür die Resolution stimmen zu können Di- Stadt Esten haben ihre Betheiligung an der Versammlung -m- ch ablehnen können, aber vorg-zog-n, hier zu erkläre», ^ keineswegs alle Städte gegen die G-tr-idezöll- protestiren. Hache begründet eingehend sein abweichendes Votum. Oberbürgermeister Bollmann (Bochum), Burgermelster ©rieben (Witten) schließen sich d-r Erklärung Haches am Wolff (Stettin), Hampspohn (Köln) sprechen gegen die Ausfnhrnngen der dtff-utirenden Vorredner gegen die Getreide, und Viehjölle und für dre Resolution. Reichstags Abgeordneter Härle als Vertreter Heilbronns, sowie der Burgeruwrster von Ottensen erklären sich gegen die Resolution, sur welche andererseit« Schmidt (Elberfeld) und die Delegirien von Berlin, Gießen, .llreu-
berg eintreten. Di- oorgeschlagene Resolution wird schließlich mit gegen 4 grimmen angenommen® Die Lertreier von Heilbronn und Witten ha en sich vor der Abstimmung entfernt. Hampspohn (Köln) dankte der Dtadt Berlin sür die Einladung und di- freundlich- Aufnahme, woraus der Vor. sitzende die Versammlung schloß „ ..
Berlin. 17. Mai. Nach der Versicherung der „Kreuz-Ztg. iß bie


