Ausgabe 
20.4.1879 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

9x. Erstes Blatt. Sonntag, den 20. April L87G.

chichcner Myeiger

AMP- M Amtsblatt für bk« Kreis Gieße«.

Redact lo«Sbure<ru r

Gxpevttions-ureau r

| Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-.

Prei- vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheit.

Gießen, am 18. April 1879. Betreffend: Die Einführung einer allgemeinen Einkommensteuer, hier die Wahl der Einschätzungs-Commissionen für 1880.

Das Großherzogliche Kretsamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises, mit Ausnahme der Bürgermeisterei Gießen.

Nach Art. 33 des Gesetzes vom 21. Juni 1869 soll behufs der Einschätzung in die Steuerklassen der Einkommensteuer zweter Abtheilung für jede Gemeinde eine örtliche Commission gebildet werden, welche von dem Ortsoorstand gewählt wird. Von den zu wählenven Mitgliedern dürfen nicht mehr als zwei Drttttheüe dem Gemeindevorstand selbst angehören; wenigstens ein Mitglied muß aber demselben angehörm.

Der Bürgermeister ist wählbar.

Zu Mitgliedern der Commission können nur solche gewählt werden, welche zur Zeit der Wahl volle 30 Jahre alt sind und deren Staatsbürgerrecht weder suspendirt noch verwirkt ist. b

Nach Verfügung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen sind für Gemeinden bis zu 3000 Einwohnern, sonach für alle Gemeinden des Kreises Gießen mit Ausnahme der Stadt Gießen, 3 Mitglieder und 2 Ersatzmänner zu wählen. Sie wollen sofort den Gemeinderath versammeln, die Wahl vor­nehmen laffen und das darüber aufgenommene Protokoll binnen 8 Tagen einsenden.

_______________________________ Dr. Boekmann.__

Gefundene Gegenstände:

1 Pflugschletfe und verschiedenes Gehölz (auf einem Acker im Neustädter Feld gefunden), 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 wetßleinenes Taschentuch, 1 Taschenmesser, 1 goldene Broche, 3 Schlüssel.

Zug elaufen : 1 junger schwarz und weiß gefleckter Hund.

Gießen, den 19. April 1879 Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

Fresenius.

Aolilisch

Deutschland.

Aus Kurheffen, 13. April. Der BerlinerVolks-Zeitung" wird geschrieben:Im Städtchen Gudensberg, Kreis Fritzlar, trug stch am Sonntag, den 6. d. M-, ein Vorfall zu der gewiß weitere Verbreitung ver­dient. Es sollte die Beerdigung eines Renitenten stattfinden und war zur Abhaltung der Leichenrede der renitente Pfarrer Thamer von Großenritte erschienen. Auf dem Kirchhofe erklärte jedoch der anwesende Polizist, dies nicht leiden zu dürfen, und entfernte sich alsdann, um dein Bürgermeister Anzeige zu erstatten. Die den Kirchhof umgebendestaatskirchliche" Menge aber, welche schon durch Stichelreden und Verhöhnungen den Leichenact gestört hatte, forderte den Polizisten auf, die Verhaftung Thamer's vorzunehmen, was derselbe auch unter Hurrahgeschrei und Händeklatschen der Umstehenden that. Dann folgte man Herrn Pfarrer Thamer b>s zur Bürgermeisterwohnung und begann ihn, nachdem er dieselbe verlosten hatte, mit Steinen zu bombardiren, so daß er, aus mehreren Kopfwunden blutend, in einem Hause Zuflucht suchen mußte. Auch hier wurde er noch nicht in Ruhe gelassen, sondern als er seinen Weg durch Htnterthür und Garten nach Großenritte nahm, folgten ihm die Streiter für die Glaubenseinheit bis in's Feld hinein, fortwährend ihn mit Steinwürsin verfolgend.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. Eorrespondenz-Borea«.

Wiesbaden, 18. April. Se. Maj. der Kaiser ist um 9 Uhr früh hier angekommen und am Bahnhofe vom Kronprinzen, der Landgräfin von Hessen, Prinzessin Luise von Preußen, dem Herzog Wilhelm von Mecklenburg- Schwerin und den Spitzen der Behörden begrüßt worden; das zahlreich ver­sammelte Publikum empfing den Kaiser mit freudigen Zurufen.

Der Kronprinz und die Kror Prinzessin sind Mittags 12% Uhr von hier abgereist. Heute Abend trifft die Großherzogin von Baden ein.

Darmstadt, 18. April. Die Kaiserin Augusta ist zum Besuche des hiesigen Hofes um 9 Uhr Morgens hier eingetroffen und um 11% Uhr nach Baden weitergereist. Der Kronprinz des deutschen Reiches wird um 2 Uhr 41 Min. hier eintreffen und um 6 Uhr rach Potsdam abretsen.

London, 18. April, früh. Unterhaus. (Fortsetzung). Cartwright stellt einen Antrag zu Gunsten der Durchführung der Congreßbestimmung, betr. Griechenland. Bei der bezüglichen Debatte erklärt Nortbcote: die Unterhand­lungen dauern fort. Es sei bester, daß die Türkei und Griechenland stch selb­ständig einigen. Die Regierung sei nicht ohne Hoffnung auf ein befriedigendes Ergrbniß. Sollte andernfalls aber die Mediation der einzig übrige Weg sein, so sei die Regierung bereit, daran thetlzunehmen. Der Antrag Cartwright wird mit 63 g-gen 47 Stimmen verworfen.

Petersburg, 18. April. Ueber die Person des Solowieff verlautet ferner, er sei der Sohn eines Stalldieners in der Hofhaltung der Großfürstin Katharine, besuchte das Gymnasium und ein Paar Jahre die htestge Univer­sität, wo er den Lehrcursus nicht vollenden konnte, wurde Lehr-r an einer Kreisschule eines benachbarten Gouvernements, kam in Untersuchung wegen nihilistischer Umtriebe, verschwand während der Untersuchung und kam mit dem Attentat wieder zum Vorschein.

er Hh ei t.

London, 18. April.Daily News" will wisten, daß auf die Glück­wünsche Lord Beaconsfield's der Kaiser Alexander seinen Dank ausgesprochen mit) die Urberzeugung ousgedrückl habe, daß die Erhaltung der freundschaft­lichen Beziehungen zwischen England und Rußland wesentlich im Jntereffe Europas liege. Er rechne auf Lord Beaconsfield zur Erhaltung dieser freund­lichen Gesinnungen.

Brüssel, 18. April. Nach Meldungen aus Frameries find von den 240 Arbeitern in der Kohlengrube von Agrappe bisher 89 gerettet. Die Ret- tungsarbeiten werden auch ferner energisch fortgesetzt.

Baden-Baden, 18. April. Ihre Majestät die Kaiserin ist Nachmit­tags 4 Uhr hier eingetroffen.

Rom, 18. April. Der Kaiser von Rußland hat dem Papst für dessen Betleidskundgebung gedankt.

Petersburg, 18. April. Durch kaiserlichen Ukas werden proviso­rische General-Gouverneure in Petersburg, Charkow und Odesta mit ausge­dehnten außerordentlichen Vollmachten eingesetzt; dieselben Vollmachten werden provisorisch den General-Gouverneuren in Moskau, Kiew und Warschau übertragen.

DieAgence Rüste" erklärt die Nachricht, daß die russische Regie­rung die Auslieferung der nach London geflüchteten Urheber der jüngsten Attentate von England verlangt und England die Auslieferung verweigert habe, für vollständig falsch und unbegründet. Der Kaiser und die Kaiserin treten die Reise nach Livadta am 24. April an. Gerüchtweise verlautet, daß als General-Gouverneur von Petersburg General-Adjutant Gurko in Aus­sicht genommen sei.

Semlin, 18. April. Türkische Arnauten griffen von Pristina aus die serbische Grenzbewachungsltnte an und drangen in den District von Rur- chumlta ein; es entwickelte sich ein Kampf, der noch fortdauert. Der serbische Minister des Auswärtigen proteftirte in Konstantinopel, indem er erklären ließ, daß, wenn die Pforte solche Ueberfälle nicht hindern könne, von Serbien ent­sprechende Maßregeln ergriffen werden würden.

Petersburg, 18. März. Es verlautet, daß die Person desjenigen, welcher das Attentat auf General Drentelen verübte, zwar noch nicht ergriffen wurde, wohl aber festgestellt ist, daß der Thäter den Namen Mirsky führt.

In dem heute veröffentlichten Ukas vom 17. d heißt es: Die letzten Ereignisse wiesen darauf hin, daß eine wenn auch nicht zahlreiche, so doch hart­näckige Bande Verbrecher vorhanden sei, welche den Staat untergraben wollten. Es wird auf die jüngsten Mordversuche an höheren Beamten und auf das Attentat gegen den Kaiser htngewiesen. Diese Mistethaten hätten provisorische Ansnahmemaßregeln nothwendtg gemacht, um die exemplarische Bestrafung der Schuldigen zu ermöglichen und den Regierungsbeanuen besondere zur Aufrecht­erhaltung der Ordnung nothwendige Rechte zu übertragen. Den proviso­rischen Genera lgouverneuren werden laut dem Ukas unterstellt: alle örtlichen Civiloerwaltungen in dem Maße, in welchem dieselben m Kriegszetten dem Armeebefehlshaber derjenigen Gouvernements unterstellt werben, für welche der Kriegszustand proklamirt ist; ferner die Lehranstalten aller Refforts. Den Generalgouverneuren wird es überlasten, alle Personen des Civtlstandes in den ihnen unterstellten Ortschaften dem Kriegsgerichte zu übergeben. Werter werden ihnen folgende Besugntffe gegeben: alle Personen auf administrativem