Kopenhagen, 18. März. Das Dampfschiff „Marienburg", mit Wet- zenladung auf der Fahrt von Danzig nach Antwerpen, ist vergangene Nacht bei Hirtsholm im Kattegat gesunken. Die aus 18 Personen bestehende Besatzung wurde von dem Danziger Dampfer „Blonde", Capttän Brocksch, ge rtttet und nach Frederikshaven gebracht.
Paris, 18. März, Abends. Die Gerüchte, wonach Waddingion das Präsidium des Ministerrathes ntebertegen und die Zusammensetzung des Cabi- nets eine Aenderung erfahren würde, entbehren jeder Begründung.
London, 18. März, Abends. Unterhaus. Norihcote erklärte in Erwiderung einer Anfrage, die Regierung sei nicht davon informirt, daß ein Ultimatum an Birma gesandt worden sei. Das Haus nahm den Antrag Cartwright's an, einen Ausschuß zur Berathung über neue Zölle einzusitzen, nachdem die Regierung dem Anträge zugestimmt batte. Während der berr. Debatte erklärte Unterstaatssecretär Bourke, Modistcatronen der Zölle seien möglich, doch müßten auch andere Länder außer Spanten berücksichtigt werden. Außerdem sei Bedacht zu nehmen auf die Behandlung, welche Englands Handel in anderen Ländern gefunden habe.
Lokales.
Giesien, 19. März Die conservativc Versammlung in Wenzels Saalbau am Gestrigen war zahlreich besucht. Der Vortrag des Herrn Dr. Perrot von Frankfurt a. M. entbehrte nicht der Schlagwörter, welche bei den „Bauern", wie sich mehrfach ausgedrückt wurde, am Besten packen. Den Zuhörern wurden die verschiedenen durch die argen „Liberalen" hervorgerufenen Reichsinstitutionen und Gesetze nach conservativer Art ausgelegt und fehlte es an Ausdrücken wie „Hebräische Retchsbank" re. nicht. Retchsbank, Goldwährung, Milliardensegen, Jnvaltbenfond, kurzum Alles mußte herhalten bis man an den Kern der heutigen Verhandlung an den „Schreibebrief des Reichskanzlers" vom 16. Deeember 1x78 anlangte und wozu die heutige Versammlung durch einen „Bauernbrief" ihre Zustimmung geben sollte Rach Annahme des Entwurfs der Adresse sprach Se. Erlaucht Graf v. Laubacd. Er drückte im Namen der Versammlung dem Vorredner Dank für die gute Rede aus, ermahnte nun auch die Zuhörer für Schutzzölle, namentlich Geireidezölle, zu stimmen. Er glaubt, daß mit der Einführung dieses Zolles noch nicht Viel geholfen sei; aber es wäre doch einmal ein Anfang und wo ein Anfang sei, fehle es auch nicht an einem Weitergehen der conservativen Sache. Es verlohne sich schon heute nicht mehr Getreide zu bauen, weil nicht rentabel, er selbst habe zwei Besitzungen, welche früher Getreide producirten als Wald anlegen lasien und wünsche es nicht, daß unser Deutschland den Rehböcken und Rehen zum vollen Revier würde, wie die einstigen Kornkammern Roms, die afrikanischen Ländereien, wo jetzt nur noch einige Schakals hausten u. s. n>. Um 4V2 trennte sich die Versammlung nachdem die conservativen Zuhörer den „Bauernbrief" unterzeichnet hatten
— In der Woche vom 9. bis 15. März ereigneten sich hier 6 Sterbefälle. Es starben nämlich 4 erwachsene Personen (2 an Lungenschwindsucht, eine an Magenkrebs und eine an Alteisschwäche), ein Kind von 7 Jahren an Lungenentzündung und ein Kind von 7 Monaten an Krämpfen. G.
Vermischtes.
Würzburg, 15. März. Zu dem Berichte über die Discipliniruna excedirender Studenten durch den akademischen Senat fügt der „Corr." hinzu, daß die Maßregel auf Anordnung des Staatsministeriums erfolgte In ihrer Petition an den Unterrichtssenat in Folge des Falles Sicken hatte die hiesige Studentenschaft auch humane und anständige Behandlung von Seiten der niederen Polizeiorgane verlangt. Das Cultusministerium ließ nun das Stadtgericht Würzburg zu einem Berichte über das polizeiliche Verhalten der hiesigen Studenten aufforvern. Dieser Bericht ist nun nicht günstig ausgefallen, indem nach dem statistischen Polizeibericht über das Jahr 1878 in der Stadt Würzburg von 40,000 Einwohnern mehr Studenten als andere Personen wegen nächtlicher Ruhestörung verurtheilt wurden. Daraufbin sah sich das Cultusministerium bemüßigt, den academtschen Senat zu Discipltnareinschreitungen gegen die stadtgerichtlich verurtheilten excedirenden Studenten aufzufordern.
— In Saarbrücken wurde während beinahe 14 Tagen eine Schlacht geschlagen, wie im Jahre 1870, eine Schlacht nicht im freien Felde gegen den Landcsfeind, sondern vor dem Zuchtpolizeigericht wider einen inneren Feind. Es handelte sich um die berüchtigte Maipinger Wundergeschichte. Zahlreiche Zeugen aller Stände und jeden Alters sind vernommen, die drei Mädchen, die die Jungfrau Maria zuerst gesehen und gesprochen haben, ihre Eltern, die Bauern von Marpingen (von denen gilt, was Paulus s. Z. von den Kretern geschrieben • sie sind Lügner und faule Bäuche), die Lehrer und Pfarrer, die Gensdarmen und Gemeinde^ beamten, der geheime Polizist aus Berlin, der als Engländer verkleidet und angethan seine Wunderstudten an Ort und Stelle machte, barmherzige und unbarmherzige Schwestern Land- räthe und Aerzte, geheilte und ungeheilte Kranke und Krüppel und endlich die Richter, welche die Voruntersuchung geführt haben. Man sieht in einen furchtbaren Wirrwarr von Glauben, Miß- und Aberglauben, von Täuschung, Selbsttäuschung, Betrug und Selbstbetrug, Tief- und Unsinn, plumper Lüge und gemeiner Spekulation hinein; denn der Wunderglaube war allmälig für den Ort zum blühenden Geschäfte geworden. Der Ortspfarrer glaubte an das Wunder, seine benachbarten Confratres ebenso, sie waren „überziugt", wie sie vor Gericht erklärten, und schrieben Briefe und Flugschriften in alle Welt hinaus, die guten Glauben und Absatz fanden. Auch vornehme Herrschaften, Herren und Damen, kamen aus Rheinland und Westphalen und weiter her gefahren und suchten für sich oder ihre Kranken Kraft und Heilung, ein paar Gichtkranke und Gelähmte wurden gesund und grad, was freilich die Aerzte, diese schlimmen Feinde von Wunderkuren, bestritten und so überzeugend nachwiesen, daß man die Heilungen aus dem Wunderregister streichen mußte. Die Wundermädchen haben mehrmals vor Respekts- Und Gerichtspersonen alle ihre Gesichte entschieden widerrufen und als Erfindungen erklärt, aber auch ihre Widerrufe vor anderen Respektspersonen z. B ihren heulenden und drohenden Eltern, namentlich Müttern, Geistlichen u. s. w. widerrufen und neue Neuigkeiten und Fabeln berichtet. Einmal sagte die Hauptseherin: „Ach ich will alles sagen, ich habe gar nichts gesehen, so gewiß wie ein Gott im Himmel lebt!" und widerholt hat sie ihren Geständnissen hinzugefügt: Sagen Sie nur nichts meiner Mutter und dem Pastor Neureuther, die würden böse." Und sic hatte recht; denn die Mutter rief der Tochter zu: „Ich will nichts mehr von Dir wisien, wenn Du mich und die ganz Welt so belogen hast; dann kenne ich Dich nicht mehr!" und fiel dann in Zuckungen und Krämpfe. — Das Mädchen sagte: Nun ist mir alles gleich und siel von neuem in sein Märchen. Der Staatsanwalt hat am 14. dss. die entsprechenden Belohnungen resp. Strafanträge gestellt, welche wohl vor einer Wiederholung dieser Wunderdinge sorgen werden.
Theater.
(E i n g e s a n d t.)
Am Donnerstag Abend findet die Aufführung des Lustspiel« .Doctor Wespe" statt. Das Stück ist eines Der besten Erzeugnisse der neueren Literatur, vom gesundesten Humor, fesselnd und unterhaltend von Anfang bis zu Ende.
Ein volles Haus ist um so mehr zu erwarten, als die Vorstellung daS Benefiz deS Herrn Gregor Richard ist. Herr Richard ist während der Saison eine der Hauptstützen ves Theaters gewesen, u*b sein fleißiges Streben und schönes Talent verdienen es, daß das Publikum ihm an seinem Ehrenabende einen Ehrensold bezahle. — Also dem jugendlichen Benefizianten ein herzliches „Glück auf I" ö y
Theater.
Zum Benefiz für unfern verdienstvollen und fleißigen ersten Liebhaber Herrn Richard findet Donnerstag den 20 März I. I. die Aufführung von Benedix reizendem Lustspiele „£)oftor Wespe" statt! Die Wahl ist eine vorzügliche" und ganz dem Geschmacke deS Publikums entsprechende. — Möchte ein recht gut besetztes Haus die Verdienste des Henn Richard um die hiesige Bühne lohnen!
Für die Abgebrannten in Heuchelheim
sind in Folge des in diesen Blättern veröffentlichten Aufrufs sehr zahlreiche Zusendungen von Kleidern, Schuhen und verschiedenem Hausrath eingegangen. Diese Gaben sind alsbald dem Heuchelheimer Localcomite zur Vertheilung an die Bedürftigen übergeben worden. An baarem Geld sind im Ganzen 1011 X 57 gesteuert worden. Wir lasten nachstehend das Verzeichnis der einzelnen Geldbeiträge folgen. Es gaben:
1) An Pfarrer Briegleb in Heuchelheim. Schl. 10 x Eng. 2 x Prl. S. i0 X Pf. H 5 Pf. Schl. 2 X Pf. Schm. 2 X Pf W. 1 Frl. ß. 2 X
G St. 10 X Pf. L. 6 X Dr. 93 3 X Hist. Ver. 20 X 20 A Schulk. v. L. G. 9 X 20 4 Frl. T. 2 T 10 Pf. W. 5 X E. H. 10 X Fr. K. - R. H. 5 x
2) An Bürgermeister Bramm. Rechner Grüneberg 20 X W. D. 2x F. Schiele 12 X G. W 5 X H. -R. W. 2 A. H. 10 x St. B. St 2 X E. K. in Lich 5 X Forstmeister Stockhausen in Schlitz 3 X H. M. Jughard 2 X A. Noll 2 x F- B. 3( X E. 93. in Greifswald 3 X W- in Glückstadt 3 X ß. in Wöckern 3 X Kühne in Erfurt 5 X N. N. in Bückeburg 3 X M. de Heriburg in Montreux 9 x 67 X P Ruckstuhl 3 X K M. in Fürth 20 X Gesammelt durch K. Bork in Alsfeld 42 X 5 H. Durch W. Semm in ßauterdach 41 X Gemeinde Rödgen 15 X Fr. I. Schnizlein in Erlangen 10 X 91. 93. 5 X ' °
3) An Hofgcrichts'Advocat Baist. I. Helfendem 5 x Fr. Müller 5 J(. Th. B. 3 X Frl. 93an|a 4 X L. - G.-Aetuar Weiß 2 X Gemeinde Ruttershausen 50 X. Pf. Ebel in Herrischdorf 3 X Metropol. Sippcl in Oberweimar 3 X N. N. aus Sulzdorf 1 X Job. Dudenlwfer aus Hof-Haina 5 X
4) An Kreisschulinspector Büchner. Pf. Bernbeck 10 x Rg.-R. H. 5 x Frau ®. G. (Poststempel Siegen) 15 X Pf. Heberer 3 X. Frl. Weiß 6 X F. B. 2 X
5) An Hofgerichts-Advocat Dornsetff. Frl. v. Haxthausen 2 X 9». Heichelheim 3 X Rentner ß. Roth 5 X Frl. v. Mettingh 3 X «. 5). 5 X
6> An Fabrikant Emmerich. Prof. Dr. ßutterbccf 5 X 3t'. 10 x
7) An Musikdirektor Felchner. Frl. ßotz 2 x Bauunternehmer Siepmann 2 X Dr. Gaquoin 1 X Fabrikant Dröscher 1 X Zahlmeister Kronbauer 1 X stud. Busch 1 Kaufm. F. Bapft 1 X Gerber ßotz 1 X M. - D. F. 5 P. - C Fresenius 1 X H -A. Gutfleisck 4 x Schmitt 1 X Schröder in Dillenburg 6 x
8) An Hofgerichts-Advocat Kraft. H.-A. Hirschhorn 5 X ß. Flett 5 x Fr. R. R- Schuster 4 X Fr. Pf. Schenk 2 X Dr Baur 5 X Aus dem Hause Kr. 6 X 25 H.
9j An Oberförster Lan«. ß. Meyer 3 X Frl. Dietz 3 x Fr. Prof. Pullers 5 X ß- Möller aus Lauterbach 3 X I. Kathen 6 X M. v. Riedesel in Naumburg 25 X ß. ß. 3
10) An Balthafer Lenz. E. 2 x C. Sch. 5 x ß. Petri Wittwe 3 X 93. ß. 5 X
11) An Nentamtmann Lyncker. Ace. A. v. Rabenau 4 X R. R. Haberkorn 1 X ßandr. Thaler 2 X Rentner ß. Bücking 10 X Fabr. Bender een. 1 X Postdir ßoch- mann 1 X Major Supp 1 X Chirurg Kohlermann een. 50 jun. 50 R. - A. L. 3 X Dir. G. Noll 5 X Dir. Mohn 2 x Kaufm. E. Pistor 5 X Rentner ßöwe 2 X Kock & Kraatz 6 X
12) An Oberförster Neuenhagen. H.-Adv Diery 6 x H.-A. Labroiffe 5 X Bankier Heichelheim 5 X Zahnarzt Koch 3 X Zinser & Schmidt 5 X Bezirksstrafr. Kullmann 3 X Geh. H.-R. Wortmann 2 X Frl. Wortmann 2 X H.-R. Hofmann 2 X Kaufm. Treff 2 X Photogr. Wohde 2 X Frl. Habenicht 2 X O -Z.-Jnsp. Engisch 2 X R. 1 X P. 1 X G. 1 X O. H. aus Gaffel 5 X R.-A. Schltephake 3 X Oders, v. Maibom 3 X N. N. 1 X Obers. N. 4 X
13) An Mitprediger Lips. Frl. B. 2 x Dr. I 4 x Frl. 5». 3 X Fr. P. 2^L
14) An Gymnasiallehrer Stamm. G. W. 3 x Pf. Dr. 2 x. 20^. Dr. Sck. 3 X Fabr. H. 4 X Pf 93. 3 X R. R. (Postst. G.) 1 X F. r. e. 6 X Obpf.
3 X Pr. H. 1 X. Stbsq. K. 2 X. ßd. R. 2 X. Adv. Dr. St. in W. 3 X Dekan R. in W. 3 X Dr. G. in 93. 6 X Gesammelt in Friedberg und Umgegend durch Wahl und Bindernagel 103 'X. 20 H. Nealschuldir. Dr. H. tu fß. 5 X Sammlung in Heblos und Almenrod 20 X Dr. 9?. 2 X Gesammelt durch d. d. R. P. 38 X 30 X H. M. in fr 5 X
15) An Schulinspector VigcliuS. Fr. ßandr. Geyger 2 x Fr. Ser. Merk 3 X ß. I. 3 X. N. 10 X fr 1 X Damuth aus Zichtau 3 X Pf. V. 3 frl X ®. 1 X 50 H. Frl. Arnold 2 X Stadtv. Keller 2 X
16) An Gymnasiallehrer Dr. Weiffenbach, ßehrer Jann 1 X Gymnasiallehrer Sckeerer 1 X W. 3 X
Für alle diese Gaben sagen wir den freundlichen Gebern herzlichsten Dank.
Im Auftrag des Comitö's:
Wilhelm Stamm.
Für Szegedin
gingen bei uns ein: Hofg.-Rath Hoffmann X 5 Dr P. X 2. Med.-Rath Dr. Kehrer X 10. Georgi & Kingspor X 20. A. G X 5. Aug. Will X 3. E ©. X 2. W X l Summa X 48.
Um weitere Gaben bittet dringend
Die Expedition des Gießener Anzeigers.
Allgemeiner Anzeiger.
Kriegerverein.
1776) Zur Feier des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers
Samstag Abend
FesMoncert im „Ganibrinns“.
Eintritt frei. Familienmitglieder haben Zutritt.
1409) Meinen Vorrath in
Wasch- und Badebütten, Zubern, Eimern, Brenken u. s. w.
verkaufe, um damit zu räumen, zu bedeutend herabgesetzten Preisen.
Emil Schmoll, Frankfurter Hof.
Geschäfts - Eröffnung.
1717) Einem geehrten diesigen Publikum mache hierdurch die ergebene Anzeige, daß ich an hiesigem Platze eine
Handelsgärtnerei
errichtet habe und halte mich zu allen in das Gärtnerfach einschlagenden Arbeiten bestens empfohlen.
Karl Berger, Grünbergersir. B. 150.
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en gros am Kreu? M „Stadt Main)", en detail empfiehlt sein großes afforttrtes Lager aller Sorten Filz- und Seidenhüte zu den billigsten Preisen.
Reparaturen werden aufs Beste und Billigste ausgeführt. (143S
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