Gesandte hat einen längeren Urlaub angetreten. — Das Verlangen der Pforte an die britische Regierung um Garanttrung einer neuen türkischen Anleihe ist bisher von Lord Salisbury noch nicht beantwortet worden. Die Antwort wird nach dem Wiederzusammentritt des Parlaments erwartet.
Amerika.
New-Uvrk, 14. Januar. Eine Feuersbrunst in den am Broadway gelegenen großen Kleider-Magazinen verursachte einen Schaden von 2 Mill. Dollars.
New - Aork, 14. Januar. Schatzsecretär Sherman hat wettere 20 Mill. Bonds zur Amorttstrung einberusen. Die Verzinsung derselben hört mit dem 14 April d. I. auf.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Eorrespondenj-Bureau.
Berlin, 16. Januar. Generalpostmetster Stephan ist heute zur Besprechung mit Fürst Blsmarck nach Friedrichsruhe gereist.
Wien, 16. Januar. Meldungen der „Poltt. Corresp." Aus Konstantinopel von heute: In Folge der türkisch-russischen Frtedensverhandlungen soll die von der Pforte zu zahlende Entschädigung auf 100 Mill. Silberrubel herabgemindert worden sein. Auf Intervention einer katholischen Großmacht wurde eine gemischte Commission zur Untersuchung der Uebelstände eingesetzt, durch welche die christliche Bevölkerung Armeniens neuerdings bedrängt wird. — Aus Odessa, 16. d. Eine Anzahl Seitens der russischen Regierung gecharterter Schiffe wird am 26. d. in Burgas etntreffen, um Truppen nach Odeffa, Ntkolajeff und Sebastopol zu verschiffen, worauf eine weitere Dislo- cirung erfolgt.
London, 16. Januar. Der „Advertiser" meldet aus Quettah: General Prtmrose wurde beordert, mit einer Division nach Ghaznl vorzurücken.
Konstantinopel, 15. Januar. Wie es heißt, würde die Regierung, tm Falle alle blsherigen Finanzprojecte scheiterten, zu einer beträchtlichen Zwangsanleihe ihre Zuflucht nehmen. Die abermals auftauchenden Gerüchte von einer bevorstehenden Ersetzung des Großvezirs Khereddtn Pascha werden für unbegründet erklärt.
Berlin, 16. Januar. Abgeordnetenhaus Der von Krech beantragte Gesetzentwurf wegen Ergänzung des Gesetzes vom 22. April 1872, betreffend die Ablösung der den geistlichen und Schulinstituten zustehenden Realberechtigungen, wird nach den Anträgen der Commission angenommen. Es folgt die Berakhung des Antrag's Schorlemer, wonach die Regierung auf- aefordert werden soll, sofort eingehende und umfassende Ermittelungen eintreten zu lassen hinsichtlich des Bedürfnisses und der Möglichkeit, eines wirksamen legislativen Vorgehens gegen den Wucher und die schlimmen Folgen der allgemeinen Wcchielfähigkeit. Schorlemer begründet den Antrag 18 Redner sind gegen den Antrag, 6 für denselben angemeldet. Lasker macht gegen den Antrag geltend, der eigentlich betrügerische Wucher falle bereits unter das Strafgesetz. Den anders gearteten Wucher sei seine Partei gleichfalls zu unterdrücken bereit. Es sei dabei aber die äußerste Vorsicht geboten. Die Festsetzung eines Zinsmaximums sei gesetzlich unmöglich und meistens unwirksam. In der Aufhebung der Schuldhaft und der Lohnbeschlagnahme seien werthvolle Mittel gegen Ausbeutung gewährt. Die Beschränkung der allgemeinen Wechselfähigkeit sei unthunlich und schädige den gesunden Credtt. Auch dürfe der Initiative des Reichstags nicht vorgegriffen werden. — Raffe und Rickert beantragen: In Erwägung, daß die Vertretung des deutschen Reiches im Reichstage selbst in der Lage ist, solchen Beschwerden, welche aus gemeinsamen Reichsgesctzen sich ergeben, näherzutreten, insbesondere die Frage zu prüfen, ob durch legislatives Vorgehen verwerflichen wucherischen Zinsgeschäften wirksam entgegengetreten werden kann — geht das Haus zur Tagesordnung über. — Hoffmann (Liegnitz) erklärt sich unter Hinweis auf das Beispiel des Auslandes für den Antrag. Richter «Hagen) spricht gegen denselben. Der Justlzminister erklärt: Ich wiederhole, die Regierung wendet der Frage dauernd ihr Interesse zu und wird den Antrag, wenn er angenommen wird, in Erwägung ziehen. Es handelt sich um eine Angelegenheit des Reiches. Eine Enquete könnte doch nur für das ganze Reich angeordnet werden; eine Enquete für Preußen allein reiche nicht aus. Wenn der Reichstag solche Enqute beschließe, so werde Preußen wohl zustimmen. Ich möchte Ihnen die Annahme des Rasse'schen Antrages empfehlen. Reichensperger tritt für Schor- lemer's Antrag ein. Rasse wendet sich gegen denselben, indem er hervorhebt, daß die Angelegenheit vor den Reichstag gehöre, seine Partei (die freiconservative) keine Veranlassung zu einer Enquete sehe und durchaus gegen Zinsbeschränkung sei, wogegen die Frage der Wechselfähiqkeits- Beschränkung beachtenswerth erscheine. — Rasse's Antrag auf Tagesordnung wird hierauf in namentlicher Abstimmung mit 184 gegen 165 Stimmen verworfen, der Antrag Schorlemer selbst gleichfalls abgelehnt. — Nächste Sitzung morgen.
Stuttgart, 16 Januar. Abgeordnetenkammer. Schwarz (Mitglied der Linken) stellt Die Anfrage, welche Stellung die Regierung zu dem Gesetzentwurf, betr. die Strafgewalt des Reichstages, einnehme. Ministerpräsident v. Mittnacht erwidert, definitive Entschließung erfolge erst in der Zeit, die zwischen der Berathung des Ausschuffes des Bundesraths und die des Plenums falle. Diese sei oft so kurz, daß er keine Verpflichtung übernehme, der Kammer eine bezügliche Mttthetlung zu machen. Wolle Schwarz den Einfluß der Kammer geltend machen, so muffe er einen anderen Weg als den der Interpellation wählen. — Schwarz behält sich einen Antrag vor.
Nom, 16. Januar. Gutem Vernehmen nach würden analog dem abgeschloffenen provisorischen italienisch-französischen Handelsverträge auch Italien und die Schweiz einen Handelsvertrag abschließen, in welchem sie sich die Rechte der meistbegünstigten Nation einräumen.
Konstantinopel, 16. Januar. Von Seiten der Regierung wird Folgendes bekanntgegeben: Ein Gesetz über die Verantwortlichkeit der Minister wird die Zahl der Staatsminister feststellen und die Functionen der Minister ohne Portefeuille beseitigen. Der Großmeister der Artillerie und der Minister des Evkafs und der frommen Stiftungen werden nicht unter die Zahl der verantwortlichen Minister ausgenommen. Ein auf Grundlage der Verfoffung vorgeschlagenes Gesetz über Preßfreiheit wird erlaffen. F rner wird unverzüglich Vorsorge getroffen werden für Errichtung des öffentlichen Ministeriums und des Notariats in allen Gerichtsbezirken des Reiches. Das Finanzministerium wird in mehrere Abtheilungen gethetlt; an der Spitze einer jeden wird ein dem Minister der Finanzen verantwortlicher Minister ist seinerseits der Deputirtenk^mmer gegenüber verantwortlich.
Lokales.
dviesicn, 17. Januar. Der zweite Vortrag über Edison's Phonograph war zahlreicher besucht und wurden die Leistungen des Apparates wiederum sehr bewundert. Gestern Nachmittag besuchten das Gymnasium, Realschule und höhere Töchterschule die für Schüler yngesetzlen Vorträge und darf Herr Tenn er mit diesem Besuche wohl zufrieden sein.
— — Samuel Rosenberg von Großen-Buscck, der Handelsmann, welcher in den Friedberger Felldiebstahl verwickelt war, ist, wie er uns erklärte, vom Landgerichte Friedberg freigcsprocken worden Wir nehmen gerne hiervon Akt zur Rehabilitirung des Verdächtigten
Vermischtes.
— Die Dorfzeitung enthält unter der Ueberschrift: „Religion und Humanität" folgenden offenen Briefan das „Daheim": Ihr Blatt bringt in der letzten Nummer einen Artikel über die vor Kurzem verstorbene Großherzogin von Hcffen, aus welchem die Herzensgüte dieser Frau auf dem Thron auch Denen bekannt wird, welche bisher nichts von ihr wußten. Sie sagen schließlich:
„Alle diese Liebeswerke gingen freilich nur aus dem Interesse der Humanität hervor"
und fügen hinzu, daß erst ein Unglück in ihrer Familie sie kirchlicher, soll wohl heißen frömmer und bester gemacht habe.
Ich gestehe, daß ich lange nichts Frivoleres gelesen habe als diese Aeußerung; daß sie ein Blatt wie das Ihrige thut, ist unzweifelhaft ein Zeichen der Zeit, und zwar der neuesten.
Was ist Humanität? — Ich halte dafür, sie ist die edelste Blüthe des Menschengeistes l — Was ist Religion? Darüber sind die Ansichten verschieden, aber gewiß ist, daß unter ihrem Deckmantel die grausamste Verfolgungswuth ganze Länder verwüstete, daß von jeher und noch heute unter ihrer Firma ein erbitterter Krieg geführt wird. — Ich ersuche Sie oder Ihren betr. Correspondenten, die Frucht zu nennen, welche edler als wahre Menschenliebe auf dem Baume Religion wächst. Ist es jene Frömmigkeit, die, weil sie die Augen nur zum Himmel gerichtet hält, von all' der Erdennoth nichts sieht, die sie umgibt? — Wie ist es mit der wcrkthätigen Liebe, die hell aus dem Leben der Großherzogin Alice hervorleuchtet, mit der Liebe, die Christus sichon als die höchste unter den Tugenden preist?
In dem Buche eines vielen Lesern d. Bl. bekannten Mannes aus Coburg über das Leben des verstorbenen Prinzen Albert habe ich gelesen, mit welcher unendlichen Liebe und Ausdauer die nun auch todte Frau ihren Vater in seiner Todeskrankheit bis an's Ende gepflegt hat; Sie selbst sagen, was z. Z. allenthalben zu lesen war, daß sie, allen Gefahren der Ansteckung trotzend, ihren Bruder in tövtlicher Krankheit bis zur Genesung gepflegt; nun hat sie selbst der Tod ereilt, als sie, nur Mutter und Frau, nicht vom Krankenbett ihrer Lieben wich. Angesichts dieser Thatsachen und all' der Woblthaten, welche die selige Großherzogin Alice ihrer hessischen Heimath erzeigte und welche Sie selbst einzeln angeben, gegenüber alledem frage ich Sie:
,,Wer ist unbarmherziger, der Tod auf seinem unaufhaltsamen Wege oder der schwarze Mann in seinem Stolz und Afterglauben, der an kaum geschloffenem Grabe der Frau mit einem Juwel in der Brust die Worte für sie hat:
,,alle ihre Liebeswerke hat sie freilich nur aus Humanität gethan." Hildburghausen. Ludwig Nonne sen."
Hanau, 12. Januar. Ebenso wie andere Städte, in denen Geflügelzuchtvereine bestehen, von Zeit zu Zeit Ausstellungen abhalten, so wird auch unser immerhin noch junger Geflügel- und Vögelzucht'Verein im Laufe des Monats März d. I. eine solche veranstalten. Die am 7 d. Mts. abgehaltene Generalversammlung sprach sich einstimmig hierfür aus; es wurden, soweit die zu diesem Zwecke gezeichneten Mittel reichen, die Ausstellungskäfige sofort der Draht- flechteret des Herrn Schaack in Bestellung gegeben; ebenso werden die anderen nöthigen Vor» arbeiten — Platzfrage, Einholung der Genehmigung zur Abhaltung einer Verloosung rc. — alsbald in Angriff genommen. Bis jetzt sind alle Unternehmungen, die ein reges Interesse unserer Einwohnerschaft erheischen, in Hanau mit gutem Erfolge durchgeführt worden und hoffentlich wird auch dieser ersten Geflügelausstellung daffelbe nicht fehlen. — Der Verein, zu dem bald nach seiner Gründung 78 Nitgliever gehörten, zählt zur Zeit deren 90; das erste Veretnsjahr schloß bei vorsichtiger Wirthschaftswetse finanziell befriedigend ab. Statutengemäß mußte in vorgestriger Generalversammlung die Neuwahl des Vorstandes vorgenommen werden. Derselbe verblieb, soweit die betr. Herren eine Wiederwahl annahmen, der alte, und ist für dieses Jahr wie folgt zusammengesetzt: Hr. Director Eberdt, Vorsitzender Hr. A. Kohlhepp, Stellvertreter desselben, Hr. Carl Brandt, Schriftführer, Hr. Th. Heintz, Stellvertreter deffelben und Hr. Sattlermeister L. Ziegler, Cassier des Vereins.
Berlin. (Eine wirksame Kur.) Geradezu unglaublich ist es, wie, allen Warnungen ungeachtet, sich immer noch Leute finden, die auf die SchwindelAnnoncen sogenannter Wunderdoktoren hereinfallen. Eine hiesige Beamtenwittwe, die seit längerer Zett von einem Bandwurm belästigt wurde, las vor Kurzem in einer Zeitung die nachstehende Ankündigung: „Jeder Bandwurm wird schnell und radikal vertrieben! Adressen unter Beifügung von 1 JL 50 H in Briefmarken sub W. 0. franko Köln postlagernd." — Daß der Wunderdoktor nicht einmal seinen Namen der leidenden Menschheit offenbarte, daß er es vielmehr vorzog, die Honorare „in Briefmarken unter Ziffern postlagernd" einzuheimsen, — alles das vermochte die Vertrauensseligkeit der leidenden Dame nicht zu stören. Sie schickte daher ihre Adreffe ein, fügte auch die verlangten 1 JL 50 in Briefmarken bei und erhielt nach wenigen Tagen tm unfrankirten Briefe das nachstehende, kernige Rezept: „Nehmen Sie Früh, Mittags und Abends einen gehäuften Eßlöffel voll persisches Insektenpulver ein. Er krepirt danach sicher! W. SD."
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 16. Januar. (Fruchtbericht.) Im Getreidehandel zeigte sich etwas mehr Bewegung, jedoch nicht ausdauernd. Weizen verkaufte sich coulanr, obwohl Angebot und Nachfrage sich an Geringfügigkeit die Wage hielten und von einer Lebhaftigkeit des Umsatzes keine Rede sein konnte. Die Versandtfrage war außerordentlich geringfügig-, hiesiger Weizen für Hier JL 19, ab unserer Umgegend Jt lö3/4—1 2, feiner fremder viel über Cours. Die plötzliche Steigerung für Roggenmehl o/, an der Berliner Börse bewirkte zu Anfang der Woche eine merkliche Befestigung, auch von Roggen und wie durch einen Zauberschlag schien die ganze Situation verändert zu sein. Die Verkäufer waren verschwunden und wir schließen zu den höchsten Coursen des Tages; prima Roggen 15 */2 — 3/4, hiesige Landwaare 14 — 15,
russischer X 13 V«—Vr- Gerste verkehrte während der ganzen Woche in matter Haltung ohne nennenswerthe Preisveränderung zu erleiden. Die Hauptfrage concentrirte sich auf prima Qualität, die auch große Festigkeit bewahrte JL 17 — 18 b., hoch prima über Notiz. Hafer hat das Geschäft in loco an Umfang nicht gewonnen, indem die Forderungen ab Auswärts nicht ermäßigt wurden, hochfeine Qualitäten 13^—14, mittel JL 13 —13‘/2, geringe Sorten JL 12i/4. Hülsenfrüchte überaus still. Einzelne kleine Partien wurden mit Mühe und Noth zu matten Preisen an dringend Benöthigte plactrt. Mehl hatte nicht mehr gleich lebendigen Verkehr, wie in der vergangenen Woche, und zeigen die nur mäßig ab- und aufschwankenden Preise, daß die Speculation sich momentan und wahrscheinlich so lange ruhig verhält, bis über das Resultat der Zollfrage etwas Definitives zu berichten ist. Raps ruhig. Rüböl selbst im Detail schwer verkäuflich. Futterstoffe anhaltend verlaffen. Die heutigen Notirungen lauten:
Mehl Nr. 1 JL 39, Nr. 2 JL 35, Nr. 3 JL 31, Nr. 4 JC 27, Nr. 5 Jt 21. Roggenmehl % «Berliner Marke) JL 22, do. II (Berliner Marke) .X 19. Weizen, effektiv hiesiger ab Bahnhof hier 19.—, ab unserer Umgegend JL 18.25—18.50, do. fremder je nach Qualität X 18—19, Roggen, je nach Qualität JL 13—15. Gerste JL 15 — 17.50,
Hafer «X 12.50 — 14, Kohlsamen JL 27—28, Erbsen 19—23, Wicken <X 15—16, Linsen <X 17—23. Rüböl, detail JL 68. Stimmung fest. (Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht — lOO Kilo ) ............. ■ । ■■■■!■ - >
357) Gewisse Industrielle suchen das Publikum zu täuschen, indem sie Unter dem Namen .,Benedictlnerfct verschiedenartige Produkte verkaufen, welche nicht nur ohne Werth, sondern häufig der allgemeinen Gesunddeit gefährlich find. Wir fordern alle Käufer dnngend auf, diese Produkte zurückzuweisen, und nur den wirklich ächten Benedictiner Llquriir aus der SV-tci von Feramp zu verlangen, den sie nur dann annehmen wollen, nachdem sie sich von der Aechtheit deffelben überzeugt haben.
Irischdäcker in Gießen.
Sonntag den 19. Januar. Ludwig Kronebcrg, Marktstraße. Heinrich Faß, am Kreuz. Conrad Haas, Walltborftraße.
Kirchliche Anzeigen der evangelischenGemeinde?uGießen.
Gottesdienst:
Sonntag den 19. Januar: Morgens: Pfarrer Schlosser. Nachmittags: Pfarrvicar Schöner.
(Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 19. bis 25. Januar besorgt Pfarrer Schloss er.)


