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16.2.1879 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt. Sonntag, den 16. Februar

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politisch

Deutschland.

Darmstadt, 14. Februar. Die zweite Kammer der Stände nahm in ihrer heutigen (17.) Sitzung den Gesetzentwurf,Maßregeln gegen den Coloradokäfer betr.", mit einigen vom Ausschuß beantragten Abänderungen, mit welchen sich die Großherzogliche Regierung einverstanden erklärt hatte, an, und setzte dann die Budget-Brrathungen fort, wobei es bet Hauptabtheilung XII. Garantirte Staatszuschüsse an Privat-Eiienbahn-Unternehmungen" zu längeren Debatten kam. Die eingestellte Summe von 600,000 wurde jedoch bewilligt. Ferner wurden folgende Summen bewilligt: Für das Gymnasium zu Bensheim 150,000, das Hospital in Hof­heim 12,700, für die Landes-Irrenanstalt in Heppenheim 175,000, die für die Universitäts­gebäude in Gießen vom Ausschüsse beantragten Summen, für das Landes-Zuchthaus Marien- schloß 60,000, für das zu errichtende Seminar in Alzey 190,000, für Seminarien 94,610 JL, ferner die für die Section der Justizverwaltung geforderten Summen. Die Berathung über den Posten für das Amtsgerichtsgebäude in Bad Nauheim wurde einstweilen ausgesetzt.

In Abthrtlung X, Ministerium der Finanzen, wurden sämmtliche Summen in der be­antragten Weise bewilligt, mit Ausnahme der für den hiesigen Hofstall geforderten Summe von 53,500 JL.. Für die Offenbacher Schiffbrücke wurden die geforderten 35,000 JL nur unter der Bedingung bewilligt, daß Großh. Regierung auf thunlichste Erledigung der Verhandlungen wegen Erbauung einer stehenden Brücke dringe.

Berlin, 13. Februar. Der Bericht der Eisen - Enquete« Commission, welcher der Zolltarif-Commission überwiesen worden, platdiri für die Wiederein­führung der Eisenzölle, welche danach eigentlich von allen Jnteresienten gewünscht würde. Es hetßl da: Keine anderen Maßnahmen der Gesetzgebung im Gewerbö- und Steuerwesen werden als ausreichend erachtet, um die Vortheile auszu­gleichen, welche die fremde Concurrcnz durch die billigeren See- und Canal- Frachten, sowie durch billigere Productionsbedingungen und durch Ausfuhr­prämien voraus hat. Es wird deshalb von den Eisenproducenten eine Wie­dereinführung, bezw. Erhöhung der Elftnzölle gefordert, und zwar von etwa 6 bis 10 JL für Roheisen, 20 bis 35 «A. für Stabeifen, 20 his 30 JL. für Gußwaaren, 60 bis 80 «X für Weißblech, 40 bis 80 crfL für Maschinen. Aber auch aus dem Gesichtspunkte der Steuerpolitik wurde die Wiedereinfüh­rung der Eisenzölle als gerechtfertigt, ja, als nothwendtg bezeichnet, weil die inländische Provuctton einen nicht unerheblichen Antheil des Gesammtwerths ihrer Producte in der Form von directen und indirecten Steuern an die Staatskaffen abgebe, während das zollfrei eingesührte fremde Eisen die öffent­lichen Einkünfte um den gleichen Betrag schmälere. Dem Verlangen nach Wiedereinführung der Zölle schließen sich auch die Vertreter derjenigen Indu­striezweige an, deren Aufgabe die weitere Verarbeitung des Eisens zu Maschi­nen, Werkzeugen und sonstigen Gebrauchsgegenständen ist.

Berlin, 13. Februar. Die Vorlage über die Strafgewalt des Reichs­tages ist dem Reichstage zugegangen. Der Reichstags Abgeordnete Stumm brachte den Antrag auf Vorlegung eines Gesetzentwurfs, betr. die Einführung obligatorischer, nach dem Muster der Knappschafts-Vereine einzurtchtender Altersversorgungs- und Jnvaliden-Kaffen für alle Fabrikarbeiter wieder ein.

Das Personal der Reichspost- und Telegraphen-Verwaltung im actt- oen Dienst belief sich Ende 1878 auf 62,100 Köpfe. Davon hatten 47,051 einen eigenen Hausstand. Die Zahl der Ehefrauen bezifferte sich auf 44,298, diejenige der Kinder auf 112,848. Zu den Hausständen gehörten 10,203 Verwandte und 12,574 Dienstboten. Im Ruhestande befinden stch aus dem Bereich der Post- und Telegraphen-Verwaltung 4324 Beamte und Unter- veamte mit 3148 Ehefrauen, 5800 Kindern, 659 Verwandten und 753 Dienst­boten. Die Zahl der Wittwen von Post- und Telegraphenbeamten rc. betrug 3489 mit 5630 Kindern, 312 Verwandten und 191 Dienstboten. Hiernach berechnet sich die Gesammtzahl aller Angehörigen rc. der gedachten Verwaltung auf 266.329 Köpfe.

Braunschweig, 13. Februar. Der Bericht der Regentschaftsgesetz- Tommtsfion hebt ferner hervor, die Landesversammlung habe der Weigerung des Herzogs von Cumberland, die deutsche Bundesverfaffung anzuerkennen, die Folge beigelegt, daß der Herzog von Cumberland sich damit für die Thron­folge in einem deutschen Bundesstaate unmöglich gemacht habe. Daß die Lan­desregierung diesen Gesetzentwurf vorgelegt, sei als völlig genügender Beweis dafür anzusehen, daß die Landesregierung mit der Landesversammlung über die erwähnte Folgerung aus jener Weigerung übereinstimme, wenngleich sie ausdrücklich nichts darüber gesagt habe.

Rumänien.

Bukarest, 13. Februar. Man versichert, daß bedeutende russische Truppenkörper im Anmarsche gegen die von Rumänien in der Richtung von Stltstrta besetzten Punkte feien. Da wegen der Verkehrsschwiertgkeiten sichere Informationen fehlen, ist es nicht unmöglich, daß diese Truppenbewegungen mit der russischen Räumungsbewegung in Zusammenhang stehen.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. «Korrespondent-Bureau.

Stuttgart, 14. Februar. Dem Vernehmen nach hat sich die königl. Centraistelle für Landwirthschaft gestern nach lebhaftester Debatte mit Mehr­heit für Einführung von Kornzöllen ausgesprochen.

Die zweite Kammer hat den Vertrag über den Verkauf der Eisen- behnstrecke Bruchsal-Bretten an Baden einstimmig angenommen.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

er H h ei l.

Konstantinopel, 13. Februar. Reuf Pascha und Selami Pascha sind nach Rumelten abgeretst, um die nothwendtgen Versügungen wegen der Reinstalltrung der türkischen Administration nach Abzug der Ruffen zu treffen. Mtdbat Pascha soll von dem Sultan einen Jrade erhalten haben, welcher ihn für 5 Jihre als Gouverneur von Syrien bestätigt.

Paris, 14. Februar. Das Amtsblatt veröffentlicht eine Note folgen­den Inhalts: Obwohl die beunruhigenden Nachrichten über das Erscheinen der Pest in der europäischen Türket sich als Ergebntß einer unrichtigen Beur- theilung Herausstellen und gegenwärtig von den Provenienzen aus der Levante keine Gefahr zu befürchten ist, hat der Handelsmtntster doch die nothwendigen Vorsichtsmaßregeln angeordnet in Verbindung mit mindestens zweitägiger Quarantäne in den Häsen des mittelländischen Meeres einschließlich Algeriens für alle Provenienzen aus dem Schwarzen und Asow'schen Meere, selbst wenn dieselben von nicht infictrten Orten kommen. DasJournal des Debats" dringt auf Wtederanknüpsung der Unterhandlungen mit England, Deutschland und der Schweiz wegen Abschluffes von neuen Handelsverträgen.

Wien, 14. Februar.Presse" undFremdenblatt" melden: Die Reconstruction des gegenwärtigen Cabtnets mit Stremayr als Ministerpräsident und Taaffe als Minister des Innern fei vorläufig gescheitert.

Teplitz, 14. Februar. Es bestätigt sich, daß gestern ein Thetl der Teplitzer Quellen ausgeblieben ist, muthmaßltch in Folge des Waffereinbruchs in daß Duxer Kohlenwerk. Heute wird eine Commission von Geologen erwartet.

Triest, 14. Februar. Der LloyddampferAchilles", der gestern aus Konstantinopel eingetroffen war, erhielt heute freie Pratica.

Prag, 14. Februar. DasPrager Abendbl." meldet: Die Geologen Wolff (Wien) und Laube (Prag) constatiren den Zusammenhang des Aus­bleibens der Teplitzer Urquelle mit der Katastrophe in den Kohlengruben von Dux. Die versiegten Quellen sind bisher noch nicht wieder zum Vorschein gekommen, dock halten die genannten Geologen ihr Wtedererscheinen nach Aus­füllung der Höhlungen für wahrscheinlich.

Teplitz, 14. Februar. Die vom Ministerium zur Untersuchung der Sachlage hinsichtlich der Dux-Offegger Kohlengruben und der hiesigen Heil­quellen abgesendeten Geologen, Profeffor Laube und Bergrath Wolff, sprechen sich nach eingehender Prüfung dahin aus, daß der gesunkene Urquell im Stadt­bade nicht verloren gegangen, vielmehr baldige Aussicht auf Wiederherstellung der früheren Leistungsfähigkeit vorhanden sei. Der Wafferstand in den Koh­lengruben von Dux-Offegg ist noch im Steigen begriffen.

Berlin, 14. Februar. Abgeordnetenhaus. Fortsetzung der Berathung des General- Berichtes der Budget-Commission. Richter (Hagen) krittsirt die gestrigen Ausführungen des Ministers, sowie Lasker's Darlegungen. Regierungs-Commifsar Brefeld erörtert die Be­rechnung der Commission hinsichtlich der Rentabilität der Staatsbahnen. Die Behauptung, daß der Staat bei Durchführung des Staatsbahnsystems sich mit einer Schuld von 6 Milliarden belasten würde, sei völlig unklar, denn die von den Prtvatbahnen gemachten Anleihen würden durch den Ankauf der Bahnen nicht Staatsanleihen werden, sondern Gesellschaftsanleihen bleiben.

v. Hammcrstein zieht seinen Antrag, welcher ausspricht, daß eine gedeihliche Entwickelung des Eisenbahnwesens nur möglich sei durch Ausvehnung des Staatsbahnsystems, zurück. Richter (Hagen) erklärt, daß er, um zu constatiren, wie groß die Zahl der Anhänger der Maybach'schen Politik sei, den Antrag Hammerstein wieder aufnehmen Lucius, v. Rauchhaupt und v. Hammer- stetn erklären indeß, sie würden, nachdem der Antrag Hammerstein durch dessen Zurückziehung erledigt worden sei, gegen den von Richter aufgenommenen Antrag stimmen.

Bet der Abstimmung wird zunächst der Antrag Richter i früherer Antrag Hammerstein) mit allen gegen eine Stimme abgelehnt, hierauf der Antrag Lasker gegen die Stimmen der Nottonal-Liberalen abgelehnt, sodann der Commtssionsantrag ad 1 (Ststirung des Ankaufs -von Vollbahnen) bei itio in partes mit 179 gegen 174 Stimmen abgelehnt, dagegen werden die Commisstonsanträge ad 2 und 3 (betr. Secundärbahnen) angenommen.

Wien, 14. Februar. Meldungen derPolit. Corr." Aus Kon­stantinopel: Totleben ist am 13. d. zu einer Besprechung mit Lobanoff hier eingetroffen. Layard reist Mittwoch ab- Der gestrige Ministerrath beschäftigte sich mit Angelegenheiten bezüglich des Verhältnisses zwischen der Pforte und Oesterreich. Aus Bukarest. Der russische Mtntsterresident Stuart wird provisorisch durch Jacobson, Consul in Jaffy, ersetzt, der nur die Eigenschaft eines Chargö daffaires erhält. Aus Petersburg. Der vom deutschen Bor- schaster entsendete Dr. Lerveß fand in Sarepta vollkommen ausgiebige Cordons, rationelle Quarantäne-Einrichtungen, sowie eine sehr strenge Handhabung aller Details vor. Der Gesammteindruck war ein höchst befriedigender. Die Ge­rüchte über verdächtige Krankheitsfälle in Borriffoglebsk, Kaluga und Krement- schug sind vollständig unbegründet.

Berlin, 14. Februar. DerRetchsanzeiger" meldet: Amtlichen Nack- richten zufolge haben die Seitens des internationalen Gefundhettsrathes in Konstantinopel nach Sanikowa entsendeten Aerzte festgestellt, daß die von dort gemeldeten Erkrankungsfälle ausschließlich Fleckentyphus betreffen.

Teplitz, 14. Februar, Abends. In der soeben abgehaltenen Sitzung des Magistrats refcrhte Profeffor Laube über den Erfolg der heute stattge- babten Begehung der Thermalgebiete bis zum Döllinger-Schacht. ?lus der Zunahme der Temperatur des zuströmenden Waffers fei der Zutritt von Ther- malwaffern constatirt, doch berechtige die Thatsache, daß die Temperatur in den letzten 24 Stunden nicht mehr gestiegen, zu der Annahme, daß ein weiteres Zutreten warmen Waffers nicht mehr stattfindet. Auch geben die Nachmittags

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.