— (Schutz und Werth der Vögel.) Die Zeit der jungen Vogelbrut ist da und -von allen Seiten wird auch auf die so viel verbreitete Unart der Jugend, Vogelnester auszunehmen, hingewiesen. Eltern und Lehrer werden gebeten, gegen diese, sei es nun aus Bosheit und Zerstörungslust oder Gedankenlosigkeit entspringende Untugend aufzutreten. Den Lehrern namentlich kann es nicht warm genug an's Herz gelegt werden, Gelegenheit zu nehmen, ihren Einfluß durch belehrendes Wort geltend zu machen. Ein norddeutscher Landmann gibt eine kleine Berechnung von dem Werth eines Vogelnestes; als Lehrmaterial für erstere sei dieselbe hier mitgetheilt. Jener Landmann sagt: „Man nehme an, ein Nest enthalte fünf kleine Vögelchen. Die Alten tragen jedem derselben täglich im Durchschnitt wenigstens 40 Raupen zu — also 200 Stück. Die Fütterung dauert etwa 30 Tage. Die Vögelchen verspeisen also 6000 Stück. Jede Raupe frißt aber täglich, wie man ausgerechnet hat, so viel an Blättern und Blüthenknospen, als ihr eigenes Gewicht beträgt. Man nehme wieder an, daß dies auch 30 Tage lang geschehe und daß jede Raupe täglich nur eine Blüthe, die eine Frucht gegeben, aufgefressen hätte. Danach bringen uns 6000 Raupen in Compagnie um 180,000 Früchte, jedenfalls um mehr als eine Sechstelmillion." Wir wünschen mit diesem Volksfreunde, daß jeder junge Taugenichts, der gedankenlos oder aus Grausamkeit Nester zerstört, sich doch einmal vor« -stellen möge, welche Zahl schöner Aepfel, Birnen, Pflaumen rc. in Folge eines einzigen Griffes, der eine junge Vogelfamilie unbarmherzig vernichtet, verloren gehen kann.
— In der zweitgrößten Stadt eines Nachbarlandes — so erzählt der Berl. Börsen- Cour. —, dessen Bevölkerung zwar protestantisch ist, das sich aber eines katholischen Hofes erfreut, existirt gegenwärtig eine Gewerbe-Ausstellung, und in dieser GewerbeAusstellung befanden sich, von dem Steinmetzmeister E. ausgestellt, zwei Statuetten nach Rietschel und Donndorf, die Reformatoren Luther und Melanchthon darstellend. Nun begab es sich denn, daß der Bruder des Königs jenes Landes, der zugleich der muthmaßliche Thronfolger und ein ■gax frommer Katholik ist, jene Gewerbeausstellung besuchte. Da erklärte denn nun das Comitö dem genannten Aussteller, daß jene beiden Statuen des Prinzen höchstes religiöses Gefühl -verletzen müßten, und bas Comitö der Ausstellung dieser rein protestantischen Stadt forderte den Steinmetzmeister auf, die beiden Reformatorenstatuen für die Zeit des Besuches Sr. Königlichen Hoheit zu entfernen. Der Aussteller konnte füglich nicht anders, als sich diesem Wunsche des geistvollen Comites fügen Er that es — aber er hat es gründlich gethan, er hat die hübschen Statuetten einfach von der Ausstellung zurückgezogen.
Büdingen, 8. Juni. Am 4. d. Mts., Abends 9 Uhr, wurde in dem Fauerbach- Ober-Laiser Gemeindewald von dem Forstwart-Vicar Ahlheim aus Ober-Lais ein Wilddieb betroffen. Nachdem dieser einen Fehlschuß abgegeben, gelang es, jenen zu überwältigen und ihm Gewehr, Mütze und Vulverhorn abzunehmen. In Folge der hierbei stattgefundenen Rauferei rrhielt der Wilddieb mit einem Stock einen Schlag auf die linke Schläfe und mit seinem eigenen Gewehr einen solchen auf die Mitte der Stirne. Bei dem hiernach versuchten Transport" war ihm aber die Flucht gelungen. Nach der Beschreibung scheint derselbe der erst vor kurzer Zeit aus dem Zuchthaus entlaffene Korbmacher Johann Georg IV. von Breungeshain, Kreises Schotten, gewesen zu sein. Auf denselben wird jetzt gefahndet. (9?. H. 23.)
Frankfurt, 9. Juni. Bei der heutigen Wettfahrt siegte bei der ersten Fahrt der Offenbacher Ruderverein, bei der zweiten die Offenbacher Rudergesellschaft, bet der dritten der Mainzer Ruderveretn, bei der vierten der Mannheimer Ruderclub.
— Während in der hiesigen Gegend in diesem Jahre die Maikäfer erfreulicherweise nur vereinzelt auftraten, wird aus Kiel mitgetheilt: „Der Matkäferfang ist in diesen Tagen in der Umgebung der Stadt ganz ungeheuer; die Kasiantenbäume sind übersäet von Käfern. Auf dem Hofe Quarnbeck wurden in zwei Tagen 1330 Pfd. Maikäfer oder etwa eine Million Stück gesammelt und mit kochendem Waffer getödtet." Ueber denselben Gegenstand berichtet das Blatt aus Eutin: „Maikäfersammeln wird hier in großartigem Maßstabe fortgesetzt, der Fang mit 10 H für das Kilo bezahlt. Auf ein Pfund gehen 5—6000 Maikäfer. In welch' ungeheurer, völlig ungeahnter Menge die Thiere vorhanden, beweist die Thatsache, daß ein Mann von einem Kastanienbaume in früher Morgenstunde so viele abschüttelte, daß seine sammelnden Kinder als Ertrag aus diesem einen Baum 147 erheben konnten.
Neuß, 7. Juni. (Vom Blitz erschlagen) Das heurige Frühjahr ist für die hiesige Gegend bis jetzt schon reich an Gewittern gewesen. Gestern Nachmittag entlud sich wieder eins. Bet dem Dorfe Nievenheim traf ein Blitz einen jungen Mann von 24 Jahren, welcher auf dem Felde beschäftigt war, und tödtete ihn auf der Stelle. Der so plötzlich aus dem Leben Gerufene war der Sohn eines Gutsbesitzers und stand kurz vor seiner Heirath.
Handel und Verkehr.
Gießen, 14. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. M 0,70 Lis 'M 0,80 Hühnereier, per Stück 4i/z Gänseeier, per Stück— H, Enteneier, per Stück 5V2 Käse, per Stück 5—11 H, Käsematte, per Stück 3 Erbsen, 1 Liter 16 H, Linsen, 1 Liter 22 Tauben, das Paar 70 Hühner, per Stück 1.10, alte Hahnen, per Stück .M. 1,40, junge Hahnen, per Stück 95 H, Enten, per Stück M 2,10, Kartoffeln, per 100 Kilo .M 7—8,50, Zwiebeln, per Centner M 20, Milch per Liter 16 u. 18 H, Ocksen- ficisch 70 per Pfd., Kuh« und Rindfleisch 56—60 Hammelfleisch 60—70 H, Schweine- fleisck 56—60 Kalbfleisch 40 - 50 H. Kirschen per Pfd. 60
Eisen und Btut.
Es gibt ein Uebel, welches mehr Opfer wie alle Kriege, Typhus, Pest, Fieber u. s. w. fordert, — das ist die Blutarmuth, — eine auffallende Krankheitserscheinung bei jetziger Generation. Ihre Ursachen liegen in der heutigen Lebensweise; zumeist bilden mangelhafte Ernährung, schlechte Wohnungen, andauernder Verdruß, Sorgen, Nachtwachen, geistige und physische Ueberanstrengung die Motive. — In dem Maße das Blut seinen Reichthum an Blutkörperchen verliert wird es wässerig und zur Existenz unbrauchbar und es entstehen Bleichsucht, Scropheln, Schwindsucht u. a. Krankheiten, welche schon so vieles Weh' in manche Familie gebracht haben. — Als bestes blutbildendes Mittel -von absolut reellem Werth haben sich die Etfentropfcn Brnvaia (Fer Bravais) erwiesen; dieselben können von dem schwächsten Magen vertragen werden, erzeugen keine Verstopfung und schwärzen die Zähne nicht. — Die meist n Apotheken halten Bravais- £isen vorräthig. In Gießen zu haben bei I. Wallach, Marktplatz. (4020
Auszug aus den Stsndessmtsregistern des Standesamts Gießen
Vom 6. bis 13. Juni 1879.
Aufgebote.
9- Juni. Buchdruckereibesitzer Friedrich Ludwig Christian Lichtenberger von Gießen mit Llna Emilre Marie Theodore Emma Döll, Tochter des verstorbenen Lehrers Johann Beter Doll, von Wohnbach. 11. Gelbgießer Philipp Heinrich Karl Wilhelm Schwan von Gießen mit Johannette Wilhelmine Fischer, Tochter des Schneidermeisters Christian Fischer von Gießen.
Eheschließungen.
6. Juni. Schuhmachermeister Ludwig Theodor Bärrn von Gießen mit Christine Diel Tochter des Maurers Heinrich Diel von Bad Nauheim. 8. Schlosser Hugo Robert Osinsky von Berlin mit Katharine Auguste Günther, Tochter des Diätars Konrad Günther von Gießen. 11. Tapezier Adolf Heinrich Gcrstenberg von der Friedberg in der Neumark mit Ellsabethe Hümmerich, Tochter des verstorbenen Maurers Johaün Martin Jacob Hümmerich von Oberbiel, Kr. Wetzlar. 13. Gerichts-Accessist Jacob Ludwig Schudt zu Gießen mit Margarethe Wilson, Tochter des Bergwerks Directors Peter Wilson zu Gießen.
Geborene.
31. Mai. Margarethe, ein außereheliches Kind von auswärts. 3. Juni. Julie Auguste Johanna, Tochter des Locomotivführers bet der Oberh. Bahn Julius Noll. 4. Rosa Sophie, Tochter des Kaufmanns Jacob Bärmann. 4. Dem Glaser Heinrich Gröninger eine Tochter, noch ohne Vornamen. 6. Emil Philipp Jacob, Sohn des Dachdeckers Emil Noll 2. Friedrich, ein außereheliche« Kind von hier. 9. Paul Adolf, Sohn des Zeugfabrikanten Louis Homberger. 7. Marie Phtlippine Eusabethe, Tochter des Taglöhners Werner Horn 10. Georg, Sohn des Mechanikers Georg Hauß. 7. Dem Stations-Assistenten bei der Main- Weser Bahn Johann Paulus Stauß eine Tochter, noch ohne Vornamen. 8. Dem Schneider Georg Wack eine Tochter, noch ohne Vornamen. 7. Heinrich, Sohn des Lehrers Friedrich Kalbfleisch. 10. Dem Poltzetcommiffär Wilhelm August Fresenius ein Sohn, noch ohne Vornamen.
Gestorbene.
5. Juni. Wilhelmine Dietz, geb. Klomp, 68 Jahre 9 Monate 2 Tage alt, Wttw. des Schuhmachers Heinrich Dietz. 7. Wilhelmine Kumpf, geb. Zick, 39 Jahre 9 Monate alt Ehefrau des Postschaffners Georg Wilhelm Kumpf. 8. Marie Elise, 29 Tage alt, Tochter des Hilfsführers Philipp August Scherer. 7. Dem Hausburschen Ludwig Jung ein todtge- borener Sohn. 10. Philipp Wilhelm August, 9 Jahre 6 Monate 1 Tag all, Sohn des Spenglers Heinrich Ignatz Kraus. 10. Ernst, 8 Monate 13 Tage alt, Sohn des Uhrmachers Robert Hartmann. 11. Der pens. Gensoarm Johann Friedrich Franz, 77 Jahre, 9 Monate 19 Tage alt. 10. August Balthasar Lorenz Ferdinand, 1 Monat 4 Tage all, Sohn des Kaufmanns August Voigt. 11. Eduard Martin August Friedrich Karl, 9 Monate 26 Tage alt, Sohn des Agenten Georg Heinrich Gengnagel. 12. Christine Hahn geb. Büchel, 61 Jahre 8 Monate 28 Tage alt, Wittwe des Gepäckträger« Heinrich Hahn. 12. Dem Fabrikarbeiter Eduard Lind eine todtgeborene Tochter.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 8. Juni. Hugo Robert Osinsky, Schlosser dahier, des verstorbenen Gepäckträgers in Berlin, Louis August Franz Osinsky ehel. Sohn; und Katharine Auguste Günther, des Diätars an der Main-Weser-Bahn Konrad Günther, ehel. Tochter.
Denselben. Ludwig Theodor Bärrn Schuhmacher dahier, des verst Polizei-Offictanten Philipp Bärrn ehel. Sohn; und Christine Diel, des Weichenstellers Heinrich Diel ehel. Tochter.
Denselben. Georg Karl Kleinhenn, Kaufmann dahier, drs Schreiners Heinrich Kaspar Kletnhenn zu Biedenkopf ehel. Sohn; und Anna Vogt, des Kaufmanns Georg Martin Vogt dahier edel. Tochter.
Den 13. Juni. Jakob Ludwig Schudt, Gerichts-Accessist dahier, des verst. Oeconomen auf der Bergermühle bei Kloster Arnsburg Georg Ludwig Schudt ehel. Sohn; und Margarethe Wilson, des Bergwerk-Directors Peter Wilson dahier ehel. Tochter.
Getaufte
Den 8. Juni. Dem Schreiner Justus Heit ein Sohn, Friedrich Louis Karl Ferdinand, geb. den 18. Mai.
Denselben. Dem Schreiner Wilbelm Donau eine Tochter, Marte, geb. den 8. Mai Denselben. Dem Locomotivführer Moritz Geisel ein Sohn, Georg Hugo, geb. den 15. Mai'. Denselben. Dem Eisenbahnarbeiter Georg Jung eine Tochter, Katharine, geb. den 7. Mai! Denselben. Dem Kreisamtsgehilfen Hermann Döring eine Tochter, Karoline Ltsette Bertha Lina, geb den 26. Mai.
Den H. Juni. Dem Bautechniker Luowig Huhn ein Sohn, Otto Martin Heinrich geb. den 24. April. '
Beerdigte.
Den 7. Juni. Wilhelmine Dietz geb. Klomp, Wittwe des verst. Schuhmachers Heinrich Dietz, alt 68 Jahre 9 Monate 2 Tage, gest den 5. Juni.
Den 9. Juni. Wilhelmine Kumpf geb. Zick, Ehefrau des Postschaffners Wilhelm Kumpf, all 39 Jahre 9 Monate, gest. den 7. Juni
Den 13 Juni. Johann Friedrich Franz, pens. Gensdarm dahler, alt 77 Jahre 9 Monate 19 Tage, gest. den 11. Juni.
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 15. bis 22. Juni besorgt Pfarrvicar Schöner.
ISE3S
Allgemeiner Anzeiger.
Jeifgeöotenes.
4014) Das Heugras von mehreren Wiesen, sowie gutes Haferstroh verkauft
Fr. Larnpus^
Mygothanaton» i \Q) i* £chrvannutoü. *i* > 1
1
■Vi
| Kegel u- Kegelkugeln
in sehr schöner Waare stets auf Lager.
Moritz Gregori # Sohn.
Haarzöpfe
nur aus Damenhaar gearbeitet.
1 Diadem-Zopf, dick M. 2.60
1 Haarzopf 65 cm. lang „ 5.—
1 Haarzopf 80 cm. lang „ 8.—
I Längeres Haar 90 cm. „ 12.— (I 1 Paar Hängclocken „ 2.— Gegen Baar- oder Nachnahme.
Adresse: E. Frankl Naohfgr., Frankfurt a. Main.
Für Lungenleidende eine Schmer;lin-erung.
"Während das Hof fache Malzextrakt-Gesundheitsbier und die Hoffsche Malzchocolade auf die Ernährungsund Athmungaorgane stärkend und heilend wirken, ist bei vorgeschrittenem Stadium der Lungenkrankheit als Linderungsmittel der Schmerzen das Hoffsche concentrirte Malzextrakt ärztlich empfohlen und verordnet. Der k. k. Gubernialrath Dr. Sporer in Abbazia schreibt: Ich hatte keine Genesungsaussicht mehr für meine Tochter, als ich Ihr concentrirtes Malzextrakt (mit Zuhülfenahme Ihrer Brustmalzbonbons wegen des Hustens) anwandte , wovon meine Tochter zu meiner grossen Freude wieder genas. — Berlin, 11. Januar 1878. Ihr Malzextrakt wie Ihre Malzchocolade fangen jetzt an, meine Nerven zu kräftigen ich gebrauche sie weiter. Julie Reyer, Directorswittwe, Oberwallstr. 6. — An die k. u. k. Hof-Malzextraktbrauerei und Dampf Malzchocoladenfabrik von Joh. Hoff in Berlin.
Verkaufsstelle bei Julius Wallach in Giessen. (4008
§ Geschäfts ■ Verlegung;«
Zur Bequemlichkeit meiner geehrten Kunden und Abnehmer verlegte mein Geschäftslocal
Sonnenstrasse B. 106 (meinem früheren Hause).
Empfehle zugleich mein Lager in gepolsterten Möbeln,
Rohr- u. Strohstühlen, Tapeten, Gallerien, Rosetten etc. zu billigen Preisen. FF. I8<»p(er»
Photographie!
Geschäfts Verlegung.
Einem geehrten Publikum hiermit die ergebene Anzeige, daß ich meine photographische Anstalt in das von mir erkaufte Haus,
Kaplansgasse 218,
verlegt habe und bitte ich, das seit dem zehnjährigen Bestehen meines Geschäfts so reichlich geschenkte Vertrauen mir auch in meinem neuen Locale zu bewahren.
Durch den Bau eines der Neuzeit entsprechenden Ateliers und ausgestattet mit den besten Apparaten, bin ich in den Stand gesetzt, allen Ansprüchen auf diesem Gebiete Genüge zu leisten.
Achtungsvoll
4035) JFraits €?eröo<le«


