1879
Sonntag den 14. September
Zweites Blatt
-rr. 2X4
Qo°^
o.l
If
0
1 billigen
Jen.
o
Erscheint täglich mit Ausnahme des MSNtags.
«chulstraße B. 18.
0
>1000006
PreiK vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringersohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Unser Kaiser hat sich nach der Zusammenkunft mit Kaiser Alexander zu den großen Manüvern des 1- Armee-Corps nach Königsberg begeben. Die Kaiserin und der Kronprinz trafen gleichzeitig mit ihm dort ein. Der Empfang, der dem Kaiser in dieser Stadt, die er seit seiner Krönung nicht viedergesehen hatte, bereitet wurde, war außerordentlich enthusiastisch. Auch ans den Monarchen selbst machte der Aufenthalt daselbst im Zusammenhang mit den mannigfaltigen Erinnerungen, die sich für ihn an die Stadt knüpfen, einen tiefen Eindruck. In den verschiedenen Reden, mit denen er die an ihn gerichteten Ansprachen erwiderte, kam er stets aus die schweren Heimsuchungen, die er dort erlebt, wie auf die Zeit, wo sein königlicher Vater das Werk der Befreiung von dort aus eingeleitet, und aus den Glanz der Krönungstage zurück, wies aber zugleich jedesmal in frommer Demuth auf die weise Fügung Gottes hin, der Alles so herrlich hinausgeführt und dem daher auch der Dank für das Große, das wir errungen, barzubrtngen sei. Mit freudiger Verwunderung bemerkte man allgemein die fast jugendliche Frische des Geistes und des Körpers, mit welcher der greise Monarch die Anstrengungen der Manöoer ertrug. Der Kronprinz und sein ältester Sohn, Prinz Wilhelm, beehrten während ihres Aufenthalts in Königsberg u. A. einen von den Studirenden der dortigen Universität veranstalteten FestcommerS mit ihrer
keit zugeben muffen, daß Blanqui wieder gewählt werde, betonen die Noth. Wendigkeit einer derartigen Gesetzesbestimmung, welche der Regierung die unangenehme Situation ersparen würde, in welcher sie sich schon nach der ersten Blanqui'schen Wahl befand.
Die Entdeckung des neuen Handelsweges durch die Behringsstraße ist von weltgeschichtlicher Bedeutung, zunächst für Rußland, fcem dort, wo es nicht daraus recbnen konnte, in Sibirien, die Möglichkeit der Entstehung einer mächtigen Handelsflotte erblüht.
Die chinesische Regierung hat einige Ausfuhrzölle aufgehoben, was bei der gegenwärtigen allgemein schutzzöllnerischen Strömung von hohem Jnteresie ist. ,
In Afghanistan sollen die englischen Streitkräfte zur Zeit nicht stark genug fein, um die Rache für Kabul sofort zu insceniren. General Roberts dürfte erst Verstärkungen abwarten, deren Heranziehung immerhin einige Wochen in Anspruch nehmen dürfte. __________________________
e Anzeigen.
t wird ein gewaM ochen kann und M rbeiten unterzieht, ans !-n?Me Anlage CL.-
w-r * ^bitten »‘H, ,cn"
Ä* L rinMidluM i
Hichener Miynger
ASM- ssd AmlsM str Les Kreis Meßen.
'S H«w*
UWÄ.» I
I I
»A *■ I
thungen.
^Neustadt D. Zimmer zu vermietden.
Asterweg M, Zimmer zu H Wrndel, Gartfeld, mit allem Zubehör gleich beziehbar. .t, Kaplansgasse IN, Äer, Lonnenstr. 103, imer, sowie ein möb- lbinet, zu vermiethen, zweite Stage.
von einem Einjährigen >liNes Zimmer ist per «erweit zu vermiethen. ich. Näheres
Neustadt D. 8ä Mansarden-WohnM sofort zu beziehen der. Schmrot^Gattfeld. lg.'Frei'Mtül'ge t Nähe btt Kajme .mmtt per V eres bü der Erp.d.A
Der I. deutsche Thierschutz-Congreß zu Gotha.
(Fortsetzung.)
Nachdem durch Herrn Dr. Wö niger-Schwerin ein ausführliches Schreiben des Bürgermeisters Ahller's-Neubrandenburg über die Fragen: „Wie sind durch Verbreitung von Jugendschriften die Ideen des Thierschutzes und die Bestrebungen der Thierschutzvereine möglichst zu fördern und wie sind zugleich die bisher allzu rsolrN dastehenden Vereine durch Verbände untereinander zu starken? verlesen worden war, beantragte Herr Geh. Regierungsrath d' A l r n g e-Zuückau, das Referat. Topf drucken ru lassen, indem er, unter Ausspruch des Dankes der Versammlung für die vorzügliche Behandlung der Sache, hofft, daß die von Herzen kommenden.Worte auch zu Herzen geben und bei den deutschen Lehrern einen Wiederhall finden mochten.
Hofthierarzt Sonder man n-München glaubte, der Herr Korreferent wolle durch seinen Antrag der Einfügung des Thierschutzes in den Lehrplan die Anzahl der in der Schule zu lehrenden Discrplinen vermehren, wogegen er sich aussprechen müße, da jetzt schon der Lehrplan in fast allen Schulen ein sehr umfassender sei und es den Lebrern jetzt schon Schwierigkeiten bereite, den vorgeschriebenen Stoff zu bewältigen.
Hierauf ergriff Herr Oberschulrath Möbius-Gotha, der den Verhandlungen als Gast anmohnte, das Wort und dankte im Namen der Lehrer dafür, daß man gerade diesen Gegenstand an die Spitze der Tagesordnung gesetzt habe uno theilte mit, daß man gerade im Gothaischen von Seiten der Lehrer der Thierschutzfache das größte Interesse entgegenbrächte; er spricht seine Freude darüber aus, daß das Referat ^ops, dem er in fast allen seinen Theilen zuftimme, gedruckt werden solle, wünscht aber für diesen Fall noch etwas mehr Ausarbeitung einzelner Theile, z. B. in Bezug aus bw Betonung des Thierschutzes im Religionsunterricht rc.; er glaube, daß man namentlich Schriften, in denen das Gemüthsleben der Thiere mehr behandelt sei, den Schuler- bibliotheken einverleiben solle. Die Lehrer seien besonders auch dadurch für die Sache des Thierschutzes zu gewinnen, daß man das Interesse der angehenden Lehrer m Pra- varandenschulen und auf Seminarien dafür wecke, und glaubt, daß hierauf em ganz besonderes Gewicht gelegt werden müsse. — Während Lehrer P e t e r-Kaff el, also auch ein Fachmann, sich gegen die Vereine der Schüler durch Namensunterschrift ausipricht, da dadurch vielfach der Ehrgeiz geweckt würde, persönliche Zerwürfnisse und sonstige Unannehmlichkeiten entständen, und auf die Lehrer durch gute Aufsätze in den Schul- blättern und Besprechungen auf Conferenzen eingewirkt wissen mochte, sind Herr Kaus- mann Eckert-Frankfurt a. M. und v. Seefeld-Hannover für Schuleroereine a la Kübtmann, da sie die dagegen gemachten Einwendungen nicht als stichhaltig anerkennen könnten. Ersterer erwähnt noch, daß in Oldenburg die Regierung den Lehrern die Gründung solcher Vereine empfohlen habe. — Professor Landfteiner-Wien, auch ein Fachmann, welcher als Vertreter des Vereins in Prag als Gast den Verhandlungen anwohnte, ist ebenfalls gegen Schülervereine; in Oesterreich jeien Vereine m den Schulen durch Verordnung verboten; er glaubt, daß durch Preisausschreiben die Lebrer angefeuert werden möchten, sich mehr mit der Thierschutzfache zu beschäftigen, welchen Ausführungen sich Herr Lehrer Stroh-Stuttgart, ebenfalls em Gast, im Wesentlichen anschloß, indem er zugleich sich für die lehrplanmaßige Einführung des Thierschutzes in den Schulen aussprach. , .s
Nach Schluß der Debatte erhielten Referent und Korreferent nochmals das Wort und wurde schließlich der von den Herren Sondermann und Tops gestellte Antrag angenommen, welcher lautet: ,
0 Der Kongreß beschließt: Es sind die deutschen Thierschutzvereme auf- zufo'rdern, in ihrem Wirken sich der Beihülfe der Schule mehr und mehr zu versichern, zu welchem Zweck insbesondere die Lehrer zu gewinnen und denselben gute Thierschutzschriften und naturkundliche Hilfsmittel zuzuwenden find."
Der ^er Kongreß beschließt, an sämmtliche Unterrichtsministerien des deutschen Reiches den wohlbegründeten Antrag zu richten, die Sache des Thierschutzes in den obligatorischen Lehrplan der Volksschule (aber mcht als besonderen Unterrichtsgegenstand) aufzunehmen",
fand leider nicht die nöthige Anzahl Stimmen und wurde deßhalb asD0^nt;
Nach einer Pause von 10 Minuten wurden um etwa 12 Uhr die Verhandlungen durch den Vieepräsidenten Hartmann wieder eröffnet und erhielt Herr Schuldireetor Marauart-Dresden das Wort, um über den 2. Gegenstand der Tagesordnung „Hu!>dehaltung und Hundepolizest ,
zu referiren. Das Referat hatte Herr Hosthierarzt S o n d e r m a n n-Munchen uber- nommen.^r ^efmnt -n cinem eingehenden, über eine Stunde dauernden Referate hauptsächlich folgende Punkte besonders hervor:
9 V 1) Die Gesetzgebung müsse den Eigenthumer eines Hundes mehr als bisher haftbar machen in Bezug auf die Haltung des Thieres und auf den durch dasselbe etwa angerichteten Schaden, namentlich in To llwuth fallen und dieses .Prmcip energ.säjunb konsequent durchführen. Er führte als Beispiele das etwa fest einem Jahre bestehende franröfische Gesetz an, wonach der Eigenthumer eines toll gewordenen Hundev, wenn ein solches Thier einen Menschen gebissen habe, in Folge dessen er gestorben erwegen fahrlässiger Tödtung angeklagt und zu hoyem Schadenersatz an die Angehörigen ver- irthiiIt roetben könne Ferner sei 2) möglichst darauf Bedacht zu nehmen daß man Maßregeln einführe, welche sofort in allen Fällen den Eigenthümer ermitteln ließen,
«edsettOH»sb«reaUr
«rpeditto«»rmre»u r
Gegenwart.
In Alexandrowo sind, wie von unterrichteter Seite verlautet, nur die directen Beziehungen Deutschlands zum Czarenreiche, soweit sie sich in den freundschaftlichen Gefühlen der Souveränen beider Staaten wieder- ! spiegeln, zur Sprache gekommen. Diese Erklärung, welche der dem Grasen ; Ändraffy nahestehende Pesther „Lloyd" bringt, stimmt überein mit der offi- aöfen preuß. Notiz in der Prov.-Corresp., nach welcher die Zusammenkunft erneut Zmgntß gegeben hat von den innigen Beziehungen, welche zwischen den beiden Monarchen bestehen. Die kurzen Worte find vielsagend, wenn man erwägt, daß weder von den Monarchien, den Völkern, noch von der Slellung der Diplomatie beider Reiche die Rede ist.
Fürst Gortschakoss hat in Rußland noch immer das Heft in den Händen und denkt nicht daran, dem „Reichskanzler" Gras Schuwaloff Platz zu machen. Der greise Fürst versicherte angeblich, daß er gern gehen würde, daß aber der Czar trotz seiner wiederholten dringenden Bitte, daß er die Lei- ! tung der Geschäfte aufgebe, um sich ganz der Wiederherstellung seiner Gesundheit widmen zu können, nicht darein willigen wolle. So wäre also, wie an den Fürsten Bismarck von seinem Kaiser, auch an Gortschakoff ein Befehl
4Arie ergangen, auf seinem Platze auszuharren.
'*** * n ('M I Mit großer Bestimmtheit tritt das Gerücht aus, daß Justizminister fath fiirchein Leonhardt gegen Ende der vorigen Wocke seine Entlastung eingereicht habe.
' Es galt längst als feststehend, daß Herr Leonhardt, der bekanntlich leidend ist, ^Äos/zlvcim! nach Vollendung der neuen Justizorganisation von seinem Amte zurücktreten ‘\ 6000 UA | würde. Dennoch würde das Ereigniß gerade in dem gegenwärtigen Momente - MMbaarlM l ^mlich unerwartet kommen. Der Justizminister ist vor Kurzem von einer r^'4 öorbetigt Erholungsreise zurückgekommen und man hat nicht gehört, daß sich sein Gesundheitszustand verschlechtert habe. Man erwartete daher, daß er so lange in Thätigkeit bleiben würde, bis die neue Organisation völlig in Kraft treten werbe. Begreiflicherweise gehen verschiedene Versionen über den raschen Rücktritt um; das Hauptintereffe wendet sich der Persönlichkeit seines Nachfolgers zu. Neben Friedberg nennt man auch Dr. Falk, doch erscheint besten Candi- datur als höchst unwahrscheinlich.
Der Friedensschluß Preußens mit dem Vatican scheint noch in weitem Felde zu liegen, da die „Nordd. Allg. Ztg." versichert, es sei der deutschen Regierung noch nicht einmal bekannt, daß der Nuntius Roncetti gleich seinem Vorgänger zu Unterhandlungen mit dem deutschen Reiche von der Curie überhaupt einen Auftrag oder die Ermächtigung erhalten habe. In englischen Blättern wird erzählt, daß Papst Leo XIII. an den Kaiser Wilhelm einen Bries wegen des „unseligen Culturkampfes" gerichtet habe. Der Bries soll an die Milde der Monarchen appelliren. Die „Germania" bemerkt hierzu, es fei allerdings der Milde des Kaisers trotz der Maigesetzgebung ein weites Feld gelasten, aber zur Herbeiführung eines wahren Friedens sei eine wesentliche Abänderung der betr. Gesetze durchaus nothwendig.
Der Einmarsch der österreichischen Truppen in Novibazar scheint sich ziemlich glatt zu vollziehen; ein nachträglicher Widerstand der Bevölkerung erscheint ausgeschlosten. Wenigstens bemerkt dies der Bericht, welcher dem österreichischen Kriegsministerium vorliegt, und hoffentlich beruht derselbe nicht auf Schönfärberei. Möglich erscheint es immerhin bei dem Charakter der Bevölkerung, daß einzelne Widersetzlichkeiten oder Angriffe aus dem Hinterhalt vorkommen, aber eine Mastenerhebung scheint nicht zu befürchten zu sein. Türkische Berichte wollen allerdings von einer gewiffen Aufregung wiffen, doch erscheint dieselbe als ziemlich natürlich.
In Paris tritt ein Ministerrath unter dem Vorsitze Wadding- ion's zusammen. Es handelt sich darum, auf dem legislativen Wege die Wiederholung ähnlicher Vorkommniffe unmöglich zu machen, wie sie bei der Wahl Blanquffs sich ereigneten. Die osficiellen Blätter, welche die Möglich
eren.


