sein Nachfolger soll den Rang eines Mintster-Rrsidenten erhalten. Zum rumänischen Agenten ist Catargi ernannt. Fremy hat sich nach Sofia begeben behufs Verhandlungen über die bulgarischen Eisenbahnen. Um den Bau der serbischen Bahnen bewirbt sich der Franzose Fillich.
Arankreich.
Paris, 11. Juni. Der Prinz von Oranten ist heute Vormittag in Paris gestorben. — Es heißt, Blanqut sei gestern begnadigt und auf freien Fuß gesetzt worden.
i "etwn niebergefefete Commission unterbreitete den dies-
^züqlichen Bencht dem Großoezic. Danach umfaßt jedes Majet (General.
| Gouvernement) nicht mehr als 4 Mnsietarifats (Gouvernements), welche wiederum tn 4 Cazas (Unter,Gouvernements) jerfallen. Der Zweck der Tm- -Heilung ist, die Action der localen Ob-rbehSrd-n zu einer beschleuniateren und wirk sanieren zu^machen. Bezüglich der Grenzabsteckung wird der Entfer. nung zwischen dem Litz der Oberbehörde und den Cazas Rechnung getragen Borzugsweise werden centralgelegene Ortschaften zum Sitz der^ Behörden erwählt werden, Eme aus Generalstabs Officteren zusammengesetzte Unter- Sommfffton entwirft die Grenzen vorläufig auf der Karte, gegenwärtig für di- europäische und später für die asiatische Türkei.
Berlin, 12. Juni. Die „Prov.-Corresp." bestätigt, drß die Verkündigung eines eigentlichen Amnestie-Erlasses nicht erfolgen konnte, da e3 Heb n nm die Begnadigung ganzer Kategorien von Verurtheilten, sondern um Prüfung und Berücksichtigung aller Einzelfälle je nach den besonderen Ver- hältntssen und unter bestimmten Voraussetzungen handelte. Immerhin seien auf Grund der stattgehabten Ermittelungen durch die vom Jabelfesttage datirteu weit über 600 Begnadigungen, darunter eine große Zahl wegen Majestätsbeleidigung verurtheilte Personen ergangen. Unzweifelhaft werde darch ^b'tere erhebliche Reihe gleicher Gnadeacte in der Folge die Gesammtzahl sich auf etwa oUU steigern.
. .Petersburg, 12. Juni. Die anläßlich bet Goldenen Hachz-ft des deutschen Kaiferpaares hier ein,getroffene Deputation des preußischen Kaiser Alexander Ulanen-Regiments wurde zur kaiserlichen Tafel gezogen. Der Reichs- kanzler Fürst Gortschakoff beglück vünschte persönlich den deutschen Gesandten v. Aloensleben, welcher dem Ersteren heute einen Gegenbesuch machte.
-4 r ^9cncc rusie" dementirt in formeller Weise die dem General
Stolypin zugeschriebeue Aeußerung, der russische Kaiser sei das Oberhaupt aller Slaven. Stolypin habe niemals eine derartige Aeußerung gethan; ebenso arund- os,ft m die Gerüchte über Verhandlungen zwischen Rußland und der Türkei bezüglich Rumeltens. Die „Agence ruffe" fordert die Journale auf, auf der Hut zu fein vor solchen Tendenznachrichten, die an einer Stelle fabricirt würden gelange^"^nabel erscheine, daß Rußland im Oriente zur Beruhigung
New-Aork, 12. Juni. In der Petroleum-Fabrik von Warden, Frew u. Comp. in Point Bceeze unterhalb Philadelphia hat der Blitz etnge. schlagen. Die Fabrik ist vollständig verbrannt. Der durch das Feuer anae- richtete schaden wird auf % Mill. Dollars geschätzt. Die deutsche Bark „F. Rochs" die italienische Bark „Guiseppo Quants", ein russischer Schooner, eine österreichische Bark und ein norwegisches Schiff stad auf dem Hudson bei dieser Gelegenheit verbrannt.
Lokales.
13 Juni. Am neuen Justizpalaste wird eben eine Mauer gezogen, welche den Fußpfad am Fulda schen Garten nach dem Phtlosophenwald zu sehr beengt. Unzweifelhaft baut der Staat hier auf seine Grenze, aber es dürfte doch im Jntereffe der Stadt liegen, mi.d m "rit demselben zu treffen, wodurch dieser offenbare Mißstand vermieden
wird. Es ist vielleicht jetzt noch Zeit Einhalt mit dem Mauerwerk zu thun, und wäre hier em rasches Handeln sehr am Platze. Ueberall wird ja auf breitere Straßen und Verkehrswege hingcwiesen, man möge nun auch in diesem Falle danach handeln. ö
Vermischtes.
ft o cken berg, 10. Juni. Gestern hat sich hier ein höchst betrübender Unglücksfall zugctragen Em Kind von 4 Jahren erkrankte nämlich plötzlich an Erbrechen, welches etwa Stunde dauerte. Der herbeigerufene Arzt, Herr Dr Pfannmüller, eonstatirte eine Vergiftung und waren alle angewandten Gegenmittel leider fruchtlos; so daß das Kind nach 1'/, Stunden ÜX Clbe toaY m’t no^ ant>eren Gespielinnen tn einen Wicsengrund gegangen, um Blumen zu pflücken und gericth hierbei unglücklicherweise die bekannte Giftpflanze Herbstzeitlose (col- cbicum autnnina/le) in seine Hände, von deren Samen es verschlucktes Bei der heute vorgenommenen ärztlichen Scction fanden sich noch Neste dieses Wanzensamens im Darmkanal vor' so daß die Todesursache, Colchicinvergiftung, klar vorlag. Um fernerem Unglück vorzubeugen' verdient dieser Vorfall tn weitesten Kreisen mitgethcilt zu werden, damit Eltern ihre Kinder vor dieser gefährlichen Giftpflanze warnen (g? ® )
| Offen b a ch, 11 Juni. Gestern in der Mittagsstunde zog ein sehr heftiges Gewitter über unsere Stadt und schlug der Blitz an verschiedenen Orten ein, so in das Haus des Herrn Endres in der Waldstraße, wo derselbe in den Schornstein fuhr und sich durch ein Wohnzimmer Den Ausgang bahnte; der Schlag war glücklicherweise ein sogenannter kalter. In Oberrad fuhr der Blitz in das alte Schulhaus und zündete in einem Zimmer des daselbst zur Miethe wohnenden Schutzmannes ein Kanapee an, auf welchem sich dieser kurz vorher zur Ruhe gelegt hatte; aus dem am unteren Ende des Kanapees liegenden Säbel wurde ein Stückchen heraus- geschlagen, der Schutzmann selbst kam mit einer momentanen Betäubung und mit dem Schrecken davon. Das Feuer wurde, da er gleich wieder zur Besinnung kam, von ihm selbst sofort wieder geloM Auch In eine am sog Gäulsloch stehende Pappel schlug der Blitz ein, nachdem tooTlier zwei Manner, Die sich zum Schutz gegen den Regen da untergestellt, den Platz ver- laffen hatten, weil es durchregnete; sie waren kaum 15 Schritte entfernt, als die Egta- strophe eintrat.
Witz en Hausen, 7. Ium. Gestern wurde der Arbeiter Harning hier inhafttrt, weil er in dringendem Verbuchte Der Falschmünzerei stand. Derselbe trank in M.'s Bierwirthschaft hier ein Glas Bier und gab dafür ein Markstück zum Auswechseln hin. Als Ihm bemerkt wurde, daß das Geldstück verdächtig aussehe, meinte er, man solle es nur hinnehrnen, „er wolle ja nichts tu eiter heraus haben!" Selbstredend wurde auf diese unvorsichtige Aeußerung hin leine Verhaftung sofort bewirkt und hat derselbe nach anfänglichem Leugnen denn auch zuge- standen, daß sein — jetzt in Dankelshausen bei Münden wohnender — Vater die Formen gestochen und er (der Sohn) dann im Weitern „mitgebolfen" habe. Heute wurde auch noch b>e Mutter des pp. Harning in Gewahrsam gebracht und der Staatsanwaltschaft tn Kaffel von diesem Falle Anzeige gemacht, sowie bei der zuständigen Behörde in Münden die Verhaftung des alten Harning beantragt. j Witzenh. KrSbl.)
— Vom Rhein. Unter Bezugnahme auf frühere Bekanntmachungen warnt die Kgl. Regierung zu Trier das Publikum vor dem Ankauf des von einem gewissen I. I. F Popp in Heide in verschiedenen Zeitungen und Lokalblättern angeprlesenen Geheimmittels zur Heilung von Magen- und Darmkatarrhen re. Daffelbe vermöge seiner Zusammensetzung nad> nicht bic von dem re. Popp genannten Krankheiten zu heilen, auch stehe der wirkliche Werth desselben mit dem erhobenen Preise in gar keinem Verhältnisse. Jeden Falles werde das Publikum bei bem Ankäufe dieses angeblichen Heilmittels betrogen.
— Ein sehr betrübendes Ereigniß, welches in weiten Kreisen der Bevölkerung Aufsehen erregt, hat sich dieser Tage, wie man der „Dtsch. Ztg." schreibt, in Breslau zugetragen. Von zwei Studenten aus guter Familie und eng befreundet, war der eine unlängst auf der M'Njur durch einen Hieb verwundet worden. Der junge Mann mußte wohl das Bett hüten, allein die Verletzung war tn keiner Weise gefährlich und der Heilungsproeeß im besten Gange. Am Tage vor Pfingsten kommt nun der befreundete Student, um von dem Verwundeten Abschied für die Dauer einer kleinen Ferienreise zu nehmen. Man verplaudert ein Stündchen miteinander, und nach herzlichem Abschiede ist der reiselustige Student bereits an der Thür, al« ihm der Kranke nachruft und ihn bittet, er möge ihm doch noch einen Löffel Medicin reicken. Der Student kehrt um und reicht dem Freunde die Mixtur. Dieser nimmt dieselbe, stvyt -der gleich einen gellenden Schmerzensschrei aus, verfällt sofort in Krämpfe und ist nach einer Stunde eine Leiche. Der Freund hatte sich in den Flaschen vergriffen und dem Kranken statt der Medicin einen Löffel karbolsäure gereicht, die zur Auswaschung der Wunde bestimmt war. Die Verzweiflung des jungen Mannes, der wider Willen den Tod seines besten Freundes verursacht, war eben so groß, wie die allgemeine Thetlnahme an dem Schicksal des Verunglückten, der, reichbegabt, der Stolz und die Hoffnung seiner Familie gewesen. Der fahrlässige Student stellte sich sofort dem Staatsanwalt.
England.
London, 11. Junt. Der internationale Telegraphen-Congreß wurde gestern eröffnet. Der General-Postmeister Manners bewillkommnete die Dele- girten im Namen der Regierung. Der russische Delegirte, Geheimerath v. Lüders, dankte. Das Präsidium wurde Patey, vom britischen Telegraphen- Departement, übertragen. — Lord Salisbury gab zu Ehren des Fürsten von Bulgarien ein Diner, welchem das diplomatische CorpS, Lord Beaconsfield und andere Minister beiwohnten.
Der literarische Congreß hat heute folgende Resolution angenommen: Das Recht zur Übersetzung gehört dem Verfaffer unbedingt, nur muß die Uebersetzung binnen 5 Jahren publicirt sein. Die Erfüllung der gesetzlichen Formalitäten im Heimathlande genügt für alle Länder.
Italien.
Rom, H. Juni. Der Papst und Cardinal Nina haben den Kaiser Wilhelm anläßlich der Feier seiner Goldenen Hochzeit beglückwünscht. Die betr. Depeschen machen keinerlei Anspielung auf Politik.
Nußland.
Petersburg, 11. Juni. General-Gouverneur Gurko erließ eine Verordnung, wonach bis auf Weiteres Freiwillige in einen Truppenthetl des Petersburger General-Gouvernements nicht anders ausgenommen werden sollen, als nach Vorstellung derselben auf Gurko's Kanzlei und Einholung von Zeug- r.iflen ihrer vollständigen moralischen Zuverlässigkeit. — Das Bulletin vom 10. d., Mittags, constatirt fortdauernde Besserung bei der Großfürstin Maria Paulowna; der Appetit ist besser, Bluttemperatur und Puls normal. — Die „Agence Russe" meldet: Rußland schloß sich dem Proteste Deutschlands beim Khedive gegen die Verletzung der internationalen Convention über die gemischten Gerichtshöfe an, nachdem auch bereits Österreich, England und Frankreich diesem Proteste zugestimmt haben.
Petersburg, 11. Juni. Proceß Solowjeff. Die Aussagen der als Zeuge vernommenen Schwester und des Bruders Solowjeffs, von Bogdanowitsch und dessen Frau enthalten nichts wesentlich Neues. Mit dem Verhör dieser Zeugen schloß die gerichtliche Untersuchung. Nach zweistündiger Unterbrechung wurde die Sitzung 8y2 Uhr Abends wieder eröffnet. In der Anklagerede des Justizministers wurde der vorbedachte Character des Attentats hervorgehoben, welches, wie alle Details beweisen, nicht ohne Mitwirkung anderer Personen geschehen konnte. Der Justizminister wies weiter darauf hin, daß keine private und persönliche Gründe Solowjeff zum Verbrechen bewegen konnten. Sein Vater habe sein ganzes Leben im Dienste der seligen Großfürstin Helene Paulowna verbracht und wurde reichlichst belohnt, indem er außer Pension und freier Wohnung das Recht erhielt, falle Kinder auf Kosten der Großfürstin zu erziehen. Von allen Kindern hat Alexander Solowjeff am meisten von diesen Wohlihaten genossen, da er als Kronpensionär den Gymnasialcursus beendigte und alsdann eine Stelle erhielt. Trotzdem nahm er die Ansichten der socialistrschen Partei an. Nach langem Umherziehen im Innern Rußlands kam er nach Petersburg, woselbst er zum revolutionären Umsturzmann wurde. Aus seiner Petersburger Lebensweise erhellt, daß er mit der revolutionären Gesell- j schäft engen Verkehr hatte. Das Attentat wurde also unter dem Einflüsse der social-revolutionären Partei gemacht. Schließlich beantragt der Justizministcr die Todesstrafe. — Verthetdiger Turtschaninoff lenkte, ohne den schrecklichen Character des Verbrechens in Abrede zu stellen, die Aufmerksamkeit des Gerichtshofes auf das Gesetz von 1864, welches die Wirkung der russischen Strafgesetze hinsichtlich Anwendung der Strafe bet nicht vollbrachtem verbrecherischem Versuche radical umänderte. Weiter betonte der Verthetdiger den großen Einfluß von Ideen auf einzelne Individuen und wies darauf hin, daß es schwerlich möglich wäre, Solowjeff dafür zum Tode zu verurthetlen, daß er unter den gegebenen Umständen den socialtfttschen Lehren und deren schädlicher Wirkung nicht zu widerstehen vermochte. Der Vertheidtger bat den Gerichts- Hof, den Kaiser um Mtlcerung der Strafe Solowjeff's zu ersuchen. — Nach Aufstellung der Fragen über die Schuld des Angeklagten wurde das bekannte Urtheü gefällt, worauf die Sitzung 10 Uhr 40 Mtn. Abends schloß.
_ fW 10. Junt. Nachrichten aus Tschtkischlar vom 5. ds. zufolge flnbet daselbst fortgesetzter Truppenzuzng statt. Der Gesundheitszustand der Truppen ist ein guter; die Ausschiffung derselben wird durch starken Westwind erschwert. Der weitere Marsch des Expedttlonscorps ist unbekannt. Das Wetter ist mäßig warm.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'» telegr. T»rrefpoudenz-Bureau.
Berlin, 12. Junt. Der Minister des Hauses, Herr v. Schleinitz, ist tn den Grafenstand, Oberstkämmerer Graf Rhederu tn den Fürstenstand erho- b-'N. Unter den anläßlich der gesirigen Feier Decortnen befinden sich Der Präsident des Reichstages v. L-eydewitz, der den Kroneuorden 2. Kl. mit dem Stern, v. Bennigsen, der den Stern zum Kronenorden 2 Kl., Herzog v Rattbor der den Stern als Großcomthur des Hohenzollern Ordens, und Oberbürger- vietstcr von Frankfurt a. M., Mumm v. Schwarzenstein, der den Kronenorden 2. Kl. erhielt.
London, 12. Junt. Aus Capctown wird vom 24. v. Mts. gemeldet dem Trausvaal-Lande sei eine provisorische Verfassung zugestanden worden' welche den Wünschen der Boers Rechnung trage, indem drei der Letzteren dem Execul.vrathe zugetheilt würden. Die Meldung enthält nichts von wichtigeren militärischen Vorkommnissen. ö
Kairo, 12. Juni. Der neue französische Generalconsul Tricon über- reichte gestern dem Vicekönig den Protest Frankreichs gegen die Decrete vom 22. April, welcher fast identisch mit dem Proteste Englands, Deutschlands und Österreichs ist.
Konstantinopel, 12. Junt. Die von der Pforte zur Entwerfung '


