Stelle bewilligt sein soll, wurde gestrichen, ebenso diejenige, daß die Subvention der eoangel. Klrche von 1880 ab von der Kenntn-ßaahme des von der Lanves- synode aufzustellenden Budgets abhängig gemacht werden solle, da hierdurch die Selbstständigkeit der Kirche wieder llluforlsch gemacht werde. Nach kurzer Debatte genehmigte man hierauf mit 16 gegen 5 Stimmen den für die kach. Kirche geforderten Staatsbeitrag ohne die von der anderen Kammer hier beliebten Beschränkungen, vermied es aber, auf die Pctncipienfrage etnzugehen.
(N. H- V.)
Darmstadt, 12. Februar. Bekanntlich müssen die Reinerträantsse der Main-Neckar- und Matn-Weser>Bahn gesetzlich zur Tilgung der alten Eckenbahn- schuld verwendet werden. Dieselbe beträgt dermalen noch 11 Mill. Mk. nnd war deßhalb schon aus dem vorigen Landtag in der ersten Kammer die Frage angeregt worden, ob es nicht rationell sei, die in Rede stehenden Schuldcktel in neue zu converttren, welche die erwähnte Verpflichtung nicht enthalte, und somit die Möglichkeit zu schaffen, einen Theil der Betrtebsüberschüffe zu den laufenden Staatsausgaben zu verwenden. Dieselbe Frage hat unlängst auch den Finanzausschuß zweiter Kammer beschäftigt, der tudeß davon ausgtng, daß die bei der Convertirung zu gewährende Prämie den erwartenden Vorthetl zu sehr herabmtndern würde und es deßhalb unterließ, in fraglicher Richtung Anträge zu stellen.
Darmstadt, 12. März. In ihrer heutigen (6.) Sitzung führte die erste Kammer der Stände die Berathungen über den Etat zu Ende und nahm die Gesetzentwürfe, betreffend die Verlegung des Etatsjahres für den Staatshaushalt, die Organisation der Verwaltung der Staatsschuld, die Ausführung der deutschen Strafprozeßordnung, die Uebertragung von Grundeigentum und die Fortführung der Grundbücher in Rheinhessen, das Verfahren in Sachen der nichtstreitigen Gerichtsbarkeit, Maßregeln gegen den Coloradokäfer an. — Sodann wurde die Vorlage Großh. Ministeriums des Innern, die Bewilligung eines Beitrags aus Staatsmitteln zu den Kosten der Errichtung eines Landeskriegerdenkmals zu Darmstadt angenommen. Das Haus vertagte sich sodann und wird die nächste Sitzung voraussichtlich am 25. l. M. stattfinden.
— In der heutigen 20. Sitzung genehmigte die zweite Kammer den Antrag, die Summe von 167,493 M. als Beträge der früher zum Elsenbahngeländeerwerb beitragspflichtig behandelten Gemeinden auf die Staatskasse zu übernehmen. Der geforderten dekretsmäßigen Besoldungserhöhung der Bediensteten der Main-Neckarbahn wurde die Zustimmung ertheilt. Die für Kulturtechniker geforderte Summe betrug 14,000 M., die Kammer genehmigte indessen definitiv nur 3300 M. als Gehalt eines provisorisch anzustellenden Kultur-Ingenieurs und 3000 M. für Bureaubedürfnisse rc.
Die provisorische Errichtung einer Gestütsstation für den Kreis Erbach fand die Zustimmung der Kammer. Die für die Rheincorrektion von Mainz bis Bingen, den Neubau einer Schleuse am Rosengarten, die Herstellung des Chors in der katholischen Kirche zu Seligenstadt und die Erhöhung des Ginsheimer Rheindammes in früheren Finanzperioden bewilligten Kredite wurden in das Rechnungsjahr 1879/82 bez. 1876/78, übertragen. Der Gesetzentwurf die Bildung und Zuständigkeit des obersten Verwaltungsgerichts betr. und der Gesetzentwurf die Ausübung des Erziehungsrechtes in Bezug auf die Religion der Kinder betr. wurden ersterer einstimmig, letzterer gegen sechs Stimmen angenommen.
Darmstadt, 11. März. Das Gcoßherzogliche Regierungsblatt (Beil. Nr. 6) enthält:
1. Verzeichniß der Vorlesungen, welche auf der Großherzoglich Hessischen Ludewigs-Universität zu Gießen im Sommerhalbjahre 1879 gehalten werden und am 24. April ihren Anfang nehmen.
2. Bekanntmachung Großherzoglichen Krc^^rils Offenbach, die für das Jahr 1879 zur Bestreitung der Communal-Bedürfnifse nach dem Voranschlag der Stadt Os.enbach zu erhebenden Umlagen betreffend.
3. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Bingen, die Umlagen der israelitischen Gemeinde zu Jugenherm, im Kreise Bingen, für 1879/80 betreffend.
4. Dienstnachrichten. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädtgst geruht: am 4. Febr. den Bauaccesststen Karl Posetnec aus Grünberg zum Bahnmeister bei der Main-Neckar-Eisenbahn zu ernennen; an dems. Tage dem evang. Pfarramts-Candidaten Christoph Olff ans Schwanheim die evang. Pfarrstelle zu Wendelsheim zu übertragen.
5. Ruhestandsversetzungen. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 4. Febr. den Bahnmeister der Bahnmeisterei Heppenheim Georg Dell auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand zu versetzen.
Am 18. Febr. wurde der Schullehrer Peter \ud 'n der Gemeinde- schule zu Schotten, am 19. Febc. wurde der Sck Zehrer Joseph Göbel an der Gemetndeschule zu Dienheim auf Nachsuchen tn den Ruhestand versetzt.
6. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind, eine Lehrerst.lle an der Gemetndeschule zu Lorsch mit einem jährlichen Durchschnittsgeh'ckt von 1300 eine Lehrerstelle an der Gemeindeschute zu Dietzenbach mit einem jährl. Gehalt von 1200 «X; eine Lehrerstelle an der Gem-mdes^zu Viernheim mit einem jährl. Gehalt von 1100 JC.
7. Sterbefälle. Gestorben sind: am 16. J^. de> Schullehrer Philipp König zu Uellershausen: am 29. Jan. der LäliVrich, t i. P. Louis Schäfer zu Darmstadt; am 16. Februar der Schullehr r'.anz Kurz zu Unter- Schönmattenwag.
Berlin, 9. März. Die Zolltarts-Eommissio. ;it, wie die „Nation.- Liberale Eorresp." hört, gestern einen Zoll auf Hol-, im Betrage von 10 pro Centner, beschlofi- Vor einiger Zeit hieß , daß die Referenten et^en Zoll von 5 H beam agt hätten. Die Commission würde also diesen Satz auf das Doppelte überschritten haben. Zur Ken 'Zeichnung der Bedeutung des Beschlufles sei bemerkt, daß Holz bereits vor 1865 zollfrei einging. — Ueber die in der zwecken Hälfte der Session, nach Ostern, zu erwartende Tätigkeit des Reichstages schreibt die „Berl. Aut- Corresp.": „Dieselbe hängt von den Entschließungen der Regierung ab, ob sie nämlich die von ihr beabsichtigten Finanzvorlagen für sich allein einbrtngt, oder aber ob diese'oen in Verbindung gebracht werden sollen mit der allgemeinen Revision des Zolltarifs. Das Letztere werde bedeuten, daß die Regierung keine so groß. Dringlichkeit für die Finanzreform anerkennt, um ihre schnellste Erledigung herbeiführen zu sollen. Denn kommt eine Vorlage wegen allgemeiner Revision des Zolltarifs an den Reichstag, so versteht es sich von selber, daß der Reichstag sich sehr eingehend damit beschäftigen und daß eine Vorberathung der Vorlage in einer Commission wird vor sich gehen müssen. So lange die Regierung über den hervorgehobenen Punkt sich nicht entscheidet, kann man deshalb auch nicht wiffen, wie die weiteren Geschäfte des Reichstags sich abwickeln werden."
Berlin, 11. März. Die „Nordd. Allgem. Ztg." veröffentlicht ein Dankschreiben des General-Feldmarschalls Grafen Moltke für die vielen anläßlich seines Dienstjubiläums ihm zugegangenen Beweise herzlicher Theilnahme und Wohlwollens. — Die „Nordd. Allgem. Ztg." erklärt die Meldung mehrerer Zeitungen, daß bezüglich der angeregten Wiedereinführung der Erbpacht
eine ablehnende Entscheidung der Staatsregterung zu erwarten fei, für unrichtig und bemerkt, die bezüglichen Vorarbeiten seien noch lange nicht abgeschloffen. Die Entscheidung werde vermulhUch zustimmend ausfallen; ebenso sei alle Aussicht vorhanden, daß das Gesetz über Waldthetlungen dem nächsten Landtage werde vorgelgt werden.
Die Wahlprüfungs-Commtssion des Reichstags beschloß einstimmig, die Wahl Hammacher's für Lauenburg zu beanstanden. Gegencandidat Hammrcher's war Gras Herbert Bismarck. — Schutzzöllnerische Mitglieder des Reichstags hatten heute unter dem Vorsitz von Löwe-Calbe eine Besprechung und be- schloffen, gegen die in der Besprechung der Fortschrittspartei beabsichtigte In- terpellation über Getreidezölle zu stimmen.
Nußland.
Petersburg, 11. März. General Graf Loris - Melikoff telegraphirt aus Astrachan von gestern: Es sind keine Kranken mehr vorhanden. Eine besondere Commission unter Betbülfe des Profeffors Tschudnowsky bestchtigte die Fischerdörfer von Zariztn bis Dubowka und fand dieselben in einem befriedigenden Zustande. Ueber die übrigen Ortschaften halte ich mein Urtheil bis nach der durch zwei besondere Commissionen erfolgten Besichtigung, welche in der laufenden Woche beginnt, noch zurück. Im Dorfe Prtschib wurden vir-r insicirte Häuser mit sämmtltchen Nebengebäuden verbrannt. Heute beginnt die Verbrennung des fünften und letzten Hauses. Der französische Delegtrte wohnte der Verbrennung bei.
Numänien.
Bukarest, 11. März. Das Amtsblatt veröffentlicht ein Decret, welches Sulina zum Freihafen erklärt. Gemäß des Decretes genießen Zollbefreiung alle zu Waffer aus dem Auslande in Sulina eingeführten Maaren und Gegenstände. Nack Rumänien bestimmte Maaren sind beim Austritte auS Sulma zu verzollen. Das Decret tritt am 13. März in Kraft.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Eorrefpon-errz-Bureau.
Berlin, 12. März. Der „Retchsanzetger" meldet: Im Befinden Sr. Majestät des Kaisers ist eine den Umständen entsprechende Befferung eingetreten. Die Contusionserscheinungen an der rechten Hüfte und Brustsette zeigen allmälige Abnahme. Der Kaiser empfing heute Nachmittag den Fürsten Bismarck zum Vortrag.
Wien, 12. März. Meldungen der „Polit. Corr." Aus Petersburg. Das Petersburger Cabinet beschränkte sich tn seiner jüngsten Circulardepesche daraus, die noch unerledigten Angelegenheiten zu signalisiren, welche zu neuen localen Conflagrationen führen könnten. In der Depesche sei ebensowenig von Bulgarien wie von einer Conferenz die Rede, überhaupt keinerlei Lösungsmodus noch irgend eine Verständtgungsform vorgeschlagen. Es sei kaum zweifelhaft, daß das Petersburger Cabinet mit der letzten Circulardepesche dtrecte Verhandlungen von Cabinet zu Cabinet tn's Auge faßte. — AuS Konstantinopel. Die Pforte entschloß sich zu neuen Instructionen an ihre Vertreter tn Prevesa, welche weitere Terrttorialconcesstonen an Griechenland in sich schlief dürsten. Das russische Hauptquartier wird nicht nach Varna, sondern nach Slivno verlegt. Totleben wird am 14. ds. in Varna etntreffen und sich am 22. nach Odeffa begeben.
— Telegramme aus Szegedin melden: Die Fluth ergießt sich fürchterlich brausend von zwei Setten in die Stadt. Zwei Dritthetle derselben stehen unter Waffer. Die Häuser stürzen der Reihe nach ein. Das Entsetzen ist
unbeschreiblich. Die Bevölkerung flüchtet gegen NeU'Szegedtn oder die höher gelegenen Stadtthetle. Außer der Synagoge soll auch das Waisenhaus ein- gestürzt sein und alle Jnsaffen begraben haben. Zwei Fabrikgebäude brennen, ^ie Citadelle, das Postamt, das Telegraphenamt stehen unter Waffer. Szege- .i ist vernichtet. Die hauptstädtische Vertretung traf Vorkehrungen zur Entsendung von Rettungsmikteln und Rettungsmannschaften nach Szegedin. Zwei Rettungstrain sind bereits abgegangen. In den Kasernen und in anderen Gruden der Hauptstadt werden Unterkünfte für die Flüchtenden hergertchtet.
Pesth, 12. März. Ministerpräsident Tisza bestätigte im Unterhause die in Szegedin etngetretene Katastrophe. Nähere Details seien noch nicht bekannt. Dem Regierungs-Commtffär tn Szegedin wurden sofort für Verpflegung rc. 40,000 fl. angewiesen. Der Minister hofft, es seien keine Verluste von Menschenleben zu beklagen, nachdem für Rettungsmittel seit Wochen vorgesorgt wäre. — Im Unterhause verlautete, die Synagoge in Szegedin sei eingestürzt und habe viele Menschen, die sich in dieselbe geflüchtet, begraben.
Petersburg, 12. März. Ein Telegramm des Profeffors Eichwald aus Wetltanka vom 8. d. meldet: Im Laufe des Decembers starben tn Prtschib 16 Personen an der Seuche; diese war aus Wetltanka in zwei Häuser etnze- schleppt, deren Bewohner (tn dem einen 8, im andern 4) sämmtlich starben. Von diesen Personen wurden die mit Fortschaffung der Leichen beschäftigten, in einem dritten Hause wohnenden 4 Arbeiter angesteckt. In zwei Fällen dauerte die Krankheit 6 Tage. Seit December ist in Prischtb keine Erkrankung weiter vorgekommen; die Absperrung des Ortes ist bereits am 20. Febr. aufgehoben.
Berlin, 12. März. Die „Prov.-Corresp." schließt einen längeren Artikel über die Ablehnung der Vorlage, betr. die Strafgewalt des Reichstags, mit dem Satze: Nun denn, der Reichstag hat die ihm von der Regierung dargebotene Hand zur Beseitigung eines schweren Mißstandes, zur folgerichtigen Ergänzung der im Socialistengesetz getroffenen Bestimmungen zurückgewiesen. Es wird zunächst abzuwarten sein, ob er aus eigener Machtvollkommenheit und auf dem Boden der Geschäftsordnung etwas schaffen kann, was dem berechtigten Wunsche der Bevölkerung entspricht, Ruhe vor socialisttschen Agitationen und Schutz gegen den Mißbrauch der parlamentarischen Privilegien zu gewinnen.
Konstantinopel, 12. Februar. Die britische Flotte geht heute nach der Besika • Bai ab. Der antihaffunistische armenische Patriarch Kupelian hat seine Würde niedergelegt und begibt sich nach Rom, um die Verzeihung deS Papstes zu erbitten.
Szegedin, 12. März, 6</2 Uhr Äbends. Officiell. Die Stadt bietet einen schrecklichen Anblick. Hundert Häuser find eingestürzt. Die Entfemung der Bewohner geschieht ohne jede Unordnung, da in den letzten vier Tagen bereits viele geflüchtet sind. Bisher wurden nur vier Tode constatirt. Die
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