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Nr. 38. Freitag, den 14. Februar 1879.

ASM- Asltshlstt für iti Kreis Gießen.

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Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bcingerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Die Eröffnung des Deutschen Reichstags.

Berlin, 12. Februar, Nachmittags 2 Uhr. Die Thronrede, welche Seine Majestät bei Kaiser bei Eröffnung des Reichstags verlesen, hat folgen­den Wortlaut:

Geehrte Herren! Indem Ich Sie willkommen heiße, drängt es Mich auch von dieser Stelle Meinen Dank für Gottes Gnade zu wiederholen, die Mtch in Gefahr beschirmt und von schweren Leiden geheilt hat.

Ich spreche zugleich Meinem Sohne, dem Kronprinzen, nochmals Meine Anerkennung seiner Führung der Negierungsgeschäfte aus, und danke Ihnen, geehrte Herren, für die Unterstützung, welche Sie den verbündeten Regierungen gewährt haben, um im Wege des Gesetzes einer gegen die Grundlagen unseres staatlichen und Kulturlebens gerichteten Agitation Einhalt zu thun.

Ich darf demnach auch für die Zukunft in gleichem Maaße auf Ihre Mitwirkung rechnen, soweit die Heilung unserer socialen Schäden fich als unvollendet erweisen sollte. *"

Die verbündeten Regierungen berathen über die Mittel, welche die Gesetz­gebung zu gewähren vermag, um Uebelstäude, unter denen wir auf wirthschaft- lichem Gebiete leiden, zu heben oder zu mindern. Die Vorschläge, welche Ich Meinen Bundesgenossen thetls gemacht habe, theils zu machen beabsichtige, haben zunächst den Zweck, durch Beschaffung neuer Einnahmequellen sür das Reich die einzelnen Regierungen in den Stand zu setzen, daß Sie auf Fort- erhtbung derjenigen Steuern zu verzichten verwögen, welche Sie und Ihre Landesvertretungen als die am schwersten aufzubringenden erkennen. Zugleich bin Ich der Meinung, daß unsere wtrthschastliche Thättgkett in ihrem ge­jammten Umfange auf diejenige Unterstützung vollen Anspruch hat, welche die Gesetzgebung über Steuern und Zölle ihr zu gewähren vermag und in den Ländern, mit denen wir verkehren^ .vielleicht über dasLZedürfntß hinaus gewährt.

Ich halte es für Meine PstM, dahin zu wirken, daß wenigstens der deutsche Markt der nationalen Produktion insoweit erhalten werde, als dies mit unseren Gesammttntereffen verträglich ist, und daß demgemäß unsere Zoll- Gesetzgebung den bewährten Grundsätzen wiederum näher trete, auf welchen die gedeihliche Wirksamkeit des Zoll-Vereins fast ein halbes Jahrhundert beruht bat, und welche in unserer Handelspolitik seit dem Jahre 1865 in wesentlichen Theilen verlaffen worden sind.

Ich vermag nicht zu erkennen, daß thatsächliche Erfolge dieser Wendung unserer Zoll-Poltttk zur Seite gestanden haben.

Die Vorlagen in der angedeuteten Richtung werden insoweit und sobald die Einigung der verbündeten Regierungen über dieselben stattgefunden haben wird, Ihrer Beschlußnahme unterbreitet werden.

Für den diesjährigen Reichsbaushalt-Etat, welcher Ihnen ungesäumt zu­gehen wird, haben neue Einnahmequellen noch nicht in Aussicht genommen werden können, und es ist daher, um den Etats-Abschluß bis zum 1. April zu ermöglichen, die Deckung der Bedarssz'ffer durch Matrikular-Umlagen in An­satz zu bringen gewesen. Ich darf hoffen, daß noch während Ihrer diesjährigen Session Ihnen die Vorschläge der verbündeten Regierungen über Ersetzung der Matrikular-Beiträge durch andere Einnahme-Quellen werden zugehen können.

Als einen dringlichen Gegenstand Ihrer Verhandlungen darf Ich den am 16. December v. I. mit Oesterreich abgeschloffenen Handelsvertrag be­zeichnen, welcher Ihrer Genehmigung bedarf.

Die Verträge, durch welche der zu Bern 1874 begründete Allgemeine Postverein befestigt und im Abschluffe seines Grundgedankens der Gesammt- heit der Verkehrsländer zugänglich gemacht ist, werden Ihnen zur Genehmigung zugehen.

Ebenso wird der Gesetzentwurf gegen Verfälschung der Lebensmittel Ihrer Berathnng von Neuem unterbreitet werden, und werden die Entwürfe zur Er­gänzung der Justizgesetze Ihrer Beschlußsaflung unterliegen.

Um dem Reichstag die Möglichkeit zu gewähren, die Ehre der Mitbürger, welche dem Reichstage nicht angehören, gegen die Ausschreitungen einzelner Mitglieder zu schützen und seiner eigenen Autorität da, wo sie verkannt wird, vollen Nachdruck zu gewähren, haben die verbündeten Regierungen zu Ihrer Beschlußnahme einen Gesetzentwurf vorgelegt, durch deffen Annahme die ver- saffungsmäßigen Befugnisse des Reichstags, nach Art. 27 seine Dtsctpltn selbst zu regeln, eine erweiterte gesetzliche Unterlage gewinnen würden.

Die beunruhigenden Nachrichten über den Ausbruch der Pest im Osten Europas haben UnS in die bedauerliche Nothwendtgkett gesetzt, Vorflchtsmaß- regeln zu treffen, welche dem Verkehr lästig fallen. Die jüngsten Nachrichten geben der Hoffnung Raum, daß die baldige Unterdrückung der Krankheit wenigstens in Rußland den energischen Vorkehrungen der kaiserl. russischen Be­hörde gelingen werde. Sobald sich dies bestätigt, wird der Grenzverkehr sofort wieder auf den den politischen Beziehungen beider befreundeten Länder ent­sprechenden nachbarlichen Fuß gesetzt werden.

Die Ungewißheit, in welcher die Schlußbestimmung von Artikel 5 des Prager Friedens von 1866 die Zukunft der Einwohner der nördlichen Distrikte von Schleswig erhielt, hat Mich, nachdem die Lösung dieser Frage in wieder­holten Unterhandlungen mit Dänemark nicht gelungen war, veranlaßt, mit seiner Majestät dem Kaiser von Oesterreich und König von Ungarn in Ver­

handlung über eine Abänderung jenes Artikels zu treten. Den gegenseitigen freundschaftlichen Beziehungen beider Reiche entsprechend, ist eine Vereinbarung beider Höfe in dem gewünschten Sinne zu Stande gekommen und am 11. Januar d. I. ratificirt worden, deren Wortlaut zu Ihrer Kenntniß mit- getheilt werden wird.

Die Hoffnung auf eine baldige Beendigung des Krieges im Orient, die Ich beim Beginn der letzten ordentlichen Session aussprach, hat sich erfüllt und es ist den im vorigen Sommer versammelten Vertretern der Großmächte gelungen, sich über Anordnungen zu verständigen, von deren Durchführung der Schutz der Christen, die Sicherung der Ruhe im türkischen Reiche und die Wabrung \ es Friedens der Mächte Europas zu erwarten ist. Die durch den Berliner Vertrag bekräftigten friedlichen Beziehungen der auswärtigen Mächte zu Deutschland und unter einander zu fördern, soll auch ferner die Ausgabe fein und bleiben, in deren Dienst Ich die große Macht, welche Deutschland durch seine Einigung gewonnen hat, verwenden will, so wett sie in Meine Hand gelegt ist.

Wenn Mir Gott die Erfüllung diesir Aufgaben gewährt, so will Ich mit dem dankbaren Gefühl, daß Meine Regierung bisher eine reich gesegnete sei, auch auf die schwere Erfahrung des letzten Jahres zurückblicken.

Der Kampf am Tugelastrom.

Die Engländer haben in Südafrika eine schwere Niederlage erlitten, die schwerste, die seit dem großen indischen Ausstande eine englische Armee be­troffen hat, eine Niederlage, bei der nach den ersten dürftigen Nachrichten mehr Menschenleben zu Grunde gegangen sind, als während des ganzen afghanischen Krieges. Und ist es schon an und für sich bedenklich, wenn die Engländer an Todten W Osficiere und 500 Mann verlieren von einer Armee, die in ihren gesammten vier Operationscorps überhaupt nur 5400 Engländer und 8000 eingeborene Soldaten umfaßt, so wird doch die Lage durch die eigenthümlichen Bevölkerungsverhältmfse der südafrikanischen Colonien noch ganz besonders kri­tisch. Betreffs Indiens ist in den letzten Jahren kaum jemals die ernstliche Besorgntß ausgesprochen worden, daß der englischen Herrschaft, so wie die Verhältnisse augenblicklich liegen, Seitens der einheimischen Bevölkerung, so lange diese ohne Anregung von Außen her verbleibt, irgendwelche Gefahr drohen könne. Diese Gefahr ist aber nach den übereinstimmenden englischen und holländischen Berichten in Südafrika thaisächltch vorhanden. Die Euro­päer stehen dort in verschwindender Minderheit einer zahlreichen eingeborenen Bevölkerung gegenüber, die zum großen Thetl mit Schießgewehren versehen und weder körperlich so schlecht gebildet ist, noch geistig so tief steht, wie sie mannigfach geschildert worden ist. In der Colonie Natal beispielsweise, die gegenwärtig von den Kaffern bedroht ist, kommen auf 327,000 Einwohner blos 20,000 Weiße, und Transvaal zählt neben einer holländisch-deutschen Bevölkerung von 40,000 Seelen nicht weniger als 275,000 Kaffern. Weit güt sttger liegen freilich die Verhältniffe in der eigentlichen Capcolonie, und ein Glück für die Engländer ist es, daß von den zwei einheimischen Racen der Hottentotten und Kaffern die erstere in den englischen Colonien wett zahlreicher vertreten ist, als die letztere. Wie nahe übrigens nach der englischen Schlappe die Gefahr eims allgemeinen Gemetzels unter den europäischen Colontsten liegt, läßt sich daraus ermessen, daß allein in den englischen Grenzgebieten am Tu­gelastrom gegen 3400 000 Kaffern wohnen, ehemalige Unterthanen Cetewayo's, die sich jedoch wegen der drückenden Militärlast und um hetrathen zu können, auf englisches Gebiet gerettet hatten. Man hoffte nun zwar, daß diese Kaffern sich für ihre Aufnahme auf englischem Boden dankbar erweisen würden, weit wahrscheinlicher erschien es jedoch, daß sie bet der ihnen eigenthümlichen Stammesanhänglichkeit und ihrer Neigung zu Bestialitäten sich an den wahr­scheinlichen Ausschreitungen ihrer siegreichen Stammesgenoffen betheiligen wür­den. Wir brauchen daher nicht erstaunt zu sein, wenn in der nächsten Zett, dem Wunsche Str Bärtle Frere's zufolge, von England aus Truppen über Truppen zum Capland entsandt werden. War es doch nicht anders während des indischen Ausstandes der Fall, und eine ähnliche, wenn auch noch fern­stehende Gefahr droht jetzt dem englischen Colonialbesitz In Südafrika. Auch die rückhaltlose Veröffentlichung der schlimmen Nachricht läßt darauf schließen, daß man die nothwendigen Truppennachschübe vor der öffentlichen Meinung rechtfertigen will. Sehr bedauerlich ist dabet, daß vor der Ankunft frischer englischer Truppen noch eine so sehr lange Zett verstreichen wird. Wann die Engländer ihre Schlappe erlitten haben, wiffen wir noch nicht, das betr. Tele­gramm aber ist vom 27. Januar dattrt, hat mithin 15 Tage gebraucht, um zu Schiff von der Capstadt nach Madeira, von dort mit dem Telegraphen nach England befördert zu werden- Nun brauchen die Postdampser von eng­lischen Häfen bis zur Capstadt etwa 24 bis 26 Tage, und rechnet man dazu noch einige Tage sür die Marschbereitschaft und Einschiffung der Truppen, so darf man kaum hoffen, daß frische englische Soldaten früher als etwa 50 Tage nach der Niederlage aus dem Boden des Caplandes stehen werden. England wird jetzt auch jedenfalls bet der portugiesischen Regierung abermals daraus dringen, auch von der Delagoa-Bat her m das Zululand etnmarschiren zu dürfen. Und diese Erlaubniß dürfte schwerlich verweigert werden, wenn auch