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reich, würden nicht widerstreben. Abg. Sonnemann begrüßt den Antrag an sich mit Befriedigung, anerkennt aber die Schwierigkeit der Durchführung. Letztere sei unmöglich ohne Herabsetzung der Dienstzeit. Bis zum Ablauf des Scptennats sei die Frage zwar noch nicht discutabel. Der Antrag sei indeß schon jetzt Angesichts der bevorstehenden Steuererhöhung erwägenswerth. Er empfehle die Einsetzung einer Special-Eommission, welche die einschlägigen Verhältnisse unter­suche im Zusammenhänge mit der Steuererböhung. Hänel erklärt sich mit dem Gedanken des Antrages einverstanden, hält denselben aber für inopportun und unpraktikabel. Nachdem Reichensperger (Crefeld) ebenfalls im Sinne Hänel's sich ausgesprochen, wird die Dtscussion geschlossen und der Antrag Bühler abgelehnt. Für den Antrag stimmen drei Mitglieder des Eentrums, die Socialdemokraten und der Abg. Sonnemann.

Der Mtlitäretat wird nach unerheblicher Debatte genehmigt. Bei dem Marine - Etat kommt Hänel auf die Angelegenheit desGroßen Kurfürsten" zurück; er wünscht weitere Auf­klärungen und erörtert den Rücktritt des Admirals Werner. General v. Stosch erwidert, er bedauere, solange das gerichtliche Verfahren schwebe, keine Auskunft über den Stand der An­gelegenheit geben zu können. WaS den Abschied des Admirals Werner betreffe, so' handele es sich um einen einfachen Act der militärischen DiSciplin, der sich ganz in dem Rahmen des militärischen Reglements abgewickelt habe, woraus ihm, dem Minister, kein Vorwurf erwachsen könne; er habe nur seine Pflicht gethan und werde sie thun, so lange er auf dieser Stelle stehe. Hänel ist mit der Auskunft nicht zufrieden, er besteht auf Vorlegung der Acten in Sachen des PanzerschiffsGroßer Kurfürst". Lasker betont, die deutsche Nation habe ein Recht darauf, nähere Kunde über das Unglück zu verlangen. Er wünsche wenigstens die Er­klärung, daß die Vorlegung der Ergebniffe der Untersuchung zu einem späteren Zeitpunkte erfolgen werde. General v. Stosch wiederholt sein Bedauern, daß das Verfahren noch nicht zum Abschluffe gelangt sei. Die Acten lägen ganz außerhalb seine- Refforts; es sei sein leb­hafter Wunsch, dem Hause das gesammte Material zu unterbreiten. Seine Autorität könne er freilich für die Vorlegung nicht einsetzen. Lucius erwartet gleichfalls, daß über die Ursachen der Katastrophe desGroßen Kurfürsten" erschöpfender, objectiver Aufschluß gegeben werde; er glaubt, daß in der Organisation der Marineverwaltung Mängel enthalten seien. Hänel beantragt, die Berathung über Titel 1 des Marine - Etats auszusetzen. Lucius und Lasker sind dagegen. Der Antrag Hänel wird abgelehnt, Titel 1 angenommen.

Nächste Sitzung Donnerstag.

Berlin, 11. März. Der Kaiser hat gut geschlafen. Sein Befinden ist befriedigend.

London, 11. März. Prinzessin Louise und deren Eltern, Prinz Fried­rich Karl und Gemahlin, find heute früh mit der DachtVictoria und Albert" in Sherneß angekommen und wurden von dem Herzog v. Connaught empfan­gen und von Artillertesalven begrüßt.

Berlin, 11. März. Die hiesige Biehmarkt-Sperre wird von morgen ab aufgehoben.

Paris, 11. März. Der Justizmtnister hat den Tribunals.Präsidenten zu Bayonne wegen Thetlnahme an einer bonapartistlschen Kundgebung vor die Disctplinar-Section des Caffaüonshofes verwiesen. Präsioent Grevy hat heute Morgen ein Decret vollzogen, wodurch 151 wegen Theilnahme an der Jnsurrection von 1871 verurtheilte Personen begnadigt werden. Unter diesen befinden sich der frühere Deputtrte Ranc und der berühmte Geograph Eltsöe Mclus.

Szegedin, 10. März. Die Dammarbeiten werden Tag und Nacht von 1400 Personen fortgesetzt. Die Situation hat sich ein wenig gebesiert. Das Wasser am Bahnhose ist einen halben Zoll gefallen. Die Gemeinde Dorozma ist hart bedrängt. Die Gegend hat sich in ein unabsehbares, 2 Klafter tiefes Meer verwandelt. Die Einwohner von Dorozma, welchen man Hülfe zu bringen sucht, befinden sich deshalb in großer Aufregung. Auch Szentes ist bedroht.

Madrid, 11. März. Gutem Vernehmen nach unterzeichnete der König ein Decret betreffs Auflösung der Cortes und Zusammentritts der neu zu wählenden Kammern am 10. Mat.

London, H. März, Abends. Der Herzog von Connaught, Prinzessin Louise Margarethe von Preußen und deren Eltern Prinz und Prinzessin Friedrich Karl kamen heute Nachmittag 1 Uhr 30 Min. in Schloß Windsor an und wurden von der Königin an der großen Schloßtreppe empfangen.

London, 11. März. Salisbury confertrte gestern mit Schuwaloff, Musurus Pascha und Layard. Schuwaloff begibt sich auf mehrere Wochen mit Urlaub nach Petersburg.Daily News" meldet aus Jellalabad vom 10. d.: Major Cavagnari sendete einen Emiffär an Jakub Khan nach Kabul mit Vorschlägen wegen Eröffnung von Verhandlungen.Daily Telegraph" erfährt, daß die britische Flotte, welche unverzüglich das Marmara Meer ver­loste, bis auf Weiteres in der Besika-Bai verbleibe.

Pesth, 12. März. (Nacht-Telegramm aus Szegedin). Um 2 Uhr Nachts ist bte furchtbare Katastrophe einaetreten. Das Master ergießt sich in breiten Strömen durch den gerissenen Damm gegen die Stadt. Alles flüchtet. Auch in Pesth herrscht die größte Aufregung. ___________

Lokales.

Gießen, 12. März. In der Woche vom 2. bis 8. März betrug die Zabl der Todes­fälle in Gießen im Ganzen 9. Es starben 5 Erwachsene (2 an Lungenschwindsucht, je 1 an Typhus, Gehirnschlag und Lungenentzündung) und 4 Kinder. Von diesen letzteren eins von 31/s Jahren an Knochenfraß, ems im ersten Lebensjahre an Bronchicnentzündung und 2 von demselben Alter an Krämpfen. G.

In der Nacht vom 11. auf 12. d. M. fanden in den beiden hiesigen Herbergen 88 Fremde Unterkommen; ein Zahl, welche bis jetzt noch nicht dagewesen sein soll.

Gingesandt.

Donnerstag den 13. dsS. findet zum Benefiz von Frl. Franziska Häscr die Aufführung derCivil-Ehe^ auf unserem Theater statt.Eivil-Ehe" ist ein Stück aus dem Leben und ein Volk-ftück in des Worte- vollster Bedeutung. Die Bcneficiantin hat mit der Wabl gerade dieses Stückes einen guten Griff gethan um in demselben sich als gcrngesebene Künstlerin zeigen zu können. Wir hoffen, daß unser Publikum «uch an diesem Ehrcnabendc der Dame das so oft bewiesene Wohlwollen und den regsten Beifall erzeigen wird.

Mehrere Theaterfreunde.

Theater.

Donnerstag den 13. Mär- findet zum Benefiz der Fräulein Franziska Hafer die Auf­führung der Novität:Eine Civil-Ehe" statt! Fräulein Häser zählt zu unseren fleißigsten Mitgliedern und hat in ihren Rollen stets die Anerkennung des Publikums gefunden! Hoffen wir, daß das Publikum dies durch recht zahlreichen Besuch anerkennen wirb!_________ P.

Haydn s Jahresreiten im Coneerte des hiesigen Concertvereins*)

Gießen, 10. März. Die gestrige musikalische Aufführung hat das hiesige, sowie das von allen Seiten zugereiste Publikum, welches die Concert-Räume wahrhaft überfüllte, in sehr hohem Grade befriedigt.

Wenn cs auch noch nicht allzu lange her ist, daß die Jahreszeiten hier gehört wurden so können wir doch die Wahl dieses in seiner Art unübertroffen dastehenden reizenden, lieblichen Meisterwerks nur durchaus billigen. Die Chöre waren vortrefflich einstudirt und wenn den Frauenstimmen (Sopran sowohl als Alt hatten einige vortreffliche Chorführerinnen aufzuweisen) der Vorrang gebührt, so liegt dies offenbar vorzugsweise in der unstabilen Zusammensetzung des Männerchors. Leichte Schwankungen hier, sowie in dem Orchester, das übrigens durch einige tüchtige auswärtige Kräfte verstärkt war, sind in Anbetracht der wenigen Proben und einer einzigen Gesammtprobe gewiß nicht dem Dirigenten in die Schuhe zu schieben. Herr Director Fe ich n er, unter dessen Leitung die Orchesteraufführungen n den letzten Jahren offen­bar bedeutend gewonnen haben, bat gestern von Neuem bewiesen, zu welchen Resultaten man es mit gründlicher Sachverständniß, gutem Willen und durchgreifender Energie auf der- durch die hiesigen Verhältnisse bedingten -- nicht allzu geebneten Bahn eines Musikbirectors bringen Eanru

Die Solopartieen waren durch drei Schüler des Gesangmeisters Stockhausen in Frankfurt a. M. vertreten. Beginnen wir, der Aufzeichnung des Programms folgend, mit der Besprechung des Vertreters der Baßrolle. Dieselbe wurde von Herrn H Ungar in'vor­trefflicher Weise durchgeführt. Freilich war zu bedauern, daß derselbe durch plötzlich eingetretene Heiserkeit sein klangvolles Organ, seine gediegene Schule, seine Gewandtheit im Vortrage, Die er namentlich bei Schwankungen im Orchester in hohem Grade bewies, nicht in voller unge­schwächter Kraft zeigen konnte. Möge ihn uns ein gütiges Geschick ein andermal in seiner intakten Vollkommenheit wieder zuführen!

Mit großer Spannung sah man dem ersten Auftreten des Tenoristen Herrn H Müller in seiner Vaterstadt entgegen. Er hat allen Erwartungen entsprochen, ja dieselben über­troffen- Man darf nicht hoffen, bei einem Schüler die Leistungen eines Meisters zu finden; auch wage ich es nicht, jetzt schon ein endgültiges Unheil über die weitere Entwickelung namentlich auch in Bezug auf die Stärke seiner Stimme zu fällen; aber das steht sicher; Herr Müller hat einen vortrefflichen, weichen, anmuthenden lyrischen Tenor, der Ohr und Herz erquickt und Der eine bedeutende Zukunft verspricht. Möchten wir recht bald Gelegenheit haben, den jugendlichen Sänger wieder zu hören in unserer Stadt, die stolz darauf ist, ihn den Ihren nennen zu können.

Die Sopranpartie wurde von Fräulein Antonie Kufferath vorgetragen In ihr vereinigen sich jetzt schon alle Vorzüge einer ausgezeichneten Sängerin. In ihren Aoern rollt musikalisches Blut. Sie ist eine Freude des Dirigenten, der kaum Etwas zu btrigiren hat. Bei aller Bescheidenheit und Lieblichkeit des Auftretens diese Bestimmtheit und Sicherheit! Diese Seele im Gesang! Wie lauteres Gold perlen die Töne von den jugendlichen Lippen- Diese Leichtigkeit, womit die höchsten Töne glockenrein und rund, unmittelbar ohne jede Anstreng­ung, weit fortgetragen werden bis in die entferntesten Räume des Saales!

Möge die junge Sängerin, die mit ihrem Erscheinen den ersten Lenzestag in der Natur und eine herrliche Frühlingsstimmung in unfern Herzen erweckt hat, aufsteigen auf ihrer Bahn, der Bahn einer gottbegnadeten Künstlerin, möge sie bei den unausbleiblichen Triumphen, die sie weiter feiern wird, ihr bescheidenes, anmuthvolles, liebreizendes Wesen beibehalten und mögt sie es nicht verschmähen, wiederzukehren in unseren Concertsaal, in welchem ihr stets zahlreiche Verehrer und Verehrerinnen entgegenjubeln werden. a.

*) Von mehreren uns zugegangenen Kritiken, welche sämmtlich das Concert vom vorigen Sonntag als ein wohl gelungenes schildern, haben wir nachstehende als die wahrheitsgetreueste und als am meisten auf die Sache eingehende in unsere Spalten aufgenommen D. Red.

Von einem hervorragenden Kritiker geht uns folgendes Schreiben zu:

Das mir freundlichst übersandte Buch .-Dr. Airys Naturheilmethode habe ich mit großem Interesse gelesen und erlaube ich mir im Nachstehenden mein ungeschmink- ' tes, rückhaltloses Unheil darüber zu äußern- Ich bin nicht Gelehrter genug, um zu beurtheilen, in welchem Grade dieses Buch die populär-medieinlsche Literatur zu be­reichern resp. zu ergänzen vermag und wie die Herren der Fakultät darüber denken, eines aber scheint mir gewiß, und ich halte dies für das Wichtigste: Dieses Buch - welchem nebenbei erwähnt das enorme Glück einer hundertzehnten Auflage beschieden ward füllt eine Lücke aus in der Volksbibliothek. Es ist ein Buch, welches der Freund der Aufklärung gern in jedem Haufe antreffen möchte und ich bin überzeugt, daß dieses Werk die wünschenswerthe und verdiente Verbreitung erfahren wird- Die Besprechnugen der Krankheiten des Menschen find durchaus gelungen, knapp, verständ­lich und aufklärend, so daß auch Derjenige, dem alle anatomischen und physiologischen Dorbegriffe mangeln, ein deutliches Bild jener Vorgänge erhalten muß, welche die Störung seines Organismus verursachen. Dann scheinen mir die Heilvorschläge mit möglichst wenig Mitteln sehr leicht ausführbar und durchaus vernünftig, der glück­liche Beginn zur Lösung des Problems: wenig Arzneien zu geben und nur durchaus unschädliche. Geradezu staunenerregend sind aber die zahlreichen dem Buche beigedruckten Briefe von Solchen, die sich jener Methode unterzogen haben und derselben ihre Heilung verdanken; was für glänzende Erfolge finden wir hier verzeichnet! Chronische, langjährige und angeblich hoffnungslose Leiden mußten jenerNatur-Heilmethode" weichen und drängt sich dem Leser die Ueberzeugung auf, daß auch von den Aerzten einstimmig Aufgegebene hier ihr Heil finden müssen, gleich tausend Anderen. Und fo hege ich nur den aufrichtigen Wunsch, das Buch möge zu jener Volkstümlichkeit ge­langen, welche ihm zukommt, mehr denn irgend einem Anderen!"

Zeugniß über Dampf-Dresch-Maschinen.

Herrn Ph. Mayfarth & (So. in Frankfurt a. M.

Die von Ihnen bezogene complette Dampf-Dresch-Maschine aus der Fabrik von Robey & So. in Lincoln (England) hat sich vortrefflich bewährt. Die Dreschmaschine mit Eisenrahmen und 48zölliger Trommel ist sehr gut construirt, macht das Getreide vollkommen rein und vermag mit Hilfe der sechspferdigen Locomobile fünf Fuder per Stunde zu dreschen. Die Locomobile hat einen rubigen Gang uno bedarf für Die Stunde 80 Pfund Kohlen

Unserer Maschine werden von den hiesigen Einwohnern unter allen anderen der Vor­zug gegeben.

Nehmen Sic zum Schluß die Versicherung, daß diese Maschine unsere Wünsche voll­kommen befriedigt und wir Ihnen für die reelle BeDicnung bestens danken.

Achtungsvoll zeichnen

gez. PH. Kreiling VI. und Ludw. Karl ©teinmüHcr Heuchelheim bei Gießen, den 2. December 1878.

Allgemeiner Anzeiger.

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