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Donnerstag, den 13. März
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1879
Meßencr Wnciger
Anjerse- uni Amtsiluit für itu Kreis Gieße«
Redaeti-nSbureerur l fiAurftrn6, R lfi
SxpedittonSburea«r / «chulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
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Italien.
Rom, 10. März. Das Journal „Avventre" bespricht das angebliche Memorandum oder Rundschreiben, welches Rußland kürzlich an die Mächte gerichtet haben soll und thetlt darüber Folgendes-mit: Die von auswärtigen Blättern geäußerte Besorgniß, das Memorandum bezwecke den Berliner Vergleich umzustoßen, sei übertrieben. Die dem „Avvenire" zugehenden Nachrichten ließen die Dinge in beruhigenderen Verhältnissen erscheinen. Rußland habe, nicht in einem einzelnen Schriftstücke, sondern in einer Reihe von Mittheilungen an seine Vertreter verlangt, daß die frei Anbruch des Winters eingestellten Grcnzbestimmungs-Albeiten mit Eifer wieder ausgenommen würden, und außerdem vorgeschlagen, daß die mit diesen Arbeiten betrauten Commifsäre gleichförmige Weisungen über die maßgebenden leitenden Grundsätze erhalten, um die rasche Durchführung derselben zu sichern. Die wichtigsten Fragen, über welche Rußland eine priucipielle Einigung hergestellt wünsche, beträfen: die bei den befestigten Stellungen, welche die Türkei an der Balkan-Grenze errichten darf, zu begrenzenden Vertheidigungs - Bezirke, die Ordnung der Grenze um Silistriä und der zwischen Bulgarien und Rumänien zu verthei- lenven Wasserstraße, und das System der Revision und Ratification der Arbeiten der einzelnen internationalen Grenzbestimmungs- Commissionen Seitens der Mächte. — Das Blatt schließt den betr. Artikel mit der Bemerkung, daß diese Forderungen durchaus keinen beunruhigenden Charakter trügen, und mit dem Wunsche, daß die bezüglichen Fragen durch Einvernehmen der Mächte eine rasche Lösung finden möchten.
Australien.
Mit Genehmigung des Parlaments von Victoria veranstaltet bekanntlich die dortige Regierung eine internationale Weltausstellung in Melbourne, welche am 1. October 1880 eröffnet und am 31. März 1881 geschloffen wird. Die hierzu bestimmten Gebäude und Anlagen sind bereits in Bau begriffen und kosten ca. 2 Mill. Reichsmark. Australien, das über England einen sehr bedeutenden Handel mit ganz Europa unterhält, nimmt nach den statistischen Exportations-Ausweisen dieses Landes die dritte Rangstufe ein. Diese That- sache dürfte die Fabrikanten, Industriellen u. s. w. in hohem Grade tnteresfi- ren und zu einer ebenso zahl- als erfolgreichen Thetlnahme anregen. Die provisorischen Bureaus der bereits ernannten königlichen Commission, General- secretär Herr G. C. Levey, befinden sich gegenwärtig acht Victoria Chambers, Victoria Street, Westminster, London. Gewünschte Auskünfte werden dort gegeben.
Deutschland.
Berlin, 10. März. Am 8. März beging der große Schlachten- devker Graf Moltke sein 60jähriges Dienstjublläum; seiner bescheidenen Denkungsart gemäß hatte er sich allen ihm etwa für dieses Fest zugedachten Hul- digt-ngen durch eine Urlaubsreise nach RotzeLurg entzogen. Doch hat es sich das deutsche Volk nicht nehmen loffen, sich mit dankbarer Bewunderung der Verdienste zu erinnern, die der Jubilar in dem heute abschließenden Zeitraum zweier Menschenalter um sein preußisches und deutsches Vaterland erworben hat. Und nicht blos an diesem Jubeltage, sondern immer, so lange Deutschland seine nationalen Güter in Ehren hält, wird der Ruhm des Grafen Moltke in ungetrübtem Glanze leuchten.
Am 26. October 1800 geboren, trat Moltke zunächst in die dänische Armee und erst am 12. März 1822 in die preußische ein. 1828 zum topographischen Bureau des großen Generalstabes commandtrt, ist er seitdem nur mit kurzen Unterbrechungen bei dieser Branche des Heerwesens verblieben, deren höchste Stufe er 1857 erstieg, indem er am 29. October dieses Jahres mit der Führung der Geschäfte als Chef des Generalstabes der Armee beauftragt wurde; seine definitive Ernennung als Chef des Generalstabes erfolgte am 18. September 1858. 1836 bis 1839 verweilte er in der Türket, um die türkischen Truppen zu reorgantstren; im October 1845 begleitete er den Prinzen Heinrich als deffen Adjutant nach Rom, wo er bis zu des Prinzen Tode weilte; am 1. September 1855 wurde er zum Adjutanten des Prinzen Friedrich Wilhelm, unseres jetzigen Kronprinzen, ernannt. Die Stufenleiter der militärischen Saniere durchlief er in rascher Folge; zum General wurde er 1866 ernannt. Seine unvergänglichen Verdienste in den Kriegen von 1864, 1866 und 1870, sind noch in frischestem Gedächtniß. Heute, wo ihm sein Monarch wie sein Vaterland kaum noch neue Auszeichnungen zu spenden vermag, wird ihm dafür das Bewußtsein Ersatz bieten, daß sein Name fest begründet steht in der Liebe und Dankbarkeit des ganzen Volkes.
Berlin. Die „Post" schreibt: Bereits seit längerer Zeit ist gewiß zu bemerken gewesen, daß das neue Wirthschafts-Programm des Fürsten-Reichs- kanzler im ganzen deutschen Vaterlande nicht nur in den Kreisen der Arbeitgeber die lebhafteste Zustimmung gefunden hat, sondern auch in den Kreisen der Arbeiter, nachdem denselben die Tragweite der Reformen und die in ihnen liegende wesentliche Verbefferung ihrer eigenen Lage klar geworden, vielfachen Sympathien begegnet ist. Daher entstand sehr bald auch in den gewerblichen Kreisen Sachsens der Wunsch, diesen Anschauungen in einer Adreffe an den zürsten Bismarck bestimmten Ausdruck zu geben und ihm die Zustimmung zu (einen Resormplänen auszusprechen. Es ist nun von mehreren hervorragenden Industriellen und Freunden der Industrie in Sachsen eine Zustimmungs-Adrefle an den Fürsten Bismarck abgefaßt und von mehr als 3200 Firmen, welche eine Arbeiterzahl vpn nahezu 300,000 Personen beschäftigen, unterzeichnet worden. Diese Adreffe ist dem Fürsten Bismarck übersendet und von ihm huldreichst ausgenommen worden. Fürst Bismarck hat mehrere der Unterzeichner der Adreffe bei ihrer Anwesenheit zu Berlin am 7. März d. I. zu seiner Familtentafel zugezogen. Es sind uns die Herren Handelskammer-Präsident Rülke und Geh. Commerzienrath Zschille aus Dresden und die Herren Com- merzienrath A. Götze, Gustav Hartmann und Stadtrath Reitz aus Chemnitz als diejenigen genannt worden, welche bet dieser Gelegenheit unter Führung der Rnchstogs--Abgeordnkten Dr. v. Schwartze aus Dresden und Vopel aus Chemn'tz dem Fürsten-Reichskanzler vorgestellt wurden- Der Reichskanzler sprach (ich sowohl während der Tafel, als nach derselben in ebenso freimüthtg als eingehender Weise über die obschwebenden Zoll- und Steuerfragen aus. Das lebhafteste Jntereffe des Reichskanzlers an diesen Fragen wurde noch durch das eingehende Verständniß deffelben unterstützt, welches auch den obengenannten Fachmännern gegenüber bet einer Besprechung einzelner Detailfragen sich in klarer und erschöpfender Weise kundgab. Die genannten Fachmänner schte- dm von dem Reichskanzler mit der Ueberzeugung, daß der Mann, welcher die deutsche Einheit geschaffen, auch die wirthschaftliche Wohlfahrt des Vaterlan- deS durch seine feste Hand wieder Herstellen werde. — An der Tafel erschienen auch die Frau Fürstin, Frau Gräfin Rantzau und die Grasen Herbert littb Wilhelm Bismarck, welche in gewohnter Liebenswürdigkeit das trauliche zLlntltenbtld deS Hauses abschloffen.
Gießen, am 11. März 1879.
Betreffend: Das Landgestüt, hier den Abgang der Landgestütsbeschäler auf die Landgestütsstattonen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Wir weisen Sie an, in Ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen, daß die Großherzoglichen Landgestütsbeschäler für die Land- gestütsstationen Berstadt und Grünberg bereits abgegangen sind.
Dr. Boekmann.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Eorrespondenz-Bureau.
Berlin, 11. März. Reichstag. Auf der Tagesordnung steht die Interpellation Wtnterer, betreffend die Vorlegung eines Gesetzes wegen Revision des elsaß-lothringischen Unter- richtsgrsetzes. Abg. Wtnterer begründet die Interpellation. Er verbreitet sich über den angeblich dtctatorischen Charaeter des Unterrtchtsgesetzes und den seit der Gültigkeit des letzteren datirenden angeblichen Niedergang des elsaß-lothringischen Unterrichtswesens, über Zurücksetzung der Katholiken, die Germanisirungs-Bestrebungen u. s. w.
Unterstaatssecretär Herzog erwidert: Die Reichsregierung beabsichtigt die Vorlegung des von den Interpellanten geforderten Gesetzes nicht und sie beabsicht keine Revision des elsaß- lothringischen Unterrtchtsgesetzes. Er erinnert daran, daß diese Frage den Reichstag schon mehrmals beschäftigt habe, der Reichstag habe mehrfach Anträge auf Abänderung ves elsaß-lothringischen Unterrichtswesens abgelehnt. Redner rechtfertigt die verschiedenen Bestimmungen des Unterrichtsgesetzes, sowie die staatliche Leitung und Beaufsichtigung ides elsaß-lothringischen Unterrtchtswesens; er wendet sich gegen die Behauptung, daß die Regierung unwürdige Personen zu Lehrern berufen habe, stellt die Bemängelungen hinsichtlich der Leistungen der elsaß lothringischen höheren Lehranstalten richtig und verneint schließlich entschieden das Vorhandensein feindseliger Tendenzen gegenüber der katholischen Kirche.
Auf Antrag Guerber's findet eine Besprechung der Interpellation Wtnterer statt. Guerber unterstützt die Klagen Winterer's, beschwert sich über die Einführung protestantischer Lehrbücher in katholischen Schulen, bemängelt die sittliche Qualification des Lehrerstandes, von dessen einem Thcile das Wort gelte, sie seien Banditen. Vice-Präsident v. Stauffcnberg ruft den Redner dieterhalb unter dem Beifalle des Hauses zur Ordnung, v. Puttkammer sucht die Ausstellungen Winterer's und Guerber's zu entkräften, worauf die Besprechung der Interpellation geschloffm^ goxt|f^unö bct Zeiten Berathung des Etats. Bühler (Oehringen) hat
Herbeiführung eines europäischen Congreffes zum Zwecke einer allgemeinen Abrüstung beantragt Bühler rechtfertigt seinen Antrag und betont den schweren wirthschaftltchen Druck, welchen die Mtlttärlast auf ganz Europa ausübe. Deutschland brauche nicht zuerst abzurüsten, sondern pur mit einem Friedensvorschlage vorzugehcn. Er hoffe, die angrenzenden Großmächte, selbst Frank-


