Einzelbild herunterladen

Kesterreich.

Wien, 10. April. Der Dichter Sari Beck ist gestorben. Meldung derPoltt. Corresp." : Nachdem die Beleidigung, deren Gegenstand der österreichisch-ungarische Consul in Widdln Seitens der borttgen officiellen Organe gewesen, constatirt war, erfolgten Schritte in Petersburg wegen Er­langung entsprechender Genugthuung von der russischen Regierung. Dre- selbe Korrespondenz will auf Grund angeblich guter Informationen da on Kenntniß haben, daß die Verhandlungen zwischen den Cablneten über tie Mo­dalitäten , unter welchen das Project der gemischten Occupation Ostrumelrens realisirbar sei, sortdauern.

Kngland.

London, 9. April. Die Meldungen über Ankunft der Verstärkungen am Cap mehren sich- Ein Transportschiff nach dem andern taucht nach mehr- wöchentlichem Verschwinden am jenseitigen Ende der Reise aus. Ungeachtet des Aufenthaltes in St. Vincent scheinen die Schiffe an Schnelligkeit das Möglichste geleistet zu haben. DieManora", eines der ersten Schiffe, welche von hier abgtngen, hat die Fahrt nach der Capstadt mit Einrechnung des Aufenthalts zu St. Vincent in 21 Tagen und 12 Stunden, und mit Ausschluß jener Zett in 19 Tagen und 22 Stunden zurückgelegt. Es ist dies, so viel bekannt, die schnellste Fahrt, die jemals ein Schiff zum Cap gemacht hat.

London, 10. April. DerStandard" erfährt, daß Frankreich und England zuvörterst eine freundliche, aber energische Warnung an den Khedive richten, seinen Fehlgriff wieder gut zu machen. Andernfalls würde die Pforte ernstlich angegangen werden, die Sache in dringliche Erwägung zu ziehen und die Absetzung des Khedtve zu veranlassen.

Außlaud.

Aus Petersburg kommt die Nachricht, daß Kaiser Alexander ganz kürzlich ein Schreiben vom nihilistischen Cenkral-Comite erhalten habe, worin ihm versichert wird, daß weder ihm, noch einem Mitgltede der kaiser­lichen Familie irgend eine Gefahr Seitens der Nihilisten drohe, dagegen würden die Verschworenen nicht aushören zu schießen, stechen und morden, bis die ganze Sippschaft vertilgt wäre, die den Kaiser umgibt. Man wirft in dieser Schrift den Richtern Ungerechtigkeiten, den Kerkermeistern Grausamkeiten vor. Den jungen Mann, welcher das Attentat aus den General Drentelen beging, scheint die Polizei nicht ausfinden zu können, wenigstens ist die von derWiener Abendpost" gemeldete, von uns sofort bezweifelte Nachricht von seiner Verhaftung bis heute nicht bestätigt. Die Nihilisten fahren inzwischen in ihrer Arbeit fort und die Wirkung des von ihnen verbreitetenSchreckens" bleibt nicht aus. Der Dtrector der Canzlei der Petersburger Stadrhaupt- Mannschaft und deffen Gehülfe haben, wie die Petersburger Nowostt schreiben, von dem geheimen Revolutions-Comite ausgesordert, auf ihre Aemter verzichtet, in Folge deffen mit der Leitung di,ser Aemter der Wirkliche Staaterath Turt- schaninow und der gewesene Charkower Vice-Gouverneur Staatsrath Schelluchin vorläufig betraut wurden. Kaum traten diese am 27. v. M. ihre Stellen an, als sie schon am nächstfolgenden Tage mehrere anonyme Briefe erhielten, die beide Beamten mit dem sichersten Tode bedrohten, falls sie ihre Aemter weiter ausüben sollten. In Folge deffen reichten auch diese Beiden ihre Entlastung ein, die jedoch bis heute noch nicht angenommen ist. Viel muthiger ist der Stadthauptmann von Petersburg, Generalmajor Surow, der trotz der Menge Drohbriefe, die demselben fast täglich zukommen, geduldig auf seinem Posten verharrt. Dafür aber ist Surow beständig von einer zahllosen Schaar Gens- darmen in Uniform und Civtl umgeben. Die Zahl der in den letzten Tagen in Charkow verhafteten Socialisten, Studenten und Studentinnen, beträgt, wie dem ,, Petersburger Golos" geschrieben wird, nicht weniger als 1040 Personen, die in zwei Gefängnisten, und zwar dem Nowobelgorodschen und dem Nowo- borifloglebschen Schloste internirt sind. Von diesen Verhafteten sind bereits mehrere nach den östlichen Provinzen Rußlands verbannt worden. Der neu­ernannte Charkower General-Gouverneur, General-Adjutant Minkwitz, waltet mit eiserner Strenge seines Amtes. Wie wenig diese Maßregeln die Nihilisten einschüchtern, beweist eine Meldung derPetersburger Zeitung" vom 3. b : Unweit ber Kasanschen Kathebrale in Petersburg würbe ein Mann in einer Blutlache gefunben; neben ihm lag ein blutiger Dolch. Der Hals des Un­bekannten war fast ganz burchjchnitten. Auch fanb man bei der Leiche einen Zettel, auf welchem Folgendes mit rother Tinte geschrieben war: Iwan Sabego, 23 Jahre alt, Hörer der medico-chirurgtschen Akademie, wird hiermit für seinen Verrath mit dem Tode bestraft. Das social-revolutionäre Executiv-Comite." Wiener Meldungen zufolge hat sich herausgestellt, daß die jüngst in Wien verhafteten Studenten mit den nihilistischen Comites in Rußland in Verbindung gestanden b ben. (K. Ztg.)

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. Korrespondent-Bureau.

Pari-, 11. April Die Nachricht auswärtiger Blätter, daß Roche­fort hierher zurückgekehrt sei oder zurückkehren werde, ist unbegründet. Roche­fort dürfte sich nicht unter denjenigen befinden, die noch Amnesttrung zu erwarten haben.

Petersburg, 11. April. DieAgence ruffe" schreibt: Die Mächte find gegenwärtig mit Unterhandlungen über den Vorschlag der Pforte beschäf­tigt, wonach, anstatt eine gemischte Occupation Ostrumeliens eintreten zu lasten, Aleko Pascha, welcher allen Betbeiligten sympathisch ist, zum Gouverneur Ost­rumeliens ernannt werden soll und die Pforte ferner bereit ist, der Verlängerung der Vollmachten der internationalen Commisfion auf ein Jahr zuzustimmen; während dieser Zeit wolle die Pforte keinen Punkt militärisch besetzen, wo ihr das Recht zustehe, Garnisonen zu halten. DieAgence" fügt hinzu, die Com- binatton könnte gutgeheißen werden, wenn das Einvernehmen aller Cabinete ein absolutes und ihre Sprache gleich unparteiisch und energisch sei in Kon­stantinopel, Tirnowa und Sofia- Das russische Cabtnet ließ seinerseits seinen Vertretern in der Türkei, Bulgarien und Rumelten kategorische Instructionen zugehen.

Nom, 11. April. Das JournalMestaggiero" meldet: Die Ver­sammlung der demokratischen Führer bei Garibaldi hatte hauptsächlich den Zweck, eine Agitation zurs Erweiterung des Stimmrechtes auf den dem allgemeinen Stimmrechte sich nähernden Grundlagen einzuleiten.

Kairo, 10. April. Die Mitglieder der Enquete-Commission haben ihre Entlastung genommen.

Washington, 11. April. In der heutigen Sitzung des Cabinets lenkie Staatsiecrelär Eoarts die Aufmerksamkeit auf die neueste Information aus Samoa, wonach der thafächliche Ausbruch der Zwistigkeiten zwischen den Parteien als unmittelbar bevorst.h.nb betracht werde. D -s &Ben der Aus­länder sei dader in g,cß<r Gefahr. Das Cabinet beschloß, ein K iegsschiff nach den ^amoa-Jnseln zu sendrn.

Konstantinopel, 11. April. Nachdem die Pforte vom Khedioe Aus. klärung.n über die mir Frankreich und E- glaub schwebende Angelegenheit erhallen hatte, trat der Mlnist.rrath behufs Erörterung der egyptischen Frage zusammen. E>n Beschluß wurde indeß nicht gefaßt, weil die Pforte zuvor die Ai schauunge" Englan s und Frankreichs kennen lernen will.

Sevilla, 11. April. In Fo ge eines Rückfalles hat sich der Kcank- heitszust md d r Jufa> tu Christ-ne verschlimmert.

Paris, 11. April, Abends. DerAgence Haoas" sind Privatnach­richten zu. egangin, wonach R ßlaid den Vorschlag gemacht haben soll, baß Ostrum >ien nur durch italienische T-uppen besetzt werde.

Florenz, 11. Apiil Abhubs. Das JournalNazione" melbet, baß außer dem Bomben Proceffe noch ein anberer Proceß gegen acht Inter» Nationalisten wegen Verschwörung gegen bie Sicherheit bes Staates eingeleitet ist. Einer ber Angeklagte", so fügt das Blatt hinzu, habe sich wegen Mangels an Geldmitteln an einen sich in Fiewle aufyaltenden Jesuiten-Oberen gewendet und demselben vorgeschlagen, sich mit ihm zu einem Unternehmen behufs Um­sturzes der Regierung zu verbinden; der Vorschlag sei aber mit Entrüstung z >rück^ewiesen worden.

Loka les.

Gießen, VI. April. Wenn in letzter Nummer dieses Blattes von der Geflügel-Aus­stellung zu Darmstadt berichtet wird, so sehen wir, daß die Aufzählung des Catalogs ziemlich voll­ständig gelungen ist. Wir verzichten in Gießen auf eine solche Aufzählung, wir möchten den Lesern nur rathen: kommt und sehet, welch prächtige Thiere, welche prächtige Geschöpfe der gefiederten Welt die vierte große Ausstellung des hiesigen Vereins für Geflügel- und Vogelzucht aufzuweisen bat. In der zu solchen Ausstellungen wie gebauten geräumigen Turnhalle kräht und pfeift und jolt es, daß cs dem Besucher auf den ersten Augenblick im Kopfe schwirrt. Wir versprachen neulich nicht zu viel, wenn wir sagten, daß die heurige 4. Ausstellung würdig der ersten sich an die Seite stellen könnte. Was namentlich die feineren Thiere anlangt, so weist die jetzige Ausstellung wahre Prachtexemplare auf. Wir erwähnen beispielsweise nur die weißen Indianer, auch Negerhübner, mit Hollen, die Iokoharnas, Paduaner in diversen Farben, sowie Cochinchina in wahrer Riesengestalt. Von Tauben zu reden, so sind hier alle Racen vertreten, vom kleinsten egyptischen Mövchen bis zur schwersten Römertaube. Die singende Welt repäsentirt sich in Canarien, Drosieln, Bergfinken rc. Für Liebhaber von Exoten bietet sich auch dem Auge Schenswerthcs. Kakadu's, Sonnenvögel, Amazonen, Amaranthen rc. in langer Reihe erfreuen den Beschauer durch ihr liebliches Gefieder und theilweises Geplauder. Für den Züchter haben verschiedene Firmen diverse Futterartikel ausgestellt Etwas nicht Alltägliches bieten die Aquarien, welche schön bevölkert und mit Springbrunnen versehen sind. Sic gehören eigentlich, streng genommen, nicht in eine solche Ausstellung, tragen aber zur Decorirung ungemein viel bet, ebenso wie die diversen Kasten ausgebalgter Thiere- Der Loose-Vertrieb hat sich in den letzten Tagen so günstig gestaltet, daß dieselben bis auf einige Hundert vergriffen sind. Liebhabern dürfte zu rathen sein, sich alsbald in den Besitz noch eines solchen zu setzen, da, wie wir hören, der Vorstand des Vereins in der Lage ist, in dieser Aus­stellung ganz vorzügliche Thiere als Gewinne ankaufen zu können.

- Wie aus dem Jnseratentheil zu ersehen, werden wir in Wenzel's Garten am nächsten Mittwoch Abend eine fremdländische Künstlergesellschaft sich produciren sehen. Wir entnehmen derKöln. Ztg " einen Bericht über die Leistungen derselben:

Eine unter Sivi-Madjoub-Ben-Mahomed's Leitung stehende Künstler-Gesellschaft aus Marokko eröffnete gestern Abend im Thalia-Theater eine Reihe von Vorstellungen auf dem Gebiete der Gymnastik und Equilibristik. Die Muselmänner legten eine Gewandtheit, Kühnheit, Sicherheit und einzelne auch eine Körperkraft an den Tag, welche dem Publikum Staunen und Bewunderung abnöthigtcn. Prächtige Pyramiden stiegen im Nu empor, vier Mann hoch, be­stehend aus neun Personen, von denen acht von einer einzigen sehnigen Gestalt getragen wurden. Den Glanzpunkt der Vorstellung bildeten die Salti-Mortali, welche ein Mitglied der Truppe über die Köpfe der Darsteller und zugleich über eine Reihe gekreuzter Bayonette ausführte. Fast jede Nummer wurde mit rauschendem Beifall ausgenommen.

Die Osterkuchenmilch muß diesmal arg gewäffert worden sein. Am Gründonnerstag wurden 40 und heute nicht mehr wie 80 Liter gewässerte Milch confiscirt.

Vermischte S.

Sämmtliche Zeitungen und Zeitschriften der Welt in einer Vollständigkeit, wie sie nur mit vielem Auiwand von Fleiß und Sorgfalt ermöglicht werden kann, enthält der soeben in 18. Auflage erschienene Insertions-Tatrif der Annoncen-Expeditio« von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M. Ein angefügtes alphabetisches Ortsregister erleichtert das Auffinden der übrigens nach Staaten, Provinzen und Kreisen geordneten Ausgabe-Orte aller Zeitungen, über deren Auflage und Original-Zeilenpreise das geschmackvoll ausgestattete Buch jede wünschenswerthe Auskunft gibt Die genannte Firma versendet den Katalog auf Verlangen gratis und franco.______________________________________________________________

Handel und Verkehr.

Gießen, 12 April. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. 85 bis 90 H, Hühnereier, per Stück 5 Gänseeier, per Stück 1012 Enteneier, per Stück 6 Ka>'e, per Stück 57 H, Käsematte, per Stück 3 H, Erbsen, 1 Liter 20 Linsen, 1 Liter 24 H, Tauben, das Paar 90 H, Hühner, per Stück JL. 1.50, Hahnen, per Stück J4 1.70, Enten, per Stück JL 2.50, Kartoffeln, per 100 Kilo <X 7, Zwiebeln, per Ctr. J6 11 12. Ochsenfleisch 70 H pe^ Pfd., Kuh« und Rindfleisch 5660 H, Schweinefleisch 5860 Kalbfleisch 44- 50 H, Hammelfleisch 6070

Frankfurt, 10. April. (Fruchtbericht.) Weizen ab unserer Umgegend JL 19.75 bis 20, fremder frei hier Jfc 19.75 - 20.75. Für Roggen hat sich die Stimmung verstaut; der Platzconsum will die letzten Course nicht mehr anlegen, während das Uebergewicht von Ver­käufern Prima-Roggen auf <X 15.2550 und russische Sorten auf 13.2514.50 drückte. Gerste war vernachlässigt, die Brausaison naht ihrem Ende; der Cours von JL 17.5018.50 bleibt nominell bestehen. Hafer spielte im Verhältniß zu der Lebendigkeit der vergangenen Woche eine sehr unbedeutende Rolle; die Umsätze waren unwesentlich und der Cours für Prima mit JL 14.25- 50 und andere Sorten von v4L 13.2513.75 bleibt. Für Hülsenfrüchte ist keine besondere Veränderung zu verzeichnen; weiße Bohnen noch immer unverkäuflich, JC 19.25. Am Meblmarkt ist es nicht lebhafter geworden, denn das dringende Angebot von Mehl ab auswärts direct an die Bäcker hat die Frage in loco gänzlich unterdrückt, so daß trotz Zunahme oder Nachgiebigkeit der Eigner nichts umgegangen ist. Für Futterstoffe ist die Haltung ent­schieden ins Wanken gerathen und sind bei fehlender Frage nur kleine Partien gethan. Raps und Rüböl rubig.

Sehl trüber lebt. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd E. W. Dietz in Gießen.

Southampton, 9. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Oder, Capt. C. Leist, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 29. März von Newyork abgegangen war, ist gestern 10 Uhr Abends wohlbehalten hier angekommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Paffagiere, Post und Ladung 12 Uhr Nachts die Reise nach Bremen fortgesetzt. Die Oder überbringt 95 Paffagiere und volle Ladung.

Auspig aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen

Vom 4. bis 10. April 1879.

Aufgebote.

4. April. Küfer Ludwig Martin Johann Theodor Emil Lony von Gießen mit Henriette Louise Georgine Dorothea Marie Kuntz, Tochter des verstorbenen Wirths Justus Kuntz, von Gießen. 4. Metzger Ludwig Karl Burkhardt von Gießen mit Margarethe Jacobi, Tochter des Salinenarbeiters Christoph Jacobi von Bad-Nauheim. 7. Schriftsetzer Robert Albert Friedrich Wolff von Berlin mit Marie Katharine Stadtler, Tochter des verstorbenen Schneidermeisters Philipp Konrad Emil Christian Martin Stadtler von Gießen. 7. Bäcker Hugo Paul Otto