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dazu durch die Nothlage bestimmt. Es sei dies, nachdem Oesterreich-Ungarn jede Verlängerung des bisherigen Vertrags entschieden abgelehnt, der einzig mögliche Weg gewesen, die erheblichen Interessen Deutschlands ycherzustellen. DieNorddeutsche" glaubt zu wissen, daß die Reichsregterung von vornherein entschlossen war, den Vertrag so bald als möglich dem Reichstag vorzulegen und Indemnität für die bereits erfolgte Inkraftsetzung desselben in Anspruch zu nehmen. Daß die Einberufung des Reichstages namentlich mit Rücksicht hierauf möglichst frühzeitig stattfinde, scheine festzustehen.

Berlin, 9. Januar. Ueber den Empfang der Deputation der deut­schen Kriegerveretne bei dem Kaiser bringt die neueste Nummer derParole" (amtliche Zeitung) einen Bericht, welcher auch den Wortlaut der Antwort des Kaisers auf die Ansprache des Führers der Deputatton enthält. Danach sagte der Kaiser:

Ich danke Ihnen für die Worte, welche Sie hier niedergelegt haben. Mit den Gestunungen, die Sie Mir gegenüber zum Ausdruck gebracht haben, bin Ich vollständig einverstanden; das sagen Sie auch den Uebrigen, die Sie hier vertreten. Wir dürfen uns durchaus nicht in Sicherheit wiegen; Sie haben alle schon verschiedenartig Ihre Treue bewiesen, und Ich rechne daraus, daß Sie auch dann, wenn es nöthtg werden sollte denken e>te an 48 und 49 bereit sein werden, den Thron und das Vaterland zu vertheldtgen. Hoffen wir, daß Gott dies nicht über uns schicke. Ihre Aufgabe wird es sein, Ihre Kinder zu wahrer Religiosität zu erziehen, damit solche Dinge nicht wieder vorkonttnen und das Heranwachsende Geschlecht aus wahren Streitern für Thron und Vaterland bestehe. In diesem Sinne bitte Ich in Zukunft weiter zu arbeiten; dann werden wir bessere Zetten herankommen sehen.

Demnächst ließ sich der Kaiser die einzelnen Mitglieder der Deputation vorstellen und unterhielt sich mit jedem in huldvollster Weise, wobei er an jeden Deputirten verschiedene Fragen über seine früheren militärischen und jetzigen bürgerlichen Verhältnisse richtete. Die Gedächtntßtreue des Kaisers erregte hierbei das Erstaunen Aller, da selbst scheinbar unbedeutende Vorgänge uus den letzten Kriegen seiner Erinnerung nicht entgangen waren. Zum Schluß sagte Se. Majestät:

Ich danke Ihnen nochmals. So lange es Mir noch vergönnt sein wird, werde Ich mit reger Theilnahme Ihren Bestrebungen folgen. Zur Zett gehen ja dieselben, denen Ich Meine volle Aufmerksamkeit zuwende, dahin, eine Ver­einigung aller deutschen Kriegerveretne anzubahnen, und Ich hoffe, daß es ge­lingen möge, diese innere Einigung herzustellen, aus der voraussichtlich etwas Gutes ersprießen wird. Ich habe Mich sehr gefreut, Sie hier zu sehen, «bleu.

Worauf der Kaiser mit freundlichen Grüßen die Halle verließ.

Schweiz.

Bern. Die Bewegung für Wiedereinführung der Todesstrafe nimmt immer größeren Umfang an und (so schreibt die Allg. Schweizer-Ztg.)dürfte bald einmal dazu führen, daß die Humanität, welche bisher die Mörder schützte, an den Schutz jener unschuldigen Kinder, Frauen und Männer denkt, welche an allen Ecken und Enden geschändet, mißhandelt, zerfleischt, erwürgt und todt- geschlagen werden." DieSchweizerische Handelszeitung" fordert die Aus­hebung des Artikels 65 der Bundesverfassung, der die Todesstrafe abgefchafft und der, fügt sie hinzu,wahrscheinlich schon mehr als ein Dutzend redlicher Menschen ermordet hat."Die Todesstrafe, das wünschen wir, mag (fährt sie fort) von allen erdenklichen Girantteen gegen Jrrthum und Grausamkeit umgeben werden. Eins bleibt sicher: sie muß im Gesetz existtren. Der Staat, welcher sie abgeschafft, steht außerhalb der Civilisation, zertritt das Recht, dessen Handhabung seine einzige oder doch wenigstens heiligste Aufgabe ist. Er löst die gesellschaftliche Ordnung und stellt das natürliche Recht der Blutrache wieder her."

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Eorrespondenz - Bureau.

Pari-, 10. Januar. Amtlich wird gemeldet: Der Bey von Tunis gewährt sämmtliche Seitens Frankreichs geforderten Genugthuungen, die Even­tualität eines Confltctes ist damit beseitigt.

New-Uork, 10. Januar. DerNew-Dort Herald" meldet aus Taschkent vom 7. d.: General Rasgonoff ist am 25. Decbr. mit dem Emir Schir Ali in Mazartcheriff eingetroffen. Der Emir will nach Peters­burg reisen.

Berlin, 10. Januar. Bezüglich des vom Reichskanzler an Herrn v. Varnbüler gerichteten, in der ersten Sitzung der Zolltarif Commission ver­lesenen Schreibens bemerkt dieNordd. Allg. Ztg." : dasselbe sei, soweit das Blatt unterrichtet, an Varnbüler persönlich gerichtet gewesen, und im Interesse der Sache von Varnbüler in der Commission vorgelesen worden. Der Inhalt desselben bezeichne im Allgemeinen die Commissionsaufgaben mit Fingerzeigen für den Vorsitzenden und berühre nebenbei die Frage der Tabakbesteuerung, ohne jedoch, wie irrthümltch behauptet werde, das Monopol an die Spitze zu stellen. Schreiber stelle nur das Material der Tabaks-E quete zur Verfügung der Tarif-Commission und gebe derselben anheim, weiteres Material für die Tabaksfrage zu fordern, resp. beizuschaffen. Die sonst in den Zeitungen um- laufenden Angaben über den Inhalt des Schreibens seien Combinationen.

Wien, 10. Jan. Meldungen derPoltt. Corr." aus Konstantinopel von heute: Die Unterzeichnung des definitiven russisch-türkischen Friedens ist längstens im Laufe der nächsten Woche zu erwarten. Aus Albanien wird ein beruhigender Umschwung in der Stimmung der Bevölkerung stgnalisirt. Dm in das Innere der Türket auswandernden bisher in Albanien ansässigen Mohameda- nern wird dauernde Befreiung von türkischen Militärdiensten angeboten.

Petersburg, 10. Januar. Der Letter des Ministeriums des In­nern, Mazow, hat eine Bekanntmachung erlassen, durch welche ein Telegramm desGolos", wonach in Zaritzin die Pest aufgetreten sein sollte, als vollstän­dig erfunden bezeichnet wird. Die Bekanntmachung weist ferner auf die gegen die Verbreitung der Epidemie ergriffenen Maßregeln hin, erklärt, es sei sonach kein Grund zu übertriebenen Besorgntffen, und lenkt die Aufmerksamkeit der ZeitungS-Redactionen auf die Nothwendigkett einer vorsichtigen Auswahl ihrer Mittheilungen, da die Veröffentlichung erfundener Nachrichten die schwersten Folgen haben könnte.

Berlin, 10. Januar. Das Kriegsgericht in der Angelegenheit des Groß n Kurfürsten" tritt voraussichtlich Ende dieses Monats zusammen. Die über diese Sache umlaufenden Nachrichten sind vielfach unrichtig, namentlich

die Angabe, daß das Kriegsgericht beim dritten Armee-Corps abgehalten wer­den solle; dasselbe wird vielmehr voraussichtlich bet dem Grrde-Corps abge­halten, d. h. der Commandeur des Garoe-Corps wird Gerichtsherr. Die Ernennung der Mtrglieder des K iegsgerichtS w:rd dadurch in keiner Weise beschränkt, indem solche selbstverständlich auch aus anderen Kreisen als dem Garde-Corps entnom oen werden können.

Paris, 10. Januar. Die Unterbrechung des Eisenbahnverkehrs dauert an verschiedenen Punkten im mittleren Frankreich noch fort, namentlich bet Dijon, B sancon und Orleans. DieRöpubltqae francatse" gibt der Hoffnung Ausdruck, daß, nachdem die Streitfrage mit Tunis nunmehr glück­lich gelöst, ein ähnlicher Fall nicht wiederkehren werde. DieR^publique" lobt ferner die Festigkeit und schnelle Entschlossenheit, welche Waddington in dieser Al gelegenheit bewiesen habe.

Die Nachgiebigkeit des Bey von Tunis soll dem Vernehmen nach besonders durch den Umstand heroorgerufen sein, daß der französische Consul mit seiner Abreise drohte und sich anschickle, seine Functionen dem spanischen Consul zu überfragen.

Kalkutta, 10. Januar. Osficiell. In Folg? von Gerüchten über Bedrohung von Seiten des Monzols beabsichtigt General Roberts in der Richtung Khurum zurückzukehren und seine weit zerstreuten Truppen zu con- centiken. Major Cavagnari berichtet, Mir Akhur sei nach Kibul gegangen. Vor seiner Flucht ließ Schir Ali den ehemaligen Häuptling MamienaS Mir Hussein Khan tödten. Die allgemeine Stimmung in Afghanistan sei stark gegen den Emir.

Athen, 10. Januar. Das russische PanzerschiffFürst Pojarski" ist gestern vor Anker gegangen.

Paris, 10. Januar, Abends. Als hauptsächlichste Punkte des gegen­wärtig ausgearbeiteten Regierungsprogramms werden folgende bezeichnet: Dufaure läßt weitgehende Maßregeln der Milde zu, aber gedenkt kein Amnestie­gesetz zu beantragen; derselbe ist ferner der Uebertragung der großen Com- mandos an der Republik günstig gesinnte Generale geneigt; jede gegen die Magistratur gerichtete allgemeine Maßregel wird zurückgewiesen, dagegen Modistcattonen im richterlichen Personal als nothwendtg anerkannt, jedoch eine legislative Aenderung in dem Modus der jetzt gültigen Ernennung und Organisation der Asstfen - Magistratur nicht für zulässig erachtet. Alle bestehenden Gesetze zur Feststellung und Wahrung der Rechte des Staates gegen Eingriffe des Klenkalismus sollen zur Ausübung gebracht werden.

Konstantinopel, 10. Januar. Das Urtheil im Proceffe gegen Suleima > Palaa -oll einer Revtston unterzoaen werden.

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Lokales.

Gießen, 11. Januar. In einem Backsteinhäuschen wollte gestern Abend ein Handwerks­bursche Quartier suchen. Die Polizei verschaffte ihm jedoch ein wärmeres bet der jetzigen kühlen Temperatur.

Gestern Nachmittag wurde in einer Sandgrube ein Einwohner von Wicseck bis an den Hals verschüttet. Ohne weitere Beschädigung wurde der Mann wieder herausgegraben.

Bei der heftigen strengen Kälte bitten wir unsere Leser der armen frierenden Vögel nicht zu vergeffen, sondern Futterplätze für dieselben Herrichten zu wollen.

Verwischtes.

Darmstadt, 8. Januar, iPostpersonalnachrichren.' 1) Ernannt sind der Ober-Post- Directionssecretär Ehlers zum Telegraphen-Jnspector, sowie der Postmeister Ihm in Mainz und der Postsecretär Rückriem in Gießen zu Ober-Postsecretären. 2) Versetzt sind- der Telegraphen-Jnspcctor Ehlers von Darmstadt nach Minden, ver Postrath Heyse von Kiel nach Darmstadt, der Ober-Post-Directionsseeretär Holfeld von Karlsruhe nach Offen­bach a. M-, der Postsecretär Pethke von Friedberg i. H. nach Nidda und der Postassistent Grosser von Nidda nach Friedberg i. H.

Wer über hohe Communalsteuern lamentirt, den verweisen wir zum Trost auf Osna­brück; dort zahlt man jetzt bereits 155 Procent Communalsteuer, 60 Procent evangelische Schulsteuer, 20 bezw. 25 Procent evangelische Kirchensteuer, katholische Schulsteuer entsprechend, somit im Ganzen 340 Procent Steuern, und dazu die Aussicht auf Erhöhung im nächsten Etatsjahr. Was wollen dagegen die Communalsteuern in anderen Städten sagen?__

Theater.

Wenn wir einen Blick in die neuere Bühnenliteratur werfen, so finden wir neben manchem Guten und Schönen doch Vieles, was dem Ausspruche Lessing's:Das Theater soll eine Bildungsanstalt für das Volt sein", widerspricht. Vor allen Dingen haben die Offenbachiaden mit ihrer prickelnden Musik, die neueren und neuesten Lustspiele, die mehr oder minder schon oft dagewesene Ideen bearbeiteten, nichts zur Hebung des deutschen Theaters bei­getragen. - Nur wenige Lustspieldichter haben sich so den sittlichen Werth ihrer Stücke gewahrt, als gerade der unvergeßliche Roderich Benedix. Wenn unsere junge Direktion uns mit Vorliebe die Werke dieses Dichters vorführt, so ist das nicht nur ein Beweis ihres würdigen Strebens, nein, es entspricht auch den Ansichten unseres Publikums, das stets für Benedix eine große Pietät batte. Die gestrige VorstellungDaS bemooste Haupt* ging bei gut besetztem Hause in Scene und fand Die allgemeinste Anerkennung. Gespielt wurde vortrefflich, es waltete ein frischer Geist über allen Darstellern und jeder that an seinem Platze seine Schuldigkeit. Die | Herren Alberti und Lindner I. in den Hauptrollen als Alsdorff und Strobel spielten ihre Rollen, wie vorauszuiehen, mit künstlerischer Hingebung, während das übrige Personal, ver­treten durch die Damen Alberti, Weber, Häser und Ackermann und die Herren | Richard, Handt ke, Kentler und Lindner II. durch fleißige Darstellung ihrer Parthien sich dem Ganzen würdig anreibten. Dgs animirte Publikum geizte nicht mit Beifallsbezeugungen und Jeder verließ mit dem Eindruck einiger froh verlebter Stunden das Haus. Rechnen wir den Totaleindruck aller bis jetzt gegebenen Vorstellungen, so kann man nur ehrlich eingestehen. Bis jetzt hatte Gießen kein bester geleitetes Theater I" Möge durch große Theilnahme des Publikums die Directton ihren Lohn finden für ihr wirklich künstlerisches Streben! P.

Cassel, 7. Januar. Welches Jntereste man an dem durch Herrn Armin Tenner hier producirten Edison'schen Phonographen in allen Schichten der Gesellschaft nimmt, bewies die gestrige Abendvorstellung im großen Stadtparkiaale. Derselben wohnte eine den geräumigen Saal fast gänzlich füllende aufmerksame Zuhörerschaft bei, unter welcher wir die distinguirtesten Persönlichkeiten der höheren Gesellschaften bemerkten. Das in Göttingen von einem amerikani­schen Studenten, Mr Ford, vor etwa 6 Tagen gepfiffeneLetzte Rose" wurde, wie wir das nun schon von Dem wunderbaren Apparat gewohnt sind, mit Präcision bis auf den letzten Ton und jede Nuance im Ausdruck reprooucirt. Ebenso überraschend war die Wiedergabe eines Duo's auf Der Trompete u. A mehr. Aus dem ziemlich ausgedehnten und vornehmlich mit der Person des Erfinders Edison stch beschäftigenden Vortrag können wir für heute wegen Zeitmangels wenig entnehmen, bemerken indesten, daß die Angaben ein erhöhtes Jntereste durch den Umstand gewonnen, daß Herr Tenner mit Edison von der Schule aus befreundet ist. Der Phonograph ist darnach übrigens nicht eine Erfindung Edison's allein, sondern wesentlich daran beteiligt ist auch ein Deutscher, der Mechanikus Bergmann aus Fürth bei Nürnberg, welcher d--n etwas schwerhörigen Edison zuerst auf die merkwürdige Wiederholung der gesprochenen Worte aufmerksam gemacht.

Chronischer Katarrh mit Schleimauswurf ist ein Leiden, das bei Eintritt der nassen und kalten Jahreszeit ebenso beschwerlich wie gefährlich werden kann. Der erfolgreich dagegen angewandte Jsländisch-Moosthee kann von Vielen, wegen der um­ständlichen und zeitraubenden Bereitung desselben, nicht gebraucht werden, weßhalb der Apotheker Engelhard in Frankfurt a. M. aus den Bestandtheilen des isländischen Mooses eine Pasta hergestellt hat, die, da sie auch den Magen nicht säuert, für alle zu Lungenkatarrhen geneigt-n Personen ein unentbehrliches Hausmittel genannt werden kann. Die Moos-Pasta wird in den Apotheken verkauft.

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