Kofel und Ratibor durch Hochfluthen der Ooer Mitte Juni Beschädigten sei rechtzeitig von der Provinz durch Prämien-Bewilligung zu Straßenbauten, sowie Seitens der Kreise, welche hierzu Darlehen aus Staatsmitteln erhielten, Hülse gewährt worden. Die Bevölkeiung der Kreise Rybnik und Pleß befinde fich in Folge elementarer Ereignisse während des Sommers in einer wicth- schastlichen Bedrängniß, welcher weder die Gemeinden noch die Kreise genügend abhelfen könnten. In welchem Umfange der Staat mit der Provinz helfend einzutreten habe, werde noch ermittelt. Inzwischen seien Einleitungen getroffen, um durch Straßenbauten Arbeitsgelegenheit zu gewähren und etwaigem Noth- stande vorzubeugen.
— Die Kasernirung deS Reichsheeres beschäftigt bekanntlich seit Jahr und Tag die Reichsregierung. Nach neueren Mittheilungen hat die Re chs- regieruug die Absicht, auf das Kasernirunzsgesetz, welches dem Reichstage bereits vorgelegen hat, aber von der Regierung zurückgezogen worden, zurückzukommen, doch steht der Zeitpunkt der Einbringung in den Reichstag noch nicht fest. Die Summe, welche früher als Maximal-Betrag einer zu emitti- renden Anleihe festgehalten wurde, soll nicht überschritten werden, es soll aber eine solche Vertheilung der Summe stattfinden, die den Wünschen mög- i lichst aller Bundesregierungen entspricht, damit nicht, wie bereits Württem- ! berg, Baden, Hessen, Sachsen, Mecklenburg-Schwerin und neuerdings Schwarz- burg-Sontershausen qethan, noch andere Staaten Entschädigungs-Ansprüche für frühere Kasernements - Einrichtungen erheben. Letzteres könnte sonst sehr leicht geschehen, denn schon bet der ersten Berathung des Kasernirungsgesetzes beantragten die Bevollmächtigten für Oldenburg, Sachsen-Weimar, Meiningen und Coburg-Gotha, ein Einverständniß darüber sestzustellen, daß auch anderen Staaten, außer Sachsen und Württemberg, die Geltendmachung ähnlicher Ansprüche, wie sie von den letzteren beiden Staaten erhoben worden, Vorbehalten werde, und gaben nach Ablehnung dieses Antrages noch die Erklärung ab, daß sie ihren Regierungen das Recht der Geltendmachung von Ansprüchen der bezeichneten Art vorbehtelten.
Breslau, 8. Novbr. Der Berliner Expreßzug ist heute Nachmittag bet Bahnhof Gaffen entgleist. Ein Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklagen.
Kiel, 7. Novbr. Nachdem nunmehr auch das Kanonenboot „Delphin" nach beendeten Vermeffungsarbeiten hierher zurückgekehrt ist und behufs sofortiger Ausrüstung sich in das Ellerbecker Bassin gelegt hat, dürften für dieses Jahr die Schiffsbewegungen in unserem Kriegshafen ihren Abschluß erreicht haben; in den beiden großen Bassins des Ellerbecker Etabltffements wird bereits mit Aufbau der Wtnterbedachungen für die dort liegenden, außer Dienst gestellten Schiffe begonnen. — Weshalb die Veröffentlichung des über den ehemaligen Commandanten des „Großen Kurfürsten", den Capttän zur See, Grafen Monts, nun bereits vor so langer Zett gefällten kriegsgerichtlichen Urtheils noch immer auf sich warten läßt, versteht Niemand, um so weniger, als daffelbe, wie allgemein angenommen wird, wesentlich freisprechender Natur sein soll. Seit dem Untergange des „Großen Kurfürsten" sind jetzt volle anderthalb Jahre verfloffen. Wenn nicht, wie hier und da behauptet worden, auf das Immerhin nicht unmögliche Wtedererschetnen des auf dem Meeresgründe ruhenden Schiffes behufs Vervollständigung der Acten gewartet wird, dann ist es doch wirklich recht schwer verständlich, wozu es einer so langen Zett bedurft hat, um über Schuld und Nichtschuld des Commandanten in's Klare zu kommen. (K. Ztg.)
München, 8. November. Die Abgeordnetenkammer erthetlte ohne Debatte allen auf der heutigen Tagesordnung stehenden Nachweisungen über Eisenbahnen, die Etats des königlichen Hauses und Hofes, des Ministeriums des Auswärtigen, des Staatsrathes und des Landtages ihre Anerkennung. — Nächste Sitzung Montag.
Hesterreich.
Wien, 8. November. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel von heute: Fürst Lobanoff ist aus Livadia zurückgekehrt. — Der griechische Patriarch hat die Unabhängigkeits-Erklärung der serbischen Kirche anerkannt.
Pesth, 8. Novbr. Der Abg. Pazmandy veröffentlicht eine motivirte Erklärung, worin er die Ueberzeugung aussprtcht, daß der Finanzmtnister Szapary seine amtliche Stellung nicht benützt habe, sich einen persönlichen Vortheil zu verschaffen und daß er das Amtsgeheimniß nicht verletzt habe. — In der Affaire Szapary-Pazmandy erklären vier Zeugen, daß dieselben gemäß den Gesetzen der Ritterlichkeit erledigt sei.
— Der Wehrausschuß des Abgeordnetenhauses nahm die Vorlagen über die Feststellung des Heeresstandes für 10 Jahre und über den jährigen Rekruten-Conttngent an.
AranLreich.
Paris, 8. Novbr. Der Verwaltungsrath der Banque Europeenne zeigt an, daß Philtppart aus dem Verwaltungsrathe ausgeschieden und durch Alfred Blanche ersetzt sei. Eine Versammlung der Actionäre soll demnächst nach Brüssel zusammenberufen werden.
Italien.
Nom. Die „Neue Freie Preffe" meldet: „Der Papst hat aus eigenem Antriebe sämmtliche Profefforen der Philosophie an dem römischen Seminar, dem Seminar Pius IX. und der Propaganda Fidei plötzlich entlassen und durch stricte Anhänger der Lehren Thomas' von Aquino ersetzt, die natür- licl, Gegner der Jesuiten sind." Demnach hätte Leo XIII. die Theorien seiner letzten Encykltka praktisch durchzuführen begonnen und gleichzeitig dem Jesuitenorden offen den Krieg erklärt (?)
Außland.
Petersburg, 8. Novbr. Die „Agence ruffe" weist die Besorgnisse des Publikums wegen einer etwaigen Demonstration der englischen Flotte zurück und steht in den Auslaffungen der „Nordd. Allg. Ztg." den unwiderlegbaren Beweis für den friedlichen und defensiven Charakter des deutsch österreichischen Einvernehmens, in dessen Bahnen alle frtedlichgefinu^en Mächte eintreten könnten. Unter diesen aber stehe Rußland in erster Reihe. Alle Gerüchte über russische Truppen-Concenirtrungen an der deutschen Grenze ftfen daher kategorisch für unbegründet zu erklären.
Australien.
Sidney, 9. Octbr. Die Ausstellung fährt fort, große Anziehungskraft auszuüben und Besucher kommen aus den benachbarten Colonien und vom Auslande an. Die Einrichtung der verschiedenen Höfe und Gärten des Ausstellungs-Palastes ist jetzt v roollständigt. Eure internationale Schiffsschar wird jetzt in Verbindung mit der Ausstellung abgehalten. — Ein intern uio- naler Gewerkvereins- Congreß tagt in Sidney behufs der Erörterung der Ein- wanderungS-Frage, des achlstü digen AcdeilSsystems, der Gesetzgebung für Gewerkvereine, des Schutzzolles und anderer Gegenstände. Der Congreß nahm gestern Resolutionen gegen unterstützte Einwanderung an.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Correspondenz • Bureau.
PariS, 9. Novbr. In der gestrigen Sitzung des Municipalrathcs erklärte der Seinepräfect, sämmtliche congregantsrische Schulen würden vor dem 1. October 1880 in Laienschulen umgewandelt sein.
London, 10. Novbr. Das „Hofjournal" dementtrt officiell das Gerücht von einer Verlobung des Gioßherzogö von Hessen mit der Prinzessin von Hannover.
Mainz, 9. Novbr. Bei dem gestern Abend 73/4 Uhr stattgefundenen Zusammenstoß zweier Züge bet Bischofsheim blieben todt: grau Hauptmann Garrtsch und Kind aus Mainz. Sch-oeroerwundet wurden: Kern, Zugführer und Jean Schmitt, Buchhalter aus Mainz, Rosa Klein und Emil Brandet aus Frankfurt, Victoria Hagemann aus Kempten und Havry aus Wien. Mehrere Personen wurden leicht verwundet.
Paris, 9. Novbr. Heute hat die Wahl von zwei Senatoren stattgefunden. Marschall Canrobert wurde in der Charente mit 314 von 439 Stimmen gewählt. Guiffrey (Republikaner) wurde im Departement Hautes Alpes mit 140 von 241 Stimmen gewählt.
Lokales.
Gießen, 10. November. Außer einigen kleineren Spielereien, wie Aufdrehen der Hähne an den Gaslaternen in der Alicenstraße, Wegnahme einer Petroleumlampe in einer Laterne auf der Bahnhofstraße, Einwerfen einer Fensterscheibe vermittelst eines zerbrochenen Stockes auf dem Selterswcg u. s. w., sind in den beiden verflossenen Nachten keine weiteren Ruhestörungen bekannt worden ,
— Wir erhielten ein anonymes „Eingesandt", worin sich in ziemlich gepfefferter Weise über die gegenwärtige Renovation der Wieseckbrücke in der Gartenstraße, resp. darüber ausgesprochen wird, daß diese Brücke keine Verbreiterung bis an die Bauflucht der alten Realschule und des Jung'schen Hauses erhält. Wir können selbstredend dem „Eingeiandt" keine Aufnahme gewähren, bedauern jedoch mit dem Einsender die Nichtverbreiterung, welche doch so sehr im Interesse des Verkehrs gedachter Straße gelegen hätte. Sollte sich c8 vielleicht doch noch ermöglichen laffcn, >o würde Großh. Kreisbauamt sich ein großes Verdienst erwerben.
— Bon einem ungezogenen Menschen sind wieder mehrere Schoorbäume angesägt und angehauen worden.
— Am Samstag stürzte bei Heldenbergen an der Eisenbahnlinie Friedberg-Hanau die neuerbautc Eisenbahnbrücke über die Nidder zusammen. Es sollen sieben Todte, sowie viele Verletzungen zu beklagen sein Das Amtsgericht Vilbel hat sofort Untersuchung eingeleitet und ist Herr Staatsanwalt Jockel bereits am Samstag Abend an die Unglücksstätte geeilt. Ausführlicheren Bericht werden wir hoffentlich morgen bringen können.
— Das 1. Concert des hiesigen Concertvereins am gestrigen Abend war ganz außerordentlich besucht und erntete namentlich Frl. As mann den wohlverdientesten und reichsten Beifall der Zuhörer.
Vermischtes.
Frankfurt, 8. November, Nachts 12 Uhr. Soeben erhalten wir Die Nachricht, daß sich heute Abend um 73/4 Uhr bei Bischofsheim ein schweres Eisenbahnunglück zugetragen hat. Der um 6 Uhr 55 Minuten von Frankfurt nach Mainz abgehende Personenzug stieß zu der oben angegebenen Stunde mit dem gegen 7i/t Uhr aus Mainz abfahrenden Personenzug zusammen. Beide Maschinen wurden beschädigt, ein Personenwagen zweiter Klaffe und zwei Gepäckwagen des Frankfurter Zuges zertrümmert. Drei Menschenleben sind zu beklagen; ein Bremser der Rheinischen Bahn und eine Frau mit Kind (aus Mainz). Fünf oder sieben Schwerverwundete liegen im Wartesaal zu Bischofsheim, wo ihnen die nöthigste ärztliche Hülfe zu Theil wurde; sämmtliche Verunglückte gehören dem auS Frankfurt abgefahrenen Zuge an. Die Strecke, wo sich der Unfall ereignete, ist gegenwärtig noch unbenutzbar, soll aber noch Sonntag Morgen frei werden. Die von beiden Richtungen kommenden Paffagiere müffen deßhalb aussteigen und ein Stück Weges zu Fuß gehen, um weilerbefördert zu werden. Als Ursache des Unglücks wird uns falsche Weichenstellung angegeben. (grff. Ztg.)
Mainz, 9 November, 1 Uhr 15 Mm. Der gestrige Zusammenstoß sand in Folge falscher Weichenstellung statt. Getödtct sind Frau Hauptmann Garrisch von Kulmberg und deren zweijähriges Töchterchen aus Mainz und Wagenwärter Münze aus Koblenz. Erheblich verletzt wurden im Spital hier untergebracht: Ingenieur Klein und Frau nebst Schwägerin aus Bingen; Zugsührer Kern aus Aschaffenburg; Harry Wum, Kaufmann aus Newyork, ferner unerheblich oerleyt 6 Personen von hier. (Fr. Ztg.)
Wetzlar, 4. November. Der Dom zu Wetzlar ist wohl eine- der ältesten und durch seine Größe und intereffanten Baustil hervorragendsten Denkmäler der Kirchenbaukunst in Deutschland. Die Chronik erzählt, daß derselbe im Jahre 784 von zwei elsässischen Herzogen angefangen, jedoch erst ein Jahrhundert später so weit fcrtiggestellt wurde daß er eingeweiht rind zum Gottesdienste in Benutz genommen werden konnte. Vollendet ist derselbe jedoch bis auf den heutigen Tag nicht; von Den beiDen Hauptthürmen ist der eine, nur bis zur Höhe von etwa 1*0 Fuß aufgeführt und dann mit einem einer Bischofsmütze ähnlichen Dache gedeckt, der andere nur bis zur Höhe des reich mit Bildwerk geschmückten Hauptportals geführt. Die Nothwendigkeit größerer Reparaturen an demielben, welche der Stadt schwerere Lasten auferlegen würde, als dieselbe bei den mancherlei erlittenen Verlusten zu tragen im Stande ist, hat zu dem Gedanken geführt, an geeigneter Stelle wegen Bewilligung einer Lotterie zum Ausbau des Domes einzukommen. Die Stadtverordneten haben bereits einen dahin zielenden Beschluß gefaßt, und zieht man die mancherlei Bewilligungen von Lotterien in Betracht, deren Zweck kein so hohes und schönes Ziel verfolgt, wie dieses sein würde, dann ist wohl kaum zu bezweifeln, daß die in Aussicht genommenen Schritte von Erfolg gekrönt werden und dieses ehrwürdige und herrliche Baudenkmal nicht allein erhalten, sondern auch zur endlichen Vollendung geführt wird. (K. Ztg.)
— Aus Mecklenburg schreibt man den „Hamb. Nachr.": Ein sehr geringfügiger Vorfall, der sich bei der Anwesenheit des Kaisers in Ludwigslust ereignete, ist jetzt in verschiedenen auswärtigen Zeitungen so ungemein vergrößert, ja selbst als beabsichtigtes Attentat auf die Person Des Monarchen dargestellt worden, baß wir deßhalb eine wahrheitsgemäße Darstellung dringend geboten halten. Bei der Rückkehr von der letzten Jagd auf wilde Schweine hatte ein Herr aus dem Gefolge des Kaisers in der Vorhalle De6 großherzoglichen Ncsidenz- schloffes zu Ludwigslust eine Lefaucheux ■ Patrone aus der Jagdtasche verloren und diese sich zwischen zwei Flügelthüren eingeklemmt, so daß beim Zumachen der Thüre oie Patrone explodirte und ihre Kugel Dem alten Schloßportier Brümmer durch einen Zipfel oc8 Mantels fuhr. Dieser plötzlich im Schloß gefallene Schuß rief besonders unter der vor dem Portal versammelten Menge große Besorgniß hervor; ein Gerücht, alS sei ein Attentat auf den Kaiser beabsichtigt worden, verbreitete sich schnell, ja ein alter betrunkener Kerl, der fich draußen Herumtrieb, ward sogar als vermeintlicher Attentäter verhaftet, sofort aber, da sich seine vollständige Schuldlostg. teil heraußstellte, wieder entlassen. Der Kaiser erfuhr erst einige Stunden später bei der Tafel von dem gan-en Vorfall und lachte darüber; dies ist Der wahre Verhalt dieser so sehr aufgebauschten Begebenheit
Dillinqen in Baden, 4. November. Seit mehreren Wochen wurde der Abort des hiesigen Bahnhofes durch bübische Hand öfter beschädigt, Löcker in die Wand geschnitten rc.; da das Aufsichtspcrsonal den Thäter nicht ermitteln konnte, so wurde eine elektrische Leitung


