dem Schutze der Religion gegründeten Arbeiterverbtndungen unterstützt werden möa-".
Wien, 9. Januar. Meldungen der „Polit. Corresp." Aus Kou- stanttnepel. Der Jistiuction, welche den nach Albanien enrsendelen türkischen Commiffaren mitg^ebei wurde, ward thetlweise der Vorschlag Dänisch Effendl'S zu Gr nde gelegt, welcher darauf abzielt, einem event. Zusammenstöße zwischen tiulnchem Militär und Albanesen vorzubeugen. Danach sollen unter vorausgegang^ner Verständigung der Montenegriner successtoe Zrbljak und Spuz, dann Veli- und MaUBroo, zul-tzr Podgoritza in der Welse geräumt werden, daß bas gesammte türkische M l tär und dle türkischen Beamten sich zurückztehen und es den nachztehenden Montenegrinern überlaffen, un- verwerlt die geräumten Positionen zu besetzen. Das türkische Kriegsmaterial würde gegen navträgliche Jnventarisirung provisorisch den Montenegrinern überlasien. — Die in Tirnova am 18. d. zusammentretende bulgarische Nationalversammlung muco zuerst das Orgmisations-Statut berathen und die Für- stenwabl zu Ostern vornehmen.
Cagliari, 9. Junrar. Der „Aoventre de Sardegna" meldet aus Tunis: Der französische Consul hat seine Functionen dem spanischen Consul übertraten. Die Situation wird als eine ernste betrachtet.
Paris, 10. Jinuar. Die „Arence Haoas" meldet aus Ragusa: Die Notabein von Albanien erklärten dem Gouverneur von Skutari, daß sie sich mit den Wissen in der Hand der Uebergabe von Podgoritza an die Mon- tenegrtnec widersetzen würden. Die Montenegriner bestehen auf der Uebergabe. — Aus Madrid wird gemeldet: Espartero ist gestorben.
Posen, 9. Jrnuac. Die vorläufige polizeiliche Schließung des Polaischen Volksb ldungsvereins ist durch Beschluß des hiesigen Kreiszerichts aufrechterhalten und gegen den Vorstand des Vereins wegen Vergehens gegen das Ve^insgrsetz Aidienzt rmm auf den 22. d. auberaumt worden.
Kalkutta, 9. Jannar. General Roberts griff mit 3 kleineren Truppen- ab Heilungen den Feind an, welcher bedeutende S-reitkräfte zusrmmengezogen hatte. Dec Feind wurde unter bedeutenden Verlusten vollständig geschlagen. Die brit'schen Verluste sind unbedeutend.
Berlin, 9. Januar. Dem Bun^esrath ist vom Reichskanzler ein Gesetzentwurf zugegangen, betr. die Strafgewalt des R'ichstages über die Mit' gl.eder des Reichstags. Danach wird die Strafgewalt au^geübt von einer aus den beiden Vicepräsidenten und 10 Mitgliedern des Retchstazs bestehenden Commission, welche auf Anordnung des Präsidenten ober Antrag von 20 Mitgliedern zusammentr tt. Die Commi'ston kann erkennen auf 1) Verweis vor versammelten Hause; 2) Verpflich unz zur Abbitte vor versammeltem Hause; 3) Ausschließung aus dem Reichstage auf bestimmte Zeit. Erstreckt sich die Ausschließung auf die ganze Legislaturperiode, so kann damit der Verlust der Wählbarkeit zum Reichstag verbunden werden. Außerdem kann auch selbstständig der Beschluß auf Verlust der Wählbarkeit zum R ichstag ausgesprochen werden. Wenn ein Verstoß, beffen sich ein Reichstags-Mitglied schuldig machte, eine nach gemeinem Rechte strafbare Handlung in sich schließt, so kann das betreffende Mitglied auch dem Strafrichter überwiesen werden. Gleichzeitig mit der Ahndung kann auch die Aufnahme der betreffenden Rede oder A ußerung in den stenographischen Bericht und jede andere Veröffentlichung derselben in der Preffe untersagt werden.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Eorrespondenz-Bureau.
Berlin, 9. Januar. Abgeordnetenhaus. In erster und zweiter Berathung werden ohne Debatte folgende Gesetzentwürfe erledigt: Betreffend die Abänverung der Bestimmungen des Gesches von 1973 über das Grundbuchwesen im Bezirk bes Justizsenates Ehrenbreitenstein und des Gesetzes von 1873 über das Grundbuchwesen im Jahdegebiet, betreffend die Abänderung der Bestimmungen des Gesetzes von 1873 über das Grundbuchwesen und die Verpfandung von Seeschiffen in Schleswig-Holstein und betreffend die Abänderung der Bestimmungen des Gesetzes von 1K73 über das Grundbuchwesen der Provinz Hannover mit Ausschluß bes Jahde- gebiets. Der Gesetzentwurf, betreffend die Radfelgenbejchläge der Fuhrwerke in der Provinz Hannover, wird nach unerbebltcher Debatte in erster Berathung an eine Commission von 14 Mitgliedern verwiesen. Bet der Berathung des Gesetzentwurfes betreffend die richterlichen Mitglieder der Grundsteuer-Entschädtgungs-Commission ergibt die Abstimmung über ein Amendement die Beschlußunfähigkett des Hauses, weßhalb die Berathung abgebrochen wird. Nächste Sitzung Freilag.
Brüssel, 9. Januar. Die „Jndependence Belge" meldet aus Paris: Heute taub im Elysee ein Ministerrath statt, welcher sich über ein den Kammern bei deren Wtederzusammentreten vorzulegendes vollständiges Programm einigte. Unter anderem soll der Primärunterrtcht obligatorisch gemacht, auch Gesetze über öffentliche Unterrichtsräthe beschlossen werden; ferner sind Gesetzentwürfe, betreffs Amnestie, Zolltarife und Gensdarmerie, im Prtncip angenommen.
London, 9. Januar. Beaconsfield ist gänzlich wieder hergestellt und hat ferne amtliche Thältgkeit heute wieder ausgenommen.
Paris, 9. Januar. Die „Agence Havas" berichtet aus Tunis: Die Note der französischen Regierung an die Regierung von Tunis nurbe am 6. d. übergeben. Die zur Enheilung der Antwort gestellte Frist von 48 Stunden läuft heute ab. Man hat Grund zu der Annahme, baß bie verlangte Genugthuung bewilligt werben wirb, wenngleich noch keinerlei Lösung bei Frage zur officiellen Kenntntß gekommen ist.
Wien, 9. Januar. Das „Vaterland" veröffentlicht den Text einer päpstlichen Encycltca, welche die Nothwendigkett darlegt, der Kirche ihre Freiheit wiederzugeber, damit sie für oas allgemeine Wohl wirken könne. Ferner Wird mit Rücksicht darauf, daß bie Anhänger bes Socialismus vorzüglich die Handwerker und Arbeiter zu gewinnen suchten, daran gemahnt, daß die unter
ich sowohl als Ihr Kreisgenoffe, wie seines Inhalts wegen, mit Jntereffe ge- lesen. Ich halte Ihre Klage über bie Lage der Landwirthschaft in ihren wesentlichen Theilen für begründet. Für meine Bemühungen, tenfelben auf dem Wege der Gesetzgebung abzuhelfen, hoffe ich auf E'folg, soweit bie Zustimmung ber gesetzgebenben Körperich fften ihnen zu Theil wird. In der Hand ber Lanbwirthe selbst liegt es, bei den Wahlen zum Lanbt^g unb Reichstag für Vertreter zu stimmen, welche Jntereffe unb Verstänomß für, die Landwirthschaft unb ihre heutige Lage in Deutschland) haben unb bethätig^n. An solchen kann es in ber hiesigen Gegend mit ihrer vorwiegend lanb.virthschaft- lichen Bevölkerung sicher nicht fehlen.
— In einem längeren Artikel unter ber Ueberschrist „Finanzreform unb constitutionelle Bürgschaften" wirst bie „Provinzial Correspondenz" einen Rückblick auf die bezüglichen vorjährigen Verhanblungen; sie erinnert habet an die Worte bes Finanzministers bei Vorlegung bes neuen Etats: er habe bie Überzeugung, es werbe bem Landtage nicht schwer sein, eine Brücke zu bauen zwischen den beteiligten Körperschaften und die Entschließung der Reichsinftanz in wirksamer Weise vorzubereiten. Die Correspondeuz fügt hinzu: Möchten bie beovistehenben Berathungen blefe Hoffnung bestätigen! Dieselben tonnen der Natur der Sache nach nur vorläufige unb öorbereitenbe sein, werben aber unzweifelhaft von E nfluß unb Gewicht für die schließlichen positiven Gestaltungen sein in' dem Maße, in welchem der Geist ernst practischer Politik dabei zur Geltung gelangt. An dem Willen der Regierung, bie Verstänbigung zu fördern, wirb es nicht fehlen. ,
Berlin, 8. Januar. Es gewinnt ben Anschein, als ob bie bereits in ber Preffe erörterte Frage wegen Erhebung eines Zuschlagportos für diejenigen Briese, welche nach einer gegen jetzt ansehnlich zu verkürzenden Schluß zeit bei den Postanstalten im Reiche aufzeqeben werden, eine Lömng im bejahenden Sinne erhalten würde. Falls sich dies bestätigen sollte, so wird jedenfalls dem Briefwechsel durch Postkarten und namentlich ber Annehmlichkeit unb einem burch lange Gewohnheit fast zur anderen Natur geworbenen Brauche, verspätete Briefe noch in die Etsenbahnpostwagen legen zu können, Eintrag ge- sch hen. Bisher war bie Postoerwaltung bemüht, die Schlußzeit für Annahme von Briesen so viel wie möglich im Jntereffe des Publikums festzusetzen, ja, selbst in alten Zeiten, ba noch jeber einzelne Brief ohne Unterschied in eine Karte eingetragen und bas Porto babet berechnet würbe, es also noch lange kein Postwerthzeichen zum Frankiren gab, letzteres auch keineswegs so eins ich w'.' heutzutage war, würbe barauf gehalten, baß bie Absenber so lange wie möglich ihre Briefe auf bie Post senden konnten. Das würde mit einem Male dann alles anders werben. Die Heranziehung bes Be spiels von England, Frankreich u. s. w. müßte, abgesehen von allem Uebrigen, angesichts jener alten bewährten Gebräuche, von vornherein abgewiesen werben.
BreSlau, 7. Januar. Die „Schiff- Volksztg." bringt solgenbe Notiz: „In Folge des Antrages ber Centrumspartei bezüglich eines Gesetzes gegen den Wucher würbe von bem Justizministerium eine Zusammenstellung aller derjenigen Personen angeorbnet, welche im vergangenen Jahre von berüchtigten Wucherern wegen Wechselforberungen bei ben Gerichten verklagt waren. Diese Zusammenstellung hat an Größe unb Zahl alle Erwartungen übertroffen. Beamte aller Kategorien, Lehrer, Militärs, kurz, Leute, welche sich eines gesicherten unb eines oft mehr als auskömmlichen Einkommens erfreuen, waren besonbers zahlreich vertreten."
Amerika.
New-Uork. Der 1. Januar hatte für hie Vereinigten Staaten von Amerika eine große Bebeutung. Nachdem seit Beginn des Krieges im Jahre 1860 ein Golocnrs extstirt hat, ist bie Ausgleichung am 1. Januar nunmehr thatsächlich erfolgt. Der amerikanische Popierbollar gilt jetzt ebensoviel wie ber Goldbollar. Die Zinsen auf bie Schatzbonbs würben, obichon in Gold zahlbar, auf Wunsch ber Bondsbesitzer in Papier ausgeiahlt. Die meisten Besitzer von beim Unterschatzämte in New-Iork zahlbaren Lheks zogen gleichfalls bie Auszahlung in Papier vor. Die aus den verschiedensten Theilen der Union eingegangenen Nachrichten lauten ebenfalls dahin, daß nirgends eine erwähnenswerthe Nachfrage nach Gold stattgefunden habe. . Wo eine solche vorkam, geschah dies mehr ber bloßen Curiosität wegen. Für beutsche Exporteure ist blefe Ausgleichung insofern von großer Bebeutung, als bie Ein- gangswlle bekanntlich in Gold zahlbar sind.
Lokales.
Gießen, 10. Januar. Wiederholt wurde von hiesigem Gewerbe-Verein auf die, im Lause dieses Jahres in Offenbach a. M. stattfindende Hessische Gewerbe-Ausstellung aufmerksam aemacht und zur Betheiligung an derselben eingeladen. Wenn wir trotzdem noch einmal darauf zurückkommen, so mag dies die Wichtigkeit, welche derartigen Ausstellungen beizumeffen ist, entschuldigen. _ , o_ w , ,,
Man hat von vielen Seiten die rasche Aufeinanderfolge von Weltausstellungen getavelt, und vielleicht nicht mit Unrecht; darüber läßt sich eben diskutiren. — Aber Ausstellungen, welche sich auf bestimmte Kreise, innerhalb bestimmter Grenzen, beschranken, sind in jeder Be- ziehunq von großem Vortheil, für den Ausstellenden sowohl als auch ganz besonders im allgemeinen Jntereffe der Vaterländischen Industrie. Etwas gelernt wird unter allen Umständen von Jeoem dabei, und sei es auch nur das, daß man sieht, wie etwas nicht sein soll.
Der Handwerker findet neue Rohmaterialien, over die bekannten in verbefferter und veränderter Form. Der Künstler findet neue sujeti und Motive, der Großindustrielle sieht, wo, und welche Lücken sich bet einer oder der anderen Waarengattung ausfüllen lassen. _ Das Publikum aber, und hieran wolle man doch besonders denken, es sieht, W a s in seiner nächsten Nähe fabrizirt wird, Was geleistet werden kann. Es wird einsehen, daß man nicht nöthig hat, kostbare d. h. theure Gegenstände vom Auslande zu beziehen, vielleicht aus Frankreich oder England, sondern daß dieselben, vielleicht besser, meistens aber wohl billiget im Jnlande gefertigt werden. Es soll und muß einmal zur Ueberzeugung gebracht werden, daß auch deutsche Maare dem Deutschen genügen kann, und daß es durchaus nicht nöthig ist, daß em sonst n, jeder Beziehung sich als guter Patriot gerirender Deutscher bet seinen Einkäufen nur das französische und englische Fabrikat für gut hält, weil „man ja bei uns so Etwas gar nicht machen kann"! Auch die so Denkenden versündigen sich an ihrem Vaterlande!
Aber was sollen wir ausstellen? Das was man alle Tage braucht, oder das waS mühevoll, kunstreich und kostspielig ist? Es dürfte nicht ganz leicht sein diese Fragen präcis zu beantworten. - Vor allen Dingen stelle man Gebrauchsgegenstände aus — edel in Formen, solid in Arbeit, mäßig im Preise. — Dann aber auch stelle man Gegenstände aus, die zeigen, daß der Deutsche nicht allein der nüchternen Alltäglichkeit lebt, sondern auch mit Geist und Kunstsinn zu arbeiten versteht. — Doch Eins muß unserer Meinung nach vermieden werden, die- Sucht, mit Ausstellungsgegenständen Reklame machen zu wollen. Es beleidigt dies das Auge des feinfühlenden Beschauers, und nur all zu oft sieht das Gesuchte und Gekünstelte aut jedem Theile nur zu deutlich heraus. Man fertige Sachen, die, wenn auch nicht oft, aber doch immerhin noch gekauft werden. — „ , ,
Allen Denjenigen, welche sich an der Ausstellung betheiligen wollen, wird der Vorsitzende des hiesigen Gewerbe-Vereins gewiß in bekannter liebenswürdiger Weise gewünschte Auskunft erteilen, und glauben wir mit diesem letzten Hinweis unsere Notiz beschließen zu können.
__In der Nacht vom 5. auf den 6. Januar wurde in Friedberg bet Gebrüder Aaron eingebrochen und eine größere Anzahl werthvoller Felle gestohlen. Durch Zufall wurden die Felle bei einem hiesigen Kürschner, welcher dieselben schon gekauft, entdeckt und mit Beschlag belegt. Den Dieben ist man auf der Spur
__Wegen Spielen des „Kümmelblättchens" wurde gestern Morgen em Fremder auf frischer That verhaftet
Gießen, 10. Januar. Conrad Fuchs III. von Großen-Eichen wurde von dem Sckwur- gerichtßhof gestern Vormittag nach geschlossener Verhandlung, wegen Körperverletzung mit tödt- lichem Erfolg, in eine Gefängnißstrafe von 4 Monaten verurtheilt.
In der Nachmittagssitzung von demselben Tage wurde HandlunqseommiS Karl Stohr von hier, wegen Diebstahls, in eine Gefängnißstrafe von 4 Wochen verfällt.
Berichtigung. Friedrich Sckeer von Lauterbach wurde wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg nicht blos mit 3 Jahren, sondern mit 3 Jahren und 6 Monaten bestraft.
Schiir*berieht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd E. W. Dietz in Gießen.
Newyork, 7. Januar. (Per transatlantischen Telegraph.) Das Postdampfschiff Donau, Capt. R. BujsiuS, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 23. December von Bremen unb am 25. December von Southampton abgegangen war, ist heute 8 Uhr Abends wohlbehalten hier angekommen.


