Gläubiger eine besondere Ladung erhält, der Termin in öffentlichen Blättern auszuschreiben ist und die Reisekosten und Diäten der etwa erscheinenden Rechtsanwälte, des Verwalters rc. zu berichtigen sind. Es ist sogar möglich, daß der Säumige an der ersten Abschlags-Dividende nicht pathciplren darf. GS ist der Zweck dieser Zeilen, auf diese Bestimmungen aufmerksam zu machen, da aus Unkenntlich sehr vielfach dagegen gefehlt und das rechts- suchende Publikum dadurch in empfindlichsten Nachtheil versetzt wird. Auch kann nicht genug anewpsohlcn werden, in Proceßtagfahrten genau zur festgesetzten Stunde zu erscheinen, da bei einem verspäteten Erscheinen der einen Partei die andere Versäumniß-U^therl erwirken kann. Steht hiergegen auch Einspruch frei, so hat man doch die Kosten der neuen Tagfahrt zu tragen.
m. Darmstadt, 8. Decbr. Der Finanzausschuß der ersten Kammer beantragt nach einem von Sr. Erl. dem Grafen zu Solms-Laubach erstatteten Bericht, dem Beschlüsse der zweiten Kammer beizutreten, für den Gehalt eines definitiv anzustellenden Cultur-Jnspectors statt der für den Gehalt eines provisorisch anzustellenden Cultur-Jngenieurs verwtlliglen 3300 Mk. jährlich 4400 Mk. und sowohl diesen Betrag, als auch die bereits für Bureaubedürfntffe, Reisekosten und Vermeffunzsarbeiten verwilltgten 3000 Mk. für die ganze Finanzpertode als Pauschsumme unter der Beschränkung zu bewilligen, daß der Gehalt eines definitiv anzustellenden Cultur- Jnspectors höchstens 4400 Mk. betragen und diese Summe nicht übersteigen dürfe.
Weiter beantragt der Finanzausschuß der ersten Kammer nach dem deSfallS von Sr. Durch!, dem Fürsten zu Isenburg und Büdingen erstatteten Bericht Beitritt zu dem Beschluß der zweiten Kammer, zur Errichtung eines Auditoriums für die physikalischen Vorlesungen an der Landesuntversttät neben den aus dem allgemeinen Baufond für Universttätsgebäude zu entnehmenden 4000 Mk. weiter die Summe von 12000 Mk. zu verwilligen.
Berlin, 7. Decbr. Dem kürzlich in der Retchsdruckerei fertig gestellten Bericht des Generalpostmeifters über die Ergebnisse der Retchspost- und Telegraphen-Verwaltung während der Jahre 1876—78 entnehmen wir folgende auch für wettere Kreise intereffante Notizen:
Vor Allem find für die Entwickelung der Verkehrsanstalten zwei Momente von hoher Bedeutung gewesen: die am 1. Januar 1876 tn's Leben getretene Verschmelzung des Post- und Telegraphenwesens und die Erweiterung des Berner Postoeretns zum Weltpostverein. Die erstere hat den fortschreitenden inneren Ausbau der Post- und Telegraphenanlagen ermöglicht, ihre weitere Vorschtebung in das Innere der Landbezirke, ihre Vervollkommnung vom Standpunkt der Wtffenschaft und der Technik, endlich ihre größere Ver- werthung im Jntereffe der Allgemeinheit unter gleichzeitiger Verminderung des Verwaltungs-Apparats und des Beamten-Körpers. Der Weltpostverein aber fichert dem Postwesen eine durch nationale Grenzen nicht gehemmte Wirksamkeit, die für die Culturbestrebungen der Menschheit eine immer höhere Bedeutung erlangen wird. Beide Momente haben wesentlich betgetragen, trotz des Darntederliegrns von Handel und Industrie eine Steigerung in den Leistungen und eine Erhöhung in den Reinerträgen der Reichsverkehrsanftalten her- betzuführen. Die Vermehrung der Gesammtzahl der beförderten Postsendun- gen 'M Jahre 1878, gegen das Jahr 1875, beläuft sich auf 185 Mill. Stück, die Vermehrung der telegraphischen Depeschen auf 1 Million. Zugleich aber ist nicht nur das in der früheren Telegraphenverwaltung hervorgetretene Deficit von jährlich 31/! Mill. Mk. beseitigt, sondern es ist vom Jan. 1876 bis zum März 187s ein Reinüberschuß von mehr als 27 Mill. Mk. an das Reich abgeltefert. Die Zahl der Postämter und Postagenturcn ist seit dem Jahr 1875 von 6556 auf 7068 gestiegen, die Zahl der Dlegraphenämter von 1686 auf 4143. Schon mehr als die Hälfte aller Postbeamten ist im Telegraphenbetrteb mit verwendet, wodurch eine große Ersparung an Beamten- kräften etntrilt. Dazu ist trotz der außerordentlichen Vermehrung der Verkehrsanstalten das Gejammtpersonal in den letzten drei Jahren von 60,330 nur auf 62,060 gestiegen. Nach sorgfältigem Studium aller einschlägigen Fragen war im Herbst 1875 ein umfassender Plan zur Herstellung eines unterirdischen Telegraphennetzes für das Reich entworfen uns festgestellt; die Gesammtlänge der unterirdischen Leitungen des Reichs beträgt gegenwärtig schon 16,740 Kilometer, die längste Linie, von Kiel nach Straßburg z. E. gehend, erstreckt sich auf mehr als 1219 Kilometer. In welchem Grade die Post auf den Geldumsatz einwtrkt, läßt sich daraus ersehen, daß im Jahr 1878 der Betrag der Postauftragsbrtefe auf reichlich 306 Millionen, der Betrag der Postanweisungen gar auf mehr als 1777 Mill. Mk. sich belaufen hat.
— Beim Centrum scheinen die Trauben etwas sauer zu fe)n, und, täuscht nicht Alles, so find die Verhandlungen mit der Curie tn's Stocken ge- rathen. Darauf läßt wenigstens das Auftreten Windthorst's in einer der letzten Sitzungen des Abgeordnetenhauses schließen. Bis jetzt hatte sich das Centrum ziemlich prssiv verhalten; die Thatsache aber, daß im Abgeordnetenhause eine conservaliv-nattonalliberale Mehrheit für die meisten Angelegenheiten geschaffen ist, der Umstand ferner, daß das Cenlrum bei den wichtigen Eisenbahn-Vorlagen nicht, wie es anfänglich gehofft, die Entscheidung in die Hand bekommen und nun endlich, bei dem langsamen Gange der Verhandlungen mit Rom, seinen Wählern gegenüber aus der bisherigen Unentschiedenheit heraustreten muß; alle diese Verhältniffe haben, wie eS scheint, die E itscheldung der Een- trumsfraktion dahin gedrängt, daß der parlamentarische Strom wieder los- gehen soll. Man hatte gestern den Etat des Ministeriums des Innern dazu ausersehen, den ersten Anlauf auShalten zu müffen. Herr Windthorst erklärte laut und feierÜch, daß der Culturkampf in alter Weise fortdauere, er griff den Minister des Innern heftig an, weil die Nichtbefiätigung von Ultramon- tanen zu Bürgermeistern u. s. w. nur Culturkampfgelüsten zuzuschreiben sei. Anscheinend kam es Herrn Windthorst aber doch nur darauf an, etwas Näheres übcr den Stand der Verhandlungen mit Rom zu erfahren, auf die er zu diesem Ende wiederholt zurückkam. Graf Eulenburg blieb jedoch die Antwort darauf schuldig. Herr Windthorst kündigte bereits an, daß die weiteren Angriffe beim Etat des Cultusministeriums erfolgen würden, doch soll dabet die Person des Herrn v. Puttkamer, so viel möglich, geschoit werden. Die Scharmütz l Seitens des Centrums sind also eröffnet; warten wir ab, wie lange dasselbe die oppositionelle Stellung innehalten wird.
— Die erschreckende Häufigkeit von Eisenbahn-Unfällen hat Herrn Miy- bach zum Erlaß eines Resc>iptes veranlaßt, in welchem er den föiv.gL Diiec- ionen eine verschärfte Controle der Betriebssicherheit s Vorschriften a.ewpfirhlt.
Das Rescript deutet an, daß gewiffe Unterlaffungen von Vorsichtsmaßregel« im Betriebsdienste stellenweise gewohnheitsmäßig gewesen zu sein scheinen, ohne bisher entsprechende Rüge gefunden zu haben. Im Uebrigen betont das Re- fcript die Wichtigkeit einer aufmerksamen Handhabung und Beobachtung der Signal- uno Wuchenstellungs-Apparale, wobei erwähnt wird, daß die gewöhnlichen optischen Telegraphen sich in einigen Fällen manzehaft erwiesen haben. Hoffentlich trägt die dankenswerche Anregung des Arbe.tsmintsters dazu bei, daß eben auch der technischen Verbefferung der der Betriebssicherheit dienenden Vorkehrungen und Apparate mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird, als bisher.
— Berichte aus Oberschlesien, aus ßot-Iau, Kreis Rybnik, und aus dem Kreise Pleß eröffnen überaus traurige Aussichten. Der Nolhstand und der Hunger ist da und in die Hütten der kleinen Handwerker und Tagelöhner, der Wlttwen und Wrisen bereits eingrkehrt. Keine Kartoffeln, kein Brod, keine Kohle ist vorhanden — und dabei der eisige Winter. Zwar sind Gemeinde- wegbauten von der Regierung angeordnet unter Staatsunterstützung, aber die Gemeinden vermögen nicht bnzusteuern und der „Schief. Volksztg." zufolge dürfte „nach Weihnachten ein fast allgemeiner Nothstand mit allen seinen Schreck- inssen ausbrechen, wenn demselben nicht rechtzeitig vorgebeugt wird. Im Kreise Pleß giebt es über 80,000 Einwohner, von diesen dürften sicherlich 40,000 unterstützungsbedürftig sein." Inzwischen hat der Vaterländische Frauenverein auf Veranlassung der Kaiserin und unter Mitwirkung des Staatsministers Dr. Friedenthal begonnen, eine „planmäßige Organisation zur Hülfsthäng- keit" in's Werk zu setzen. Für die Aufbringung der außergewöhnlichen Geldmittel wurde beschlossen, einen Aufruf zu freiwilligen Beiträgen in den Zeitungen zu veröffentlichen und von Setten des Frauenvereins in Berlin die Ueberweisung eines größeren Betrages zu erbitten, deffen Gewährung in Aussicht steht.
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Telegraphische Depeschen.
Wagner's telegr. Correspondeur - Bureau.
London, 8. Decbr. Der Änchor-Dampfer „Anglta" ist am Samstag flott gemachr und Sonntag in Glasgow angekommm.
London, 8. Decbr. Meldung des „Reuter'schen Bureau"s aus Konstantinopel vom 7. ds. ; Das diplomatische Corps soll der einstimmigen Ansicht sein, daß, wenn sich der Angriff der Montenegriner durch die Albanesen bestätigen sollte, die Pforte keine Verantwortung dafür treffe, da diese das Möglichste that, einen Coufltct zu verhindern. Layard gingen zufriedenstellende Berichte aus Kleinasien zu, wo durch kräftiges Vorgehen der türkischen Behörden sich die Lage befferte.
Berlin, 8. December. Meldungen des „Retchsanzetgers". In die Commission wegen Verthetlung des Schillerpreises sind berufen: Die General- Intendanten v. Hülsen (Berlin) und v. Wolzogen (Schwerin), die Profefforen Grimm, v. Treitschke, Scherer und Julian Schmidt (Berlin), Gustav Freytag (Wiesbaden), Devrtent (Frankfurt) und Director Förster (Leipzig). — Der Kaiser verlieh dem Staaissecreiär v. Schelling den Cyaracter eines Wirklichen Geh. Rothes mit dem Prädikat Excellenz.
Pesth, 8 Decbr. Die in voriger Woche gefallenen Schneemaffen und Niederschläge verursachten in mehreren Gegenden Hochwaffer. Bet Großwardetn ist der Körös über seine Ufer getreten, so daß ein Tyeil von Großwardein einen halben Tag lang in 50 Cmtimeier Höhe unter Waffer gesetzt war. Seit gestern ist die Gefahr abgewendet. Der weiße und der schwarze KöröZ find bedeutend angeschwollen, mehrfach Dämme durchbrochen und einige Ortschaften überschwemmt. Auch der Mrros-Fluß ist sehr angeschwollen. Aus Sieben- bürgen wird ebenfalls über Austreten von Flüffen berichtet.
Straßburg, 8. Deember, Abends. Die Einladungsschreiben an die Mitglieder des auf den 16. ds. zusammenberufenen Eilaß - Lothringischen Lan- desauöschuffes sind von dem Statthalter Feldmarschall v. Manteuffel persönlich unterzeichnet. — Der Statthalter gibt heute anläßlich des russischen Georgsfestes zu Ehren des Herzogs Georg von Mecklenburg - Strelitz ein Diner.
Die von heute an als Publikations-Organ der Landesoerwaltunz an Stelle der „Straßburger Zeitung" erscheinende „E'.saß-Lothringtsche Zeitung" erklärt an der Spitze ihres nichtamtlichen Theiles: Nachdem mächtige Ereig- niffe die Geschicke Eisaß^Lothringens mit denen des deutschen Reiches unauflöslich verbunden haben, kann die Förderung der Landestntereffen nur von der Basis aus erfolgen, daß die Wiedervereinigung deS LmdeS mit dem übrigen Deutschland nicht nur als vollendete, sondern auch als unumstößliche Thatsache betrachtet wird. Diesem leitenden Gedanken wird die Haltung der „Elsaß- Lothrinqischen Zeitung" entsprechen.
Madrid, 8. December, Abkiids. Der König übertrug dem Präsidentm der Deputirtenkammer Posada Hrrrera die Bildung des neuen Krbinets: letzterer konferirte mit Sagasta, Serrano. Alonso Martinez und Cimacho, besuchte auch Canovas del Castillo. Die Bildung eines Kabinets mit Hilfe der Constitutionellen scheint sehr schwierig.
Berlin, 9 December. Sämmtliche Fraktionen beriechen gestern über ihre Stellung zu den Eisenbahnvorlagen. Die Konservativ:n und Freikonser- vativen werden geschloffen für dieselben, Fortschrittspartei und Polen geschloffen dagegen stimmen. Die Nattonalliberalen dürften, mit Ausnahme von höchsten« 15 Mitgliedern, dafür, das Centrum, nur einige Mitglieder ausgenommen, dagegen stimmen.
Stuttgart, 9. Decbr. Heute Nacht ist das Gebäude des Circus Herzog in d^r N ck -ritraße abg-brannt. ______________________
Lokales.
Gießen, 9. December. Die „Volksküche" wurve heule Vormittag ohne weitere Formalitäten eiöffret. Zahlreiche HandwerkSburschen ließen sich die treffliche Speise les gab heute französische Suppe) im Speisesaale munden. Ebenso war der Verkauf an Arme und Arbeiter ein sehr lebhafter, so daß die zwei Keffel für die Folge wohl nicht ausreichen dürften. — Für die „Volksküche" gingen weiter bei uns ein: Dr. F. B. 10 Jt, Dr. Stammler 10 <^L L. G. D. Dr- Dt. 10 JL, Dr. Schüler 10 JL, M. K- 2 Jt, L. R. 1 Rechnungsrath Reuning 10 JL, Carl Vogt. Rentner 10 , von Mitgliedern der freiw städt. Feuerwehr bei einem Gesellschafts
spiel lo 39 H, durch Herrn Döring gesammelt 232 JC, Jean Sandner 1<> JL, v. Western- bagcn 20 Jt, Geh. Kircbrnralh Dr. Köllncr 10 X, M Rosenthal 10 X, Droescder u. Simon 10 X, Rath Z 10 X, Dr 3 X- Summa 378 X 39 mit den in letzter Nr. guittirten 1225 X 26 H nunmehr 1603 X 65 Wir sagen den freundlichen Gebern herzlichen Dank und nehmen weitere Gaben gerne entgegen.
— Für die . Volksküche" haben nachstehende Herren, welche Victualien und EinrichtungS- ! gaben spendeten, sich verdient gemacht: Herr Weißbäcker gab für 15 X Holzwaaren, I Herr Ferd. Bapst spendete einen Ofen, Kohienkosten, Löffel rc., HH. Gebr. Windecker gaben 150 Pfb RciS, HH. Koch & Krotz l"0 Pfd. Reis, Herr Slug. Kröll einen Goffenstein von Eisen- ' Ferner stellte Herr'C. Balzer der Küche 50 Stühle und 9 Tische zur Verfügung.


