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lichten Schrift: »La Russie ou la Prusse?", worin Frankreich der Rath gegeben wird, einen Ausgleich zwischen Polen und Rußland herbeizuführen. Wenn man den Fürsten Gortschakoff beschuldigt, mit den panslaoisttschen Be­strebungen zu liebäugeln, so ist das em Vorwurf, für den er in den letzten Jahren nur zu viele Beweise geliefert hat. Jndeffen ist auf die Person des hochbetagten Fürsten Gortschakoff kein großes Gewicht mehr zu legen. Kaiser Alexander har ihn wiederholt aufgefordert, in Baden-Baden zu bleiben, und Fürst Gortschakoff ist in der Thal kaum noch als im Dienste stehend zu be­trachten. Die auswärtige Politik wird von Kaiser Alexander mit Herrn Giers gemacht, und dieser, wie die meisten Minister, segelt im panslavistifchen Fahr- waster. In Leipzig bei Brockhaus ist ein neues Werk über Rußland erschie­nen unter dem Titel:Vor und nach dem Kriege." Der Verfaster ist nicht schwer zu errathen. Es ist der Autor der BücherAus der Petersburger Gesellschaft", Julius Eckardt. Er schildert die innere Lage Rußlands als be­denklich. Die revolutionären Elemente haben sich gehäuft und die große Reform, als deren Führer man den Großfürsten Thronfolger bezeichnet, dürfte leicht in eine Revolution umschlagen. Unter solchen Umständen scheint es um so unbesonnener, wenn Rußland jetzt, wo es im Innern so unfertig ist, sein Heer verstärkt und eine drohende Sprache gegen das Ausland führt.

Hesterreich.

Wien, 7. Octbr. DiePolit. Corresp." meldet aus Konstantinopel von heute: Die Pforte richtete ein Circular-Telegramm an die türkischen Botschafter, in welchem sie das Bedauern ausdrückt, daß die letzte griechische Declaration vor ihrer Abgabe in der Conferenz sämmtlichen Botschaftern in Konstantinopel mit Ausnahme der Pforte mitgetheilt wurde, weil sonst viel­leicht eine Verständigung möglich gewesen wäre. Dieselbe Coerespondenz meldet aus Belgrad: Das russische Eisenbahn-Consorttum Poltakoff über­reichte eine Offerte bezüglich der serbischen Bahnen ohne Staatsgarantie.

In heutiger Eröffnungs-Sitzung des Unterhauses waren sämmtliche Minister anwesend. Alterspräsident ist Negrelli, welcher die Angelobung leistet, die Versammlung herzlich bewillkommnet und nach Berufung der Schriftführer die Angelobung der Abgeordneten abnimmt. Sämmtliche Abgeordnete leisten die Angelobung ohne Vorbehalt. Die feierliche Eröffnung des Hauses durch den Kaiser findet morgen um 12 Uhr statt. Baron Haymerle ist heute früh in Wien etngetroffen.

Die czechtschen Abgeordneten aus Böhmen und Mähren, denen sich auch böhmische und mährische Abgeordnete des Großgrundbesitzes anschloffen, haben die Gründung eines czechtschen RetchSraths-Clubs und die Entsendung von 5 Mitgliedern in das Permanenz-Comttö der Autonomistrn-Partei be- schloffen. Auch die Rechtspartei beschloß, in letztgenanntes Comit6 5 Mitglie­der zu deputiren.

Frankreich.

Paris, 6. Octbr. DieRöpublique francaise", welche gestern die all­gemeine und vollständige Amnestie als unumgänglich nothwendtg darstellte, verlangt heute, daß diese Frage mit Einem Schlage beseitigt werde, weil sie sonst bei den allgemeinen Wahlen die republikanische Partei spalten und so den Feinden der Republik den Steg geben werden könne. Der orleantsttsche Soleil" stellt heute ein neues Programm auf; er räth, daß sich die ganze conservative Partei auf den Boden der Republik stelle, um sich die Mehrheit bet den Wahlen zu verschaffen, die nächstes Jahr für die Erneuerung der General- und Gemeinderäthe, 1881 für die Deputtrtenkammer und 1882 für den Senat stattfinden müssen.

Rußland.

Petersburg. DerTimes" wird aus Parts berichtet:Herr Kotzebue, der russische Gesandte in Bern, welcher seit 3 Jahren darum gebe­ten hat, in den Ruhestand versetzt zu werden, ist plötzlich benachrichttgt wor­den, daß sein Gesuch genehmigt worden sei. Sein Nachfolger soll Herr Hamburger sein, welcher lange Zeit dem Fürsten Gortschakoff so nahe betge- sellt war, daß man die beiden als unzertrennlich hielt. Die natürliche Erklä­rung ist, daß der Fürst im Begriff stehe, sich zurückzuziehen und einen seiner getreuesten Anhänger zu versorgen wünsche. Dies ist als erstes Ergebntß der jüngsten Zusammenkünfte zu betrachten, denn es ist wahrscheinlich, daß bet der Kaiserbegegnung in Alexandrows beschloffen wurde, den Fürsten Gortschakoff zu opfern."

Amerika.

New-Avrk, 6. Octbr. Von den Untonstruppen in Colorado sind seither keine Nachrichten eingegangen. Nach dem ersten Gefechte wurde noch zwei Tage lang Gewehrfeuer gehört. Man befürchtet einen allgemeinen Auf­stand der Uti-Jndianer, obgleich der Häuptling befohlen hat, die Feindselig- ketten einzustellen. Nach nichtamtlichen Berichten sollen alle Mitglieder der Agentur vom Weißen Fluß niedergemetzelt worden fein. Der hier etnge- troffenePanama Star and Herald" vom 25. Septbr. meldet: In Bucara- monga (Staat Santander in Columbia) wurde am 9. Septbr. von Commu­nisten ein Aufstand erregt und die Stadt von denselben auf 4 Tage besetzt; sie plünderten die Kaufläden und tödteten 3 Kaufleute, darunter 2 Deutsche; auch der deutsche Consul wurde verwundet. Schließlich aber wurden die Auf- ständischen mit Verlust mehrerer Todten und Gefangenen geschlagen.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Correspondenz - Bureau.

Berlin, 8. Octbr. Der Kaiser wird voraussichtlich am 19. October Baden-Baden verlaffen und am 20. in Berlin etntreffen. Die Kaiserin begibt sich Ende dieses Monats von Baden-Baden nach Coblenz.

PariS, 8. Octbr. Der Großfürst Constantin erlitt beim Hinabstei- gen von der Treppe im Hotel Louvre eine Verstauchung und dürfte etwa 14 Tage das Bett hüten muffen.

i l 8. Octbr. DieTimes" meldet auS Khelattghtlzai vom

4. d.: Die Brigade des Generals Hughes marschtrte in der Richtung von ^yuzni ab uud ließ 6 Compagnien Infanterie, eine Schwadron Kavallerie und 2 Geschütze als Besatzung des Forts zurück. Die eingeborene Miliz wurde aufgelöst. Die Nachbarstämme sind rubio.

r , $®£e.n' 8-October. Die heute bei der feierlichen Eröffnung des Reichsraths verlesene Thronrede heißt zunächst die Vertreter der beiden Häuser des Reichsraths 1 am Beginne einer neuen Periode verfassungmäßiger Thätigkeit herzlich willkommen und '

bemerkt bann wörtlich: Indem nun auch die Abgeordneten Meines geliebten Königs­reichs Böhmen Meinem Ruse folgen und unbeschadet ihrer Rechtsüberzeugung uns ungeachtet der Verschiedenheit ihrer Anschauungen vollzählig den Boden gemeinsamer Verhandlung betreten, ist ein wichtiger Schritt geschehen, um zu jener allgemeinen Ver­söhnung und Verständigung zu gelangen, die stets das Ziel Meiner Wünsche waren und Ich gebe Mich der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß es bei allseitiger Mäßigung und gegenseitiger Rechtsachtung Ihren Verathungen gelingen wird, dieses im Interesse der Machtstellung der Monarchie stets festzuhaltende Ziel auch wirklich zu erreichen und so der Verfassung die gleich freudige Anerkennung aller Völker zu sichern.

Indem die Thronrede auf die Arbeiten, die des Reichsrathes harren, übergeht, werden vor Allem Gesetzentwürfe über das Wehrwesen angekündigt. Bei Berathung dieser Vorlagen werde den Reichsrath die oatriotische Erwägung zu leiten haben, daß in der eigenen Kraft die verläßlichste Bürgschaft des Friedens liegt, welches der Be­völkerung die Früchte ihres Gewerbfleißes sichert, und daß die Monarchie immer im Stande sein muß, mit dem vollen Gewichte ihrer Bedeutung einzutreten, wenn die Ereignisse den Schutz ihrer Interessen erheischen Ferner wird ein Gesetzentwurf, be­treffend die Aufbesserung der Jnvalidengebühren, die Versorgung der hilfsbedüiftigen Wittwen und Waisen der vor dem Feinde Gefallene.: und die Unterstützung von hilfs­bedürftigen Familien der im Falle einer Mobilisirung Einberufenen durch Einfühlung der im Wehrgesetze vorgesehenen Militärtaxe, sowie der Gesetzentwurf, betr. die Ver­waltung von Bosnien und der Herzegowina, angekündigt. Das Bestreben zur Her­stellung des Gleichgewichts im Staatshaushalte werde sich zunächst auf alle mit den bestehenden Einrichtungen vereinbarliche Ersparungen, specicll durch Vereinfachung der Verwaltung, erstrecken und auch das Kriegsbudget umfassen, soweit dies mit der Macht­stellung und Sicherheit des Reiches veieinbarlich sei Die Deckung des Abganges, welchen der demnächst zur Vorlage gelangende Staatsvoranschlag ausweist, soll ohne Inanspruchnahme des Credits und ohne Schädigung der Produktionskraft der Be­völkerung durch Vermehrung der Einnahmen geschehen. Eine neue Vorlage, betreffend die Reform der directen Besteuerung, werde mit Benutzung der umfassenden Vor­arbeiten eingebracht werden. Dem Reichsrathe werde es hoffentlich gelingen, die im Interesse einer gerechteren Vertheilung der Lasten so dringend nothwendige Verbesserung unseres Steuerwesens endlich zur Ausführung zu bringen.

Besondere Sorgfalt werde den M aßnahmen zur Hebung der heimischen Arbeit gewidmet sein. Bei Erneuerung der demnächst ablaufenden Handelsverträge werde darauf Bedacht zu nehmen fein, die Nachtheile abzuwenden, welche unsere Production, unseren Handel und Verkehr durch die geänderte wirthschastliche und Zollgesetzgebung des Auslandes gefährden könnten. In der letzteren Zeit gepflogene Besprechungen eröffnen die erfreuliche Aussicht aus eine günstige Regelung der Verkehrs- und Handels­verhältnisse mit dem Deutschen Reiche.

Die Einbeziehung der neuen Gebiete in den Zollverband, sowie die Errichtung von Lagerhäusern in Triest lassen eine dauernde Belebung des Handelsverkehrs erwarten.

Die Entwickelung des Eisenbahnwesens und die nöthige Erleichterung der mit dem System der Staatsgarantie verbundenen Lasten werde volle Aufmerksamkeit erheischen.

Der Bau der immer wichtiger werdenden Arlbergbahn ist durch Verhandlungen bedingt, auf deren baldigen Abschluß die Regierung bedacht ist.

Es werden ferner Gesetzentwürfe angekündigt über grundsätzliche Bestimmungen für die Zusammenlegung von Grundstücken, die Revision des Gewerbegesetzes behufs Förderung der gewerblichen Interessen, insbesondere durch Kräftigung des Kleinge­werbes, zeitgemäße Regelung des Verhältnisses zwischen Arbeitgebern und Hülfsarbeitem, ein Gesetz über Erleichterung und theilweise Auflassung der Besteuerung von Vorschuß- kaffen; Gesetzentwürfe zur Abhilfe wider unredliche Vorgänge bei Creditgeschäften und über Befreiung von der Legalisirungspflicht bei Tabular-Urkunden über Objecte ge­ringeren Werthes; eine Reform der Civilproceßordnung und des materiellen Strafrechts und Verbesserung des Seelsorge-Cleius.

Die Thronrede betont, daß angesichts der längeren Dauer der letzten Session und der Neuwahlen die Landtage nicht vor Beginn der Reichsrathssession einberufen werden konnten.

Selbstbeschränkung und weise Ausnützung der Zeit Behufs regelmäßiger A if- einanberfolge der legislativen Körperschaften erscheinen wünscheuswerth.

Die Thronrede conftatirt die ungetrübte Fortdauer guter Beziehungen zu allen Mächten, die Durchführung des Berliner Vertrages in seinen wesentlichen Bestimmungen, den Vollzug des Einmarsches in das Sandschak Novibazar auf Grundlage dieses Ver­trages in freundschaftlichem Einvernehmen mit der Pforte.

Es werde Aufgabe der Regierung sein, der nunmehr ermöglichten nachhaltigen Pflege und Entwicklung unserer volkswirthschaftlichen Beziehungen zum Oriente ihre volle Aufmerksamkeit zuzuwenden.

Die Thronrede schließt:

Die vielen Beweise treuer Liebe und Anhänglichkeit Meiner Völker für Mich und Mein Haus, sowie die aus der Mitte der Bevölkerung immer lauter tönenden Rufe nach Erhaltung der Eintracht, in welcher Meine Völker seit Jahrtausenden friedlich neben einander lebten, haben Meinem Herzen wohlgethan. Diese Kundgebungen sind Mir Gewähr, daß auch Sie, von demselben Geiste der Eintracht und Mäßigung beseelt, auf dem Boden verfassungsmäßigen Wirkens zu ruhiger, stetiger Entwicklung des all­gemeinen Wohles sich verständigen werden.

Oesterreich wird treu seinem geschichtlichen Berufe ein Hott sein für die Rechte seiner Länder und Völker in ihrem untrennbaren einheitlichen Verbände, eine bleibende Stätte des Rechtes und der wahren Freiheit.

Wien, 8. Octbr. Die Verlesung der Thronrede fand in feierlichster Welfe statt. Sämmtliche Logen und Plätze waren dicht besetzt, auch die Diplo- matte sehr zahlreich vertreten. Vor 12 Uhr erschienen im großen Saale die Mitglieder beider Häuser des Reichsrathes. Punkt 12 Uhr erschien der Kaiser unter Vorantritt der Erzherzoge, Minister, Generaladjutanten und Hofwürden- träger, von dreimaligem stürmischem Hoch begrüßt. Der Kaiser verlas die Thronrede mit weit vernehmbarer Stimme, fortwährend durch lebhafte Zurufe und Hochs unterbrochen. Des stürmischen einstimmigen Beifalles erfreuten sich die Absätze bezüglich der Hebung der volkswirthschaftlichen Lage. Namentlich aber bei den Schlußworten: Oesterreich wird treu seinem geschichtlichen Be­rufe ein Hort sein für die Rechte seiner Länder und Völker in ihrem untrenn­baren einheitlichen Verbände, eine bleibende Stätte des Rechtes und der wah­ren Freiheit, ertönte ein nicht endenwollender Beifallssturm, der in fortwährenden Hochs in deutscher und slavischer Sprache Ausdruck fand.

Pesth, 8. Octbr. Abgeordnetenhaus. Der Mlnistpräsident bringt das Arbeitsprogramm des Reichstags zur Kenntntß und kündigt zahlreiche Vor­lagen an, darunter solche in Betreff der Administration Bosniens, des Jnko- lates, der Verleihung des Privilegiums an das Bodencredtt-Jnstitut, die Ein­beziehung der occupirten Länder in das Zollgebiet und der Modification des Wehrgesetzes. Das Budget wird im Laufe des Monats unterbreitet. Tisza macht sodann Mittheilungen über den Stand des Szegediner Reconstructions- Werkes. An Spenden sind 2,600,000 fl. aus fast allen Ländern der Welt eingegangen, welche bei Sparkaffen deponirt wurden und seiner Zeit ihrer Bestimmung zugeführt werden. Der Bericht wird zur Kenntniß genommen. Schließlich geht Tisza auf die Maßnahmen gegen den drohenden Nothstanv über und erklärt die Befürchtungen vor einer Hungersnoth für grundlos. Vor Allem sei das Landvolk mit Sämereien zu versehen. Die Obergespane feien angewiesen, dem dringendsten Bedarf sofort abzuhelfen und an die Regierung zu berichten-

3Vien, 8. October, Abeds. DieWiener Zeitung" veröffentlicht ein Kaiserliches Handschreiben vom 8. d. Mts. an den Grafen Andraffy, wo­nach der Kaiser mit Bedauern dessen Bitte um Enthebung von seinem Amte genehmigt und seiner der Monarchie und dem Kaiserhause geleisteten hervor- ' ragenden Verdienste mit Worten wärmster Anerkennung gedenkt. Der Kaiser

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