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Rr. 236« Freitag den 10. Oktober 1876«

Kießener Anzeiger

Amche- «Ä Amtsblatt sm dm Kreis Gieße«.

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Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50

Amtlicher H h e i t.

Gießen, am 2. October 1879.

Betreffend: Zurückstellung unabkömmlicher Beamten, hier von Lehrern und Schulverwaltern im Fall einer Mobilmachung.

Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Unter Verweisung auf unser Ausschreiben vom 12. October 1878, Gießener Anzeiger Nr. 240, wonach genau zu verfahren ist, sehen wir Ihren Anträgen bezüglich solcher Lehrer und Schulverwalter, für die nicht bereits bei uns reklamtrt worden ist, bis zum 20. d. Mts. unter dem Anfügen entgegen, daß spätere Reklamationen nicht berücksichtigt werden.

Zugleich bemerken wir, daß nur solche Lehrer und Schulverwalter fürunabkömmlich" erklärt werden können, welche einzige Lehrer an einer Schule sind.

Dr. B o e k m a n n.________________________________________________________________

Bekanntmachung.

Diejenigen Einwohner von Gießen, welche Tauben halten, werden hiermit aufgefordert, dieselben ohne Ausnahme vom 10. October bis 7. November I. I bei Meidung der in Art. 79 des Feldstrafgesetzes vorbestimmten Strafe in den Schlägen eingesperrt zu halten.

Gießen, den 8. October 1879. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

Fresenius.

Generalversammlung des lan-wirttsschastlichen Derems von Oberhessen pro 1879.

Die diesjährige ordentliche Generalversammlung des landwtrthschaftltchen Vereins von Oberhesten soll am Dienstag den 14 October d. I., Vormittags IO1/» Uhr, imHessischen Hof" zu Butzbach abzehalten werden.

Gegenstände der Verhandlungen werden sein:

1) Erstattung des statutenmäßigen Rechenschaftsberichtes.

2) Die Frage:Aus welchen Gründen macht die Zusammenlegung der Grundstücke im Großherzogthum auch nach Erlaß des neuesten Gesetzes über diesen Gegenstand so geringe Fortschritte?"

3) Die Frage:Welches Hengstmatertal eignet sich am besten zur Erwerbung für das Landgestüt und welche Wünsche liegen in dieser Angelegenheit tn landwtrthschaftltchen Kreisen vor?"

4) Die Frage:Empfiehlt sich für Oberhesten die Gründung von Molkeret-Ger.^ffenschaften und wie lasten sich solche am besten ins Leben rufen?"

5) Die Frage:Wie ist es mit dem landwtrthschaftltchen Mobtliar-Credtt tn Oberhesten bestellt?"

6) Der Niedergang des landwirtschaftlichen Gewerbes, besten Ursachen und die zur Hebung destelben anzuwendenden Mittel.

7) Wie find die menschlichen Abgänge tn den Städten dem natürlichen Kreislauf zu erhalten?

8) Die Wahl des Präsidenten, Vtcepräsidenten und des Ausschuffes für die Periode 1880/82.

9) Bestimmung des nächsten Versammlungsortes.

Nach § 33 der Statuten muß jedes Mitglied des Vereins, welches tn der Versammlung einen Vortrag zu halten wünscht, diese Absicht vor Beginn derselben dem Präsidenten zu erkennen geben; schriftliche Mittheilungen müssen mindestens einige Tage vor der Versammlung bet demselben etngereicht werden.

Der Unterzeichnete ladet hiermit die Vereinsmitglieder, sowie alle Freunde der Landwirthschaft zu dieser Versammlung ergebenst ein.

Friedelhausen, am 12. September 1879. Der Präsident des landwirthsch. Vereins von Oberhessen.

Adalbert Freiherr Nordeck zur Rabenau.

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politisch

Deutschland.

Darmstadt, 7. Octbr. Vor einiger Zett richtete der Abg. Wolfs- kehl dahler eine Interpellation an die Regierung betreffs der Schulamts- Aspiranten israelitischer Confession. Auf dieselbe ist jetzt folgende Antwort eingelaufen:

Im Auftrag unserer Abthetlung für Schulangelegenhetten ist bet der im Frühling dieses Jahres vorgenommenen Abgangsprüfung von den Präparanden- schulen zu Lich und Wöllstein in der Anstalt zu Lindenfels befand sich kein Jsraelile den Schülern israelitischer Religion, welche diese Prüfung bestan­den hatten, mttgethetlt worden, daß ihrem Eintritt tn ein Schullehrer-Seminar zwar nichts im Wege stehe, daß sie aber zur Zett israelitischen Religionsunter­richt im Seminar nicht erhalten und auf Verwendung im öffentlichen Schul­dienst nach ihrer Entlassung nicht mit Sicherheit rechnen könnten.

Die Mtttheilung in Betreff des israelitischen Religionsunterrichts ist dadurch gerechtfertigt, daß weder in Friedberg, noch tn Bensheim aus den schon früher verehrlicher Kammer mttgethetlten Gründen die Einführung eines israelitischen Religionsunterrichts thunltch war, während in bestimmte Aussicht genommen ist, in dem neu zu errichtenden Seminar zu Alzey, wo tn der Person des dortigen Rabbinen ein geeigneter Reltgionslehrer gefunden werden dürfte, auch für die israelitischen Seminaristen, welche sämmtlich diesem Semi­nar zugewiesen werden sollten, einen regelmäßigen Religionsunterricht einzu­richten. Der dafür in den Voranschlag für dieses Seminar vorgesehene Be­trag von jährlich 240 Mark wird zu dem angegebenen Zweck Verwendung finden.

Die weitere Mittheilung aber tm Betreff späterer Verwendung im öffent­lichen Schuldienst ist durch die Erfahrung veranlaßt worden, daß es seither nicht möglich gewesen ist, sämmtliche von den Semtnarten ausgebildete tsraelt- rische Schulamts-Aspiranten tm öffentlichen Schuldienst zu verwenden. Israe­litische Confesfionsschulen bestehen nämlich dermalen im Großherzogthum nur noch drei.

Jn den gemeinsamen Schulen aber bilden die Schüler israelitischer Reli­gion fast durchweg einen verschwindend kleinen Bruchthetl, daß es mit Rücksicht auf die Bestimmungen tm Art. 4 des Volksschulgesetzes nur an wenigen größe­ren Orten möglich gewesen ist, israelitische Lehrer zu verwenden.

er Ptzeit.

Durch die vorhandenen Lehrkräfte ist nun der Bedarf voraussichtlich auf eine längere Reihe von Jahren gedeckt, und es erschien als ein Gebot der Humanität, die jungen Leute noch vor der entscheidenden Wahl des Lebensbe- ruses uni) bevor es zur Wahl eines anderen zu spät wäre, darauf aufmerksam zu machen, daß der in Aussicht genommene die Hoffnungen schwerlich erfüllen werde, deren Verwirklichung sie sich von ihm versprechen."

Berlin, 7. Octbr. DieTribüne" schreibt: Die vorgestern unter dem Vorsitz des Fürsten Bismarck stattgehabte Sitzung des Staatsmtnisteriums wird uns von unterrichteter Seite als eine überaus wichtige bezeichnet, well tn derselben nicht blos die kirchenpolttischen Angelegenheiten Gegenstand der Verhandlungen bez. Entschließungen gewesen, sondern auch dieallgemeine europäische Lage", deren Ernst der Reichskanzler nicht unbetont gelassen haben soll, einer eingehenden Erörterung unterzogen worden sei. Man behauptet, baß die Beschlüsse, welche in Livadla gefaßt, hier vollauf gewürdigt worden find und nicht ohne Wirkung auf die deutschen Verthetdigungs-Maßnahmen bleiben dürften. Am Tage vorher (Samstag) war der Vtcepräsident des Staatsministertums, Graf Stolberg, von Baden-Baden zurückgekehrt, woselbst er dem Kaiser Vortrag gehalten hatte. Bezeichnend für die Wichtigkeit der dort gefaßten Entschließungen war die verlängerte Anwesenheit des Kronprin- zen am kaiserlichen Hoflager. Am 1. October, Abends, wollte der Kronprinz nach München abreifen; mit der Ankunft des Grafen Stolberg an demselben Tage wurde aber der Plan sofort geändert. Prinz Wilhelm reiste ohne seinen erlauchten Vater ab. Erst nachdem Graf Stolberg Baden-Baden verlassen, ist auch bei Kronprinz nach München und von dort mit seinen Kindern nach Italien gereist. Das deutet auf schwerwiegende Entscheidungen, die der Vice- präsident des Staatsministertums nach Berlin gebracht.

Bei dem Werth, den man hier auf die guten Beziehungen mit Frank­reich legt, haben die Aeußerungen desTemps", eines Blattes, welches Herrn Waddington nicht fern stehen soll, unangenehm berührt. Fürst Bismarck soll tn Wien die Hoffnung ausgesprochen haben, die Franzosen würden Sedan ver- gessen, wie sie Waterloo vergessen hätten. DerTemps" läßt uns keinen Zweifel darüber, daß selbst die gemäßigteren Franzosen an die Idee, Elsaß- Lothruigen als verloren zu betrachten, sich noch nicht gewöhnen können. D^bei gehen russtscherseits die Bemühungen fort, sich Frankreich anzunähern- Die Nordd. Allg. Ztg." beschäftigt sich heute mit einer kürzlich in Parts veröffent-