1879
Sonntag den 9. November
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montchg-
der Glaubensgenoffen.
Lokales.
PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh«.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Stadt verwendet werden kann, zu vergüten. Ebenso wird die Anbringung emes Schutzgeländers am Stollmer'schen Hause und längs des Zimmerplatzes von K. Marx genehmigt.
Das Baugesuch des Heinrich Schäfer HI., Erbauung eines Wohnhauses betr., wird, weil poltzeilichersetts Einwendungen erhoben, auf Antrag der Baudeputation abg^ehnt.
Ein mit Friedrich Simon abgeschlossener Pachtvertrag über Gelände am Rodtberg wird
An die Spitze der Gemeinde trat ein Breslauer, der Jnspector des botanischen Gartens der Universität, Berthold Stein, ein Sohn des bekannten Chesredacteurs der „Breslauer Zeitung", Dr. Stein. Stein betrieb auf's Giftigste die Schaffung eines eigenen Heims für di- Kirche. Ein Neubau hätte 120,000 Gulden gekostet und so erwarb die Gemeinde für 25,000 Gulden das ehemalige Seminar mit Kapelle, welches zur Kirche umgebaut wurde. Der armen Gemeinde wurden hochherzige Gaben zu Thetl, u. A. vom Kaiser Wilhelm zweimal je 1000 Mk., von Professor Delitzsch in Leipzig 4000 Mk., von dem Brauer Friede in Breslau 1000 Mk. u. s. w. Auch der Gustav- Adols-Verein bewilligte die sog. große Liebesgabe.
Am 2. November fand die Einweihung statt. Zahlreiche Depeschen nicht allein aus Oesterreich und Deutschland, sondern auch aus der Schweiz
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Vermischtes.
Mainz, 5. November. In der heute Abend stattgehabten Sitzung der Stadtverordneten gab der Vorsitzende Herr Bürgermeister Dr. Du Mont Mtttheilung von dem Stand» der Angelegenheit der Stadt Mainz und der Hessischen Ludwigsbahn. Hr. Dr Dvl Mon. theilte mit, daß die Ludwigsbahn erklärt habe den seiner Zeit mit der Stadt-abgZlosftnen Vertrag inne zu halten, doch verlange sie eine Verlängerung des Termins. Gleichzeitig mit es» Erklärung bemerkte Hr. Dr. Du Mont, sei auch die Mitthetlung etngetroffen, daß eme Konferenz zwischen der StM Mainz, der Hess. Regierung, der Militärbehörde, der Hessischen Ludwigsbahn stattfinden soll bezüglich der Ufererweiterung unterhalb der Altstadt und der ^ch^g eines Zoll- und Binnenhafens unterhalb des Ratmundt-Thores. Hiezu bemerkte der Vorsitzende, daß die Mtlitärbehöroe auf der Errichtung einer Etsenbahnbrücke über ven Lhern ua» Wiesbaden bestehe; sollte die Brücke jedoch nicht erbaut werden, so wurden an die Stadt bedeutende Forderungen bezüglich der Anlage von Forttficationen herantreten Die Umfuhrung der Bahn um die Stadt stehe daher mit der Errichtung einer Etsenbahnbrücke über den Rhein m engerer
9 h Die Versammlung ertheilte hierauf Genehmigung auf folgende eingereichte Gesuche:
1. des Apothekers Dr. Mettenheimer um Erlaubniß zur Errichtung eines Anbaues an seinem Rebenhause und die Erbauung eine- russischen Schornsteins;
2. des Schreinermeisters Emil Menget um Erlaubniß zur Anlegung eines Hofthors;
3. des Wirths Emil Harms zur Vornahme von Bauveranderung.
Könial. Lanvrathsamt Wetzlar hat Großh. Kreisamt Gießen ein Gesuch der Gemeinde Wismar unterbreitet, betreffend den Bau einer Brücke über die Lahn bei Wismar. Darnach richtet diese Gemeinde sich mit dem Ersuchen an die Nachbargemeinden so namentlich an Gießen, »ur Bestreitung der sich auf ca. 93,000 JL belaufenden Baukosten betzutragen. Da dte Ver- samr^ung die Ansicht theilte, daß ein Bedürfnis einer solchen Brücke für Gießen nicht vorliege, beschließt man, sich diesem Plane gegenüber ablehnend zu verhalten.
53? ^aUen »Ä <m« augenblicklich (2 Uhr Mittags) nicht alle Gefahr beseitigt
ist, bat man doch Hoffnung, d«n Rest des Fleckens not Schaden ,u bewahren.
Eupen, 3. November. Heute wurde unter außergewöhnlich großer Theünahme die junge Dame beerdigt, welche das Opfer der schon kurz erwähnten unvorsichtigen Verwendung von Gift geworden ist. Ein Krammetsvogelhändler hatte eine» Korb voll Vogel aus der Ge-
Gemetnven von Jimeorua uuv witimic. i b tion Montjoie gebracht und seine letzten elf Stück einer hiesigen, aus sechs Personen W
Bruder Gemeinde den Religtonslehrer Ergenztnger in Wien zu ihrem Pfarrer, ätzenden Familie verkauft. Beim Abendeffen kam das Gericht auf den Tisch> und -th lten sich - ' ‘ ......... I ' Töchter in einen Vogel, so zwar, daß die jüngere die Hälfte mit dem Kopfe erhielt. Zwar
wurde von beiden ein außergewöhnlich bitterer Geschmack bemerkt und solches auch geäußert, dieser Umstand jedoch einem Uebermaß von Wachholder zugeschrieben. Nach etwa zwanzig Minuten bemerkte die eine der Damen, daß sie nicht aufstehen konnte wahrend die jüngere Schwester fast im selben Augenblicke über ein etgenthümliches Gefühl im Kopfe klagte. Jetzt traten rasch dte Anzeichen einer acuten Vergiftung ein, namentlich Brk emmungen, Krampfe und Lähmunserscheinungen. Möglichst rasch beschaffte Gegenmittel und ärztlich.-Verordnungen hat en nur bet der ältesten Tochter Erfolg, während bet der jüngeren dte Lähmung schon zu wett vorgeschritten war, so daß eine Reaction nicht mehr eintrat und das arme Mädchen nach kaum einer halben Stunde seit Beginn der ersten LergiftungSerscheinungen Ui einem Krampfanfalle starb. Die ältere Tochter war erst nach Verlauf von fünf bis sechS Stunden außer Leb«ms- gefahr. Dte Symptome beuteten auf Strychninvergiftung, und dieses Gift ist ^ute schon chemisch nachgewtesen. Der einzig mögliche Verdacht haftet an dem getheilten Krammetsvogel, welcher ein sogenannter „Fuchsvogel", das ist ein zur Vergiftung mit Strychnin
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trauen in dte Zukunft und hofft wie bisher auf die werkthätige Theilnahme 9 wohl tn den Kopf, gebracht. Die vergifteten Vögel, welche so aussehen müffen,
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natürlicher^Wetse seine vergifteten Vögel, doch denkbar ist e« immerhin, daß er in einen Irrtum verfallen kann. Oft bemächtigt sich ein Wilddieb der Beute, und da er die vergifteten ^nnt so ist es leicht möglich, baß er diese mitabnimmt oder aufltest und mit den kL.?dem HSn».. »»kau ? ffiie l-ich. .'n schr.ckuch.s Unglück nuf die,. W.t,. h.rb.kge- führt werden kann, ist einleuchtend, und es ist nur zu verwundern, daß ei nicht fchnn ost vor. ist G-i-dttch ist der »votheler befugt, f-der ihm bekannten und -ng.fihen.n P-rfon ApA-n^^Etntraauna in sein Gtftbuch mit Angabe von Art, Quantität und Verwendung Gift zu ^?sLn; °k.nnt er den Lust, "ch., ft muß derselbe einen^p°tt».ttich.n Schein beibringen
L &e gesetzlichen Ltaenschaften habe. Dte Erlangung von Gift ist also nicht sehr schwierig u'b die V-Ämdung Lr nicht imme. sehr vorsichtig. J.densnlls »schein.. ,st. ein^e der- »rtiaeS Unalück, durch welches tiefe Trauer in einen großen Familienkreis gebracht wurde, ge nügmd , um dnrzuthun daß Mnhnnhmen gegen di. Möglichkeit der Wiederholung solcher de- trübenden Eretgntffe angebracht sind.
Gießen, 8. November. (Sitzung der Stadtverordneten am 6. November.) Anwesend: Herr Bürgermeister B r a m m, Herren Beigeordneten Keller und Heß; von Seiten der Stadtverordneten die Herren Batst, Gail, Grtneberg, Hanstein, Hoch, Hornberger, Kauf, Lüdektng, May, Ad. Noll, Aug. Noll, Petri, Pfannmüller, Scheel, Schopbach und Wenzel.
Der nach Eröffnung der Sitzung verlesene Voranschlag der Armenkaffe pro 1880 wird aenebmtat - derselbe weist einen Vermögensbestand der Armenkaffe von 251,865 J6 auf.
cJ Betreff der Quellwasserleitung ist der Antrag der Commtssionsmitglteder genehmigt worden^ daß die zur Zusammenführung verschiedener Quellen erforderlichen Arbeiten durch dte von der Stadt seither beschäftigten, hierzu besonders geeigneten Arbeiter unter Aufsicht des Herrn Keller fortgesetzt werden sollen.
Auf ein Gesuch des Herrn Weihgerber an der Grünbergcr Sttaße, welcher um Entscheinung der PflasterungSkosten für das Trottoir vor seinem Hause etnkommt, wird auf abgegebenes Gutachten der Baudeputation beschloffen, demselben das Material, soweit es von der
Die erste protestantische Krrche m Tyrol.
In Ruhe und Stille hat sich am 1. und 2. November tn Innsbruck ein historisch wichtiger Akt vollzogen, der den Abschluß Jahrhunderte langer Kämpfe bildet und eine Etappe auf dem Wege der Aufklärung bezeichnet.
Am 1. Novbr. wurden die Glocken der protestantischen Kirche zu Innsbruck geweiht; zum ersten Male erschallten im Lande der Glaubenseinhett die ehernen Töne eines nicht-katholischen Geläutes, und am 2. November wurde in feierlicher Weise die Kirche selbst geweiht und der regelmäßige Gottesdienst der Protestanten Tyrols eröffnet. . _ .
Wie unscheinbar klingt diese kurze Mittheilung, aber welche Kämpfe sind vorhergegangen, ehe der Protestantismzis gerade diese Kanzel, gerade diesen Altar errang! Dreimal im Lause der Jahrhunderte vernichtete tn Tyrol die christliche Liebe der alleinseligmachenden Kirche Alles, was Protestant war, ober verdächtig war, es zu sein, — und wenn auch die letzte Protestanten- Austretbung, die der Zillerthaler 1834, nicht mehr durch Verbrennung der Ketzer oder des sonst beliebten Ersäufens der Geistlichen tm blauen Inn erfolgte, so war sie dafür um so gründlicher, wenn auch dem Geiste des 19. Jahrhunderts mehr angepaßt. Haus und Hof mußten die Aermsten verlaßen, tn geschloffener Maste wurden sie unter schärfster Controle zur Grenze geführt und htnausgestoßen tn dte Fremde, und, wie die Vertreiber hoffren, in's Elend. Letzteres freilich wurde — Dank der Fürsorge Friedrich Wilhelms III. von Preußen — der die Vertriebenen am Fuße des Riesengebtrges in Erdmannsdors und Fischbach ansiedelte, von ihnen abgewandt, aber Kummer und Sorge war lange der Begleiter der Armen.
Damals schien allerdings auch das letzte Fünkchen evangelischen Glaubens ausgetreten zu sein und durch Jahrzehnte war Tyrol die unbestrittene Domäne des finsteren Ultramontaiitsmus. Erst tm Beginn der 50er Jahre . Verbindung. . a
kamen vereinzelte Protestanten, die meist sorgsam ihren Glauben verheimlich- Trarbach, 2. November. Um Mitternacht von gestern auf heute brach in dem uns ten, wieder in's Land; kurz und vorübergehend entstand eine geheime Verbin- Wrt in
düng evangelischer Studenten, aber noch wagte ^ ^EMand hervor ans *8am*len sahen. ^Innerhalb fünf Minuten leuchtete das Rathhausthürmchen, das sich wie ein Licht. Da kamen dte Reltgions-Gleichberechtigungsgesetze des Kaisers Franz Galgen über den Zinnen des Daches erhob, wie eine Pechfackel in die Nacht. Dle Brand-
Km««n uns tieft G-f<6°- Dl°s klung unfc
müthia gleich jenem mecklenburgischen Ausspruch : „Hte hat Bismarck ntx 8e01xflri> und bis hinüber auf den Markt zum Emert'fchen Hause. Menschen, Vieh Möbel, to seaaen!" Bettzeug lagert :m bunten Durcheinander in den Gärten und We.nbergen, und das Elend ch
Erst im Iah« 18«9 sanden sich dreii Mnth.ge' w°lch- d°n g.gen wke^-k ft -ch
Rom aufnahmen: der noch heute in Innsbruck lebende Gasanstalts-Mrector versichern. In Dem Nachhause ging ein Bauwerk von höchst intereffanter Holzconstruction joetnricb, der Architekt Gerok, jetzt tn Stuttgart, und Der Bahninspector sechszehnten Jahrhundert zu Grunde. Auf ihm machten die Kaufleute aus^den Meder-
Mfaik jetzt in Köln. Es bildete sich ein Verein der Evangelischen tn Tyrol, Unben ihre Weinetnkäufe. Sie ließen ihre Ankunft mit der ©lode S S «<■>»*. I" M —II* «—"»•
Durcb Reiseprediger ermöglicht wurden. • '™ ä - — - < -------»n, <BPfnhr ßefeittat
Trotz aller Chikanen war die Bewegung nicht mehr zu unterdrücken, und 1875 entschied das Ministerium Stremayr, daß auch tn Tyrol der Gründung evangelischer Gemeinden kein Hinderniß entgegenstehe und anerkannte die Gemeinden von Innsbruck und Merane. Im Mat 1876 wählte die Inns-


