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Deutschland.

Darmstadt, 4. Mai. Wie aus dem von dem Finanzausschuß der zweiten Kammer über den Etat der Oberrechnungskammer erstatteten Bericht hervorgeht, ist von einem Theile des Ausschusses die Höhe der Besoldung des Präsidenten mit 9000 Mk. und diejenige der Räthe mit durchschnittlich 5500 Mk. beanstandet. Lieser Theil glaubt die erstere Besoldung auf 7500 Mk., die letztere auf durschnittlich 5200 Mk., d. h. den Besoldungsbe- trag der vortragenden Räthe im Ministerium normiren zu sollen. Dem gegenüber halten der andere Theil des Ausschustes und die Regierung an den geforderten Ansätzen, und zwar bet der Besoldung des Präsidenten um so mehr fest, als in Baden diese Stellung mit 12,000 Mk. und 900 Mk. WohnungS- geld dotirt ist. Abgesehen von dieser Differenz sind die sonstigen Forderungen der Regierung nicht beanstandet. (Fr. Journ.)

Von dem Gesetzgebungs-Ausschuß zweiter Kammer liegt jetzt auch der Bericht über das Ausführungsgesctz zum Gerichtskosteugesetz und zu den Gebühren-Ordnungen für Gerichtsvollzieher und für Zeugen und Sachverstän­dige vor. Wir entnehmen aus demselben, daß der Ausschuß nur wenige Aenderungen an dem Entwurf empfiehlt, und daß diese sämmtlich von der Regierung gebilligt sind. Eine von der Regierung angeregte Modification verdient besonders erwähnt zu werden. Es soll nämlich die Regierung er­mächtigt sein, die Jnscriptions- und Transscripttons-Gebühren in der Provinz Rheinhessen, sowie die Vergütungen, welche die Hypothekenbewahrer beziehen, im Verordnungswege entsprechend herabzusetzen. (Fr. Journ.)

m. Darmstadt, 6. Mai. Von Setten des Großh. Staatsministers Freiherin v. Starck tfi dem zweiten Präsidenten der zweiten Kammer unterm 2. d. Mts. folgendes Schreiben zugegangen:

Die mir mit gefälligem Schreiben Euer Hochwohlgeboren vom 18. v. Mts. mckgetheilte Interpellation des Herrn Landtagsabgeordneten Dr. Schroe- der, die Hessische Ludwigs-Eisenbahn betr., beehre ich mich, in Nachstehendem ergebenst zu beantworten.

Zeitungsnachrichten im Februar l. Js. und auch jüngst wieder, wonach Seitens der Hessischen Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft Verhandlungen mit Regie­rungen von Nachbarstaaten zum Zweck des Verkaufs sämmtlicher oder einzelner Linien dieser Ges.ll,chfft im Gange sein sollen, gaben damals und auch jetzt wieder Veranlaffung den Verwaltungsrath der Hessischen Ludwtgs-Stsenbahn- Gejellschast hierüber zu vernehmen.

Der Verwaltungsrath der genannten Gesellschaft hat unterm 19. Febr. bezüglich der damals gestellten Anfrage erklärt, daß wegen Verkaufs seiner Linien Verhandlungen zwiichen der Königlich Preußischen Regierung und dem Verwaltungsrath der Hessischen Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft nicht geführt worden sind und nicht geführt werden.

Auf die jüngst gestellte Anfrage hat der Verwaltungsrath unterm 19. v. Mre. erwidert, daß wegen Veräußerung einer oder mehrerer seiner Eisen­bahnlinien an Bayern weder schriftliche noch mündliche Verhandlungen seiner­seits staltgefunden haben, noch auch dermalen gepflogen werden.

Zwischen der Großherzoglichen und der Königlich Bayerischen Regierung sind weder früher noch in neuester Zeit Verhandlungen wegen An- resp. Ver­kaufs und Uebergabe eines Theils der der Hessischen Ludwigs - Eisenbahn- Gesellschaft angehörigen Linien (Aschaffe, bürg Darmstadt Worms Bobenheim) von Hissen an Bayern geführt worden."

München, 5. Mai. Der altkatholischeDeutsche Merkur" enthält einen längeren Artikel über die in neuester Zeit in verschiedenen Blättern aus- aetauchten und vielfach commentirten Nachrichten bezüglich der Unterwerfung, resp. Bekehrung Döllinger's, in welchem zunächst die Aeußerungen der verschie­denen Blätter registrirt und die Aufmerksamkeit des Lesers namentlich auf eine Münchener Correspondenz der Be.linerGermania" vom 25. April gelenkt wird. In dieser Correspondenz wird die Bekehrung Döllinger's dementirt, dabei jedoch bemerkt, man wolle die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit nicht in Abrede stellen, daß Döllinger an den heil. Vater ein ehrfurchtsvolles Schreiben gerichtet hat. Es seien nun über 30 Jahre, seitdem Döllinger in Perugia den damaligen Bischof Joachim Pecci kennen und aufrichtig schätzen lernte. Seit jener Zeit spräche er sich über den Charakter und die hohe wiflinschafiltche Bildung deffelben stets voll Anerkennung aus. Ohne Zweifel halte Döllinger sich bis heute für ein Glied der katholischen Kirche und gerade deshalb müßte ein sog. Unterwerfung^schreiben mit aller Vorsicht beurrheilt wer- 0<n. Der Artikel desDeutschen Merkur" schließt mit den keineswegs mißzuverstehenden Worten:Wir sind in der Lage, erklären zu können, daß alle diese Angaben von A bis Z erlogen sind. Döllinger, der nie in Perugia war noch sonst wo den Bischof oder Cardinal Pecci kennen lernte, erklärt jedem ihn Befragenden, daß er sich keiner einzigen Aeußerung oder Handlung bewußt sei, welche zu diesem Gerede auch nur einen Anlaß gegeben haben könnte.Alles vergeblich, die ultramontane Lüge hat sich ihm einmal an die Fersen geheftet, und, momentan vielleicht verstummend, wird sie nach einigen Monaten ihren Kreislauf auf's Neue beginnen und periodisch sortsetzen."

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. Korrespondent-Bureau.

Berlin 6. Mai. Reichstag. Fortsetzung der ersten Berathung der Zoll- und Steuer-Vorlagen. Bundes-Commissar Meyer wendet sich gegen die rein negative Haltung Richter's und betont, es fehle der Nachweis, wie die Regierungen ohne Steuer­reform die Desicits beseitigen sollten. Redner bemängelt ferner die Deductionen Oechsel- häuser's über die Handelsbilanz, namentlich über die Bedeutung der Ausfuhr. Es sei nicht richtig, daß Deutschland vorzugsweise Rohstoffe und Halbfabrikate einführe. Die Argumente Oechselbäuser's gegen Kampfzölle seien ebenfalls nicht stichhaltig. Sollen wir denn zur vollständigen Ohnmacht verurtheilt sein? Oechselhäuser's Desinition der Rohstoffe sei viel zu weit: viele Artikel, die man als Rohstoffe bezeichne, seien fertige Fabrikate. Die Exportindustrie werde durch Zölle gar nicht oder nur wenig geschädigt. Man wolle übrigens den Urhebern der bisherigen Politik keine Vorwürfe machen, sondern verlange nur, daß man sich der Einsicht von den wesentlichen Veränderungen in den realen Verhältnissen nicht verschließe. Löwe (Bochum- erklärt, es seien vor- nehmlich politische Gründe, die ihn bestimmten, für die Vorlage zu stimmen. Das Reich müsse seine Einnahmen unbedingt vermehren, um die Einzelstaaten und die Communen zu entlasten. Er sei kein unbedingter Anhänger der indirecten Steuern, aber man sei an der Grenze der directen Steuern angekommen. Redner befürwortet den 8 5 (Kampfzölle), unter der Voraussetzung, daß die darin vorgesehenen Kampf­zölle im Wege der Gesetzgebung angeordnet werden- Schließlich^ vertheldigt Redner feinen Antrag, betr. die geschäftliche Behandlung der Zoll- und L-teuer-Vorlagen. v. Maltzahn-Gültz (deutsch-conservativ) spricht nicht Namens seiner politischen Freunde, ist für Finanzzölle, aber gegen Schutzzölle, welche dem Wohl des Landes schädlich sein müßten; er sei für weitere Entwickelung des Verkehrs im Wege der Handelsverträge, nicht aber für Rückkehr zum Schutzzollsystem. Unter der ParoleSchutz der nationalen Arbeit" habe sich ein Wettlauf der Industrien um besondere Begünstigung entwickelt- Redner bestreitet, daß die Landwirthschaft des Zollschutzes bedürfe; er fei ein ganz ent­schiedener Gegner der Kornzölle. ,....

v. Varnbüler führt aus, wie Industrie und Landwirthschaft das Recht hatten, zu verlangen, daß der Reichstag ihren lange geäußerten Wünschen entgegenkomme. Er rechtfertigt den Tarif namentlich gegen die Ausstellungen Delbrück s und Bam berger's. (Redner ist indessen von der Zourualistentr.bune wst unverstandl,^) Sonne-. mann vertritt den Standpunkt Richter's. Er beleuchtet die Verhältnisse Industrie und wendet sich am Schluß feiner Ausführungen gegen Re.chensperger.

Oesterreich.

Wien, 5. Mai. Meldungen derPolit. Corresp." Aus Konstan­tinopel : Der gestern eingetroffene russische General Obrutscheff soll heute dem Sultan ein kaiserliches Schreiben überreichen, laut welchem Obrutscheff beauftragt ist, in Ostrumelien eine Proclamation des Kaisers von Rußland zu verbreiten, worin die Bevölkeinng aufgefordert wird, fick dem Berliner Ver> trage zu fügen und die ihr verliehenen freisinnigen Institutionen anzunehmen. Das Schreiben spricht ferner des Kaisers Hoffnung aus, daß der Sultan in gleicher Weise vorgehen werde. Obrutscheff wird in Begleitung des Obersten Schepeloff sich nach Rumelien begeben. Aleko Pascha conferirte nach seiner Ankunft mit dem Großvezir und dem Minister des Auswärtigen. Derselbe wird demnächst vom Sultan empfangen und gedenkt nächste Woche in Beglei­tung Vernonis nach Philippopel abzureisen. Aus Tirnowa. Dondukoff, der vorgestern nach Livadia obgereist ist, sagte den bulgarischen Bischöfen beim Ab­schiede: Dos Werthvollste, was für jetzt und für die Zukunft Bulgariens errungen werden könnte, sei die Nichtbesetzung des Balkons durch die Türke»; hiermit hätte man allen Grund, sich vorerst zu'befriedigen.

England.

London, 4. Mai. Die Stärke des Zuluheeres wurde vor Beginn der Feindseligkeiten auf 39,400 Monn geschätzt. Nun werden die Verluste an Todten folgendermaßen angegeben: bei Ro>kes Drift 1200, bei Jsandula 2500, bei Jnyezane 450, bei Kambulaaka 500, bei Gingiblovo 1200, zusam- wen also 5750. Rechnet man hierzu noch 500 an Wunden ober Krankheit Verstorbene, so stellt sich der Gesammtverlust auf 6250 und würden daher jetzt nur etwa 33,150 Mann übrig bleiben. Dagegen ist nun freilich zu be­merke» , daß neuerdings größere Heeresmoffen gleichzeitig an verschiedenen Punkten des Kriegstbeaters vor den Engländern aufgetaucht find und daß die Privatbirickte einiger englischer Zeitungen die ursprüngliche Stärke des Zulu­heeres auf 70,000 Mann bezifferten.

Italien.

Nom, 5. Mai. Ein Schreiben Garibaldi's richtet an die demokra­tische Liga die Aufforderung, vereint mit |ber Presse sofort Meetings behufs legaler Agitation für bas allgemeine Stimmrecht zu veranstalten.

Schweden.

Upsala, 30. April. Die Grundsteinlegung zu dem neuen Universitäts- gebäude vollzog der König heute nut folgenden Worten:Am Morgen ihres fünften Jahrhunderts empfängt die Universität als Paihengeschenk das Univer- sitätsgebäude vom schwedifchen Volke. Möge inne^alb der Mauern, die sich bald erheben werden, stets der Glaube wohnen, aber nicht ohne Kenntmß und Aufklärung, nicht ohne Religion. Möge» hier alle edlen Werke in der Welt des Geistes gefördert werden! Dann entspringt hier *>ine strömende Quelle zum L'chte, zur Kraft und zum Segen unseres alten Volkes. Hierzu sei der Grundstein geUgt I Also geschehe es!"