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man bedenken, daß, wenn der große Fabrikant auch vielleicht die zur Nachsteuer not­wendige Summe aufbringen könne, der kleinere Fabrikant dies gewiß nicht thun könne und deßhalb durch eine Nachsteuer sicherlich zu Grunde gerichtet werde. Wolle er die Tabake wieder in Zollverschluß legen, so muß er sie später zum vollen Satz der neuen Steuer verzollen- Deßhalb würden große und kleine Fabrikanten gleich hart getroffen. Vortbeile von einer Nachversteuerung würden nur Diejenigen haben, welche, in Specu- lation auf die Nachversteuerung, nichts gekauft haben, und Diejenigen, welche Linen Credit haben. Ganz besonders geschädigt würden aber die Arbeiter werden, da eine sehr große Anzahl von Fabriken gezwungen sein würden, ihre Fabriken, wenn auch nur vorübergehend, zu schließen. Wenn man von dem Gewinne der Speculanten spreche, so frage er, ob man die Gesammtheit schädigen solle, um einige Speculanten zu treffen. Wenn man von Rücksicht auf die Pflanzer spreche, so frage er, wer im -nächsten Jabre Tabak kaufen solle, wenn durch hohe Nachsteuer die Abnahme der vor­handenen Vorräthe verlangsamt werden soll Was den vorliegenden Gesetz-Entwurf onbelangt, so wolle derselbe Alles einheimischen und ausländischen Labak, Blätter, Stengel und Sandgrumpen gleich hoch nachbesteuern. Daß man in Regierungskreisen selbst wisse, daß viele Objecte die Nachneuer nicht zulassen, zeige die Bestimmung, welche die Vernichtung freistellt. Wie viel Millionen sollen da in Deutschland ver­nichtet werden? Eine gerechte Nachsteuer würde fünf Jahre dauern, und während dieser Zeit würde alles Geschäft in Folge der Contraktmaßregeln stocken. Das Gesetz zeigt, daß man die Verhältnisse der Tabak-Industrie und des Tabakhandels gar nicht kennt und dies hat einen tiefen Mißmuth in den Reihen der Interessenten hervorge­rufen. Es solle nicht nur in einer Petition an den Reichstag, sondern in einem Schreiben an den Reichskanzler dagegen protestirt werden. Er schlägt die Annahme folgender Resolution vor:

Die versammelten Delegirten beschließen, daß gegen eine jede Nachversteuerung als ungerecht, als Eingriff in die staatlich garantirten Rechte des Kaufmanns, als schädigend für Pflanzer, Händler, Producente', und Consumenten unter jeglicher Form auf's Energischeste protestirt werden muß

Auf Antrag des Comm.-Rath Gail wird diese Resolution, nachdem die Ver­sammlung dem Herrn T Horb ecke für seinen Vortrag durch Erheben von den Sitzen gedankt, ohne Debatte einstimmig angenommen.

Der letzte Punkt der Tagesordnung ist: Berufung einer Delegirten Conferen, fäm mtlicher deutschen Handelskammern oder Entsendung einer Delegation nach Berlin sobald die Gesetzvorlage der Tabaksteuer osficiell bekannt sein wird.

Herr Puls-Frankfurt führt aus, wie der Umstand, daß alle Reichstags-Abge­ordneten jetzt mit den allgemeinen Steuervorlagen vorwiegend beschäftigt sind, schädigend auf die Wirkung einer allgemeinen Versammlung wirken würde. Zweckmäßiger würde es sein, wenn in allen einzelnen Kreisen Deutschlands Interessenten - Versammlungen zum Anschluß an die hier gefaßten Beschlüsse ftattsinden und eine Delegation zur Geltendmachung der Beschlüsse nach Berlin gesandt würde. Er beantragt die Annahme folgender Resolution:

1) Der Ausschuß beschließt, von der Berufung einer Generalversammlung vorläufig abzusehen, fordert jedoch sämmtliche Theilnehmer der Versammlung auf, in ihren Orten Jnteressenten-Bersammlungen abzuhalten und die von denselben gefaßten Beschlüsse zum Antrag und bei dem Reichstag zur Vor­stellung zu bringen.

2) Der Ausschuß beschließt, nach Berlin eine Deputation von Handels- kammer-Delegirten zu senden, welche in Ausführung der einstimmig gefaßten Beschlüsse vom 6. April 1879 die Aufgabe hat, während der Reichstags- Verhandlungen über die Tabaksteuerfrage die Interessen der Tabakindustrie, des Tabakhandels und der Tabakproduction und der Hilfsindustrien energisch zu wahren.

3) Der Ausschuß fordert die Centralstelle auf, das Gutachten des Prof. Bluntschli, sowie Auszüge aus dem stenographischen Berichte der heutigen Sitzung, insbesondere die Rede des Herrn Thorbecke gegen die Nachsteuer zu vervielfältigen und energisch alle weiteren Schritte bis zur endgültigen Er­ledigung der Tabaksteuerfrage einzuleiten und unter Mitwirkung der Herren der Handelskammern Mannheim, Gießen, Hanau, Heidelberg und Darmstadt in Vollzug zu bringen.

Nachdem diese Resolutionen einstimmig angenommen und als Delegation die inr vorigen Jahre damit betrauten Herren bestätigt, wird die Versammlung mit einem Dank an das Präsidium geschlossen

Lokales.

Gießen, 7. April. Die auf vergangenen Samstag Abend in WenzelS Garten an­beraumte Generalversammlung der nationalen und liberalen Partei wurde gegen 9 Uhr unter sehr schwacher Betheiligung ihrer Mitglieder, durch ven Vorsitzenden Herrn Hofg. - Advocaten Dr. Dtttmar eröffnet.

Es wurde oie Rechnung pro 1878 verlesen und zu deren Prüfung die Herren Hauptkajse- buchhalter Burger und Fabrikant K l i n g s p o r erwählt.

Die Mitgliederzahl betrug pro 1878 598 gegen 603 im Jahr 1877.

Der Vorsitzende wies auf die Thätigkeit des Vereins im vergangenen Jahre zurück und speciell auf die Agitationen bei der Wahl zum Reichstag als auch zum Landtag.

Der Präsident theilte ferner mit, daß der Vorstand geglaubt habe, bei der Politik über die heutige Wirthschaftsfrage sich passiv zu verhalten; dies schließe natürlich den angekündigten Vortrag des Herrn Dr. Engelmann nicht aus, obwohl die Versammlung auch nicht be­rufen sei, Resolution und Beschlüsse darüber zu fassen.

Hierauf schritt man mittelst geheimer Abstimmung zur Wahl des Vorstandes und wurden zu Wahlcommiffären die Herren H. H o ch st ä t t e r , Fabrikant K l i n g s p o r und Schellenberg bestimmt.

Der Vorsitzende verwahrte sich hierbei gegen die anonyme Anfrage im Gießener Anzeiger und theilte mit, daß nicht der Vorstand den Wahlmodus mittelst Acclamation vorgeschlagep habe, sondern ein Mitglied aus der Versammlung.

Den Schluß der Versammlung bildete der angekündigte Vortrag des Herrn Dr. Engel­mann, welcher in manchen Punkten sehr Jntereffantes bot, wofür ihm der Vorsitzende im Namen der Versammlung den Dank aussprach.

Daß Ergebniß der Wahl konnte bis dahin noch nicht bekannt gegeben werden und wurde wegen vorgerückter Zeit der gewählten Commission das Weitere in Gemeinschaft mit dem Vor­stand übertragen

Der Vorsitzende sprach nochmals sein Bedauern über den schwachen Besuch der Ver­sammlung aus, gab sich aber der Hoffnung hin, daß die Mitglieder, falls es erheische die Partei zu vertreten, am Platze sein würden, wovon wir erst im vergangenen Jahre Beweise gehabt hätten. h

Gießen, 7. April. Die Tage der Ausstellung des hiesigen Vereins für Geflügel- und Vogelzucht rücken immer näher heran. In der Turnhalle regen sich fleißige Hände zur Aufstellung der Käfige rc Der Catalog der Ausstellung weist über 430 Nummern nach; es befinden sich darunter die interessantesten Vertreter der Hühner- und Taubenwelt, eine große Anzahl von Papageien, Sittichen, ausländische Finken rc.; einige sehr interessante bevölkerte Aquarien, große prachtvolle Käfige, ausgestopfte Vögel u. s. w. Die Kopf­zahl des lebenden Geflügels erreicht die bedeutende Zahl von über 800 Stück. Der Loose- vertrieb geht auch recht gut und dürfte der noch geringe Vorrath bald vergriffen sein.

Gießen, 7. April. Der Schwurgerichtshof verurthcilte am 5. d. M. wegen Dieb­stahls :

a) den Wilhelm genannt Karl Wolf von Ranstadt zu einer Zuchthausstrafe von 2 Jahren,

b) den Franz Karl Müller von Großen-Lüder zu einer solchen von einem Jahre und zwei Monat;

dagegen wurden wegen Begünstigung und Hehlerei jenes Diebstahls, in Folge des Verdtcts der Geschwornen freigesprocken:

1) Samuel Rosenberg von Groß - Buseck,

2) Georg Schultheis zu Gießen und

3) Johannes Koob von Frieoberg.

Berichtigung.

Durch ein Versehen beim Umbrechen des Satzes ist unter Annonce Nr. 2259 in letzter Nr. dieses Bl. der Name L. Rothenberger gebracht worden. Herr Rothenberger hat bei fragt. Annonce gar keinen Antbeil.Die Exped.

Bekanntmachung.

2306) In unserem Firmen-Register rst beute folgender Eintrag vollzogen worden:

Louis Wittich zu Gießen be­treibt daselbst seit dem 2. l. Mts. unter der Firma Louis Wittich eine Lederwaarenhandlung.

Gießen, den 3. April 1879.

Großh. Stadtgericht Gießen.

I. V. d. Str.:

______Oppermann._______ 2308) In das Firmen-Register des ui terzeichneten Gerichts ist heute folgen­der Ein-rag vollzogen worden:

Seligmann Kann's Ww , Johanna, geb. Lion von Mainz­lar, seitherige alleinige Inhaberin der unter der Firma: I. Kann Sohne zu Mainzlar behiebenen Liqueurfabrik und Brandweinhand­lung, hat dieselbe mit allen Activen unh Passiven ihrem Sohne Adolph Kann übergeben, so daß derselbe als alleiniger Inhaber das Geschäft unter der früheren Firma mit Uebernahme aller Activen und Passiven auf eigene Rechnung weiter führt.

Die dem Herrn Jadock Kann, Bruder des Adolf Kann, seither ertheilte Procura ist zurückgenommen. Gießen am 1. April 1879.

Großherzogl ches Landgericht Gießen. I. V. d. L.

Langermann __________Landgerichts Assessor.___ Mittwoch den 9. April d. I.,

Nachmittags 5 Uhr, sollen 13 Tnebvier-el und Gelände am alten Steinbacher Weg öffentlich ver­pachtet werden. Zusammenkui.ft am Schützenhos.

Gießen, den 7. April 1879. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. 2340) A. Bramm.

Allgemeine

Samstag den 12 I. Mts.,

Vormittags IP/2 Uhr, sollen von der Zöller'schen Hofraithe die in die Straße fallenden Gebäude auf den Abbruch versteigert werden und zwar:

Ein zweistöckiges Nebengebäude mit rauhem Sockelmanern erk. Eichenholz- Fachwerkswänden u. Ziegelbedach «ng, vermittelt 6,40 m lang, 5,25 m breit und bis an's Dach 4,75 m hoch und zwei sich an chließende Stallgebäude ähnlich wie oben, zu­sammen 8,35 m lang, 2,67 m breit ui d 4 m hoch.

Gießen, den 7. April 1879. Grorherzogl. Bürge meistere; Gießen. 2342) A. Bramm.

Holzversteigerung.

Mittwoch den 16. April 1879

von Vo mittags 9 Uhr an, soll im Londorfer Gemeindew.'ld in den D'stricten Katzengeh g und Hain- ftruth nachverzeichneres Holz versteigert werden.

71 Eiche -Stämme mit 28,00 fm

1 Bi'ken-Stamm 0 77 142 Nidel Stämme 33 59 769 Na el- Stangen 24,07

Die Zusammenkunft ist am E ugang in den D'strict Katz ngebeg.

Londorf am 5. April 18*9. G'vßherzogl. Bürgermeisterei Lom orf. 2327) Weber.

Donnerstag den 10. April,

Nachmittags 2 Uhr, werden im Gcricke'schen Laden im Hause des Herrn Julius Bach am Seltersweg dahier eine Partie Knöpfe, Schnallen, Borden, ein großer Standspiegel, ein Zuschneidetisch, ein Schreibpult, eine elek­trische Schellenleitung und sonstiges Ladenmobiliar öffentlich gegen Baarzahlung versteigert.

Gießen, den 7. April 1879.

2322) M. Pilger, Massecurator.

r Anzeiger. Hokzverflkigemng

in der Fürstlichen

Oberförsterei Hohensolms.

Dienstag den 13. d. M., soll in den Districten(56e rflein' und ,,Helfh 0 lz" nachstehendes Ge­hölz versteigert werden: (2319

56 Rmtr. Buchen-Schkitholz

228 Prügelholz

124 Stockholz

10430 Wellen Reisdolz

1600 Kiefern-Retsholz

13 E'chen-Siämme mit 6,07 fm 20 Stück E'ch n-Sicmgen.

Die Zusammenkunft und der Anfang brr Versteigerung ist Morgens 9 Uhr mdemD^str'ct , Eberstein', zu- ächst ter Ob.rmühle und wird die Versteigerung gegen 10Ubr indem Distr'ct H e l f h 0 l z" Äbtheilung Multe bei dem sognannten Pfann» kuch^nbörnchen, fortgesetzt.

Ho den so l ms am 5. Äpril 1879. Fürstliche Oberfö sterei Hohensolms.

MühlenUersteigerung.

Dienstag den IS. April d. I.,

Vormittags 10 Uhr, soll die in der Gemarkung Hungen gelegene Untermüble nut den hierzu gehörigen Grundstück n:

806 M- Hofraithe die Untermühle

6794 Grab und Gcasgarten

1581 Wiesen

23343 Ackerland

auf hiesigem Rathhaus öffentlich ver­steigert werden.

Bemerkt wird, daß der größte Theil der Grundstück? in der Nähe der Mühle belegen ist.

Hungen am 4. April 1879.

Der Vorsteher Großherzoglichen Orts­gerichts Hungen.

2316) Bender.

Holzverfteigerung

im Gemeindewald von Volpertshausen Mittwoch den 16. d. Mts., von Vormittags präcis 8 Uhr ab, und roei n erforderlich den folgenden Tag. Es werden versteigert:

4 Eichenstämme I. El., 13,65 Festmtr.,

9 Eichenstämme II. El., 15,29 Festmtr.,

70 Eichenstämme III. El., = 38,76 Festmtr.,

45 Eichenstämme IV. El-, = 7,91 Festmtr.,

205 Nadelholzstämme III. u. IV. El-, 14,45 Festmtr-,

306 Nadelholzstangen I bis III. El., 9 Rmtr. Nutzholz,

105 Eichen- , Buchen- und

Kiefern-Derbholz, sowie 243 Retser.

Mit dem Stammholz wird begonnen und dasselbe jedenfalls am 16. ver­kauft.

Groß-Rechtenbach, 4. April 1879. Das Bürgermeister-Amt.

23! 3) Hardt.

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