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Nr. 8Z. Dienstag, den 8. April S.87B.

Meßmer Mnzeiger

Artige- ui AMsbiM fir Les Kreis Gießen.

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Schulftraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher H h e i t.

Nr. 9 des Reichs-Gesetzblatts, auSgegeben den 3. l. M., enthält:

(Nr. 1289.) Gesetz wegen Abänderung der Gesetze vom 23. Februar 1876 und vom 23. Mat 1873, betreffend die Verwaltung des Reichs- Jnvaltdenfonds. Vom 30. März 1879.

(Nr. 1290.) Gesetz, betreffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen der Post und Telegraphen, der Marine, des Reichsheeres und zur Durchführung der Münzreform. Vom 30. März 1879.

Gießen, den 5. April 1879. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann. _____ ______

politischer Hh - il.

Deutschland.

Berlin, 4. April. Ueber einen auf den Cultusmintster Falk am 31. März unternommenen Angriff berichten die Morgenblätrer erst heute. Der Cultnsmtnister ging im Thiergarten spazieren, als Dr. Straeter auf ihn zutrat und lhn in durchaus nicht höflicher Weise um eine Anstellung ersuchte. Falk antwortete selbstverständlich, daß weder der Ort noch bie Gelegenheit geeignet feien, solches Ansuchen zu stellen, worauf sich Dr. Straeter einen thätlichen Angriff zu schulden kommen ließ. Mit den Worten:Ich bin preußischer Osficier, wir sprechen uns noch!" ertfernte sich dann Dr. Straeter, der jedoch bald darauf auf Veranlaffung von Vorübergehenden, welche Zeugen des Vor­falls gewesen, zur Wache sistirt wurde. Nach Feststellung der Personalien erfolgte sodann seine Entlastung. Dr. Straeter ist früher Lehrer an einer höheren Mädchenschule gewesen, hat jedoch seine Stellung verloren, weil er eine erwachsene Schülerin geohrfeigt. Auch gegen seine eigenen Angehörigen soll er sich zu Excesten haben hinre'ßen lasten. Es soll schon früher Gklegen- heit genommen worden sein, den Betreffenden ärztlich beobachten zu lasten. Aus alledem, sowie aus einigen neuerdings ausgestoßenen Drohungen, daß er alles niederschießen werde, wenn er keine Stellung erhalte, geht zur Genüge hervor, daß man es mit einem sehr excentiischen Mann zu thun hat. Nah- rungssorgen sind es übrigens nicht, welche Dr. Straeter zu diesem Angriffe getrieben haben. Seine Lage wird vielmehr als pecun'är sorgenfrei geschildert.

Der Minister des Innern hat entschieden, daß Fahnen der Krieger­und ähnlicher Vereine mit dem Bilde der Germania oder mit anderen, auf das Deutsche Reich bezüglichen Emblemen nur dann zulässig sein sollen, wenn in der Fahne zugleich der preußische heraldische Adler als Haupt-Emblem an­gebracht ist.

Berlin, 5. April. Der Meteorologe Professor Dove ist gestern Nach­mittag gestorben.

In der heutigen Sitzung des Bundesraths wurden die Ausschußan­träge zu den die Tabakssteuer betreffenden Vorlagen in allem Wesentlichen angenommen.

Kesternich.

Pesth, 4. April, Abends. Unterhaus. Auf die Interpellation bezüglich der ostrumelischen Frage antwortet Tisza: Die Unterhandlungen seien im Zuge; so lange kein Beschluß gefaßt fei, könne er keine Mittheilungen machen. Zweck und Tendenz der Unterhandlungen gingen am besten aus der Thatsache hervor, daß die Hauptrollen in den Verhandlungen England und Oesterreich- Ungarn innehaben, deren Bestreben es sei, den Berliner Frieden auszusühren. Das Haus nimmt die Antwort des Minister-Präsidenten zur Kenntnrß.

Alraukreich.

Versailles, 5. April. Der Senat bewilligte einen Kredit von 300,000 Frcs. für die Rückbeförderung der Amnestirten und vertagte sich so­dann bis zum 8. Mat, die Kammer ihrerseits bis zum 15. Mat.

England.

London, 4. April. Das Oberhaus hat sich bis zum 24. April ver- __ Im Unterhaus« sand eine lange Debatte über den Antrag Briggs aus Abschaffung des Baumwoll - Zolles in Indien statt, da die Kosten des Krieges in Afghanistan keinen genügenden Grund böten, um die Abschaffung hinauszuschieben.

Der Unrerstaatssecretär Stanhope erkärte hierauf, die Regierung halte daran fest, die Zölle den Finanzen Indiens entsprechend nach und nach abzu­schaffen. Sie unterstützte den ersten Theil deS Antrages Briggs', sei aber gegen den letzten Theil. Der erste Theil deS erwähnten Antrags wurde schließlich ohne Abstimmung genehmigt, der letzte Theil mit 166 gegen 84 Stimmen abgelehnt.. Stardcastle beantragte folgende Motion: Das Haus erblickt mit Befriedigung in der jüngsten Zollreductton einen wich­tigen Schritt in der Richtung der vollständigen Aufhebung der Zölle, zu welcher sich die Regierung verpflichtete. Stardcastle beantragte alsdann die Vertagung der Debatte. Der Antrag Staidcastle's, für welchen sich die Regierung aussprach, wurde mit 161 gegen 62 Stimmen verworfen. Der Antrag Rorthcote's, da- Haus möge die jüngste Zollreductton als einen

Schritt in der Richtung der gänzlichen Aufhebung der Zölle betrachten, wurde ohne Abstimmung genehmigt.

London, 5. April. DieTimes" meldet: Die Großmächte haben die Mediation zu Gunsten Griechenlands im Princip beschloffen.Daily News" meldet aus Rangoon, daß anläßlich der Krönung des Königs von Birma, welche am 6. April stattfindet, Unruhen erwartrt «erden.

D'e amtlicheGazette" veröffentlicht in einer besonderen Ausgabe eine Depesche des englischen diplomatischen Agenten an der Grenze des Zulu- Landes vom 1. März. Die Depesche meldet die Ankunft von Abgesandten des Zulu-Königs Cetewayo, welche erklärten, Cetewayo habe niemals Krieg mit England gewünscht und sogar versucht, den Forderungen Sir Bärtle Frere's nachzukommen, als die Feindseligkeiten bereits begonnen hätten. Cete- wayo habe niemals die Absicht gehabt, die Engländer anzugreifen. Der Kamps bei Jsandula babe in Folge eines Angriffes der englischen Kavallerie auf die Vorposten der Zulu-Truppen stattgefunden. Der General - Kommandant der Zulu-Truppen sei wegen dieses Kampfes abgesetzt, weil er die Soldaten nicht gehindert habe, an dem Gefechte theilzunehmen. Schließlich bitte Cetewayo die Feindseligkeiten zu suspendiren und die Verhandlungen wieder aufzunehmen.

Italien.

Rom, 5. April.Dirttto" meldet: Der Consul Durando wurde zum Geschäftsträger bei dem Fürsten von Montenegro ernannt. Derselbe ist auf seinen Posten abgereist.

Rom, 5. April. Garibaldi ist heute hier angekommen und wurde am Bahnhofe von der Volksmenge lebhaft begrüßt. Er ist sehr leidend und wurde zu seinem Sohne Menottt gebracht.

Tie hier erwartete albanesische Deputation besteht aus mehreren muhamedantschen Notabeln, welche thetlwetse Functionäre der Pforte find. Der Zweck ihrer Mission ist, die europäischen Cabinete zu bewegen, von dem Gedanken der Abtretung des Epirus an Griechenland Abstand zu nehmen. Nach mehrtägigem Aufenthalte wird sich die Deputation auch nach Paris, Wien, London, Berlin und Petersburg begeben. Der König hat den Ge­neral Medici entsendet, um Garibaldi zu besuchen.

Ausland.

Petersburg, 5. April. Mit kaiserlicher Genehmigung ist beschloffen worden, zu Anfang des nächsten Lehrjahres die hiesige medteinisch-chirurgische Akademie in eine spectell militärisch - medicinische Akademie umzugestalten. Die Studirenden, deren Zahl auf 500 beschränkt wird, gelten als im Staatsdienst befindlich und werden sämmtlich Stipendiaten gegen die Verpflichtung, für jkdes Lehrjahr 1V2 Iah im Heere zu dienen. Der Lehrcours wird statt bisher fünfjährig nur dreijährig sein und nur die Wtffenschasten umfaffen, welche jetzt in den drei höheren Coursen vorgetragen werden. Ausgenommen werden Studenten der ersten zwei Course der medicinischen und naturwiffen- schaftlichen Fakultäten, welche das bezügliche Examen mit Erfolg bestanden haben. Bei ihrem Eintritte leisten dieselben einen Eid nach festgestellter Formel.

Aumänien.

Bukarest, 5. April. Die Aushebung des Vertrags mit der Tabaks- monopol-Gesellschast wird nach gütlichem Uebereinkommen stattfinden. Die Gesellschaft zahlt die rückständigen Raten und führt die Regie bis zum 18. April fort. Die Regierung kauft die Tabaksvorräthe und Gebäude an. Zur Wie- derverpachtung des Monopols wird eine Licttatton ausgeschrieben. Sollte letztere den erwünschten Erfolg nicht haben, so wird, anstatt des Monopols, die Regierung den Tabaksvertrieb in eigener Regte ausbeuten.

Türkei.

Konstantinopel, 5. April. Mehrere Ulemas, welche verdächtig sind, gegen den Sultan conspirtrt zu haben, wurden verbannt. Die Pforte ist mit dem Entwürfe einer neuen griechisch-türkischen Grenze beschäftigt.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. «orresponbenr-Burean.

Petersburg, 6. April. Gin kaiserlicher Befehl ordnet an, daß be­hufs der Abschaffung der Kopfsteuer mit einem anderweitigen Ersatz eine Special-Commission unter dem Borfitz des Ftnanzmtntsters etnzuberufen sei.