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Vermischtes.

Friedberg, 5. Januar. Das neue Jahr ist mit Sturm und Regen eingezogen und tic Neujahrsnacht hatte allerhand Tücken geplant. Die milde Witterung der letzten Tage hatte bereits allen Schnee rasch htrweggcthaut und in Folge dessen waren alle Bäche und Flüßchen anqcschwollcn und hatten ihre Ufer übertreten. Jedenfalls auch eine Folge des raschen Witte­rungswechsels und Sturmes in der Neujahrsnackt war es, daß sich ein großes Stück Mauer­werk der oberen Krone unseres Adolfthurmes loslöste und herunterfiel. Das Dach des breiteren Tburmcs wurde zerschlagen und den Einwohnern der Thurm-Anbaues, der Familie Lott, eine böse Ueberraschung bereitet, als um 3 Uhr Nachts die Steine mit furchtbarrm Geprassel nieder­sten. Bei der großen Gewalt, die das fallende Mauerwerk bet der Höhe des Thurmes haben mußte, ist es als ein großes Glück anzuseben, daß nicht daS ganze Dach der Lott'schen Wohnung getroffen wurde, da sonst die Steine unfehlbar in letztere durchgeschlagen hatten. Ferner macht heute die Nachricht in hiesiger Stadt die Runde, die erst voriges Jahr neuerbaute Kirche in Eckartshausen sei in der Neujahrsnacht eingestürzt; was Wahres und Unwahres an dem Ge­rücht ist, konnten wir bis jetzt nicht erfahren.

Friedberg, 2. Januar. Als heute Morgen 11 Uhr das Trauergeläute ertönte, sprang die sogenannte Zwölfuhrglocke.

Worms, 2. Januar. Heute Nachmittag ^2 Uhr explodtrte mit furchtbarer Detonation der Dampfkessel in der Dampfmühle von Baruch und Schoenfeld. Das Keffelhaus flog in die Luft, der große Keffel selbst wurde eine Strecke fort quer über den Liebenauerweg (zwischen dem Arresthause und dem Wohnhause des Herrn Schütz) geschleudert und Hunderte von Schritte in der Umgebung bezeugen Steine und Gebälk die Vehemenz der schrecklichen Explosion. Leider hat das Unglück auch Menschenleben gekostet; sieben Arbeiter waren durch das Geröll und Gebälk vericküttet, aber der sofortigen Hülfe gelang es, dieselben sämmtlich herauszusckaffen. Fünf Arbeiter davon waren von Frankenthal hier anwesend, um einen neuen Dampfkeffel zu setzen, und zwei der Verunglückten waren dabei beschäftigte Maurer, lieber die Namen der Verunglückten erfahren wir Folgendes: Todt blieb auf dem Platze der Monteur Hillebrandt von Frankenthal; schwer verwundet und verbrüht sind der Maschtnenführer Roll und der Maurer Göbel, Beide von Leiselheim, sowie der Arbeiter Großhans von Frankenthal und der Maurer Butsch; weniger sckwer verwundet ist der Maurer Becker Der Arbeiter Gabel von Frankenthal erhielt eine leichte Verletzung am Kopfe, drei andere Arbeiter, welche in dem neu zu setzenden Kessel beschäftigt waren, kamen mit dem Schrecken davon. Die 5 Verletzten wurden mittelst Tragbahre in das Hospital verbracht. Tausende von Menschen strömen nach der Unglücksstätte. (W. Ztg.)

Mainz. lMilitärftraf Urtheile.) Ein Urtheil, das über zwei Soldaten der hiesigen Garnison wegen tbätlichen Angriffs auf Vorgesetzte und wiederholter Gehorsamverweigerung gefällt wurde und für den Einen auf 26, für den Andern auf 14 Jahr Gefängniß lautet, er­hielt die Bestätigung. Die Verurtheilten werden damit aus dem Heere ausgestoßen. Ein Unteroffizier der"Artillerie wurde wegen Mißhandlung seiner Untergebenen degradirt und zu tinem Jahr Festung verurtheilt. (M. A.)

Theater.

Die gestrige 1. Vorstellung im 1. Abonnement mit dem Drama ^Sie ist wahn» fhtniy* und dem Lustspiel »Der Präsident* war leider wieder sehr spärlich besucht. Wir wissen nicht was daran Schuld ist, daß unser Publikum diesen wirklich vortrefflichen Leistungen Der Bühneumitglieder sich so sehr passiv verhält. Wer der gestrigen Vorstellung beiwohnte muß unbedingt seine Anerkennung den Spielenden und vor allen dem Direetor und seiner Frau zollen. Da war Leben und glückliche und wahrhafte Auffassung der einzelnen Charaktere, wie sie nicht bester gedacht und gewünscht werden können. Frau Alberti spielte die Lady Anna mit tiefstem Gefühl, Verständniß und dem feinen Takt in Ton und Haltung, welche die Dame von Erziehung stets kennzeicknet, Eigenschaften, die wir so häufig bei Darstellerinnen vermissen. Besonderes Lob verdient auch Frl. Acker mann, welche als Fanny den richtigen kindlich weichen

Ton der Rolle traf und den Darstellern der Hauptrolle brav secundirte. Die Herren Lindner sen. (Dr. Harris), Handtke (Wilkens), Richard (Maxwell) und Steinius (William- verdienen für die brave und korrekte Durchführung ihrer Rollen und das tüchtige Zusammen­spiel alles Lob. Auf eine solche Vorstellung darf das Personal und dessen Leiter mit Stolz blicken. Das Stück war von Herrn Alberti trefflich in Scene gesetzt. Er selbst spielte den Lord Harleigh. Wie aber spielte er diese Rolle? Die Beantwortung dieser Frage liegt darin, daß wir sagen, Herr Alberti ist ein Künstler, wie wir in Gießen noch wenig gesehen und sein Harleigh ist ein Stück Menschenleben das uns zu Thränen rührt und mächtig ergreift! Man muß die Darstellung selbst sehen und verfolgen, und man wird das Prädikatmeister­haft" nickt übertrieben finden. Die Wiederholung des Stücks dürfte jedenfalls eine große Anziehungskraft üben. Aber, so möchten wir heute noch bemerken, was nutzt alle Anstrengung der Direction, der einzelnen Mitglieder, wenn kein Erfolg erzielt, wenn die Vorstellungen schlecht besucht bleiben. Wir haben nun endlich einmal ein anständiges Theater und einen Dtrector, der redlich und ehrlich bemüht ist, das Publikum durch ein gut gewähltes Repertoir zu unterhalten. Lasse nun auck das Publikum es sich angelegen sein und unterstütze es das redliche Bemühen, oder sollte die Stadt Gießen hinter Wetzlar und Marburg zurückstehen wollen, wo jeden Winter ein Theater sich ganz wohl befindet.

Handel und Verkehr.

Gießen, 7. Januar. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter, per Pfd. 7085 H, Hühnereier, per Stück 67 Enteneier, per Stück Käse, per Stück 5 bis 10 Käfimatte, per Stück 3 H, Erbsen, 1 Liter 18 Linsen, 1 Liter 21 Tauben, das Paar 60 Hühner, per Stück A 1.10, Hahnen, per Stück A 1.40, Enten, per Stück A 1 80, Gänse, per Pfd. H, Kartoffeln, per 100 Kilo A 6., Zwiebeln, per Ctr. A 8. Ocksenfleisch 7072 per Pfd., Kuh« und Rindfleisch 5660,$, Schweinefleisch 5860 H Kalbfleisch 5660 H, Hammelfleisch 60-70

Frankfurt, 6 Januar. Der heutige Viehmarkt war ziemlich gut befahren. Ange­trieben waren ca. 390 Ochsen, 200 Kühe, 230 Kälber und 400 Hümmel. Die Preise stelltm sich: Ochsen 1. Qual. A 6870, 2. Qual. A 6365, Kühe 1. Qual. A. 6062, 2. Qual. A. 54 58, Kalber 1 Qual. A 6264, 2 Qual. 5860, Hämmel 1. Qual. A 6264, 2. Qual. A. 5456.

Frankfurt, 6. Januar. (Fruchtbericht.) Der heutige Markt war gerade so unbelebt wie die am Scklusse des abgelaufenen Jahres stattgefundenen Märkte. Die Umsätze waren äußerst geringfügiger Natur; der hohe Wasserstand stört den Mühlenbeirieb ein Umstand, der zur Geschäftsbelebung gewiß nicht beitragen konnte.

Mehl Nr. 1 A 39, Nr. 2 A 35, Nr. 3 A 31, Nr. 4 A 27, Nr. 5 A 21. Roggenmehl % ! Berliner Marke) A 22, do. II (Berliner Marke) A 19. Weizen, effektiv hiesiger ab Bahnhof bier A 19., ab unserer Umgegend A 18.2518.50, do. fremder je nach Qualität A 1819. , Roggen, je nach Qualität A 1315., Gerste A 15 bis 17.50, Hafer A. 12.50-14, Kohlsamen A 2728, Erbsen A 1923, Wicken A. 1516, Linsen A 1723. Rüböl, detail 58. Stimmung flau. (Die Preise verstehen sich sämrnt- per 200 Pfund Zollgewicht 100 Kilo.)

Temperatur in GieHen.

December 1878.

Niederste..........12,3 o R.

Mittlere......* . . .1,83 ,,

Mittel früherer Jahre........0,26

Höchste...........+9,5

Niederschlag an 20 Tagen ....... 2,93 Par. Zoll.

Niederschlag im Mittel früherer Jahre an 17 Tagen . . 1,88

Allgemeiner Anzeiger.

Bekanntmachung.

Zur Bezahlung der Zinsen, welche von -en bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und zwar:

Mittwoch den 8. Januar 1879,

Donnerstag 9.

Samstag11.

Dienstag 14

Mittwoch 15.

Donnerstag 16.

Samstag 18.

Die Interessenten werden daher aufge- fordert, die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu legi- timiren.

Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Stadt Gießen, dagegen die übrigen Zahltage für die Auswärtigen bestimmt sind.

Die Herren Bürgermeister werden er­sucht, dieses in ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen zu lassen.

Gießen, den 28. November 1878.

Der Rechner der Spar- und Leihkasse.

K e h r.

Versteigerung.

Mittwoch den 8. Januar,

Nachmittags 2 Uhr, , sollen im Pfandlocal eine Parthie Klei- dungsstücke, 1 Marmorplatte und sonstige sn-'dos Tapeziergeschäft einschlagende Ar­tikel versteigert werden.

Gießen, 7. Januar 1879.

Grobherzogliches Ortsgericht Gießen.

170) Müller.__

163) Der Ausverkauf im Laden des Herrn Wilhelm Balser am Lindenplatz dahier wird , .

Sonntag den 12. d M., beendigt, und werden bis dahin die Waaren zu bedeutend ermäßigten Preisen abgegeben.

Gießen, 6. Januar 1879.

M. Pilger, Massecurator.

Aeilgebotenes.

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Ausverkauf.

146) Um mit meinen Waarenvorräthen möglichst zu räumen, setze ich dieselben einem Ausverkäufe aus. Ich gebe auf ganz moderne Damen - Kleiderstoffe, sowie meine sonstigen couranten Artikel, einen Rabatt von zehn Procent und erlasse kleine und größere Stoffreste, darunter sehr feine Sachen, bedeutend unter dem Einkaufspreise. Muster werden während des Ausverkaufs Nicht abgegeben. «J. Oft« Rettet*.

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137) Um die Kosten des Rücktransportes zu ersparen, werden von Dienstag den T Januar, von Morgens 9 Ubr an, die noch vorhan­denen Möbel zu noch nie dagewesenen Preisen verkauft.

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Da bis zum L März der Laden geräumt werden muß, dauert der bis dahin fort und werden alle noch vorhande- viri-Oil" nen Gegenstände zu jedem nur annehmbaren Preise verkauft. (107) v. Frotlleile

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