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Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Eorrespondenz - Bureau.

Paris, 5. Januar. Von den Erneuerungswahlen zum Senat sind bisher 58 Resultate bekannt; danach gewinnen die Republikaner 33 Sitze. Unter den nicht wiedergewählten Conservativen sind hervorzuheben: Marschall Canrobert, Depeyre, Espeuilles, Montgolfier, Dutroil, Belcastel, Behic, Pourcet und Meaux. Unter den Gewählten befindet sich Fournier, Botschaf­ter in Konstantinopel.

Die Ergebnisie der Senatswahlen sind nunmebr insgesammt bekannt: Die Republikaner gewinnen 41 Sitze. Sämmtliche ausscheidende republika­nische Senatoren sind wiedergewäblt, während nur 13 Konservative gewählt wurden. Zwei Stichwahlen sind erforderlich.

Der Senat zählt nach seiner jetzt erfolgten theilweisen Neubildung 119 Conservattve und 176 Republikaner; unter letzteren sind 64 heute Ge­wählte. Die republikanische Majorität beträgt demnach 57.

Kopenhagen, 5. Januar. Der Kriegs- und Marineminister General Dreyer hat seine Entlastung genommen und ist General Kauffmann zum Krtegs- niinister und der seitherige Generaldirector des Martneministeriums, Ravn, um Ministerpräsident ernannt worden.

Petersburg, 5. Januar. Wenn schon die Pforte die Albanesen auf­forderte, der Abtretung von Podgoritza nicht feindselig entgegenzutreten, und

darauf hinwies, daß der Berliner Vertrag, der die Herausgabe von Podgo zrttza verlangt, ausgeführt werden wüste, so herrschen hier doch Zweifel, ob die türkische Regierung den aufsässigen Albanesen mit geeigneten Machtmitteln gsgenübertreten werde. DieÄgence Rüste" gibt diesen Z oeifeln Ausdruck und äußert die Ansicht, baß die factische Herausgabe von Podgoritza an Monte­negro bei der Unterzeichnung des russisch-türkischen Friedens unter die Bedin­gungen aufzunehmkn sein werde, von denen Rußland die Zurückziehung der Truppen abvä g'g mache.

Madrid, 5. Januar. In Leres wurde eine Gesellschaft von 7 Inter­nationalisten verhaftet und wichtige Papiere mit Beschlag belegt.

Astrachan, 5. Januar. Bald nach der Rückkehr der Kosaken aus der astatischen Türket entstand in dem jenotajewschen Bezirk des Gouvernements Astrachan eine Epidemie, welche von den Aerzten als Pest anerkannt wurde. Ehe man Quarontatne-Maßnahmen ergreifen konnte, verbreitete sich die Pest auf mehrere Dörfer. Der Gouverneur von Astrachan schritt energisch mir Einführung der strengsten Quarantaine ein. Den eingelaufenen Nachrichten zu­folge ist die Sachlage eine schreckliche und die Sterblichkeit sehr groß Zum Zwecke der Quarantaine-Maßnahmen wurden Truppen und Aerzte nach Astrachan beordert.

Spanien.

Madrid, 3. Januar. In der Deputirtenkammer wurde das gegen eine Sergeanten und zwei Soldaten wegen Verschwörung gegen das Leben ihres Vorgesetzten gefällte Todesurtheil, welches morgen in Ceuta vollstreckt werden soll, zur Sprache gebracht. Mehrere Deputirte beantragten die Um­wandlung der Todesstrafe in eine andere Strafart. Der Ministerpräsident machte geltend, daß das Militärgesetz die Hinrichtung der Verurtheilten vorschreibe.

Madrid, 4. Januar. Die Hinrichtung des Königsmörders Moncast y Oliva hat heute früh gegen 9 Uhr stattgefunden.

Kriechenland.

Athen, 3. Januar. Wie verlautet, hat der hiesige türkische Bevoll- mächtigte der Regierung mitgethetlt, daß der Präsident der türkischen Grenz- regulirungs-Commission, Mukhtar Pascha, das Dorf Kukut bet der Stadt Darta zur Zusammenkunft der beiderseitigen Commisiäre gewählt habe. Beide Orte finden sich auf der Karte der europäischen Türket nicht. In Folge deffen ergingen Rückfragen, welche hoffentlich ergeben werden, daß die bezüglichen Verhandlungen nicht sofort mit einer Mystification begonnen haben.

Wen.

Kalkutta, 31. December. Officiell. Gholam berichtet, daß ihm der Emir Schir Ali am 10. Decbr. eröffnet habe, Angesichts des Verlustes von Ali-Musjid und Peiwar und des erschütterten Vertrauens der Truppen halte er weiteren Widerstand für unthunlich und habe beschloffen, bei Rußland Schutz zu suchen und die Angelegenheit einem europäischen Congreffe zu unter­breiten. Jakub Khan wurde am selbigen Tage freigelasien und ihm der Eid obgenommen, daß er nach den Weisungen des Emirs handeln wolle. Letzterer verließ am 13. Decbr. Kabul, nachdem er vorher sein in 70 Laks Rupien be­stehendes Prtvatvermögen in's Ausland geschickt hatte.

Kalkutta, 3. Januar. Officiell. Wali Mahomed übersendete dem General Roberts ein Schreiben, worin er seine Dienste anbtetet und mittheilt, Jakub Khan, welcher zu entkommen suche, werde bewacht. Schir Alt sei nach Petersburg gegangen.

eines russischen Vertreters bei der Curie sind vollständig gescheitert. Urusios's Mission erzielte keinen Erfolg, da über mehrere wichtige Differenzpunkte fern Etnvernehm-n zu erreichen war.

Sßeflb, 4. Januar. Aus competenter Quelle verlautet, daß das Deficit des Staatshaushaltes im Jahr- 1879 22,880,000 st. behage, wobei auf die Amortisation der Staatsschulden 5 Mill. st. mehr als im Vorjahre entfallen.

Dänemark.

Kopenhaaen, 3. Januar. Bei den letzten Wahlen zum Folkething verlor die gemäßigte Linke 14 Sitze, davon 7 an die Rechte, welche anderer- setts 2 Sitz- -inbüßt-. Der Führer der Radikalen, Tauber, ist unter-g-n. Der frühere Ministerpräsident Gras Holstein - Hoisteinborg siegte gegen seinen radikalen Gegen-Candidaten. Gewählt sind 36 von der Rechten, 33 Radikale, 28 Gemäßigte, 2 Deputtrt-, die keiner bestimmten Partei angehören. Von einem Deputaten ist die Parteistellung unbekannt. Zwei Wahlen finden erst später statt.

England.

London, 4. Januar. DerStandard" meldet,au8 Khost vom 3. b.: Eine Abihetlung der Truppen d-s Generals Roberts rückte ohne Widerstand zu finden, in Khost ein. Die Eingeborenen, welche sich unfreundlich zeigen, ÖÄ!"1 S*<»' »«« W-ti m R. Hudson und Company, Samenhändler in L-eds und Hüll. Die Passiva sollen 105 000 Pfd. Stetl- betragen. Die Cruichbank und die Ornichbank in Truro haben ihre Zahlungen eingestellt. Di-Passiva sind noch unbekannt.

Italien.

Rom. Die Curie ist ein wenig entmuthigt über die schier unheilbare Schwindsucht des Peterspsennigs; die maßgebenden Kreis- dort sind schon zu dem Beschluss- gekommen, daß große Vereinfachungen und Ersparniffe in dem ganzen Organismus der obersten kirchlichen Verwaltung, in den Congregationen sowie im Hofstaate einzuführen sind, so daß die dadurch ersparten Summen für Zwecke des allgemeinen Jntereffes des päpstlichen Stuhles verwendet wer­den können, für dengeheimen Fonds" so zu sagen, der minder für die Ver­waltung bestimmt ist als für di- Jnscenirunz des katholischen Dramas unserer Tage. Doch wird auch ein allgemeiner Aufruf an die Bischöfe erlassen werden.

Die Seeundärbahn Kölbe-Biedenkopf-Laasphe.

Biedenkopf, 31. December. Unsere Eisenbahnfrage steht dermalen im Vordergrund der öffentlichen und privaten Discussion. Nach jahrelangem Hangen und Bangen in schwebender Pein, bei der unsere Industrie nack mehrjährigem Stillstand sich schon anschickte, den Krebs­gang zu gehen, ist die Situation mit einem Schlage Plötzlich eine hoffnungsvolle geworden, wir glauben sitzt daran, daß wir eine Eisenbahnverbindung bekommen und die Thatsachen berechtigen uns zu diesem Glauben Wie Ihnen bekannt ist, hat am 12. und 13. December der Herr Oberpräsident von Ende aus Kassel in Gemeinschaft mit den Herren Regierungspräsidenten v. Wurmb aus Wiesbaden und v. Steinmann aus Arnsberg die Strecke der projectirten Bahn von Kölbe bis Laasphe bereist, er hat mit den Gemeinden und sonstigen Jntereffenten Verhand­lungen gepflogen, in Biedenkopf wurde eine Versammlung zur Besprechung der Angelegenheit durch ihn veranlaßt und das Resultat der Mission des Herrn Oberpräsidenten kann nach alle dem als ein durchaus günstiges bezeichnet werden. Folgende Eröffnung wurde von dem ge­nannten Herrn den Jntereffenten gemacht: Als unerläßliche Bedingung für die Verwirklichung des Projects einer Seeundärbahn von Kölbe nach Laasphe wird eine lebhafte Betheiligung der Jntereffenten, der Gemeinden re. an den Kosten des Unternehmens festgehalten. Es ist nur dann auf die Befürwortung staatsseitiger Uebernahme des Baues und Betriebs an höherer Stelle zu rechnen, wenn zum wenigsten 1) der zur Ausführung der Linie erforderliche Grund und Booen, deffen Erwerbungskosten zu etwa 280,000 X veranschlagt sind, seitens der Ge­meinden oder sonst Betheiligten unentgeldlich zur Verfügung gestellt und ebenso die Mitbenutzung der Chaussee von Kölbe nach Laasphe im Umfange des Projects seitens der Provinzial- bezieh­ungsweise communalständischen Verwaltung unter Verzichtleistung auf jegliche Entschädigung dafür gestattet wird; 2) zu den übrigen in runder Summe noch 1,720,000 X betragenden Baukosten ein unter keinen Umständen zurückzugewährender baarer Betrag von 100,000 X (was bei 35 Km, Länge der Bahn etwa 3000 JL pro Km. ausmacht> geleistet und in näher zu bestimmenden Zeitabschnitten während der Bauausführung zur Verfügung gestellt wird, und 3) im Falle, daß anstatt der directen Linie über Eibelshausen der um etwa 500 Meter längeren Concurrenzlinie über die Karls- und die Wilhelmshütte der Vorzug gegeben werden sollte, die auf etwa 2O,OoO x veranschlagten Mehrkosten dieser Linie gleichfalls seitens der Jntereffenten getragen werden.

Eine Vorbedingung für die staatliche Uebernahme des Baues und Betriebs der fraglichen Linie ist endlich oie, daß die zur Zeit schwebenden Verhandlungen wegen des Erwerbs des Großh. Hess. Theils der Main-Weser-Babn seitens des preußischen Staats zu dem erwünschten Abschluß gelangen werden, da nur bei der hiernach zu erreichenden Vereinfachung im Verwaltung^- und Abrechnungswesen der Main-Weser Bahn eine staatssettige Betrtebsführung auf die Ansckluß- linte Kölbe-Laasphe thunlich sein werde.

An der projectirten Bahn sind die Kreise Wittgenstein mit 5, Biedenkopf mit 19 und Marburg mit 11 Kilometer betheiligt und es steht zu erwarten, daß die aufzubringende Summe nach Maßgabe der Kilometerzahl pro Rata von den betreffenden Kreisen, resp. Gemeinden über­nommen werden wird. Die Stadt Biedenkopf hat bereits 10,000 X als Baarzuschuß für oie Bausumme gezeichnet, von den benachbarten Hüttenwerken sind ansehnliche Zeichnungen bereits geschehen oder doch in sichere Aussicht gestellt, Kaufleute, Gewerbetreibende, Beamte, Land­leute re tragen opferwillig ihr Scherflein bei, damit endlich erreicht werde, wonach wir schon so lange gestrebt: die Verbindung mit dem großen Verkehr. Von manchen Seiten wurde im Beginne der Agitation für das gedachte Project die Befürchtung laut, die Stadt und der Kreis Marburg würden sich dem Unternehmen gegenüber passiv verhalten, die Stadt Marburg ins­besondere, weil der Verkehr aus dieser Gegend in Folge der Bahn statt nach Marburg nach Kölbe geleitet werden würde Nur oberflächliche Betrachtung des Sachverhalts kann zu diesem Schluffe führen. Marburg hat das eminentste Interesse, daß diese Bahn hergestellt wird; Kölbe in seiner durch hohe Berge und durch die Einmündung der Ohm in die Lahn beengten Lage wird sich niemals zu einem größeren Stappelplatz eignen, der dortige Bahnhof wird eine Ver­größerung der Natur der Sache nach erfahren, Hauptplatz wird aber nach wie vor Marburg bleiben, in oessen Bahnhof alle nach Süden gehenden Güter ohne Umladung einlaufen weroen.

Ist einmal die Stichbahn bis Laasphe gebaut, dann wird die Weiterführung der Bahn im Westen nach Altenbunden zum Anschluß an oie Ruhr-Siegbahn, im Osten nach Alsfeld zum Anschluß an die Oberhessische Bahn nur noch eine Frage der Zeit sein; Marburg wird deßhalb, wenn es seine Jntereffen zu würdigen versteht, bei unserem Project sich lebhaft bethetligen muffen, wenn es nicht erleben will, daß der Bahnlinie überhaupt eine andere Richtung, die nach Gießen, gegeben werden soll. Daß Gießen der Sache nicht gleichgiltig gegenübersteht, beweist die Interpellation, die der Abgeordnete v. Rabenau in Gemeinschaft mit mehreren oberhessischen Abgeordneten in der darmstädtischer zweiten Kammer eingebracht hat; er fragt darin an, ob es richtig sei, daß die hessische Regierung mit Preußen wegen des Verkaufs des hessischen Antheils an der Main-Weser-Bahn in Verhandlung stehe; daß die Herren Interpellanten wissen, wie der Bau unserer Bahn von dem Erwerb der Main-Weser-Bahn durch Preußen abhängig gemacht ist,' daß sie den Verkauf zu Hintertreiben suchen werden, um die Richtung der Linie nach Gießen statt nach Marburg zu erzwingen, dürfte aus mehrfachen Gründen wohl angenommen werden können; nur ein energisches Einschreiten Marburgs wird es vor der drohenden Gefahr, um­gangen zu werden, beschützen. Marburg wird das zweitkleinste Landgericht der Monarchie werden mit etwa 185,000 Seelen, die Erbauung der Bahn nach Laasphe wird das schon bet Abgrenzung der Oberlandesgerichts- und Landgertchtsbezirke hervorgetretene Verlangen der Be­wohner des Kreises Wittgenstein, dem Landgerichte Marburg zugetheilt zu werden, noch be­rechtigter erscheinen lassen und die Staatsregierung wie der Landtag werden sich einem derartigen wohlmotivirten Antrag gegenüber nicht ablehnend verhalten können, denn Wittgenstein gehört weder seiner Lage, noch seinem Volksstamm nach zu Arnsberg, die Reise an das dortige Land­gericht nimmt mehr Zett in Anspruch, als eine Reise von Laasphe nach Berlin. Alles dies sind Motive für Marburg, der vorliegenden Frage in ernster Würdigung der Verhältnisse näher zu treten und gemeinsam mit uns zu wirken, daß Marburg wieder werde, was es in alter Zeit bis in's Mittelalter hinein war: der Vorort für die obere Lahn. So geben wir uns denn der frohen Hoffnung hin, daß unser Unternehmen von mehr als einer Seite Unterstützung, daß es namentlich auch seitens der betreffenden communalständischen Verbände eine werkthätige Förderung finden werde. Rein wirtschaftliche Gründe werden diese Körperschaften veranlaffen, uns beizuspringen. Die Straßenstrecke, die durch die Bahn entlastet. werden wird, hat in unserem Kreis eine Länge von 19 Kilometer, welche unserem communalständischen Verband-jähr­lich ein-n Kostenaufwand von 600 X per Kilometer, also 11,40o X per Jahr für Unterhaltung verursachen, alle 10 Jabre tritt hierzu eine kostspielige Hauptreparatur, nach Herstellung jener Bahn wird die fragliche Unterhaltung kaum die Hälfte des seitherigen Betrags kosten; Grund ge­nug für den Verband, unser Unternehmen zu unterstützen. Auch die kaiserliche Post wird ein Beträcht­liches gewinnen, wenn sie in Folge der Bahn demnächst die Postwagencoursc von Marburg btS Laasphe einstellen kann, für den Herrn Generalpostmeister dürfte deßhalb Veranlassung gegeben sein, ebenwohl dem Unternehmen fördernd nahe zu treten.

So liegen unsere Pläne und Aussichten am Ende des Jahres 1878. Möge es uns vergönnt sein, am Schlüsse des kommenden Jahres Ihnen berichten zu können: Unsere Bahn ist der Vollendung nahe. (Rhein. Cour.)