A Dienstag, den 7. Januar 1879.
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Ayeizc- uni) Amtsblatt fit den Kreis Gießen.
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Amtlicher H h e i l. Bekanntmachung.
Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Provinzial-Ausschuß der Provinz Oberhessen zu Mitgliedern der Commission für die Einkommensteuer pro 1879 die Herren
Hofgerichts-Advocat Dornferff zu G testen, Bürgermeister Jacobi zu Rodheim v. d. H., Bürgermeister Zimmer zu Villingen,
und zu Ersatzmitgliedern die Herren
Jacob Wißler zu Butzbach und Jost Korell zu Schwabenrov
Landes
ernannt hat.
Gießen, am 31. December 1878.
Großherzogliche Provinzial-Direction Oberhessen.
Dr. Boekmann.
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politisch
Die politische Lage.
Von allen Seiten her kommen Friedensbotschaften. Zuweilen allerdings hört man die Botschaft wohl, allein uns fehlt der Glaube. Jndesien nehmen wir zum neuen Jahre zunächst den guten Willen für die That. Die hohe Pforte hat die Commission sür die vom Berliner Corgreß für Griechenland beschlossene Grenzbertchtigung ernannt und Truppen entsendet, um den Widerstand der Albanesen gegen die Abtretung der den Montenegrinern zugesproche- nen Festurg zu brechen,, und ferner den Fütsten Nikita ausgesordert, Com- mifsare zur Uebernahme zu entsenden. Das Zustandekommen des Separatfriedens zwischen Rußland und der Türkei ist in nahe Aussicht gestellt.
Die russische Regierung hat ihre Bereitwilligkeit, den Berliner Vertrag auszusühren, dadurch von Neuem bekundet, daß sie ihre Beamten in Ostrume- lien angewiesen hat, der internationalen Finanzcommtsston, welche nur sür das Wohl des Landes wirke, thätigen Beistand zu leisten. Lord Beaconsfield hat wiederholt geäußert, daß der Berliner Vertrag bis zu dem festgesetzten Termine vollständig ausgesührt und sein Zweck, Europa zu beruhigen, bald in vollem Maße erreicht sein würde.
Aber nicht nur ist im Allgemeinen der gute Wille zu loben, sondern man führt durch die That die Friedensbestimmungen allmählig durch. Be« kanntltch ist eine gemeinsame Besetzung Ostrumeliens, sowie der Gebiete, in denen nach Abzug der Rusten Unruhen zu befürchten wären, beschlossen, und zwar durch Truppen der nicht direkt betheiligten Mächte. Die hohe Bedeutung dieser Thatsache sür dm allgemeinen Frieden ist einleuchtend. Europa entfernt die russischen Truppen und beseitigt damit die Furcht vor einem Gewaltstretch Rußlands.
Ein Zeichen friedlicher Strömung ist es ferner, daß Rußland und Eng. land sehr nahe daran sind, nicht nur aus der Balkan-Halbinsel, sondern auch in Centralasien sich zu verständigen. Man bringt die bestimmte Frage Dis- raeli's, sowie die Zurückberusung der russischen Gesandtschaft aus Kabul mit englischen Zugeständnisten m Europa in Verbindung. Einige Empfindlichkeit zwischen den Westmächten wegen der von Frankreich angeregten syrischen Frage, sowie der Zwischenfall in Tuntv sind ohne tiefe Bedeutung.
Endlich darf man auch bald die Einigung Oesterreichs mit der Türket erwarten. Der Umstand, daß Oesterreich sür seine Opfer in Bosnien eine Entschädigung sucht, wird das Einvernehmen der Kaisermächte nicht stören. Für die Aufrechterhaltung des Dret-Katser-Vündntstes, welches sür den Weltfrieden seine große Bedeutung bekundet hat, sorgt die deutsche Politik des Fürsten Bismarck. Trotz Beust und Schönerer ist eine Trübung der Verhält- ntffe zwischen Oesterreich und Deutschland nicht zu besorgen. So treten wir denn in das neue Jahr mit den besten Friedensaussichten.
Deutschland.
Darmstadt, 4. Januar. Der Abg. George hat in der zweiten Kammer den Antrag eingebracht, dieselbe wolle sich dasür aussprechen, daß das Gesetz vom 9. December 1876, die Wetnsteuer betr., ausgehoben werden möge; wenn dies vorerst nicht thunlich sein sollte, daß die Weinsteuer bei dem Weinhandel auszuheben sei und die Provinzialstraßen-Bauschuld nur von da an aus den Staat zu übernehmm wäre, wo die ganze Weinsteuer in Wegfall gekommen sein würde. ~
Berlin. Der Wortlaut der Welfenadresie an den Herzog von Cum- berland und die Prinzessin Thyra liegt in verschiedenen Blättern vor. Es genügt, ein paar Sätze mitzutheilen, nm das Machwerk zu kennzeichnen. Die Adresie beginnt: Durchlauchtigster Herzog! Gnädigster Herzog und Herr! Die frohe und verheißungsvolle Kunde von der Verlobung Eurer König!. Hoheit mit der Königl. Prinzessin Tbyra von Dänemark hat des tief gebeugten hannoverschen Volkes Herz getroffen wie ein heller Sonnenstrahl, der
er Hheil.
dunkles Gewölk durchbricht. Inniger als je fühlt in der gegenwärtigen Zeit gewaltsamer Trennung Hannovers Volk dem angestammten Herrscherhause und Eurer Königl. Hoheit, dem Haupte und Erben dieses Hauses, in Allem ich verbunden, was das Herz bewegt: Freud und Leid. Können wir jetzt.nicht aus dem Boden der Heimath, in dem Erbe der Väter, Eure Konrgl. Hoheit mit lautem Jubel beg süßen, so quillt nur um so heißer ic. rc.
Berlin, 4. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." erinnert daran, daß der nächste Reichstag, soweit das Gebiet der Reichsjustiz-Gesetzgebung in Frage komme, si-b nur mit solchen Voilagen zu beschäftigen haben werde, welche e nen wesentlichen Bestandtheil der mit in diesem Jahre in Kraft tretenden Reichs- justizgcsitze beiden, und glaubt deshalb die Meldungen der Blatter in btn letzten Tagen über die Arbeiten in Betreff einer Reform des Actieng-setzes, der Notariats-Ordnung und dergl. insofern als gegenstandslos bezeichnen zu können, als sie nicht sür den kommenden Reichstag in Angriff genommen wer- den. — Dasselbe Blatt reproductrt den Zweiseln der ,,Kreuz-Ztg. gegenüber die Meldung der „National-Ztg.", daß der Kaiser mittelst Schreibens vom 30. Decbr. in auszeichnender Weise dem Eultusminister den Ausdruck seines Vertrauens erneuert habe. Ein Schreiben desselben Sinnes sei an dem nämlichen Tage an den Oberkirchenrath gerichtet worden.
Berlin, 4. Januar. Herr v. Hansemann ist wegen der Domantal- Anlcihe heute nach Wien abgereist. - Justizrath Wölffel hat ein Mandat der Rumänischen Eisenbahn-Gesellschaft übernommen , um verschiedene schwe- bende Fragen in Bukarest zu regeln- - In den allernächsten Tagen findet eine Conserenz von Delcgirten der Magdeburg.Halberstädter Eisenbahn-Gesellschaft mit Delegtrten des Finanzministeriums bezüglich der Bedingungen für den Ankauf dieser Bahn durch den Staat statt. — Die vom Hause Bletch- röder heule eingesührte zweite Orient-Anleihe wurde zu 57 in Posten gehandelt.
Oesterreich.
Wien, 3. Januar. Meldungen der „Polit. Corresp." Aus Skutari iAIbanienj vom 1. d. Die Einwohner von Podgoritza telegraphirten dem Sultan, sie seien entschlossen, sich dem ihren Bezirk betreffenden Beschlüsse des Berliner Congreffes keinesfalls zu unterwerfen. Gleichzeitig ließ die Medschutz von Podgoritza die Wohnhäuser jener Einwohner von Spuz demoltren, welche sich nach Danilovgrad begaben, um Montenegro ihre Unterwerfung anzuzeigen. Aus Konstantinopel. Frankreich, England, Deutschland und Oesterreich stimmten der beabsichtigten Ernennung Rustem Paschas zum Gouverneur Ostrumeltens zu: Rußland, welches an RustemS katholischer Consession Anstoß zu nehmen scheint, hat sich bisher noch nicht ausgesprochen. Die Verhandlungen zwischen Karatheodort Pascha und Lobanoff wegen des definitiven Friedens haben am 31. D-cember begonnen.
Wien, 4. Januar. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel von gestern: Die im russischen Botschasts-Hotel fortgesetzten Verhandlungen über den russisch-türkischen Frtedensvertrag nehmen einen günstigen Verlau. Es ist gegründete Hoffnung auf einen baldigen befriedigenden Abschluß derselben vorhanden. Nach einer verbürgten Aeußerung Karatheodort Paschs hat Fürst Lobanoff bet Eröffnung der Verhandlungen den unmittelbaren Beginn der theilwessen Räumung des iürkischen Gehietes, nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages in Aussicht gestellt. - Der seit Monaten beurlaubte Wr- kische Botschafter in London, Musnrus Pascha, ist dahin zurückgekehrt. - ®er G^nzregultrungs'Commiffär für Montenegro, Kiamtl Pascha, ist nach Alba- nien abgereist. — Dieselbe Correspondcnz meldet aus Athen: Die Pforte disponirte, daß die griechisch-türkische Grenzregulirungs-Commission nicht in Athen, sondern in Kalkut bet Arta zusammentreten solle.
Wien, 4. Januar, Abends. Das hiesige „Telegr.C°rresp. Burc->u meldet au« Rom vom Heutigen: Die Verhandlungen wegen Wiederbestellung


