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bessern, werden das Schauspiel bieten, welches einst das Hornberger Schießen bot. Als Niemand die Scherbe traf, wollte der hochwohlweise Magistrat feststellen lassen, welche Kugel am nächsten an der Scheibe vorbeigegangm wäre. Der Scheibenzeiger aber war so dumm zu berichten, daß die Kugeln in dem Luftraum keine Spur ihrer Flugbahn hinterlassen hätten. Und da schüttelten Alle die Köpfe und das Hornberger Schießen war zu Ende. Unsere Anleihen in den Einzelstaaten sind diesem Kopsschütteln verzweifelt ähnlich, und es wird nichts übrig bleiben, als im Reiche der Sache zu Leibe zu gehen, selbst wenn es sich um den Militär-Etat handelte!
Der preußische Landtag.
Wenn nach Tausenden von Jahren ein anderer Schliemann in Spree- cwun Ausgrabungen halten und aus die Truhe des preußischen Finanzministeriums stoßen wird, so wird seinen Augen kein Schatz des Priamos entgegen- leuchten, sondern ein--Deficit. In einer Zeit, wo nichts beständig ist,
als der Wechsel, müßte man eigentlich es anerkennen, daß wenigstens den Destcits die Eigenschaft anhastet, chronisch zu sein, wenn nicht die Thatsache trüber stimmte, daß diese Deficits steigend sind. . Denn bei aller Toleranz in Geldsachen, in denen nach Hansemann die Gemüthlichkett aushört, muß man sagen: 48 Millionen sind ein anständiges Deficit.
Seit Jahren werden die Staatseinnahmen kleiner und die Ausgaben bet aller weisen Beschränkung größer, die Anleihen zahlreicher und mit deren Verzinsung der Steuerdruck jedenfalls nicht leichter. Nun richten sich Aller Augen erwartungsvoll auf das Reich. So erfreulich große Überschüsse wären, welche an die einzelnen Staaten zmückgezahlt werden könnten, so ist es doch vielleicht gut, wenn man stch dabei keine Illusionen macht. Niemand wird behaupten, daß die Bedürfnisse des Reiches nicht steigen, und wenn wir, wie in jüngster Zeit, noch immer besorgt und gerüstet dem Westen wie dem Osten gegenüberstehen müssen, so kann man nicht einmal gegen diese Steigerung der Reichsbedürfniffe Einwendungen machen, ohne sich dem Verdacht auszusetzen, kein guter Patriot zu sein. , ,
Was man dem preußischen Landtag als Arbettspensum vorgelegt hat, ist wichtig, reichhaltig, ja theilwetse großartig. Aber was es auch sei, zwei kleine Steuern ausgenommen, die Geld bringen sollen, so kostet Alles Geld, und zwar sehr viel Geld. Keine Staatseisenbahnen, keine Verwaltungsreform, keine großartige Stromregultrung von fünf Hauptstössen — ohne Geld 1 Im Grunde also schwebt über diesen Gewässern, wie über allen zu lösenden Cul- turaufgaben die leidige Geldfrage. Darum möchten wir behaupten, daß ohne eine befriedigende Lösung der Ftnanzfragen alles Uebrtge zwar zu schönen Reden, aber zu keiner gedeihlichen prakttschen Wirkung führen wird.
Der Tanz am das goldene Kalb des Reiches ist jetzt Mode. Was geschieht aber, wenn es stch als ein Trugbild erweist? Dann müssen wir eben zurückgreifen aus die alte Ftnanzkunst, sich nach der Decke zu strecken.. Die Deficits in allen Einzelstaaten beweisen, daß wir uns aus einer abschüssigen Bahn befinden, und es find keineswegs die schlechten Zeiten allein, welche das Deficit verschulden. Gehen diese Deficits noch ein paar Jahre so weiter, nehmen sie in Preußen großartige und in den anderen Staaten entsprechende Größenverhältnisie an, so werden die Reichsüberschüsie niemals langen, sie zu beseitigen, — und es wäre Leichtsinn, zu glauben, daß das Reich nicht ebenfalls fortwährend neue und große Bedürfnisse haben, sondern in Zukunft etwa weniger Geld, als bisher, gebrauchen würde.
Ist nun die Lösung der Geldfrage die Hauptsache, so kann man wohl neugierig sein, wie die verschiedenen Parteien sie zu lösen Vorschlägen werden. Eine neue Anleihe löst die Frage nicht, sondern vertagt sie nur. Wir fürchten alle Vorschläge, die Finanzzustände in Preußen, wie im Reiche zu
Deutschland.
Berlin, 2. Novbr. Die überaus umfangreichen Motive des dem preußischen Abgeordnetenhause vorgelegten Entwurfes, betr. den Erwerb mehrerer Privateisenbahnen für den Staat, behandeln die bisherige Eisenbahnpolitik Preußens, das Staatseisenbahnsystem, die Entwickelung des Staats- etsenbahnbetriebes in Deutschland und Preußen, die Entwickelung des Eisenbahnwesens in den modernen Culturstaaten, die Tendenz der Conrentration, den staatlichen Schutz der bei dem Eisenbahnwesen betheiligten öffentlichen In- terefien, die Eisenbahnausstcht, den Vorbehalt des Erwerbes der Eisenbahnen durch den Staat, die Tendenz der Verstaatlichung aller inländischen Eisenbahnen durch den Staat, die Tendenz der Verstaatlichung aller inländischen Eisenbahnen sowohl für den Bau, als für den Betrieb, Nachtheile des Eon- currenzbaues und Nachtheile des Stück- und Concurrenzbetriebes, Directorien, Beamtenzahl, Geschäftsverkehr, das Tarifwesen, die Fahrpläne, Reclamatio- nen, Uebergangsstationen, Wagendisposition und Wagenausnutzung , Doppü- betrieb, alternirender Betrieb, Umwegtransporte, Vertheuerung der Selbstkosten und der Transportpreise, den staatlichen Schutz der bei dem Eisenbahnwesen betheiligten öffentlichen Jntereffen, sowie allgemeine Gesichtspunkte. Ferner wird in den Motiven gedacht der Ausgabe des Staates bet ber 3ulaffung von Eisenbahn-Unternehmungen, sowie bei der Ausführung von Eisenbahn- Unternehmungen, der technischen Betriebsverwaltung» der Fürsorge des Staats für die Jntereffen der Landesvertheidigung, für die Verkehrsintereffen, insbesondere bezüglich der Tarifstellung betreffs der Ermäßigung der Eisenbabntarife, der Stetigkeit und Gletchmäßkeit der Tarife, der Rücksicht auf die Zollpolitik, der gleichheitlichen Behandlung der Transportintereffenten, der Erscheinungs- formen, der Entwickelung des Eisenbahnwesens, der Privaibahnen unter eigener Verwaltung, der Staatsbahnen unter Privatverwaltung, der Privatbahnen unter Staatsverwaltung, der Staatsbahnen unter Staatsverwaltung. Was die Opportunität der Durchführung des Staatseisenbahnsystems betrifft, so äußern sich die Motive u. A. wie folgt: Das reine Staatseisenbahnsystem ist allein dasjenige, welches die Aufgaben der Eisenbahnpolitik des Staates für einheitliche Regelung innerhalb des Staatsgebietes und die Förderung der betheiligten öffentlichen Jntereffen vollauf zu erfüllen vermag; es muß daher das Staatseisenbahnsystem als der Abschluß der Entwickelung des Eisenbahn, wesens angesehen werden. Die Durchführung de« Staatseisenbahnsystem«
Lehrer-Conferen;
des Conftrenz-Bezirks Grünberg Montag 10. November, 10 Uhr, in Grünberg.
Lehrer-Conferenz
des Conferenr-Berirks Groß.Bufeck Donnerstag 13. November, 10 Uhr, in Groß-Buseck.
Gießen, den 4. November 1879. Büchner, Kreisschultnspector.
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Reparaturarbeiten an der Wieseckbrücke in der Gartenstraße^ist bis auf Weiteres über diese Brücke der Verkehr gesperrt. Es findet daher letzterer ausschließlich über die Brücke in der Blsmarckstrape statt.
Gießen, den 4. November 1879. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
Fres enius. __________________
Bekanntmachung.
3n Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nach-
Gießen, am 5. November 1879. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
p ' vr. Boekmann-
Nr. 34 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 1. l. M., enthält :
(Nr. 1346.) Verordnung, betreffend das Verbot der Einfuhr von Reben und sonstigen Theilen des Wemstocks.»o« 31. October 1879.
<Nr 1347) Bekanntmachung, betreffend die Ernennung der Bevollmächtigten zum Bundesrath. Vom 22. October
Gießen, am 5. November 1879. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
vr. Boekrnan n.___


