Ausgabe 
6.4.1879 Zweites Blatt
 
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L87S.

Nv. 82. Zweites Biatt. Sonntag, den 6. April

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagK

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^pedi«onSbur°a»k ) Schulstrstze 18.

Prei9 vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Theis.

Nr. 7 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 31. v. M., enthält:

(Nr. 1285.) Gesetz, betreffend die Feststellung des Reichshaushalts-Etats für bas Etatsjahr 1879/80. Vom 30. März 1879.

Nr. 8 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 31. v. M., enthält:

(Nr. 1286.) Weltpostverein, geschloffen zwischen Deutschland, der Argentinischen Republik. Oesterreich-Ungarn, Belgien, Brasilien, Dänemark und den Dänischen Kolonien, Egypten, Spanien und den Spanischen Kolonien, den Vereinigten S aaten von Amerika, Frankreich und den Französischen Kolonien, Großbritannien und verschiedenen Britischen Kolonien, Britisch Indien, Canada^ Griechenland, Italien, Japan, Luxemburg, Mexico, Montenegro, Norwegen, Niederland und den Niederländischen Kolonien, Peru, Persien, Portugal und den Portugiesischen Kolonien, Rumänien, Rußland, Serbien, Salvador, Schweden, der Schweiz und der Türke'. Vom 1. Juni 1878.

(Nr. 1287.) Übereinkommen, betreffend Austausch von Briefen mit Werthangabe, abgeschloffen zwischen Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Belgien, Dänemark und den Dänischen Kolonien, Egypten, Frankreich und den Französischen Kolonien, Italien, Luxemburg, Norwegen, Niederland, Portugal und den Portugiesischen Kolonien, Rumänien, Rußland, Serbien, Schweden und der Schweiz. Vom 1. Juni 1878.

Gießen, den 4. April 1879. Großherzogltches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

politisch

Wochenübersicht.

Die kaiserliche Familie ist durch den plötzlichen Tod des Prin­zen Waldemar, dritten und jüngsten Sohnes des Kronprinzen, in tiefe Trauer versetzt worden. Der Kronprinz selbst hat sich u it den Setntgen nach Wiesbaden begeben, um dort einige Wochen in der Stille zuzubrtngen.

Fürst Bismarck empfing zu seinem Geburtstage am 1. April zahl­reiche Beweise der Verehrung aus allen Theilen Deutschlands. In Köln wurde der Tag durch die feierliche Eulhüll- ng des zu Ehren desEinigers Deutsch­lands" auf dem Augustinerplatz errichteten ehernen Standbildes verherrlicht.

Die Zolltarif-Commission hat ihre Arbeiten in zweiter Lesung beendet und das Ergebniß derselben dem Bundesrath überreicht. Dieser hat daffelbe bereits auch schon dem Reichstag überwiesen.

Der Reichstag hat den Reichs Haushalts - Etat am 28. März in dritter Lesung erledigt, und da der Bundesrath denselben am Tage darauf in der vom Reichstage beschloffenen Form genehmigte, so konnte das Elatsgksetz beim Beginn des neuen Finanzjahres (1. April) sofort in Kraft treten. Nach der zwischen Volksvertretung und Regierung getroffenen Vereinbarung find die Matricularbeiträge um 15 Mill. Mk. gegen den Voranschlag herabgemin­dert worden: dieselben betragen daher nur 3 Mill, mehr als im vorigen Jahre. Aus den sonst-gen Verhandlungen des hohen Hauses ist noch hervor­zuheben, daß der Antrag der elsässischen Autonomisten auf Gewährung einer selbständigen, im Lande befindlichen Regierung für das Reichsland mit einer an Einstimmigkeit grenzenden ehrheil angenommen, sowie daß die den Wucher betr. Anträge von Reichensperger und Kleist-Retzow an eine Commission ver­wiesen wurden. Der Reichstag vertagte sich am vnfloffenen Donnerstag bis auf den 28. April.

Von den deutschen Aerztevereinen, welche vom Minister Falk aus­gefordert worden waren, sich über die Zulasiung der Realschüler zum ärztlichen Studium gutachtlich zu äußern, haben sich 96 pCl. g<gen und nur 4 pCt. für die Zulaffung ausgesprochen.

Am 1. April gelangte im Großherzogthum Hessen die in Aussicht ge­nommene Vereinfachung der Staalsverwaltung zur Ausführung.

In Oesterreich-Ungarn hat die opferfreudige Theilnahme Deutsch­lands an dem Unglück, welches Szegedin betroffen, einen liefen Eindruck ge­macht. Andererseits ist die Nachricht von dem Wahlsieg der österreichisch gesinnten Bürger von Triest bet den Stadtrathswahlen über die Partei der Jtalianisstmi in Deutschland mit Befriedigung ausgenommen worden.

Aus Rußland werden neue nihilistische Morde gemeldet.

Das englische Cabinet hat im Parlament einen glänzenden Steg davon getragen, tnbttn die gegen seine Politik beantragten Tadelsvota im Un­terhouse sowohl tote im Oberhause mit großer Majorität obgelehnt wurden. Aus den Aeußerungen, welche der Premierminister Lord Beaconsfield im Laufe der Debatte that, rft die Erklärung bemerkenswerih, daß die Politik der Regierung in Bezug aus das Caplaud nicht aus Annexion, sondern aus Bildung einer Consöderation abziele. Noch größeres Aussehen erregte tndeß im Auslande eine Bemerkung, die er einer Deputation über die Lage der eng lischen Londwirthschast machte, indem er zugestand, daß ihre Lage geradezu verzweifelt" seil Die Königin Victoria hat sich über Paris, wo sie sowohl den Präsidenten der Republik, wie den des Ministeriums in Audienz empfing, zu einem längeren Aufenthalt nach Italien begeben.

In Frankreich treten augenblicklich alle übrigen Fragen vor der die Rückkehr der Kammern nach Paris betreffenden in den Hintergrund. Wider Erwarten ist die Mehrheit des Senats der Rückkehr abgeneigt; sie wird sich ober schließlich wohl ebenso, wie die Regierung selbst, der öffentlichen Mei­nung, welche dieselbe wünscht, fügen müffen. Mittlerweile nimmt der Kampf zwischen den Klerikalen und der Regierung über die Ferry'schen Unterrichts- Gesetzentwürse größere Dimenfionen an. Der Minister des Innern, Lepöre, hat durch den ernsten Verweis, den er dem Bischof von Grenoble wegen der in seinem Hirtenbrief enthaltenen Aufreizung zum Ungehorsam gegen die Ge­

er Hheil.

setze erthe'lte, die Hierarchie und ihre Organe nur noch mehr erbittert. Ein Bischof nach dem andern tritt nunmehr gegen die Feriy'schen Gesetzentwürfe auf. Schon jetzt zeigt es sich, daß die Durchbringung derselben nicht so leicht sein und im Senat aus starken Widerstand stoßen wird. Für's Erste hat letzterer die Abstimmung darüber bis nach den Ferien vertagt.

Die belgischen Kammern haben das Unterrichtsbudget genehmigt. Der seines Amtes enis-tzte Bischof Dumont von Hainaut ist nach Rom beschiedeu worden und dorthin abgeretst.

König Humbert hat die gegen Paffanante erkannte Todesstrafe in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt, das Ministerium bei der Vorlage des Budgets in Folge der Versicherung, daß es die Aushebung der Mahlsteuer ohne Gefährdung des Gleichgewichts durchzuführen hoffe, ein Vertrauens- Votum erhalt n.

Deutschland.

Darmstadt, 2. April. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht, am 1. Apil den Minister ialrath im Ministerum der Finanzen Johann Baptist Mersenzahl zum Geheimen Staatsrath in diesem Ministerium zu ernennen;

in der Ministerial-Abtheilung für Bauwesen:

an demselben Tage die Geheimen Oberbauräthe Dr. Friedrich Müller und Eduard Renner, sowie den Oberbaurath Dr. Ludwig Weyland zu Vortragenden Röthen zu ernennen;

in der Ministerial-Abtheilung für Steuerwesen:

an demselben Tage den Obersteuerrath Ludwig Baur unter Belassung seines seitherigen Amtstitcls, sowie unter Enthebung von der Nebenstelle eines Dirigenten der Steuercontrole, und den Obersteuerrath Friedrich Hahn zu Vortragenden Röthen zu ernennen;

in der Ministerial-Abtheilung für Forst- und Cameral-Verwaltung: an demselben Tage den Ob.'rsor st-Direktor Heinrich Ludwig Bose unter Belassung seines seitherigen Charakters als Oberforst-Direktor; sowie den Ober-Domänenrath Friedrich Schenk, den Oversorstrath Dr. August Draudt, den Oberdomänenralh Ludwig Grünewald, unter Belassung ihres seitherigen Amtstitels zu Vortragenden Röthen und den Oberdomönenrath Ferdinand Emmerling unter Verleihung des Amtscharakters als Oberfinanzrath zum juristischen Mitglied und Vortragenden Rath in den Abheilungen des Ministeriums der Finanzen zu ernennen; an demselben Tage den Obersteuersekrctär Gustav Weigel sowie die Oberdomänensekretäre Wilhelm Strecker und Heinrich Strein zu Ministerialsekretären zu ernennen; an demselben Tage den Obersteuersekretär Wilhelm Jost zum Steuerkommistär des Steuerkomissa- riats Zwingenberg und den Obersteuerregistrator Karl Fuhr zum Steuercommissör des Steuercommissaxiats Beerfelden zu ernennen; an demselben Tage den Oberbau- registrator Johannes Schlegel, den Obersteuerregistrator Wilhelm Jäger, den Obersteuerregistrator, Zollinipektor Friedrich Eckhardt, sowie die Oberdomänenre­gistratoren Ludwig Augst und Johannes Bitsch zu Ministerialregistratoren zu er­nennen; an demselben Tage den Hauptstaatskassier Gustav Micheli zum Direktor der Hauptstaatskusse den Kassier und Hauptrechner bei der Staatsschuldentilgunaskasse, Finanzrath Stephan Lindeck, zum Hauptstaatskassier, den Ministerialbuchhalter bei dem Ministerium der Finanzen, Balthasar Best, zum Oberbuchhalter und Sekretär bei der Hauptstaatskaste, den Hauptstaatskassebuchhalter, Rechnungsrath Karl Hahn, zum Rechner der Chaussee- und Flußbaukasse zu ernennen; an oemselben Tage den Buchhalter bei der Staatsschuldentilgungskasse, Karl Bader, unter Verleihung des Charakters als Rechnungsrath, und den Buchhalter bei der Staatsschuldentilgungs­kasse, August Schäffer, in gleicher Diensteigenschaft an die Hauptstaatskasse zu versetzen, den Calculator I Klaste Friedrich Winter zum Hauptstaatskassebuchhnlter 11. Klasse, sowie den Hauptstaatskassecalculator I. Klasse Gustav Pos ein er zum Ministerialbuchhalter bei dem Ministerium der Finanzen zu ernennen den Kanzlisten bei der Staatsschuldentilgungskasse Heinrich Stein in gleicher Dienstelgenschaft an die Staatshauptkasse zu versetzen; am 22. März den Obersorstregistrator Friedrich His g en in Rücksicht auf seine geschwächte Gesundheit in den Ruhestand zu versetzen, am 1. April den Obersteuerdirektor, Geheimerath Ludwig Ewald unter Anerkennung seiner langjährigen treuen und ersprießlichen Dienste unb unter Belassung auf der etatsmäßigm Nebenstelle eines Vorstandes des Münzamtes, den Geheimen Ober­steuerrath Herrmann Welcker unter Anerkennung seiner langjährigen treuen und ersprießlichen Dienste und unter Enthebung von der Nebenstelle eines landesherrlichen Direktors der Staatsschuldentilgungskasse, den Oberforstrath Ernst Braun unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand zu versetzen, an demselben Tage den Steuercommissör des Steuercomnussariats Zwingenberg, Steuer­rath Karl Köster, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, sowie den Steuercommissör des Steuercommissariats Beerfelden, August Decker, unter Ver-