Ausgabe 
6.4.1879 Erstes Blatt
 
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Rtr. 82. Erstes Statt. Sonntag, dm 6. April 1879.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf.

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Gefundene Gegenstande:

Ein grünseidcnes Halstuch, 1 Regenschirm, 1 Strumpfband, 3 neue Schreibhefte, 1 Schlüssel, 1 Mecrschaumspitzchen.

Die Gegenstände können auf der Polizeiwache (Schloßgasse 2ä8) in Empfang genommen werden.

Gießen, den 5. April 1879. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

________________________Fresenius.

Das Großherzogliche Steuer-Commissariat Gießen

an die Großh. Bürgermeistereien des Bezirks.

Die Reclamationen gegen Gewerbsteuer sind von den Gr. Bürgermeistereien, diejenigen gegen Einkommensteuer von den örtlichen Cvmmisfionen in ven Tabellen zu begutachten und zu unterschreiben.

Mehrfach vorgekommene unrichtige Behandlungen dieser Reclamationen veranlassen uns, Sie hierauf ausdrücklich aufmerksam zu machen.

Gießen, den 5. April 1879. Süffert.

Aokilisch

Deutschland.

Darmstadt, 4. April. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben allergnüdtgst geruht:

Am 1. April den Ministertal-Canzlisten Wilhelm Damm zum Mintste- rialkanzlei Inspektor bet dem Ministerium der Finanzen und den Oberbaucal- culator 2. Klaffe Johannes Grüntg zum Oberbaucalculator 1. Klaffe zu ernennen;

an demselben Tage den Canzlet-Jnspector, Canzletrath Georg Amendt, auf sein Nachsuchen, sowie den Canzletdteuer Karl Kntel unter Anerkennung seiner mehr als 50jährigen treuen Dienste in den Ruhestand zu versetzen.

Berlin. T er neue Zolltarif ist von dem Bundesrathe dem Reichs­tag vorgeitgt werten. Wir entnehmen demselben folgende Finanz-Zollart'kel: Petroleum 3 Mk. (bisher frei), Thee 50 Mk. (bisher 24 Mk.), Kaffee 21 Mk. (bisher 17,5e Mk.), Käse 10 Mk. (bisher 5 Mk.), Südfrüchte: 1) frische Apfelsinen, Citionen, Pommeramen u. s. w. 6 Mk. (wie bisher). 2) getrrcknete Datteln, Feigen, Ccrirthen, Mandeln v. s. w. 15 Mk. (bisher 12 Mk.), Wein in Fäffern 12 Mk. (bisher 8 Mk.) Wein in Flaschen 24 Mk. (bisher 8 Mk.), Bier 3 Mk. (bisher 2 Mk.), Branntwein aller Art, auch Arac, Rum v. s. w. 24 Mk. (bisher 18 Mk), altes pro Centner gerechnet. Der Zoll auf Butter, der bisher 4 Mk. betrug, soll aus 10 Mk. erböht werden. Bon sonstigen Erhöhungen wird noch bekannt: Lider und Leder- waaren: a. Leder oller Art, mit Ausnahme von Iuchtenleder, Pergament und Stieselschäste 12 Mk. (bisher 6 Mk.) b. Brüsseler und dänisches Handschuh­leder, Corduan, Maroquin u. s. w. 20 Mk. (bisher 15 Mk.), c. grobe Schuh­macher- , Sattler-, Riemer- und Täichnerwaaren 20 Mk. (bisher 12 Mk.), seine Lederwaaren von Corduan, Saffian u. s. w. 30 Mk. (bisher 21 Mk) Baumvollwatie 0,75 Mk. lb'Sher frei):

Köln, 3. April. DieKöln. Ztg." schreibt: Wir sind in der un­angenehmen Lage, dem überwiegenden Theile unserer Leser anzeigen zu müffen, daß sie Faulenzer, Vagabunden, Betrüger oder, im besten Falle, Zungen- dreschcr sind. Denn der überwiegende Theil unserer Leser bekennt sich zu liberalen Grundsätzen, und was daö heißt, wenn die üblichen Parteibezetch- nungen überhaupt noch eine Bedeutung haben, das mögen sie aus einer von derPest" in der Länge von saft zwei Spalten veröffentlichten Petition eines Mitgliedes des oberschlesischen Konstädter landwirthschaftlichen Vereins an den Reichskanzler ersehen, worin im V rgleich zu denzungenlöufigcn Liberalen" solgeide Charakteristik ausgestellt wird:Wir haben nie unsere conservativen Grundsätze geleugnet und mit denselben ein verstecktes Spiel getrieben. Jeder­mann, der seinen, wein auch noch so kleinen, im Schweiße seines Angesichts rechtlich erworbenen Besitz sür sich und die Setnigen erhalten will, ist conser- vativ. Nicht konservativ sind nur Faulenzer und Vagabunden, welche auf Kosten sremder Arbeit ein gemächliches Leben führen möchten, oder diejenigen, denen die männliche Ueberzeugung, daß sie sich auf dem rechtlichen Wege etwas erwerben können, vollständig abgiht. Auch denjenigen ist der Conservatismus ein Dorn im Auge, welche auf den gesetzlich unbewachten Wegen sich auf Kosten des Volkes zu bereichern suchen oder durch geläufige Zungenfertigkeit bei demselben eine Rolle spielen wollen und aus diesem Grunde dem bethönen Volke den sie in ihrem Vorhaben störenden Conservatismus als den schwarzen Teufel darstellen." Nebenbei gesagt, wird in dem Schreiben die Verdoppelung der jetzt vorgeschlagenen Kornzölle als das Mindeste, was dem Landwirthe gewäbrt werden muffe, verlangt.

Telegraphische Depeschen.

Magner'- telegr. Torrrspondenr- Bureau.

Paris, 4. April. DieAgence Havas" dementtrt die Gerüchte von Veränderungen im Ministerium.

er Hheit.

Saarbrücken, 5. April. Soeben wird das Urtheil in dem Mar- pinger Prozesse publicirt. Sämmtliche Beschuldigte werden freige­sprochen. Die Eiwägungsgründe kennzeichnen die angeblichen Mutter­gottes-Erscheinungen der Wunderkinder als eine schändliche Täuschung, an welcher die Eltern der Wunderkinder und die anderen Beschuldigten thetl- nahmen und dieselben unterstützten, der erforderliche strafrechtliche Dolus sei aber nicht vorhanden.

Konstantinopel, 4. April. Unter den die Mächte augenblicklich .noch beschäftigenden Vorschlägen, betr. die gemischte Occupatio» Ostrumeltens, befindet sich auch der Vorschlag der Pforte, nach welchem derselben gestattet fein solle, Burgas und Jchtiman mit regulären Truppen ihrerseits zu besetzen.

Tilfit, 4. April. Der Eisgang auf der Memel hat begonnen. Die Eröffnung der Schifffahrt steht bevor.

Wien, 4. April. Das Abgeordnetenhaus nahm den Gesetzentwurf, betreffend die Einverleibung von Epizza, in zweiter und dritter Lesung nach kurzer Debatte nahezu einstimmig an und setzte sodann die Generaldebatte des Budgets fort.

Konstantinopel, 4. April. Die türkische Regierung theilt ihren Vertretern im AuSlande mit, sie habe auf Grund der von den Haffunisten und btm Erzbischof Haffun selbst erthetlten Zusicherungen, daß die betreffs der armenischen Kaiholiken der Pforte ab antiquo zustehenden Rechte vom Vatikan respectirt werden würden, beschlossen, dem Erzbischof den Firman zu ertheilen, norm derselbe wieder als Patriarch von Ctltcten anerkannt wird. Inzwischen hätten die Autt'Haffunisten gegen diese Maßregeln Widerspruch erhoben. Ledig- lich dadurch sei die Zustellung des Firmars an Haffun bisher verzögert. Die Regierung sei bemüht eine Verständigung unter den beiden gegenüberstehenden Parteien herbeizuführen.

Paris, 4. April Wegen einer von dem bonapartistischen Journal O'dre" veröffentlichten falschen Nachricht erkannte das Gericht aus 8 Tage Gesängnißst'ase und 500 Frcs. Geldbuße.

Berlin, 4. April. DerRat.-Ztg." zufolge gingen die zu dem neuen Zolltarif in der gestrigen BundesrathS-Sitzung beantragten Abänderungen, außer einigen unerheblichen Aenderungen des Tarifs, hauptsächlich dahin, daß dinjenifltn Staaten gegenüber, welche die deutsche Waareneinfuhr ungünstiger behandeln, als diejenige anderer Staaten, ein Zuschlagszoll in Höhe des alterum tantum (das Doppelte) eingesührt werden dürfe.

Pesth, 4. April. Das Unterhaus beschloß einstimmig eine Danksagung an Oesterreich und das Ausland für die Spenden zu Gunsten Szegedins. Hinsichtlich der gemischten Occupation Ostrumeliens wurde eine Interpellation angemeldet. Laut Tisza's Darlegung sind bisher 857,000 st. für Szegedin eingegangen. Die Gelder werden fruchtbringend angelegt bis zum Beginn des Reconstructionswerks und der Rückkehr der Einwohner. Den Szegediner In­stituten wird ein 5procentiger Eredit bis zum Belauf von einer Million ge­wählt. Entsprechende Vorarbeiten zur Verhinderung des Wafferzufluffes und Trockenlegung des Stadtgebietes sind getroffen.

Wien, 4. April. Meldungen derPolit. Corresp."^: Aus Tirnowa vom 3. d. Das Organisations-Statut für Bulgarien wird in höchstens 14 Tagen dmchblrathen sein, worauf die Vorkehrungen zur Fürstenwahl erfol­gen sollen. Hinsichtlich der Candidaturen für diese Wahl ist noch keine Vcr- einbarung zu Stande gekommen, dagegen ist eine Einigung erzielt bezüglich der Wahl Sofias zur Landeshauptstadt und Tirnowas zur Kiönungsstadt. Ein im Schoohe der Notabelnversammluug verfaßtes officiöses Memorandum über die Vereinigung sämmtlicher bulgarischer Länder einschließlich Macedo- niens, der Dobrudscha und deö zu Serbien gehörigen DistricteS Pirot wurde den Consuln in Tirnowa überreicht. Aus Bukarest vom 4. d. Bon der