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Nv $! Donnerstag, den 6. Februar 187V.

Kretzener Anzeiger

AiM- nah Amts!i!lrit für den Kreis Gießen.

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^rpeditionSbureau t

Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montag-.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Gießen, am 3. Februar 1879. Betreffend: Die vierte Auflage von Dr. F. G. Kopff's illustrirten Feuerlösch-Regeln, herausgegeben von W. Kitz in ger in Stuttgart.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglicken Bürgermeistereien des Kreises.

, Wir benachrichtigen Sie, daß derRedacteur der deutschen Feuerwehr-Zeituna, W. Kltzinger zu Stuttgart, von dem WerkeDr. F. ®. Ka pff« I öeu«löwregeln für Jedermann" eine neue (die vierte) Auflage mit 125 Holzschnitten herausgegeben hat. Der Preis eines broschtrten Exemplars dieses Werkes ist auf 2 JC. 80 , eines gebundenen Exemplars auf 3 M. 40 festgesetzt, bei Abnahme einer größeren Parthie tritt eine erhebliche

Ermäßigung ein. 7

Zufolge Verfügung Großherzoglichen Ministeriums des Innern machen wir Sie auf diese gediegene und reichhaltige Schrift aufmerksam und empfehlen Ihnen deren Anschaffung. 1 1

________________________________________Dr. Boekmann._______________

Bekanntmachung.

Großherzogliches Ministerium des Innern hat die Genehmigung zur Vornahme einer mit dem diesjährigen Frühjahrs -Fasselmarkt zu Butzbach zu verbindenden Verloosung von Fafleln, Rindern, Schweinen und landwirthschaftlichen Gerätben. unter der Bedingung ertheilt, daß höchsten- 7000 Loose h 1 JL ausgegeben und mindestens SO0/* des Brutto-Erlöses hieraus zum Ankauf der Gewinn-Gegenstände verwendet werden.

Gießen, den 3. Februar 1879. Großherzogliches Kceisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

ec Gießen, am 3. Februar 1879.

Betreffend: Die Ablieferung der Vacanzüberschüsse erledigter Schulstellen an die Provinztal-Schulfonds.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien und Schulvorstände des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche noch mit Erledigung unserer Verfügung vom 31. D-cember v. I. Anzeiger Nr. 3 von diesem Jahre im Rück- stände find, werden an Einsendung der fraglichen Berechnungen Binnen 8 Tagen erinnert.

____________________Dr. Boekmann.___________________________________

Gefundene Gegenstände:

1 goldener Siegelring, 1 Tabakspfeife, 1 Bürste, 1 Hammer, 1 schwarzes Kopftuch, 1 Paar braune Handschuhe, 1 Schlüffel, 1 Brieftasche.

Gleßen, am 4. Februar 1879. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

_______ Fresenius.

Aolitisch

Jules Grevy.

Durch die Wahl Grevy ist die Republik Frankreich erst wirklich ge­festet, nachdem sie unter Mac Mahon noch ein schwankendes Dasein geführt hatte. Run daö Werk gethan war, konnte der Mohr gehen. Nichts logischer, aber auch nichts undankbarer, als eine solche Aufgabe. Man hat bemerkt, daß bei diesem, von Gambetta durchgesührten Ränkespiel dieser hervorragende Politiker selbst ziemlich im Hintergründe geblieben sei. Man weiß sogar, daß sich im letzten Moment, als es sich darum handelte, einen paffenden Nach­folger für Mac Mahon zu finden, Gambetta seinem persönlichen Gefühl Zwang anthun mußte; denn für den Exdictator war der 65jährige Grevy turchaus nicht der Gewünschte. Er hätte den 73jährigen Dufaure als Präsidenten bei Weitem vorgezogen. Allein es giebt Momente, in denen auch der geschickteste Jntriguant, will er anders die Partie nicht ganz verlieren, sich mit einem halben Erfolge zufrieden geben muß.

So wurde Grevy der Candidat der vereinigten Fraktionen der republi­kanischen Mehrheit von Senat und Deputirtenkammer, und so erfolgte seine Wahl zum Präfidenten der französischen Republik.

Grevy genoß immer allgemeine Achtung. Lange begnügte er sich mit den platonischen Achtungsbezeugungen, er war fast ganz in's Privatleben zu- rückgetreten, und eine ländliche Ehe, die er etngegangen, ließ ihn die Freuden der Zurückgezogenheit noch lebhafter empfi- den. Er weilte die Hälfte des Jahres in Parts, wo er in der höheren Geschäfts- und Verwaltungswelt als Advocat und Rechtsconsulent eine ausgedehnte Kundschaft besaß. Es war die goldene Aera der großen Unternehmungen und fetten Prozeffe, wo ein beliebter und routinixter Anwalt mit Leichtigkeit 150 bis 300,000 Frcs. jährlich ver- dienen konnte. Nach gethaner Arbeit suchte der künftige Präsident Zerstreuung bei guter Musik oder am Schachbrett. Als er später im Staate eine der höchsten Stellungen bekleidete, wurde er seinen beiden Passionen nicht untreu. Gegen Ende des Kaiserreichs erst stürzte sich Grevy in den Strudel politischer Kämpfe. Ein Abgeordnetensitz war im Herbst 1868 in seinem Heimaths- Departement erledigt worden. Grevy, der ohnedies fast die eine Hälfte des Jahres dort lebte und als einer der besten und rüstigsten Gebirgsjäger gefeiert war, gab dem Drängen des republikanischen Comit^s nach, das ihn auffor­derte, seine persönliche Beliebtheit bei seinen speciellen Landsleuten zu Gunsten der republikanischen Sache auszubeuten.H. Grevy", schrieb damals ein Oppo- ßtlonSblatt, das seligeAvenir national",begiebt sich nach dem Jura, wo feine Candidatur aufgestellt ist. Er nimmt in seinem Reisekoffer die Hoffnun­gen und Wünsche der gesammten französischen Demokratie mit."

er HHeil.

Die Wünsche und Hoffnungen der französischen Demokratie erfüllten flch auf das Glänzendste. Die Popularität Grevy's unter den Leuten im Gebirge, die ihn von Kmdesbeinen an kannten, mit ihm jagten und verkehrten, war eine solche, daß der kaiserliche Präfekt den Kampf gegen ihn aufgab. Eine ungeheure Majorität sendete Grevy in's Palais Bourbon. Hier blieb er so ziemlich im Dunkeln. Sein Name war der Menge nicht so geläufig, wie jene der damaligen Tenore der parlamentarischen Beredtsamkeit. Er war kein emphatischer Redner, der Vorträge hielt, lediglich der Kunst zu Liebe, tote Jules Favre, oder düstere Kapuzinaden wie Pelletan, oder gar süßlich wider­liche Elegien wie Jules Simon vom Stapel ließ. Sein Wesen war nüchtern, seine Beredtsamkeit diejenige eines Rechtsgelehrten, eines Profeffors, aber durchaus nicht die eines franzöfischen Volkstribunen, bis er gerade durch feine Ruhe und Unparteilichkeit immer mehr Achtung gewann.

Für bte nächste Zeit ist damit Frankreichs politische Entwickelung in ruhigeres Fahrwaffer gewiesen. Selbst die ungeduldigeren Radikalen werden sich durch die erprobte republikanische Ueberzeugungstreue des neuen Präfiden­ten ein wenig in ihren überstürzten Forderungen zurückbalten laffen. Auch das Ausland dürfte bald genug einseyen, daß es von diesem Mann weder republi­kanische Propaganda nach Außen, noch kriegerische Gelüste zu befürchten hat.

Aerrtschland.

Darmstadt, 3. Februar. Ein von Notabilitäten aus allen Theilen des Landes unterzeichneter Aufruf zur Errichtung eineö Alice-Denkmals wird in aller Kürze an die hessische Bevölkerung ergehen, und zwar nicht etwa eines Denkmals von Erz oder Stein, sondern eines solchen, das die mannig­fachen segensreichen Anstalten und Vereine, welche die verstorbene Fürstin in's Leben rief, für alle Zukunft sicher stellt, indem sie dieselben hinlänglich dotirte; diese Institution wird den Namen tragenAlice-Stiftung." Aus Ersuchen des Central Comitös des Alice-Frauenvereins für Krankenpflege, deffen Präsi­dentin die Verewigte gewesen, hat der Großherzog nunmehr bereitwilligst das Protektorat dieses Vereins übernommen.

Darmstadt, 3. Februar. Heute trat die zweite Kammer wieder zu­sammen und erklärte die Regierung auf desfallstge Interpellation der Abgg. Kugler und Böhm, daß sie keineswegs geneigt sei, für eine auf dem Main einzusührende^ettenschlepp-Sckifffahrt eine Zinsgarantie allein zu übernehmen, solches eventuell Sache sämmtlicher Beteiligten Uferstaaten sein würde. Was die Kanalisation des Mains betrifft, so wurde aus die noch in Schwebe be- findlichen Verhandlungen mit Preußen hingewiesen und erklärt, daß man über