Ausgabe 
5.10.1879 Zweites Blatt
 
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Vermischtes.

Heßloch, 29. Septbr. Heute in aller Frühe ereignete sich dahier ein bedauerlicher Unglücksfall. Der bei Herrn Heinrichs stehende Fasielochs machte sich in seinem Stalle frei und rannte, wild geworden, im Hofe herum, woselbst er den herbeigeeilten Wärter angr.ff und derart zurichtete, daß an desien Aufkommen von ärztlicher Seite aus sehr gezweifelt wird.

Straßburg. Unter den Landmädchen in Volkstracht, welche zu Wiwersheim den Majestäten Blumensträuße überreichten, befand sich Marie Börst von Mundolshcim, welche mit dem Bouquet zugleich im Auftrage der Gemeinde ein in elsässischer Mundart verfaßtes Ge­dicht dem Kaiser übergab, in welchem die Gemeinde ihren Dank ausspricht für die Erlangung einer Eisenbahnhaltestelle. Es lautet

Herr Kaiser, duen Sie mich doch g falligschd exkustre, Wenn ich do zue 'ne kumm um 'ne zue bräsendire Vun Mundolsheim e Struß. Faschd hawt mi schenirt, Sie Henn so viel zue duen unn sinn gewiß breßirt.

Un dock, Sie sehn's, ich hab mier's nitt loon nemme welle,

Im Name der Gemein mich Ihne vorzestelle,

Zue danke Ihne jetz fier d' Mundelser Station,

Die an der Jsebahn Sie Henn errichte loon.

Dor lange Johre schun, noch unter de Franzose, Henn mer d' Station begehrt, bi Kleine unn bi Große, Unn do hett's g'heiße stets: Ihr Litt, es kann nitt g'scheh'n, Allez ä Vendenheim, der Woij ijch gar zu scheen.

Do Henn mier uns gewendt, vum Reddt endli heißer,

In ere Bilteingab an Sie, de guede Kaiser,

Wie vor zwei Jahre Sie bi Mundolse sinn g'sinn,

Do Henn' die Sach gclees Sie grad in unserm Sinn.

Drum danke miet au jetz so rechd vun ganzem Herze Un welle ganz getroschd d' vergangnr Sach verschmerze, Wil doch dis Glück uns hitt, dis lang erhofft, isch b'jcheert, Zue sauije Ihne selbschd, wie Sie uns sinn so werth.

Un wie's uns Alli fraijt, daß nach so schwere Daue,

Wo Sie-e-Mörderziel in Vaddcrbruschd getraue

So bittre heiffe Schmerz uf neijer Kaiserfahrt

Jetz widdre vor unS stehn vum ewje Gott bewabrt!

O nemme Sie de Struß un uns'ri Wunsch oernewe, Hoch soll in Himmels Schutz stets Kaiser Wilhelm lewe, Un soll der littoi Gott Sie doch erreiche loon Uff langer Erdenbahn noch manchi Station I

Aus Herculesbad in Ungarn wird derTernesv. Ztg." geschrieben: In dem den berühmten Curort in weitem Kreise umgebenden Wälderkranze ist ein ungeheurer Brand auSgebrochen, der bereits jetzt eine riesige Ausdehnung erlangt hat und nicht nur die sämmt- ltchen daselbst befindlichen fiscalischen Waldungen, sondern auch den herrlichen Curort selbst

Otto Freund Wittwe hat um die Erlaubniß zur Anbringung eines Kellerloches vor -ihrem Hause (Neustadt) nachgesucht. Die Versammlung hat gegen dieses Gesuch keinerlei Ein­wendungen vorzubringen, weßhalb Genehmigung erfolgt. t .

Herrn Wilhelm Wenzel, welcher um Ueberlasiung von Ba,altstemen einkommt, werden solche zum Preise von JL 4.50 pro Wagen überlasten.

Ferner liegen 4 Gesuche um Erlaubniß zur Errichtung vou Grabdenkmälern vor, welche sämmtlich genehmigt werden. , .

Die Vertheilung der Denunciationsgebühren bei Octroidefraudationen wird nach dem Thellungsplane genehmigt, nachdem mttgetheilt worden, daß in der vergangenen Perlvde 54 Anzeigen wegen Defraudation erfolgten. r , ,

Herr Kupferschmied Zimmer hatte vor seinem Hause eine Treppe anlegen lasten, ohne die hierfür nöthige Genehmigung erhalten zu haben, weßhalb dieselbe wreder abgetragen »eiben mußte wodurch aber das Straßenpflaster beschädigt und dasselbe trotz wiederholter Aufforde­rung bis dato nicht wieder hergestellt worden ist. Nach Darlegung der Verhältnisse steht sich die Versammlung genöthigt, klagend gegen den Obengenannten vorzugehen.

Eine Eingabe, in welcher es sich um den zwischen dem Hause des Herrn F. Burkhardt und dem Clubgebäude befindlichen Graben handelt, wird der Baudeputation zur Antragstellung überwiesen. .

Nachdem mehrere Kostendeereturen genehmigt, schließt die öffentliche Sitzung.6.

zu gefährden droht. Die Flammen, welche bereits durch mehrere Tage wüthen, sind auf dem rumänischen Abhänge des die Grenze bildenden Csezma-Gebirges zum Ausbruche gelangt, wo bereits 300 Joch Waldungen von demselben vermehrt sind; hierauf schlugen die Flamm-n auch nach dem ungari'chen Abhänge des Gebirges herüber und verzehren jetzt die auf den Höhen um Herculesbad befindlichen Waldungen. Von der Schrecklichkeit deS Ereignisses kann man sich kaum einen Begriff machen; die glühenden Wipfel, die einen Regen von brennenden Blättern niederfallen lasten, das explosionsartige Krachen der von den Flammen verzehrten Niesenbäume, das Feuer, welches sich an Schlingpflanzen und GraswuchS immer weiter frißt, dazu das Ge­heul der fliehenden Thierc das Kreischen der aus ihrer Ruhe aufgestörten großen Raubvögel bilden -ine Seenerie, die sich in ihrer Furchtbarkeit nicht beschreiben läßt. Die Behörden thun alles Mögliche, um den verheerenden Brand in sich abzugrenzen, allein der Größe des Ereig- nistes gegenüber sind alle diese Anstrengungen machtlos. Nur ein starker und andauernder Regen kann da helfen, da bereits die Wurzeln der Bäume brennen und die Hitze so groß ist, daß man sich den brennenden Wäldern auf weite Strecken nicht mehr nähern kann.

Dom Trompeter, Ende Septbr. Eine der bestgehaßten Pflanzen auf Wiesen sind jetzt die Herbstzeitlosen, die dem Rindvieh nack Umständen sehr gefährlich werden können. Zur Vertilgung derselben empfiehlt ein erfahrener Landwirth Folgendes: Wan fertigt einen fünf Centimeter starken und etwa 1 Meter langen Stab, spitzt ihn an einem Ende zu und schlägt ihn Ende April, wenn sich die dunkelgrünen Spitzen der Blätter zeigen, in der Witte in bas Herz einer Pflanze etwa 4050 Centimeter tief rin. Man zieht btn Stab dann wieder aus dem Boden heraus, läßt das Loch offen und treibt ihn in das Herz einer andern Herbstzeitlosen hinein. Der Boden ist um diese Zeit meist noch feucht, also weich, das Ein­schlagen geht rasch und ein einziger Mann keilt an einem Tage meist 300 Pflanzen an. Auf solche Weise wird die 3045 Centimeter tief stehende Zwiebel verletzt und stirbt um so sicherer ab, wenn sich im Loche Regenwasser sammelt, das dir Fäulniß der Zwiebel fördert. Im nächsten Frühjahre wird man allerdings den zehnten Theil der Pflanzen wieder finden. Diese werden noch einmal in derselben Weise behandelt.

(Sein oder Nichtlein.) Ein Fünfktrchener Advokat erhielt von seinem Freunde, dem ehemaligen Reichstags-Abgeordneten Dr. D., folgende Zeilen:Wenn Du diese Zeilen liest, weile ich nicht mehr unter den Lebenden. Willst Du meinen Leichnam sehen, so komme in meinen Keller im Weingarten; den Schlüffel wirst Du an bekannter Stelle finden " Der Ad­vokat eilt tief erschüttert in den Weingarten vielleicht ist es noch Zeit, den Freund zu retten. Wer aber beschreibt seine Uebcrraschung, als er den Freund frisch und gesund ihm entgegen­kommen sieht. Es erfolgte die Erklärung seitens deS Todes-Kanbidaten. Dr. D. war in bet That fest entschlossen, sein Leben zu enden. Er ging daher in den Weingarten, nahm eine Dosis Morphium, setzte sich unter einen schattigen Nußbaum und erwartete sodann den Tod. Ich dachte, in dieser Welt werde ich nicht mehr erwachen." Er schlummerte ein. Er er­wacht .... Eine saftige Traube hängt verlockend vor seinem Munde. Er weiß nicht, ist et in dieser oder in der anderen Welt. Er drückt die Augen zu, er schlägt sie wieder auf. Seine Hand streckt sich unwillkürlich nach der köstlichen Fruckt aus, er richtet sich auf baib ist die Traube verschwunden. Ihr folgt noch eine zweite, eine dritte. Die Hitze deS Nachmittags ist verschwunden, ein balsamisches Lüftchen weht ihm Kühlung zu. Die Strahlen der scheidenden Sonne vergolden die Gipfel des Gebirges und Dr. D. erhebt sich mit dem Behagen des wohl- gesättigten Mannes und mit dem Gefühle: Freund, dies Leben ist doch schön!

Wien. (Die Preisnasen.) Bei derBretze" in Neulerchenfeld, in einem jener, noch aus dem alten Wien ins neue hineinragenden Vergnügungslokale, wurde kürzlich ein höchst originelles Fest veranstaltet. Es war eine Nasenausstellung, verbunden mit einem Wein« lesefest. Ein Plakat, auf dem zwei Nasen von übermenschlichen Proportionen prangten, for­derte an den vorhergehenden Tagen alle Besitzer von irgendwie bedeutenden Nasen auf, sich bei dem Feste einzufinden und um die ausgesetzten Preise zu bewerben. In der That erschien eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Bewerbern mit den merkwürdigsten und großartigsten Nasen­bildungen. Um jeden Unterschleif hintanzuhalten, wurde das Publikum ermahnt, sich n-cht durch wächserne oder andere künstliche Nasen täuschen zu lasten, sondern die mit der Eintrittskarte verabreichten Coupons, welche als Stimmzettel zu gelten hatten, nur für dieNaturnasen" abzugeben. Jedem einzelnen Preisbewerber war e8 gestattet, sich den unterschievlichen Gästen vorzustellen, feine Nase anzupreisen und um Abgabe der Stimme zu deren Gunsten zu bitten. Gegen 1 Uhr Nachts fand daß Skrutinium statt und wurde Folgendes zu Protokoll genommen: 1. Preis il Dukaten» Fiaker Reicher, Besitzer einer Pfundnase römischer Form, 3 Zoll hoch, mit 223 Stimmen. 2. Preis (3 Silbergulden) Fiaker Hallt, mit dem SpitznamenKipfel- schmarrn", Standplatz bei den Mickaelern, Besitzer einer Gurkennase, mit 129 Stimmen. 3. Preis (2 Silbergulden) Gärtner Erwa, Besitzer eineß jog. Kupferhefte», mit 63 Stimmen. Mit vielen Toasten auf die Sieger in diesem edlen Wettstreite und deren p,ei»würdige Nasen schloß der genußreiche Abend.

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