Lokales.
Gießen, 4. October. (Sitzung der Stadtverordneten am 2. October.) Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, die Herren Beigeordneten Keller und Heß; von Seiten der Stadtverordneten Vie Herren Gail, Grbneberg, Homberg er, Lüdektng, Ad. Noll, Aug. Noll, Petri, Pfannmüller, Scheel, Schopbach und Wortmann.
Nach Eröffnung der Sitzung, in der auch Herr Pfarrer Dr. Seel erschienen ist, nimmt derselbe in warmen Worten Abschied von der Gemeinde-Vertretung und spricht seinen Dank aus für die Aufmerksamkeit, die ihm Seitens der Spitzen der Stadt gelegentlich seines Wegzuges von hier zu Theil geworden. Er bitte, daß die Gemeinde-Vertretung daS der Kirche seither bewiesene Wohlwollen auch in Zukunft bewahren möge und wünscht schließlich der Gemeinde Gießen einen würdigen Nachfolger.
Herr Bürgermeister Bramm verliest sodann die Rechnung der Löber scheu Stiftung, welche einen Vermögensstand von 47880 1 H, darunter 46632 Jü 43 Kapitalvermögen
aufweist.
Der Voranschlag der evangelischen Gemeinde pro 1880, für welchen eine Ausgabe von 10364 6 vorgesehen, ergiebt eine Minderforderung von ca. 400 JL gegen das Jahr 1879 zu
Gunsten der Stadtkaffe, welch günstiges Resultat in einzelnen geringen Ausgabeposten seinen Grund hat. Da der Voranschlag wesentliche Aenderungen nicht enthält, wird derselbe genehmigt.
Nach Mttthetlung Großherzoglichen Kreisamts hat dasselbe gegen die Anstellung der 3 neuen Schutzmänner Lang, Horn, Hinter nichts zu erinnern, weßhalb die Versammlung die definitive Anstellung derselben beschließt.
Die Waldculturlöhne sollen wie seither aus der Hand in Tagelohn gegeben werden.
Der von der Oberförsterei Gießen gestellte Antrag, die zur Anschaffung eines zweiten Nummerschlägels nöthigen Ausgaben von ca. 40 zu bewilligen, wird angenommen.
Ueber die Verpachtung des Steinbruchs im Hangelstein entsptnnt sich eine längere Debatte. Der seitherige Pächter Fr. Wirbelauer in Wieseck hatte in einem Schreiben an Großherzogliche Bürgermeisterei dargethan, daß der Steinbruch in Folge der verminderten Bau- thätigkett 2C. nicht den Ertrag liefere, der tbm, dem Petenten, es ermögliche, das festgesetzte Pachtgeld im Betrage von 400 JL zu entrichten und sucht in Folge dessen um eine Pachtermäßigung nach, dahin gehend, daß ihm der Strinbruch für die Dauer der Pachtzeit um den Pachtpreis von 200 überlassen werden möge. Auf Antrag des Herrn Gail wird beschlossen, dem Gesuchsteller von der seither gezahlten Pachtsumme von 400 Jt. 100 JL nachzulaffen, so daß vom 1. Januar 1880 an dieselbe 300 JL beträgt.
Das weitere Gesuch des Fr. Wirbelauer um Ueberlassung der an der Wasserleitung liegenden überflüssigen Schienen wird dahin beantwortet, daß demselben fragliche Schienen um den Preis von 60 pro Meter überlassen werden sollen.
Da die in der städtischen Turnhalle stch befindliche Gasuhr für den Turnverein unzugänglich ist, weil solche in einem abgeschlossenen Zimmer sich befindet, der Turnverein jedoch die Controle über den eigenen Gasverbrauch beanspruchen zu müssen glaubt, wendet sich derselbe an Großherzogliche Bürgermeisterei mit dem Ersuchen, hier Abänderungen eintreten zu lassen. Der Entscheid hierüber wird bis zur näheren Untersuchung dieses Umstandes auSgesetzt.
Die eingereichten Gesuche um Baucrlaubniß (Dr. I L. Jett, Christian Keller und Louis Hellmold) werden befürwortet, ebenso, jedoch auf Widerruf, dos Gesuch dek Photographen Backofen in Darmstadt um Errichtung eines Ateliers im Garten des Herrn Dr. v Löhr-
Heinrich Schäfer II. sucht um die Erlaubniß zur Erbauung eines Nebengebäudes nach. Da jedoch schon die Erlaubniß zur Erbaung oes Hauptgebäudes s. Z. beanstandet wurde, wird dies Gesuch abgelehnt.
Sonntag den 5. October
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Amtlicher THeil.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenutuiß gebracht, daß der diesjährige Herbstmarkt zu Schotten nicht am 28. und 29. October, sondern am
»l. uno 22. Ajctober stattfindet.
Schotten, den 27. September 1879. Großherzogliches Krelsamt Schotten.
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Ende 1877 über rnt:
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Morneweg, Kreis-Assessor.
sten und Cantonaltsten vorliegt. — Die Nachrichten aus Cuba lauten miß lich; General Blanco verlangt 20,000 Mann Verstärkungen.
Großes Aufsehen erregt in Portugal ein Artikel des Madrider „Jm- parcial", welcher „die historischen Ansprüche Spaniens" betitelt ist und auf eine Annexion Portugals htnausläuft. Die Lissaboner Journale tadeln einstimmig diese neueste Aeußerung spanischer Anmaßung und bezeichnen den Artikel als das Erzeugniß eines Fieberkranken; sie verthetdtgen bte Freiheit und Unabhängigkeit Portugals und rarhen Spanten, sich um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern.
Da bisher alle panslavisttschen Versuche, Ostrumelieu und Bulgarien zu einem Reiche, „Großbulgarien", zusammenzuschmeißen, gescheitert sind, so trachtet man jetzt danach, den Berliner Signatarmächten dadurch eine Nase zu drehen, daß man die Union auf kirchlichem Gebiete fortzuführen sucht. Der Vater dieser J^ee, der bulgarische Minister des Aeußern, Bata- banow, hat einen Bericht an den Fürsten Alexander gerichtet, den dieser genehmigt hat. Ein kirchlicher Abgesandter reist nach Stambul, um die Genehmigung der Pforte zu erhalten, die indesien versagt werden dürfte.
Wochenübersicht.
Es ist natürlich, daß die Thatsache einer deutsch-österreichischen Allianz bet den auswärtigen Cabtneten und in der Preffe aller Länder ihre Nachwirkungen hat. Man muß sich erst daran gewöhnen, den neuen Faktor in der Großmachtspolitlk gebührend in Rechnung zu ziehen. Wichtig und überraschend ist cs, daß Rußland das Gewicht der Thatfachen voll anerkennt und unverkennbar eine Annäherung an Deutschland kundgiebt. Es ist in dieser Beziehung schon beachtenSwerth, daß mit einem Schlage die antideutschen Hetzereien in der russischen Preffe aufgehört haben. Der klugen Politik Frankreichs haben wir es zu verdanken, daß die Utopie eines aggressiven französisch-russischen Bündntffes verschwunden ist. So sehr auch Gortscha- koff das Bedürfntß fühlte, seine Laufbahn mit eurem Weltenbrande zu beschließen, so wenig Thetlnahme fand er in Frankreich, wo man vorläufig noch am jüngsten Kriege mit dem streitbaren Deutschland genug hat.
Das Ergebntß der preußischen Landtagswahlen wird allerdings nur eine geringe ziffermäßige Verstärkung der liberalen Parteien aufwetsen. Das Centrum wird ziemlich ungeschwächt bleiben, auch die Conservattven erleiden nur geringe Einbuße. Die liberale Partei kann aber auch sehr starke Minoritäten für sich in Anschlag bringen, welche ergeben, daß ihre Sache nichts verloren hat. Die Wahlmännerwahlen beweisen, daß nach wie vor in P-eußen der verfaffungsmäßige Freisinn in der großen Mehrheit der Bevölkerung eine gesicherte Heimstätte besitzt.
Still und ohne jedes Gepränge hat der Statthalter von Elsaß- Lothringen, Freiherr v. Manteuffel am 1. October, dem denkwürdigen Tage, an welchem das Reichsgericht eröffnet ward und thetlwetse der neue Zolltarif in Kraft trat, seinen Einzug in Straßburg gehalten. In kurzer und bündiger Weise hat er der Bevölkerung seinen Amtsantritt angezetgt. Nach dem Besuche des Kaisers, der einen erfreulichen Umschwung in der Stimmung des Landes bekundete, hat der neue Statthalter darauf verzichtet, eine Mahnung an die Bevölkerung auszusprechen oder Hoffnungen zu veröffent- l?cn' die er hegt, er begnügt sich damit, Gott um Kraft zu bitten, daß er sein Amt zum Ruhme des Reiches und zum Wohle von Elsaß-Lothtngen übe.
..Die Zusammenkunft zwischen Bismarck und Gortschakoff soll zur Wirklichkeit werden. Man darf wohl annehmen, daß der russische Kanzler nicht gerade mit freudigen Gefühlen diesen Büßergang antritt, sowie daß er nur einem Befehle seines Kaisers folgt. Wie die Sachen liegen, tritt Gort- schakoff vor fertige Thatfachen und abgeschlossene Dinge, an denen nichts mehr zu ändern ist; er mag sich ihnen anbequemen oder nicht, es ist beides gleich- gultig; nur hat er im litzteren Falle die Consequenzen zutragen. Fürst Bts- jT ix-tx WA Fürsten Gortschakoff die Grundideen und die Resultate des österreichischen Abkommens unverhüllt darlegen, und die russische Durchlaucht wird daraus ersehen, daß die Dinge in Wien weiter gediehen sind, als ihr trcx sich für einige Zett in Berlin und in Wien sicher vor
russischen Ränken und Angesichts der Verhältnisse in Centralasien wird Rußland wohl oder übel der neuen Situation Rechnung tragen.
u., Das Danket, welches der Gemetnderath in Marseille dem franzö- st s ch e n Unterrichtsmtnistergegeben hat, war eine glänzende Kundgebung gegen die Ultramoiitanen. Der Maire von Marseille gab der Hoffnung auf An- °°hme des Unterrichtsgesetzes Ausdruck, und der Minister betonte wiederholt, die Regierung sei in stch selbst einig und werde insbesondere an dem Art. 7 ft1“": sranzostschen Ministerrache gab Waddington Ausschluß über
^Zwischenfälle auf dem Gebiete der auswürtgien Politik, insbesondere über Bismarcks Besuch bei Teifferenc de Bort in Wien.
° Mehreren regierungsfeindlichen Generalen
sind die Päffe in'» Ausland zugestellt w.rden. Aus beschlagnahmten Papieren ,eht hervor, daß eine Verschwörung von gemäßigten Republikanetn, FSderali-
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Geschäftsordnung für die GerichtSschreibereten der Amtsgerichte.
?uL®r?n??er.l 4 der Geschäftsordnung für die Gerichtsschretber der Amtsgerichte wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß unsere Gerlchtsschretberet täglich, mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, von Vormittags 9 bis 11 Uhr dem Publikum geöffnet ist und daß Rechts- sucher.de darum nur tn diesen Stunden auf Beförderung rechnen können.
Grünberg, den 1. October 1879. Großherzogliches Amtsgericht Grünberg.
Fritz, Oberamtslichter.


