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232. Erstes Blatt. Sonntag den 5. Oktober
187».
reßener Anzeiger
AiMk- Md AmIsdIM für dk« Kreis Gieße«.
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Expedittonlbttreau:
} Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50
Amtlicher Hheit.
Gießen, am 2. October 1879.
Betreffend: Die Versicherung der Gebäude gegen Feuersgefahr.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grostherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Wir fordern Sie unter Bezugnahme auf Art. 11 des Gesetzes vom 6. Juni 1853 (Regierungs-Blatt Seite 453) hierdurch auf, das Brandkataster Ihrer Gemeinden mit dem Gemeinderath zu durchgehen und, soweit sich hierzu Anlaß bietet, die Gebäudebesitzer unter Hinweisung auf Art. 178 des Polizet- strafgesetzes zur Stellung von Anträgen auf Versicherung neuer Gebäude oder auf Erhöhung oder Herabminderung der Versicherungsanschläge solcher Gebäude, welche in ihren Hauptdtmensionen wesentlich erweitert oder verringert worden sind, zu veranlasien, auch diesen Anträgen entsprechend das gesetzliche Verfahren etnzuletten und uns die entstehenden Verhandlungen demnächst vorzulegen. c f , - . , - ,
Ueber das Ergebntß jener Durchgehung wollen Sie alsbald und ohne die Erledigung des Declarationsverfahrens abzuwarten, berichten, dabei aber zugleich angeben, inwieweit die Gebäudeetgenthümer Ihrer Aufforderung zur Stellung von Versicherungsanträgen Folge geleistet haben.
Dr. Boekmann.
Gießen, am 1. October 1879.
Betreffend: Die Errichtung und Einrichtung der Fortbildungsschulen.
Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commisfion Gießen
an die Schulvorstände des Kreises.
Unter Hinweis auf unsere Verfügung in Nr. 192 dieses Blattes erwarten wir sofortige Einsendung der noch rückständigen Schulverzeichniffe. Dr. Boekmann. __________
Bekanntmachung.
Gesunden: 1 weißes Taschentuch, 1 Pincenez, 1 Kinderhut, 11 cX baares Geld, 1 Spannkette.
Zugelaufen: 1 Hund (Dogge).
Die gefundenen Gegenstände sind auf der Polizeiwache (Schloßgaffe 258) aufbewahrt.
Gießen, den 3. October 1879. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
Fresenius.
Aokitisch
Deutschland.
Berlin, 2. Octbr. Mit dem 1. October traten vom neuen Zolltarif folgende Zölle in Kraft (alles pro 100 Kilogramm): Anis, Cortander, Fenchel, Kümmel 3 Raps und Rübsaat O,30 Holzborke und Gerberlohe 0,go Bau- und Nutzholz 1) roh oder blos mit der Axt vorgearbeitet
0,io 2) gesägt oder auf anderem Wege vorgearbeitet oder zerkleinert ;
Faßdauben und ähnliche Säg- oder Schnittwaaren, auch ungeschälte Korbweiden und Reifenstäbe O/25 ; grobe, rohe, ungefärbte Böttcher-, Drechsler-,
Tischler- und blos gehobelte Holzwaarcn und Wagnerarbetten mit Ausnahme der Möbel von Hartholz und der fournirten Möbel; geschälte Korbweiden, grobe Korbflechterwaaren, weder gefärbt, gebeizt, lacktrt, polirt oder gefirnißt; Hornplatten und rohe blos geschnittene Knochenplatten, Stuhlrohr, gebeiztes oder gespaltenes, 3 «X; Holz in geschnittenen Fournieren, unverleimte, ungebeizte Parquetbodentheile 6 <X Die wichtigeren und im Handel bedeutenderen der hier aufgeführten Waarengegenstände waren bisher zollfrei.
Berlin, 2. Octbr. In wenigen Tagen werden beim Verlagsbuchhändler Korikampf in Berlin die sämmtltchen Reden des Ministers Dr. Falk erscheinen, die einen stattlichen Band ausmachen. Die „Magd. Ztg." sagt darüber: Da der Kampf um das „System Falk" erst beginnt, so ist es wichtig, bei jeder einzelnen Culturkampf- wie Schulfrage zu wisien, wie sich zu ihr der mächtigste Bundesgenoffe des Reichskanzlers Fürsten Bismarck gestellt hat. Dr. Falk nimmt nichts von dem zurück, was er für Recht erkannt hat, er steht für jedes Wort, das er in siebenjähriger ministerieller Thättgkeit gesprochen, noch heute ein. Alles ist streng einheitlich, wie aus einem Guffe, entweder total zu verwerfen oder voll und ganz gutzuheißen.
Berlin, 2. Octbr. Einigermaßen bedenklich für die Hoffnungen der Schutzzollfreunde klingt das Urtheil eines in der „Effener Zeitung" das Wort ergreifenden Großindustriellen, welches soeben die Runde durch die Blätter macht. Da wird mit dürren Worten gesagt, daß der Krebsschaden des Kohlen- und Eisengeschäfts die Ueberproduction und die dadurch bedingten Schleuderpreise seien, und schließlich heißt es: „Gesunde Zustände können erst dann wieder eintreten, wenn die Producenten und Fabrikanten sich nach der Bedürf- ntßfrage richten und nicht immer im vergrößerten Betrieb die Verminderung ihrer Generalfpesen suchen; denn die Consequenzen liegen für Jeden, der nicht kindisch denkt, auf der Hand; ferner, wenn dieselben bet ihren Calculationen die Verzinsung und nothwendtge Amortisation in Rechnung bringen, und endlich, wenn man wieder die Selbstständigkeit gewinnt, sich nicht durch jedes Gebot zu Geschäften oder billigeren Offerten verleiten zu laffen." So also wird aus denselben Kreisen, in denen man die Einführung des Zolles als ein unfehlbares Zaubermtttel zur Wiederherstellung günstiger Zustände betrachtete, der eigentliche Sitz des Nebels an derselben Stelle gefunden, an welcher ihn die Gegner aufgewtesen hatten. Man wird freilich noch weitere Erfahrungen abwarten müssen.
er HHeit.
Hesterreich.
Wien, 2. Octbr. Die „Wiener Ztg." veröffentlicht eine kaiserliche Entschließung vom 30. Septbr., durch welche Graf Trautmannsdorf zum Präsidenten und die Fürsten Schönburg und Constantin Czartoryski zu Vicepräsidenten des Herrenhauses ernannt werden.
ßngtand.
London, 1. Octbr Ein erster October, an welchem sich die halbe Ernte noch auf dem Felde befindet, ist zum Glück eine große Seltenheit, selbst in dem feuchten Klima der britischen Inseln. Ganz so schlimm soll es seit 1841 nicht gewesen sein, als man im nördlichen England am 10. September mit dem Getreideschnitt anfing. Die Ernte wurde damals noch glücklich her- eingebracht. In diesem Jahre sieht es bedenklicher aus, denn das Wetter will selbst jetzt kaum günstiger werden. Die Landwirthe stehlen ihr Korn sozusagen zwischen den Regenschauern herein, jedenfall manches im feuchten Zustande. Hin und wieder ist mit dem Erdrusch auf dem Felde begonnen worden, und da klagen die Pächter in der Regel über schlechten Körncrertrag und mangelhafte Güte. Unter solchen Umständen eröffnen sich für den nahenden Winter einigermaßen trübe Aussichten und man macht sich auf mancherlei Roth und Elend gefaßt, welches notwendig auf die politische Lage zurückwirken muß.
London, 2. Octbr. Die „Times" erfährt, daß der Gouverneur des Sudans, Gordon, zu demissiontrcn beabsichtige, sobald der egypttsch-abyssinische Streitfall erledigt sei. — Die „Times" meldet ferner vom Shutargardan- Paffe vom 1. October, daß vier turkestanische Regimenter die Rebellen in Kabul verstärkt hätten.
Türkei.
Konstantinopel, 2. Octbr. Von Setten der Regierung wird mit- gcthetlt: Die in Kurdistan durch die Empörung des Sbeik Abdullah hervorgerufenen Ruhestörungen waren nicht so bedeutend, als Anfangs geglaubt wurde. Der Shetk pflanzte an der Spitze von 1000 Mann die Fahne der Empörung auf. Da aber die Stämme, auf deren Unterstützung Abdullah rechnete, nicht folgten, warf er sich mit den Setnigen auf einige Dörfer und plünderte dieselben. Die Regierung traf Vorkehrungen, um die Bewegung im Falle ihres Weiterumsichgretfens schleunigst zu unterdrücken. Das Seraskierat hatte über Trapezunt Truppen nach Kurdistan dirigirt, doch hatten die Streitkräfte der dortigen Ortschaften Abdullah nebst seinen Anhängern bereits in die Flucht geschlagen und die Ruhe und Sicherheit des ganzen Landes wiederher- gestellt. Samth Pascha, im Begriffe nach Erzerum abzureisen, um den Ober- befehl des 4. Armeekorps zu übernehmen, erhielt übrigens den besonderen Auftrag, in den betr. Orten Maßregeln zu ergreifen, um die Schuldigen zu bestrafen.


