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Samstag den 5. Juli
1879
Gießener Hlnzeiger
Aifeige- nni> Amtsblatt für den Kreis Gießen.
RedaetionSburearrr ( Ä , rn , „ «rpevtti-nsbureau, / ^^ulstraß- B. 18.
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Erscheint tSglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
___ Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
(Nr. 1308.) Verordnung über die Kaution des Gießen, den 3. Juli 1879.
Rendanten der Patentamts-Kasse. Vom 20. Juni 1879 Großherzogliches Kretsamt Gießen.
Dr. Boekmann.
B-treff-nd- Das Landgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbes^älra °3‘ 3“1' Das Großherzoglichk Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien.
Wir erinnern Sie an die Einsendung der Verzeichnisse der von Ihnen ausgestellten Bedeckschetne.
-- ---------- Dr. Boekmann.
politischer Iheil.
Deutschland.
JBetlirt, 3. Juli. Osficiös wird der „Köln. Ztg." geschrieben: Die Entlassungsgesuche der drei Minister stehen nach Ursprung und Molivirung in keinem Zusammenhänge miteinander. Namentlich kann der nur vorläufig in der Tariscommisston abgeschlossene Comprouuß des Ccntrums mit den beiden conscrvalivcn Fraktionen in der sog. Garantiefrage den Ministern keinen Grund zum Rücktritt gegeben haben. Wenn man glauben zu machen sucht, es hätte spccieU der Finanzminister, ebenso wie die beiden anderen Minister, sich verlegt gesuhlt durch den Abschluß des Compromifles ohne ihre Zuziehung, so wider- lpricht dies der Lage der Dinge. Denn ein Compromiß ist bisher lediglich in der Tarifcommission zwischen den oben genannten Fraktionen geschlossen worden; aber noch nicht mit der Regierung oder dem Kanzler. Zu einem Compromiß mit diesen Theiien ist nach dem Gange der Geschäfte noch gar nicht die Zeit gefommer. Der Kanzler seinerseits wird sich auf eine Verständigung nicht einlasscn, ehe feststeht, welche Finanzzöllc und in welcher Höhe sie bewilligt werden. In der Art des Kanzlers liegt es nicht, sich vor der Zelt zu binden, und am wenigsten um den Preis eines Linsengerichts. Bis jetzt aber wird über die Finanzzölle noch unter den Parteien der Mehrheit verhandelt; folglich kann mit dem Kanzler noch nicht verhandelt worden sein.
— Der „Magd. Ztg." wird von hier geschrieben: „Dr. Falk geht, wer! Hobrecht und Friedenthal seine Hauptstützen im Ministerium waren, und kommen m die Regierung conservativ-klcrikale Ersatzmänner, so wäre er total Dr. Falk muß di« Lust ausgchen, Minister zu bleiben, seitdem der häufigste Gast im Kanzler-Hotel, Herr Dr. Windthorst, ist. Im Decem ber des vorigen Jahres nahm der Cultusminister Veranlassung, sich vor den preußischen Abgeordneten über seine Rcgierungsgrundsätze auszusprecheu, und feitdem wissen wir von Neuem ganz bestimmt, daß Dr. Falk nur so lange Minister bleibt, als er innerhalb seiner Machtsphäre das erste und das letzte Wort zu sagen hat. Ist dies nicht möglich, so ist er nicht mehr Minister. Um seines muthigen, charakterfesten Wesens halber liebt ihn das deutsche Volk; cs weiß immer, woran es mit ihm ist, und geht Dr. Falk heute io weiß Jeder im Voraus, daß seine Zeit wiederkommen wird." ® 9
- Die „Deutsche Allg. Ztg." in Leipzig schreibt- „In unseren R.-ichs- angelegenheiten hat in der vergangenen Woche die Trübung und Verwirrung aller Verhältnisie einen so hohen Grad erreicht, daß es in der That auch dem ruhigsten und immer möglichst das Beste hoffenden Politiker nachgerade sehr schwer wird, sich von Anwandlungen des Pessimismus freizuhalten. Statt einer Verständigung des Reichskanzlers mit dem rechten Flügel der National. Liberalen unter Bennigsen, welche vor acht Tagen in Aussicht zu stehen schien I ift eine solche mit dem Centrum eingetreten und hat ihren Ausdruck in einem Beschluffe — allerdings zunächst nur der Tartfcommission — gefunden, der wenn so gemeint, wie er feinem Wortlaute nach verstanden weiden muß und von den Ultramontanen offenbar auch verstanden wird, in der That einen bedenklichen Sieg des Parttcularismus und einen entschiedenen Rückschritt in der Reichspoliitk, selbst über die Rcichsverfaffung hinaus rückwärts, anzeigen würde dagegen in der Auslegung, welche man conservativcr- und officlösirsetts ihm gibt, eine Zweideutigkeit, ja, anscheinend eine versuchte Ueberlistung des Cen- lrums enthält, von der wir uns ebenso wenig Gutes versprechen können. Dazu kommen nun die Entlafsuugsgesuche dreier Minister. So geräth Alles tn's Wanken und Schwanken. Eine conservativ-ultramontane Mehrheit im Reichstage, mir der Bismarck regieren zu wollen scheint, eine Neubildima des preußischen Staatsministeriums unter Ausstoßung gerade der Elemente an deren Veibletben die letzten Hoffnungen der Liberalen sich knüpften, eine an- ichetnend beabsichtigte „Umkehr" der ganzen in den letzten 12 bis 15 Jahren eingehaltenen Politik sowohl im Reiche als in Preußen, das ist in diesem Augenblicke die Signatur unserer deutschen Zustände."
Berlin, 2. Juli. Der Minister Dr. galt, welcher sein Abschiedsgesuch eingereicht, hat sein Amt am 22. Januar 1872 als unmittelbarer Amlsnach-
Mühler's angetreten, und schon am 11. März erschien das Schulaus, sichtsgesetz nach Berathung mit dem Hause der Abgeordneten und dem Herren- Hause und am 15. October folgten die allgemeinen Bestimmungen, welche die famosen Regulative Raumer-Sttehl's ersetzten. Stiehl war inzwischen in den Ruhestand versetzt worden und diesem Vortragenden Rathe folgte zwei Jahre später der Drarnent für das höhere Unkrrichtswescn (mit Ausschluß der Uniöerritäten) ®r. 2010« welcher durch den Geheimrath Dr. Bonitz ersetzt worden ist. Dr. Friedenthal, der Landwirthschasts. Minister, trat sein Amt nach langer Zwischenverwaltung an und führte ein halbes Jahr lang das Ministerium des Innern (bis zum Amtsantritt des jetzigen Ministers). Während seiner Vermattung wurde bekanntlich das Ministerium der Landwirthschaft durch die Uebernahme der thierärztltcheu Angelegenheiten und vor einem Vier- teljahr durch die Domänen und Forsten vergrößert.
Aesterreich.
r r ' 2' 2"li- Ein osficiöser Artikel der „Polit. Corresp." bringt
folgende Erörterungen: Die Cabtnete einigten sich betreffs der griechischen Frage dahm, dieselbe durch ihre Botschafter in Konstantinopel einer srtten Besprechung Zu unterziehen und der Pforte wie Griechenland nur einhellig accepttrte Vorschläge vorzulegen. Dieser Vorschlag bekundet, daß kein« Macht mit bereits feststehenden Entschlüffen an die Verhandlung geht, daß jede Berat 2? richtigeren Argumenten den Vorrang einzuräumen, daß kein« in dieser Frage Sonderzwecke verfolgt, sondern mit strenger Obsectivität nur das Jn- tereffe des Friedens und der Consolidirung der neuen Ordnung der Balkan. Albins-! im Auge hat, endlich daß jede gewillt ist, bei der Entscheidung den europäischen Gedanken zum Ausdruck zu bringen. — Dieselbe Correspondenz berichtet aus Konstantinopel vom Heutigen: In sämmtlich en politischen Kreisen herrscht große Bewegung. Der Aufhebung des Fermans von 1873 wird eine ?rACt,1rld,CI1J?er.3L,teJpreLation arbeit: dieselbe martire den Beginn einer per- f** Politik des Tultans, welche Compensationen für die vom türkischen
Ie$tcn ^T‘e9 erlittenen mittelbaren und unmittelbaren Gebiets, und MachuEmbußen zu schaffen beabsichtige. Als nächstes Object wird theil- weise die Rückkehr zu einer kräftigeren Bethätigung der souzeräneu Rechte des Siiltans in allen bisher nur nominell dem Sultan unterworfenen rnohameda- mfchen Gebieten, vorzugsweise in Afrika, bezeichnet. Der vorgestrige gemeln- ame Protest Frankreichs und Englands brachte eine erhebliche Aendenmg in D e Situation. Trotz ber unsicheren Stellung des Großvezirs Khereddln's glaubt man nicht, daß Mahmud Nedim Pascha ihn unmittelbar zu ersetzen bestimmt ist. Auf diesbezüglich« Anfrage Layaid's, welcher noch hinzusügt«, daß England im Falle eines Großvezirats Mahmud Nedim's die fernere Unterstützung der Türkei aufgeben müßte, erwiderte der Sultan, er habe Mah- mub ermächtigt, nach Konstantinopel zu kommen, nicht um ihn zum Großvezir zu machen, sondern aus Mitleid mit seinem Aller. In Folge dieses Zwischen- falles unb ber Thatsache, bnfj Mahmub Nebtm, wiewohl vom Sultan berufen nachträglich zur Ueberreichung eineö Gesuches um Erlaubniß zum Aufenthalte in Konstantinopel veranlaßt worden ist, hält man eine unmittelbar bevorstehende Ernennung deffelben zum Großvezir einstweilen für beseitigt.
Frankreich.
. „ Paris, 1. Juli. Obgleich die Kaiserin Engenie die Veröffentlichung des Testaments des Prinzen Louis Napoleon nicht gewünscht hat, so veröffentlichen es doch heute alle bouapartistlfchen Blätter. Daffelbe lautet:
Gegeben zu Camden-Place (Chlslehurst), am 26. Februar 1879.
Dieies ist mein Testament:
t) Ich sterbe in der römisch - karbolischen und apostolischen Religion, in welcher ich geboren wurde. 2) Ich wünsche, daß meine Leiche neben der meines V'ttrs ^«ig-setzt werde bis ^an bechc dorthin bringt, wo ber Stifter unseres Hauses inmitten bes französischen Volkes ruht, das wir, wie er, sehr geliebt haben. 3) Mein letzter Gedanke wird meinem Valerlanbe gehören;


