Einzelbild herunterladen

Es macht uns besonderes Vergnügen berichten zu können, daß der Andrang zu der gestern Avenv im Clubsaale stattgehabten Unterhaltung cm so außergewöhnlich starker gewesen ist, daß das Comite sich veranlaßt sah, heute eine zweite Aufführung stattfinden zu taffen.

Abgesehen von dem wobtthätigen Zweck, war die abnorme Betheiligung um so mehr eine gerechtfertigte, als das Gebotene nicyt allem die kühnsten Erwartungen erreichte, sondern dieselben weit, weit überholte.

Es mangelt uns heute an Raum, die Sache eingehender zu besprechen und behalten tone uns dies auf einen der nächsten Tage vor.

Gießen, 3. April- Sicherem Vernehmen nach hat gestern Herr Dr. Riegel, bisher Director des Krankenhauses in Köln, die ordentliche Professur für innere Medicin und Direction der medicinischen Klinik an unserer Landesuniversität ange­nommen nachdem demselben, wie wir hören, von Seiten unserer Regierung die Zusage zu umfassenden Verbesserungen unserer klinischen Heilanstalt gemacht worden sind. Wir begrüßen dieses Ereigmß mit Freuden, um so mehr, da Herr Riegel sowohl als Vertreter der Wissenschaft, als auch als eine angenehme Persönlichkeit eine vorzügliche Acauisition genannt werden muß. t , .. . 3

Somit wäre der Wunsch schon letzt erfüllt, den der Verfasser eines gestern in den Oberhessischen Nachrichten erschienenen Artikels zum Schlüsse ausgesprochen hat- Den Artikel erlauben wir uns hiermit wiederzugeben, da er offenbar von sachkundiger

tiefe soll in anderthalb Jahren fertig sein. Es werden dann durch das deutsche Reich zwei Diagonalen liegen, deren eine, von Nordost nach Südwest, Königs­berg mit Straßburg, und die andere, von Noidwest nach Südost, Hamburg mit Ratibor verbindet. In Berlin laufen diese beiden großen Kabel zusammen. Außerdem geht in einem Bogen ein Westkab l von Straßburg über Köln n.ch Hamburg und ein Ostkabel von Raiibor nach Königsberg; endlich soll noch em Kabel Süddeutschland durchzichen, so daß das Reich alle wichtigen Hanbels- pläfee und Festungen mit sieben Drähten verbunden haben wird, die jeder Störung entzogen sind. Die älteste unterirdische Leitung Halle-Berlin ist in ihrer Wirksamkeit der strengsten wiffenschaftlichen Prüfung unterzogen worden, und zwar mit durchaus erfreulichen Eifolgen. Nicht eine einzige Storung ist vorgekommen: das eingebettete Kabel arbeitet durchaus sicher. Was von H^üe- Berltn, das gilt von anderen Leitungen in gleichem Umfange. D'.e nach den beiden Ostsetten von hier aus zu legenden Kabel verursachen verhälmißmaß'g o'enig Mühe, denn der Boden ist fast nirgends gebirgig und die alten Cvauffee- wege von hier über Stettin nach Königsberg und über Breslau nach R.tibor laufen in ziemlich geraden Linien. Die Versenkung der Kabel in die Flüsse geschieht nach den bis jetzt gemachten Erfahrungen rasch und ohne jed? Störung ; ebenso ist ein Stamm von Arbeitern vorhanden, der sich meisterhaft auf die Lerspletßung der einzelnen Kabel Enden versteht. Die Legung der Ostkabel wird sofort in Angriff genommen werden.

Würzburg, 2. April. In Folge des Falles Bude-Licken wurde in der hiesigen Garmion angeordnet, daß die scharfen Patronen nicht mehr wie bisher offen zum Gebrauche der Wachmannschaft daltegen, sondern daß sie in einem versiegelten Pakete dem betr. Eommandanten überwiesen werden, welcher dann im Bedarfsfälle dieselben zu verthetlen hat.

Italien.

Rom, 2. April. In der heutigen Sitzung der Kammer wurden In­terpellationen über die letzten Ereigniffe in Genua, Mailand, Chioggia und die häufigen republikanischen Demonstrationen eingebrachr. Garibaldi hat Ca- prera verlasien und befindet sich auf dem Wege nach Rom, wahrscheinlich um den Kammersitzungen betzuwohnen.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. Eorrespondenj- Bureau.

Berlin, 3. April. Der Bundesrath genehmigte in seiner heutigen Sitzung den Zolltarif-Entwurf mit einigen Abänderungen.

DerReichs-Anz." meldet: Der deutsche Botschafter in Petersburg, Gencrallieutenant v. Schweinitz, trat gestern den ihm behufs Wiederherstellung seiner Gesundheit bewilligten mehrwonatlichen Urlaub an. BlS zum Eintreffen seines als Gesandter in außerordentlicher M sston fungtrenden Vertreters, des Gesandten v. Alvensleben in Darmstadt, wird der zweite BotjchastSsecretär, Prinz Arenberg, die Petersburger Botschastsgeschäfte führen.

Kassel, 3. April. Nächsten Sonntag findet eine Versammlung des Handelskammer-Ausschusses für die Tabakssrage statt, woran nur Delegirte der Handelskammiri. theilnehmen.

Berlin, 3. April. Reichstag. Die Commission zur Berathung der Anträge betreffs Maßregeln gegen den Wucher, hat sich constituirt; Schwarze ist zum Vorsitzenden und Mar- auardsen zum Stellvertreter deffelben gewählt. - Das Haus fährt fort in der zweiten Berathung des Wechselstempelsteuer-Gesetzes, wozu verschiedene Amendements, betreffend die Normiruna der Steuersätze, vorliegcn. Bei der Discussion treten Bundes-Commissar Aschen­born und Minister Hofmann für die Sätze der Regierungsvorlage ein. Das Amendement Mörinq wird mit 107 gegen 101, ein anderes, von Bamberger gestelltes Amendement mit 114 gegen 101 Stimmen abgelchnt und der Gesetzentwurf nach der Regierungsvorlage ange; omrnen Es folgt die Berathung des Gesetzentwurfes, betr. die Consulargerichtsbarkeit. Staatssecretär Friedberg erläutert und begründet den Entwurf. Das Haus verweist denselben nach unerheblicher Debatte an eine Commission von 21 Mitgliedern.

Schließlich wird eine Reihe von Wahlprüfungen durchweg nach den Beschlüßen der Commission erledigt. - Rach Erledigung der Tagesordnung schlagt Präsident v. Forcken- beck vor, keine Sitzung mehr vor Ostern zn halten und die nächste Sitzung auf den 2K April anzuberaumen. Fürst Hohenlohe-Langenburg wünscht, daß die nächste Sitzung auf den 23. April festgesetzt werbe. Der Antrag Hohenlohe bleibt jedoch in der Minderheit. Die nächste Sitzung findet am 2H. April statt.

Konstantinopel, 3. April. DieAgence Havas" meldet: Die Pforte hat, ebne den Vorschlag wegen der gemischten Besetzung Ostrumeliens formell zu verwerfen, ihre Auffassung nach der Richtung hin dargelegt, daß die Besetzung von Burgas und Jchtiman durch türkische Truppen und die Ein. setzung des Gouverneurs unter Mitwirkung der europäischen Commission zu- gelaffen werde; die Vollmachten dieser Commissiou wären um ein Jahr zu verlängern. Die Pforte unterhandelt mit England wegen Revisto« des Ver­trags betr. Cypern, wodurch England neue Vortheile gewährt würden, die durch Englands finanziellen Beistand zu erwidern wären.

Berlin, 3. April, Abends. In der heutigen Sitzung des Bundes- raths ist die Zolltarif-Vorlage definitiv erledigt und noch heute dem Reichstage übersandt worden.

London, 3. April, Abends. Unterhaus. Schatzkarzler Northcote schlägt im Budget keine Steuererhöhung mit Ausnahme einer Erhöhung des Zolls auf Eigarren um 2 Pence per Pfund vor, beantragt aber, die Rück­zahlung der Sckatzbonds um ein weiteres Jahr zu verschieben.

Auf eine Anfrage Chamberlains antwortet Northcote, sei bisher Nichts über den Vorschlag einer gemischten Occupatton entschieden. England halte i nausgffetzt an den Erklärungen seiner Vertreter auf dem Kongresse über diese Frage fest. Der Sultan glaube, er könne die Ruhe in Offrumelien aufreckt- ^halten; aber England wünsche natürlich ernstlich andere Maßregeln, um die Gefahr von Unruhen abzuwenden; die Regierung könne nicht versprechen, daß sie das Parlament ror seinem Schluffe in dieser Sache befrag-.

Berichtigung.

Dic auf nächsten Sonntag, den 6. April, cinberufenc Versammlung, bett, die Tabaks- »rage, findet nicht, wie untcim 1. April irrthünuich gemeldet war, in Berlin, sondern in Kassel statt. Wogner's Telegraphen'Bureau.

Irischbäcker in Gießen.

Sonntag den 6. April. Auguft Noll, Mäusburg. Wilhelm Lang, Neustadt. Jakob Klingelhöffer, Wallthorstraße.__

Seite heroorgerufen ist: , , ,f, vTYX

In diesen Tagen wird voraussichtlich einer der hervorragendsten Manner unserer Stadt, den wir beinahe ein Vierteljahrhundert im wahren Sinne des Wortes den unseren nennen durften, em Mann, der in allen Schichten der Bevölkerung hoch geehrt und geliebt dasteht, uns verlassen. Geh. Medicinalrath Professor Dr. Eugen Seitz legt die von ihm 23 Jahre ehrenvoll bekleidete Professur für innere Medicin und die Direktion der medicinischen Klinik nieder, um sich künftighin ganz seinen schriftstellerischen Arbeiten widmen zu können.

Im Hinblick auf die hervorragenden Verdienste, welche sich Herr Seitz als Lehrer und Gelehrter, als Arzt und aufopfernder Helfer der Rothleidenden erworben hat, erachteten es die früheren und jetzigen Schüler, sowie die Kollegen desselben für eine Ehrenpflicht, dem scheidenden Lehrer und Freunde ein würdiges Geschenk zu ube^ reichen Au diesem Zwecke bedurfte es nur der Anregung und sehr bald sanden sich einige Hundert Theilnehmer von Rah und Fern, ja selbst von jenfcit des Oceans.

gestern, am 31. März, wurde das Geschenk von vier Vertretern der Schuler und Kollegen des Herrn Seitz überreicht. Wenn auch nicht den werthoollsten, so doch gewiß dm sinnigsten Theil dieses Geschenkes blldet - ein prachtvolles großes Album mit äußerst zahlreichen Photographien von Schulern und Kollegen, welch letztere meist Herrn Medicinakrath Seitz in schweren Krankheitsfällen als treuen Be- rather kennen und dabei nicht blos den Reichthum seines Wissens, sondern auch seine durchaus liebenswürdige Kollegialität schätzen gelernt hatten.

Bei der Überreichung des Geschenkes wurde das tiefste Bedauern ausgesprochen wegen des allzufrühen Scheidens des Herrn Seitz von Gießen und seiner Ilniycriitat und dem herzlichsten Danke Ausdruck gegeben für all das Gute, das derselbe so^vlele Jahre hindurch den Schülern und Fachgenosscn Der hiesigen Hochschule und ötaDt, ja dem ganzen Lande erwiesen hatte.

An demselben Tage wurde eine große, wohlgelungene Photographie in stattlichem Rahmen, von Lorbeeren umkränzt, in dem Auditorium der Klinik anfgehangt.

Herr Geh. Medicinalrath Seitz geht von hier weg - aus der freundlichen Er- inncrunq, aus dem Herzen der Bevölkerung Gießens scheidet er nicht. Die Stelle des Herrn Proscssors Siitz wird - hoffentlich recht bald - wieder beletzt werden möge ein guter Stern die Führer unserer Alma Ludoviciana und die Großherzogliche Jce- aicruna leiten, - möge ein freundliches Geschick uns einen Mann Zufuhren, der ebenio- wohl ein eifriger Förderer der Wissenschait und vortrefflicher Lehrer, als ein treuer und aufopfernder Helfer der Rothleidenden ist!

Lokales.

Gießen, 4. April. In ven gestrigen Scbwurgerichts-Sitzungcn verurtbeilte der Gerichtsh Johannes Krailing von Hcuchelbcim wegen Verleitung zum Meineid in eine Zuchthausstrafe von 1 Iabt und 3 Monaten, sowie zur Aberkennung der bürgerlichen Ehren­rechte aus die Dauer von 2 Jahren

2) den Jacob Wagner von Södel wegen schweren Diebstahls in eine Gcsängnißstrafe öon 41'2 Monaten, dagegen wurden Rembard Stephan von Reichelsheim, Gustav Schneider von Södel und Margaretba, deffen Ehefrau, in Folge des auf einNichtschuldig" lautenden Dcrdicts der Geschworenen, von den ihnen angeschuldigten Vergeben der Dcibülfe und Hehlerei freigesprochen.

Theater.

Als letzte Vorstellung findet noch die so oft verlangte Aufführung des ,£)atterid)* statt. Der Ertrag derselben ist für das Gesammtpersonal und hat^ Herr Leib zu diesem Zwecke den Saal für Freitag und Samstag unentgeldlich zu Verfügung gestellt. Herr Director Alberti, ein Darmstädter Kind, wird den Datterich spielen.

Wer herzlich lachen will besuche die letzte Vorstellung! _____ p-

Darmstadt, 1. April. Assessor Amend von Langen, der bekanntlich seine Frau erschoß, um ihren Todeskampf abzukürzen, ist, wie die Fr. Ztg. meldet nach mehrwöchiger Beobachtung in der Landcsirrenanstalt in Heppenheim für unzurechnungsfähig erklärt woroen. Es ist noch ein Superarbitrium eingefordert worden, das Verfahren wird aber wahrscheinlich eingestellt werden.

Kassel, 30. Marz. Heute wurde der Arbeiter K- verhaftet, weil er das dreijährige Kind seiner Geliebten auf eine empörende Weise dadurch mißhandelt hatte^, daß er daffelbc nackt n siedendes heißes Waffer hatte. Das Kind behndet sich in ärztliche- Behandiung gebraucht aber nach Aussage des betreffenden ArzteS zu seiner Wiederherstellung mindestens sechs Monate, wenn cs überhaupt mit dem Leben davon kommt.

Darmstadt, 2. April. Vogel- und Geflügelausstellnng. Der lanvwirthschasiltchc Bezirksverein Darmstadt hat in seiner Generalversammlung am 31. Marz für Ausstellung des Vereins für Vogel- und Geflügelzucht cmeri Ehrenpreis! für landwirthschaft. lick nutzbares Geflügel (Hühner, Enten, Gänsc, Truthühner), welches aus dem Kresie Darmstadt ausgestellt werden wird, bewilligt, und dadurch beroieicn, daß er, der erste ,n Hessen, den Werth der Geflügelzucht für die Landwirthschaft vollkommen anerkennt In Bavern, Baden und Württemberg haben schon seit langer Ze,t v.c Geflugelzuchtvere.ne, vom Staat und den landwirthschaftlichen Vereinen Hobe Geldbeträge zur D^ndunzalsPram,en erhalten, und hat sich dadurch in jenen Landern die landwirthschaftliche Geflügelzucht ganz bedeutend gehoben, wodurck den Landwirthen.eine reiche Einnahmequelle eröffnet wurde- Möge das Beispiel des Darmstädter Bezirksverems recht bald auch andere Bezirks- und Provinzial- vereine zu einem gleichen Vorgehen^veranlaffen^^^^^^^^^^^^^^^^^E^^^^MWM^^

Kirchliche Anzeigen

drr euaugrlischcuSemeinde suKießen.

Gottesdienst:

Sonntag den 6. April: Buß- und Bettag.

Morgens: Pfarrer Dr. Seel.

Nachmittags: Pfarrer Schlosser.

(Kollekte für arme ev«ng. Gemeinden des Landes )

Donnerstag den 1". April Gründonnerstag:

Morgens: Pfarrer Schlosser.

($eiet des heil. Abendmahls.)

Freitag den 11. April

Charfreitag:

Morgens: Gymnasiallehrer Stamm. Nachmittags: Pfarrvicar Schöner.

Die Beichte findet Mittwoch dm 9. April, Nachmittags 2 Uhr, statt.

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 6. bi6 12. April besorgt Pfarrer Dr. Seel.