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Wiedereinführung von mäßigen Thee- und Kaffee-Zöllen, sowie Einführung einer internen Abgabe von Opium-Fabriken, für den Fill, daß der Congreß Ausgaben beschließen sollte, welche die verfügbaren Ueberscküsie übersteigen.

New-Uork, 30. Novbr. Die Botschaft des Präsid nten Hayes be­glückwünscht den Congreß zur glücklichen Ausführung ces Gesetzes zur Wieder- ufnahme der Baarzahlungen, weiches eine wesentliche Wiederbelebung der Ge­schäfte und Verbefferung des Nationalcredites herbeiführte, und schlägt die Ersetzung von 792 Millionen 5- und 6procentiger Bonds durch 4procentige vor. Die Aenderung der Münzgesctzgebung betreffend erscheine es räthlich, dieselbe während der mit den europäischen Staaten schwebenden Verhandlungen zu vertagen; jedoch muffe die Suspension der Ausprägang der Silberdollars etntreten, da es sonst unmöglich fei, die Werthsgleichhett zwischen Gold- und Stlbermünzen aufrecht zu erhalten und das Ziel der Doppelwährung zu er­reichen. Die Ausgabe von Papiergeld mit Zwangscours, wie die Legaltenderacte sie gestatte, sei, Drtnglichkeitsfälle ausgenommen, wider die Verfaffung. Die Politik der Union ging stets dahin, die Vermehrung der Nationalschuld zu vermeiden. Falls eine Aenderung der bestehenden Zölle nolhwendtg sei, cul pfehle sich eine solche bei den Kaffee- und Theezöllen. Die Beziehungen mit dem Auslande seien friedlich. Die Mehrzahl der mit Spanien betreffs Cubr schwebenden Fragen fand eme glückliche, ehrenvolle Lösung. Mit Deutschland ergaben sich wiederholt Erörterungen betreffs Naturalisation von Ausgewan­derten ; die deutsche Regierung manifestirte aber jederzeit das lebhafte Verlangen, tyn Bestimmungen der Verträge strikte nachzukommen. Nach Samoa sei du Kriegsschiff gesandt, um von den den Untonsstaaten zugestandenen Privilegien Besitz zu ergreifen und eine Kohlenstatton zu errichten. Wenn das Project, den Panama-Canal unter den Auspicten der Unionsstaaten auszuführen, nicht mehr zweifelhaft sei, würde das erforderliche Capital in Europa und Amerika leicht zu beschaffen sein. Der Bericht des Schatzsecretärs Sherman veran­schlagt die Einnahmen des nächsten JahreS auf 288, die Ausgaben auf 278 Millionen.

Telegraphische Depeschen.

Waguer'S telegr. Korrespondenz - Bureau.

Berlin, 1. December. Gortschakoff wurde gestern Nlchmtttag auch von der Kaiserin empfangen und begab sich fodann in das kronprtnzltche Pa­lais. Der Kronprinz erwiederte den Besuch noch Nachmittags in der russi­schen Botschaft. Der Kffser empfing heute den Botschafter v. Oubril.

Münster, 1. December. Die Nachricht desWestfälischen Merkurs", -daß die Landräthe angewiesen feien, dem katholischen Klerus wieder die Lei» Lung des Religionsunterrichtes in den Volksschulen anzubieten, wird als un­richtig bezeichnet.

Hamburg, 1. Decbr. Wie an heutiger Börse bekannt wurde, hat die Firma I. C. Godeff-oy u. Sohn ihre Zahlungen eingestellt. Norddeutsche Bank notirten nach 153 50, 151 bis 152, da mttgetheilt wurde, daß dieselbe Deckung habe.

London, 29. Novbr. Der Schriftführer der Geographischen Gesell­schaft berichtigt einen Jrrthum, der sich in die Berichte über die letzte Sitzung der Gesellschaft etngeschlichen hat. Nicht Lieutenant Payer ist es, deffen Tod der niederländische Gesandte Graf Bylandt ankündigte, sondern der hollän« dische Seelieutenant Koolmans Beyen, welcher unter Sir Allen Poung's Füh­rung eine Polarreise mttmachte.

London, 1. Decbr. Meldung derTimes" aus Kabul von heute: Gemäß Anordnung des VtceköntgS von Indien reiste der Emir Jakub Khan heute in Begleitung des Capttäns Turner von Kabul nach Peschawur ab.

Petersburg, 1. Decbr. Das JournalMolva" und die russische Petersb. Ztg." publictren das in dem Proceß gegen Mirsky und Genossen ergangene Uriheil: Mirsky wurde zum Tode, Tarchow zu 13V3 Jahr Zwangs­arbeit verurtheilt, die Uebrtgen freigesprochen.

Petersburg, 1. Decbr., Nachts. Am 27. November wurde in Elisa- bethgrad auf dem Bahnhofe ein junger Mann verhaftet, in dessen Reisetasche verschiedene Gifte und Explosionsstoffe vorgefunden wurden.

Nürnberg, 1. Decbr. Die gestrige Delegirten-Conferenz der bayerischen Handels- und Gewerbekammern, welcher Vertreter der Regierung beiwohnten, beschloß endgültig die Abhaltung der Landes-Jndustrie-Ausstellung im Jahre 1882 zu Nürnberg.

Nürnberg, 1. Decbr. DerFränk. Kurier" meldet: Das Landes- ComitS für die Landesgewerbe-Ausstellung ist gebildet und ein Garanttefonds von 230,000 Mark gezeichnet.

Petersburg, 1. Decbr. Der Kaiser verließ Livadta am 29. Novbr. Nachmittags 3 Uhr, traf in Simferopol Abends 11 Uhr ein und setzte gegen Mitternacht auf der Ostrovo Simferopoler Eisenbahn seine Reise nach Moskau fort. Der Minister des Innern erthetlte dem JournalGolos" wegen eines Feutlleton-Artikels in der gestrigen Nummer die dritte Verwarnung und verbot die Ausgabe des Blattes auf 5 Monate.

Pesth, 1. Decbr. In der Conferenz der liberalen Partei stellte Falk die Frage, ob Deutschland, da die Verhandlungen bisher resultatlos seien, vom 1. Januar 1880 an nicht außer der Eingangsabgabe noch einen Zuschlag erheben werde; wenigstens über diesen Punkt müßte man förmlich ein ver­tragsmäßiges Abkommen mit Deutschland treffen. Der Handelsminister ant- wortete: Die erwähnte Eventualität entging nicht der Aufmerksamkeit der Regierung. Bezügliche Verhandlungen sind im Gange; er hoffe, nächster Tage sich bestimmt äußern zu können.

Pesth, 1. December. Abends. Da» Unterhaus nahm das Gesetz be­treffs Indemnität für drei Monate in der General- und Special-Debatte an und begann die Berathung des Gesetzes wegen Aufhebung der Luxussteuer.

Washington, 1. December. Die Staatsschuld der Union bat im November um 800,000 Doll, abgenommen. Ende November befanden sich in der Staatskaffe 207,218,000 Dollars.

Lokales.

Gießen, 2. December. Die auf gestern Abend in dem großen Sasl des Cafe Leib berufene Bürgerversammlung war von allen Ständen sehr zahlreich besucht. Herr Hun stein eröffnete die Versammlung und thetlte derselben die vorbergegangenen Verhandlungen und Be­sprechungen zwischen den Unterzeichnern des Aufrufs zur Bürgerversammlung als auch zwischen den Herren, welche den anderen Aufruf unterzeichnet hatten und welche im wetteren Verfolg i die Gründung einerHerberge zur Heimath" beabsichtigen <Wie vielleicht den Lesern schon bekannt sein dürfte, hat Herr Zimmer von Winnerod das Krämer'sche Haus in der Reichen- | s«nd-Babnhofstraße angekauft und einem hiesigen wohlthätlgen Verein zur Verfügung gestellt, welcher Verein dann die Errichtung einerHerberge zur Heimath" anstrebt.) Rach den Ver­

handlungen am Sonntag Nachmittag im Safe Ebel war anzunebmen, daß die Heiden Anfrufs- Unlerzeichner gemeinschaftlich vie Sache m die Hanv nehmen würven. Gestern Nachmittig in einer Vorversammlung, zu welcher je drei Herren Deputat waren, erklären jeooch die Harm welche eineHerberge zur Heimath" gründen wollten, daß sie im Jntcrcss? einer einheitlichen Organisation von ocr Suppenansta.t a^strahiren wollten uno desbalo zurückrrätcn. In U?b- rigen wollten sie aber nach wie vor für dieSuppenanstalt" thätig sein und die bereits gesammelten Gaben dem Comite überliefern. Nachdem Herr Hauste,n also der Versammlung über die Vorverhandlungen refenrt, dann namentlich Herr Proseffor Gareis in bekanntem meisterhaftem Vortrag die Idee cor Suppenanstalten resp. Volksküchen erläutert batte, welchem Dortrag ungedecktester Beifall folgte, bestimmte die Versammlung 51 H rren als weiteren Ausschuß, welcher den engeren Anschuß, aus 10 Personen bestehend, wählen sollte Der Vorsitzende theilte ferner noch mit, daß bis jetzt schon 15 Damen sich erboten hatten, an der Suppenanstalt thätig, resp. beaufsichtigend Mttzuwirken, und forderte die Anwesenden auf, in ihrer Familie Umschau zu halten und event. Frau oder Tochter zu veranlaffen, sich auch thätta zu beteiligen. (Anmeldungen von Damen nimmt Frau Bürgermeister Bramm gern entgegen ) Den engeren Ausschuß bilden folgende Herren: Bürgermeister Bramm, Prof. Bratuscheck Jean Hanstein, Gg. Noll, Aron Katz, Carl Wenzel, Carl Demutb, Anton'

JBücking und Andr. Euler. Verschiedene aufgelegte Zeichnungslisten füllten sich rasch mit größeren und kleineren Summen, welche im Verein mit dem schon vor­handenen Fond ein erkleck lickes Sümmchen ausmachen. Möge die werkthätige Liebe nicht er­kalten und immerfort thätig sein, damit die nunmehr ins Leben gerufene wohlthätige Anstalt ihren Zweck erfülle und sie sich den Dank der Armen und Bedürftigen erwerbe. Wir werden über die Einrichtung der Anstalt und den Vertheilungsmodus rc. noch näher berichten

Gießen, 2. December. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzuna am Donnerstag den 4. December 1879, Nachmittags 4 Uhr, im alten Ncalschnl» gebaude:

1. Gesuch des Balthasar Schmidt IL um käufliche Überlassung städtischen Geländes. 2. Gesuch des Levi Löwenstein um Erlaubntß zur Anlegung einer Bude auf dem Vieh- Marktplatz.

3. Pflasterung auf dem Ticfenwcg.

4. KostewDecreturen.

5. Die Hebungen des Turnvereins betr

6. Die Freitreppe vor dem Anatomiegebäude betr.

7. Straßenanlagen zwischen dem Neuenweger Thor und dem Wallthor.

8. Straßenanlagen tn den Schießgärten.

Außer den bei unserer Expedition eingcgangenen Geldern für die Suppen­anstalt sowie denjenigen, welche Herr H. Döring in Empfang zu nehmen die Freund­lichkeit hatte sind bis jetzt über 900 Mk. sowie diverse Naturalien der Suppenanstalt zur Verfügung gestellt worden. Ein hübsche Anfang und vivat segnens.

Vermischtes.

Nieder-Wöllstadt, 30. Noo. Heute Nachmittag rannte im hiesigen Bahnhof der 1 Uhr-Zug von Friedberg wider den rangirenden Güterzug, der von Frankfurt kam. Das Unglück wäre noch zu vermeiden gewesen, wenn nicht ein dichter Nebel jeden Ausguck verhindert hätte. Menschenleben sind, Gott sei Dank, nicht zu beklagen dagegen sind 2 Kohlenwagen zertrümmert und der Postwagen stark beschädigt

Stuttgart, 26. November: Die vielbesprochene Steuer-Affaire, welche gegen die Erben F. W. Hockländer s anhängig war, ist jetzt endlich definitiv uno in höchster Instanz durch einen Act der Gnace, von König Karl geübt, entschieden worden. Hiernach sind ?/3 der ursprüng­lich bestimmten Steuerstrafe nachgelassen worden und der ganze Strafoetrag dürfte sich sctzt aus ungefähr 45,000 JL belaufen. 1 P '

Lieutenant Payer, der berühmte österreichische Polarforscher, ist gestorben.

Erklärung.

Die Unterzeichneten haben am vorigen Samstag einen Aufruf zur Gründung einer Suppenanstalt erlassen und sich zur Entgegennahme von Beiträgen bereit erklärt. Wir glaubten zu einem solchen Vorgehen verpflichtet zu sein, weil wir schon'seit einiger Zett die Errichtung einer Geiellen Herberge und einer damit zu verbindenden Suppenanstalt in's Auge gefaßt uno schon einige dahin zielende Vorbereitungen getroffen hatten, demnach also im Stande waren, bei dem plötzlich eintretenden Nothstand eine ziemlich fertige Organisation von persönlichen Kräften und sachlichen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen. Nun ist aber zu derselben Zeit die Sache von anderer Seite angeregt und es sind sehr weite Kreise dafür interessirt worben. Unter diesen Umständen erschien es uns zweckmäßig und gut, daß wir im Interesse einer einheitlichen Leitung und eines dadurch verbürgten größeren Erfolges die Betreibung der Angelegenheit dem speeiell zur Gründung einer Suppenanstalt gebildeten Comite überließen und demselben unsere persön­lichen Kräfte und die von uns gesammelten Beiträge zu Gebote stellten. Jnd em wir hoffen, daß wir damit im Sinne der freundlichen Geber, welche un8 Beiträge anvertraut, gehandelt haben, sprechen wir denselben für die rasche Unterstützung unseren verbindlichsten Dank aus.

Stamm, Gymnasiallehrer. Schlaffer. Pfarrer. G. Wortmann. H. Döring, Kreisamtsgehülfe. Dr. Thaer, Professor. I. Noll- Dr. Baur. Bigelius. Schulmspector. Eugen Kaufmann. Dr. Harnack- Balth Lenz

Berichtigung.

In Nr. 281 dieses Blattes befindet sich einEingesandt" des Herrn Carl Retter, die Herbergen betreffend, welches mich zu einer kurzen Erklärung nötbigt. Ich habe allerdings bei einer Visitation der Herberge des Herrn Retter mich dahin ausgesprochen, baß ich seine Bemühungen, frische Luft in die Stuben und Kämmerchen zu lassen, und die verhältnißmäßige Reinlichkeit der Betten anerkenne. Daß ich jedoch damit die ganze Einrichtung gelobt, muß ich entschieden widersprechen, ich habe vielmehr das Unzweckmäßige und Ungenügende der Räum­lichkeiten der betreffenden Behörde mttgetheilt, von deren Anordnungen ich die geeignete Abhilfe erwarten darf.

Gießen, den 1 December 1879.

Dr. Glaser, Kreisarzt.

Handel und Verkehr.

Gießen, 2. December. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. JL 1,10 bis JL 120, Hühnereier per Stück 8 Käse per Stück 58 H, Käsematte per Stück 3 5), Erbsen 1 Liter 20 H, Linsen 1 Liter 22 H, Tauben das Paar 6000 H, Hühner per Stück ott 0.6085, Hahnen per Stück JL 0.55-90, Enten per Stück JC 1.30, Gänse pr. Pfund 4050 Kartoffeln per 100Kilo Jt 5.506.00 Weißkraut, 100 St. JL 4-6, Zwiebeln pr. Ctr. v* 89, Milch per Liter 16 und 18 Ocksrnfieisch 68 H per Pfd., Kuh. und Rindfleisch 50 56 H, Kalbfleisch 50 54 A, Hammelfleisch 50 60 Schweinefleisch 60 Ä, Truthähnen per Stück 6 - 7

Frankfurt, 1. Decbr. (Fruchtbericht.) Mehl Nr. 1 43, Nr. 2 JL 41, Nr. 3 35, Nr. 4 jl 31, Nr 5 JL 25, Roggenmehl % i Berliner Marke) JL 26.50, do. I (Berliner Marke) JL 24.5025., do. II (Berliner Marke) JC 19.5020 50. Weizen effektiv hiesiger ab Bahnhof hier Jt 23.50, ab unserer Umgegend 22.50 22.75, do fremder je nach Qualität JL 2.324.00, Roggen, je nach Qualität JL 18.0019.50 Gerste Ji. 16.50- 20, Hafer JL 1315.25, Koblsamen JL 2627.50, Erbsen JL 1927, Wicken JC. 1617, Linsen J{ 20-40, Bohnen, weiße, JL 2325, Roggenkleie JL, Weizenkleie, grobe und feine JL, Ruböl, detail, JL 64. Stimmnng ruhig. Haupt­sächlich gefragt war:. Dringend offerirt:. (Die Preise verstehen sich sämmtltch per

200 Pfund Zvllgewicht 100 Kilo )

Frankfurt, 1. December. Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Angetrieben waren ca. 300 Ochsen und Stiere, 240 Kühe und Rinder, 200 Kälber und 700 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. JL 6870, 2. Qual. JL 6265, Kühe und Rinder 1. Qual. «*L. 5660, 2. Qual. JL 40 45, Kälber 1. Qual. JL 5658, 2. Qual. 4852, Hämmel 1. Qual. JL 5456, 2. Qual. 38-40 per 100 Pfd. Schlacht-

Für die Suppenanstalt gingen bet dem Unterzeichneten weiter ein:

Don Herrn Geheimen Hofgerichtßrath Wortmann 10 Jt, von N. N. 20 JL., von drei Frl. v. R. 8 JL, von Herrn Lehrer F 6 JL, von Herrn N. N. 10 JL, von Arnold Müller 10 JL, von Hern Julius Bapst 5 JL Zusammen 69 JC______________H. Döring.

V Aus der heutigen Annonce, betreffend die Broschüre ,Gin Wort an alle Hausfrauen^, ist zu ersehen, daß dies Buch außerordentlich lebhaft begehrt wird, und möchten wir den geehrten Leserinnen, welche sich dafür interessiren und noch nicht bestellt haben, empfehlen, dies je eher je besser zu thun, da die Firma Th- Hohen- leitner in Leipzig und Basel das Buch so lange der Vorrath reicht gratis (gegen Rückporto) versendet.