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sicher gehen wenigstens 45pCt. der Forderung ein: die anläßlich dieses Falles gemachten Erfahrungen sind für den Verein eine große Letzte gewesen.

Rudolf-Hersfeld berichtet über die schweren Verluste, welche dem Verein unter der früheren Leitung erwachsen sind. Theilweise fallen diese der Leitung zur Last, zum großen Theil freilich auch der Ungunst der Zeitverhältnisse, insbesondere der ein: getretenen Entwerthung von Grundeigenthum. Ein Unterschied zwischen Creditgesuchen von Aufsichtsräthen und anderer Mitglieder besteht nicht, auch feine Grenze über den zu bewilligenden Maximalcredit. In dem Fehlen einer diesbezüglichen Bestimmung, resp. in der ganz unverhältnißmäßigen Ausdehnung, in welcher Credite bewilligt wurden, liegt der Grund, weßhalb den Verein solche abnorme Verluste treffen konnten. Nach den Bestimmungen der Probe-Instruction wird in den letzten Jahren verfahren; Blancocredite sind ausgeschlossen; die jetzt noch im Gebrauch befindliche Beleihung der Stammantheile soll demnächst abgeschafft werden. Gewerbesteuer (JL 30) wird schon lange für das Discontiren von Wechseln an Nichtmitglieder bezahlt.

(Schluß folgt.)___________________________

Vermischtes.

Berlin. Der siebente deutsche Turntag tagte seit Sonnabend in unseren Mauern, diesmal unter dem Drucke des kleinen Belagerungszustandes, der auf die äußere Physiognomie der Versammlung jedoch keinen bemerkbaren Eindruck ausübte. Seit 1861 ist eS das erste Mal, daß die Abgeordneten der deutschen Turnverbände wieder in Berlin Zusammentreffen, um hier durch gemeinsame Berathung über Organikations- und praktische Turnfragen die innere Kräftigung der deutschen Turnerei immer weiter zu führen. Durch Beschluß der maßgebenden Corporation war bestimmt worden, daß auf je 1000 Mitglieder ein Abgeordneter entfallen solle, und da nach den neuesten statistischen Aufnahmen zur Zeit etwa 190 bis 200,000 deutsche Turner innerhalb der Vereine extstiren, so ist der deutsche Turnertag von ca. 200 Delegirren beschickt, Abgeordnete aus allen deutschen Gauen, ja über die engen Grenzen des deutschen Vaterlandes hinaus; allen diesen Abgeordneten ist zum größten Theil durch den Berliner Orts­ausschuß Quartier besorgt worden. Der Antrittscommers in den Reichshallen, mit welchem am Sonnabend Abenv der Turntag eröffnet ward, fand eine äußerst zahlreiche Bethciligung und nahm einen glänzenden Verlauf. Der schöne Saal war mit Fahnen, Emblemen und der Lüste Jahns geschmückt, und an den im Saale aufgestellten 14 langen Tafeln, sowie auf den Tri­bünen hatten sich etwa 1200 Turner zusammengefunden, die in ihren Drillichjacken nach Kräften vazu beitrugen, daß bas Bild, welches der Commers darbot, ein sehr lebendiges und wech;el- vollrs wurde. An dem Tische der Ehrengäste bemerkte man u. A. die Vertreter der deutschen Turnerschaft, Georgii (Eßlingen), Dr. Goetz (Lindenau), Waßmannsdorf (Heidelberg), Maul ^Karlsruhe). Der Commers begann mit dem gemeinsamen LiedDeutschland, Deutschland über Alles", woran sich der Quartetigesang des Mücke'schenGott grüße Dich", ausgeführt vom Sängerchor des Vereins Berliner Turnerschaft, schloß. Namens des Ortsausschusses begrüßte sodann Hr. K. Schmidt (Berlin, die Festtheilnehmer und rief allen ein herzlichesGut Heil!" zu. Fischer (Potsdam) knüpfte hieran einen Gruß Namens der Kreisvertretung bes Märki­schen Turnkreises, dann folgten wieder Gesangsvorträge bis der Turnwart Hr. Fleischmann (Berlin) das Wort zum Hoch auf Kaiser und Vaterland nahm: Die deutsche Turnerei ist ein Edelstein der deutschen Volkserziehung unv des deutschen Volkslebens; die Turnerschaft ist er­standen aus dem ureigensten Geist der Deutschheit: deutsch ihr Name, deutsch ihr Streben, deutsch ihr Meister. Von lebendigem deutschen Geiste erfüllt sind Alle, die Jahn's Jünger heißen, denn sie halten hoch den Geist der Mannhaftigkeit, Wahrheit, Treue uno Sittlichkeit. So lange man deutsche Turner kennt, so lange wird es ihr Stolz sein, als treue Söhne des Vaterlandes zu gelten, denn dem Vaterlande gilt ihr Streben, und so oft dasselbe rief, haben sie sich als seine braven Söhne erwiesen u. s. f. Lange (Bibrach) feierte die treue Kamerad­schaft. Dr. Georgii (Eßlingen), Vorsteher der deutschen Turnerschaft, wünschte ein fortgesetztes Wachsen, Blühen und Gedeihen der Turnsache. Lehmann (Dresden- rief der Berliner Turner­schaft einGut Heil!" zu, Waßmannsdorf toastete auf das Fortschreiten des Turnwesens gerade in der Reichshauptstadt, Maul (Karlsruhe) ließ Berlin Hoch leben, ebenso Dr. Goetz (Lindenau), der in ergötzlicher Weise die Schwierigkeiten der Paßerlangung zur Reise in die Metropole schilderte und versicherte, daß die Auswärtigen nicht blos den Zoll für Petroleum und Tabak, sondern auch den Zoll der Dankbarkeit nach Berlin bringen. Das fröhliche Beisammensein dauerte noch lange nach Schluß des officiellen Programms fort und es war schon lichter Mor­gen, als die letzten Weißjacken die Stätte bes Commerses verließen.

Am Sonntag Vormittag nahmen im Saale des Architektenhauses unter Vorsitz des Dr. Georgii (Eßlingen) die geschäftlichen Verhandlungen ihren Anfang. Die Stadt Berlin war dabei durch die Herren Stadtrath Romstädt und St.-V. Gerth und Gericke vertreten, von denen Stabtrath Romstädt die Turner Namens der Stadt begrüßte. Derselbe gab zugleich dem Bedauern des Oberbürgermeisters v. Forckenbeck Ausdruck, der am persönlichen Erscheinen verhindert sei, aber den Verhanvlungen mit großem Interesse folge und, soweit an ihm sei, die turnerischen Bestrebungen in jeder Beziehung fördern wolle Der Turntag sei gerade jetzt nach zwei Richtungen hin bedeutungsvoll. Einerseits sei derselbe in einer Zeit, wo man gewöhnt ist, nur noch Versammlungen zu begegnen, die eigene Jntereffen, unbekümmert um bas Gc- sammtwohl, vertreten, gleichsam eine Oase in der Wüste, denn alle Theilnehmer seien nach Berlin gekommen, um selbstlos sich den Arbeiten für das allgemeine Volkswohl hinzugeben. Die zweite Bedeutung liege darin, baß der Turntag zusammentrete zu einer Zeit, wo wieder von gewisser Seite und ganz im Stillen die Turnerei verdächtigt zu werden beginne. Die gegen­wärtigen Verhandlungen werden beweisen, daß die Turnerei in keiner Weise diesen Verbachr verdient, daß sie getragen wird von dem Gefühl hoher Sittlichkeit und daß man ebenso wenig wie die Sittlichkeit auch die Tumerei nicht werde zu Grabe tragen können. In diesem Sinne

rufe er den Turnern Namens der Stadt Berlin zu ihrem Bestreben, Den guten Kern des deut­schen Volkes, deutsche Sitte und deutsche Zucht zu wecken und zu erhalten ein kräftigesGut Heu " zu. Dreimal klang dasGut Heil!" und die Versammlung drückte ihren Dank durch Erheben von den Sitzen aus. Die Verhandlungen selbst betreffen ausschließließlich innere und Organisationsfragen und bieten für das große Publikum kein Jntereffe dar. Aus dem Jahresbericht des Hm. Dr. Goetz heben wir hervor, daß z Z 2030 Turnvereine exiftiren, von ;eJletLl830 KU'" deutschen Turnverbande gehören. Die Zahl der Vereinsmitglieder beträgt 165,000, darunter ><7,500 praktische Turner. Die Turnerkaffe zeigt einen Kassenbestand von

Das nächstjährige allgemeine deutsche Turnfest ist in Frankfurt a. M. projectirk. Der Bericht versickert schlteßlick, daß die deutsche Turncrschaft gegenüber der schwarzen und rothen Agitation feststehcn werde in der Liebe zum Vaterlande.

Das Schauturnen, welches am Sonntag Abend in der städtischen Turnhalle in der Prmzenstraße stattfand, gewährte ein schönes Bild exakter turnerischer Leistungen und gab der Entwickelung der Berliner Turnerei ein gutes Zeugniß. Die Logen und Tribünen der mit Fahnen becortrten Halle waren von den Delegirten und sonstigen Zuschauern dicht besetzt- in einer der Logen bemerkte man den Geh. Ober-Reg.-Rath Wätzold vom Culiusministerium und den Stadtrath Romstädt als Vertreter des Berliner Magistrats. Nach dem Einmarsck der stattlichen Schaar der Turner und dem Gesänge des LiedesTurner, auf zum Streite", hielt der städtische Turnwart Dr. Ed. Angerstein eine kurze begrüßende Ansprache, in welcher er in gedrängten Zügen einen Abriß von der Entwickelungsgeschichte dcS deutschen Tumerwesens gab und nochmals betonte, daß die Traditionen des alten Jahnschcn Turnens noch nicht erloschen fcten- "Wir wollen arbeiten für des Vaterlandes Heil und Ehre und wenn es sein muß, auch zur Wehre! An dem Schauturnen selbst beteiligten sich die Berliner Turnerschaft, die Berliner Turngememde und der Turnrath mit 20 Vereinen. Die vom Turnlehrer Leuenberq kommaiü>irten Freiübungen wurden von 450 Turnern ausgeführt und machten einen brillanten Eindruck. An dem folgenden Turnen der Musterriegen beteiligten sich ca. 70 Turner. Vielen Beifall fand auch das von 64 Turnern der Berliner Turnerschaft ausgeführte Marsch-Reigen zu dem LiedeDie Wacht am Rhein". Mit dem LiedeLieder stimmt an" schloß das Sckau- turnen, über welches nur Eine Stimme der Anerkennung herrschte.

Am Montag früh hatten die Turner Gelegenheit, auf dem Hofe der Haupt-Feuerwache der Lindenstraße die Leistungsfähigkeic unserer B.'rlmer Ftuerwehr kennen uno be­wundern zu lernen. Nachher folgten mehrere Stunden der Arbeit zur Fortsetzung der Ver- handütngen, welche an diesem Tage im Bürgersaale des Rathhauses stattfanden, und als Schluß bes Turntages war für den Nachmittag ein Festesten im Zoologischen Garten angesetzt.

x)a8 Festessen im Zoologischen Garten, welches am Montag Nachmittag zu Ehren des Deutichen Turnertags stattfand, war von 260 Personen besucht; dastelbe begann um 5V2 Uhr. Als Vertreter der königlichen Turnlehrer-Bildungsanstaltcn war beren Dirigent Professor Dr. Euler anwesend; von städtischen Behörden Der Ober-Turnwart Dr. Angerstein. Den Vorsitz beim Festdmer führte Dr. Krampe, Vorsitzender des Berliner Turnraths. Den Neigen der Reben eröffnete Rechtsanwalt Georgii-Eßlingen, Vorsitzender des Ausschustes der deutschen Turnerschaft, mit einem Toaste auf Kaiser und Reich. Der Redner betonte in herzlicher Weste Die Liebe der Turner zum Vaterlande und zu dem Einiger desselben, Kaiser Wilhelm, auf den man nicht nur in seinem engeren Vaterlande, sondern vorzugsweise auch im Süden stolz sei. Dem Kaiser und dem Vaterlande, dem stark und geeint dastehenden Reiche gelte sein Toast. Alle erhoben sich und stimmten unter Musikbegleitung dreimal anDem Kaiser Gut Heil! Nun toastete der Vorsitzende der Versammlung, Dr. Krampe, auf Den Ausschuß der deutschen Turnerschaft, als diejenigen Männer, denen das Wohl und We >c Der Turnerei am Herzen liege; Dr. Wöthke-Thorn gedachte in schönen Worten Der Bürger Berlins und besonders ihrer Turner, welche in so hübscher Art die Arrangements zu Dem Feste getroffen; Kögler-Dresoen ließ den Magistrat und die Stadtverordneten Berlins leben; Dr. Waßmanns­dorf-Heidelberg erinnerte an sein Zusammenleben mit den Gründern und Förderern der Turnerei Jahn, Lübeck, Friesen, Maßmann und den alten Marggraf, welcher sich in seltener Frische unter der Festgesellschaft befand und den Ehrensitz neben Georgii eingenommen hatte; ihm, als Dem einzig noch Lebenden der alten Schule, galt dasGut Heil!" des Redners. Dr. Götz-Lindenau brachte sein Hoch Der deutschen Turnerei. Sodann erhob sich Der Senior Der deutschen Turner, Marggraf, dankte für das ihm dargebrachte Hoch und gab Dann noch einige Mittheilungen aus fernem Leben mit Jahn, die er noch jüngst aufgezeichnet und Die er dem Professor Euler zur Veröffentlichung übergeben habe. Der würdige Greis war schließlich so bewegt, daß er es sich versagen mußte, noch weiter zu reden und mit nochmaligem Danke für die ihm zu Theil ge­wordene Ehre schloß. Es folgten dann noch mehrere Toaste, bis um 81/4 Uhr das Diner zu Ende war, worauf Alle den Saal verließen und sich zur Einnahme des Kaffees vor das Restaurations-Gebäude am Teiche begaben. Hier wurde noch manche alte Ev'sove aus Dem Turnerleben aufgefrischt, bis gegen 10 Uhr die letzten Festgenoffen aufbracken, um heute Vor­mittag 8 Uhr nach Potsdam zu fahren, und dort in der Umgegend unter Führung des Vereins- Vertreters Fischer-Potsdam die Sehenswürdigkeiten in Augenschein zu nehmen. Mit diesem Ausfluge sind die Freuden und Mühen der Abgeordneten zum 7 deutschen Turntage beendet; dieselben werden Berlin nicht verlassen, ohne ihm ein gutes Andenken zu bewahren, wie dies auch mehrfach in Dankesworten ausgesprochen worden ist.

SchifFsberieht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Llovd «. Dietz in Gießen.

Southampton, 29. Juli. Der Postdampfer Main, Captitän I. Barre, vom Nord­deutschen Lloyd in Bremen, welcher am 19. Juli von Newyork abgegangen war, ist heute 9 Uhr Morgen) wohlbehalten hier angekommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Post und Ladung 11 Uhr Vormittags die Reise nach Bremen fortgesetzt Der Main überbringt 180 Passagiere und volle Ladung.

Allgemeiner Anzeiger.

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