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1870.
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A»?eige- und AmtsNatt flr htn Kreis Gießen.
Re-chetiorrSbttrekM r 1
Expedttion-bureau r /
Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mft Ausnahme des Montag-
Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mari 50 Pß»
Amtlicher Iheil.
Gießen, am 28. August 1879.
Betreffend: Den Ausschlag der Kreisumlagen für 1879.
Das Großherzoglichc Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Nach einer Anzeige des Rechners der Kreiskaße sind noch viele Gemeinden mit Bezahlung der Kreisumlagen für 1879 im Rückstände. Sie wollen daher, soweit es noch nicht geschehen ist, die Rechner anwetsen, die betreffenden Beträge alsbald an die Kretskaffe (Rechner Grüneberg dahier) zu bezahlen.
I. V. d. K.: Nover, Kreis affeffor.
Gießen, am 28. August 1879.
Das Großherzoglichc Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien nnd Localpolizeibeamten des Kreises.
Da mit dem 1. October l. I. Ihre Stellung als Localpolizeibeamte eine ganz andere wird, als setthed, empfehlen wir Ihnen als Anleitung für Ihr künftiges Verhalten das Merkchen: „Die Thätigkeit der Polizei in Straffachen" von Haller, welches Buch bei Arnold Berg st räßer in Darmstadt erschienen und in jeder Buchhandlung im Preise von nur 60 Pfennig zu haben ist.
I. V. d. K.:
________________________________________Nover, Kreisaffeffor.__
Gießen, am 30. August 1879.
Betreffend: Die Feier des Geburtstages Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs.
Die Großherzoglichc Krcis-Schlll-Commission Gießen
) ■> an die Schulvorstände des Kreises.
In den ersten Tagen wird Ihnen das in rubricirtem Betreff erlaßene Ministertalausschreiben vom 22. d. zur Kenntntßnahme nnd Nachachtung zugehen Ein :mplar ist für den Schulvorstand bestimmt und jedem Lehrer ein Exemplar zuzustellen.
I. V.:
Dr. Hoffmann, Regierungsrath.
Kolilisch
ZUM Sedantage 1879.
Keine Kriegsbotschaft ist begeisterter ausgenommen worden in Deutschland als die Nachricht von dem Falle Sedans und der Gefangennahme Napoleons HI. Das Volksurtheil bezeichnete sofort von da an das Schicksal Frankreichs als entschieden. Das Fest von Sedan hat eine Art natürlichen Ursprung und deshalb läßt es sich sein Existenzrecht nicht verkümmern, so sehr auch gerade die Wahl des 2. Septembers zu einem nationalen Festtage angefochten worden ist. Das Volk hat ihn einmal in den verschiedensten Gegenden gefeiert und nach und nach ist die Feier osficiell geworden. Das Fest war um so freudiger, je frischer die Erinnerung an die großen Thaten der Armee und an die Gründung des Reiches, je einmüthiger die Arbeiten aller politischen Parteien waren, das Reich aus eigene Füße zu stellen, je munterer der Milliardensegen herabregnete und je höher Deutschlands wirthschaftlicher Aufschwung stieg. Wenn wir freilich heute um uns schauen und so manche Er- lebniffe Revue passiren laffen, welche uns nicht zur Ehre gereichen, wenn wir endlich den verblendeten Kampf der Parteien und dabei mancherlei Noth im Lande sehen, da tritt wohl die Frage an uns heran, ob wir nicht am besten thäten, gar keine Feste zu feiern.
Untröstlich ist's noch allerwärts! Und dennoch sollten wir zufriedener sein, als wir stnd I Mag auch eine kleine rückläufige Bewegung den Entwickelungsdrang, der etwas zu stark fich äußerte, hemmen, wir brauchen wahrlich nicht zu verzagen und können uns ruhig eines nationalen Festes freuen. Es gtebt in vielen großen Fragen, besonders in der wirtschaftlichen Entwickelung eines großen und neugeschaffenen Organismus wie Deutschland, keine Unfehlbarkeit. Möchte es daher mehr unser Streben, wie Zweck der Zukunft sein, nicht die Erbitterung, welche an stch unfruchtbar für das Volkswohl ist, zu schüren, sondern die streitenden Parteien zu versöhnen und sie wieder der Förderung gemeinsamer Culturaufgaben zuzuführen. Auch Fürst Bismarck, so sehr er jetzt verketzert wird, ist nicht der Mann, der aus der Verwirrung des Volkes Nutzen ziehen will oder etwa einen dauernden Ersolg zu erringen glaubt, wenn er an die Unwiffenheit und die Leidenschaften appellirt. Viele Anzeichen, besonders bedeutende Erschütterungen in der auswärtigen Politik, deuten darauf hin, daß er große Zwecke verfolgte, wenn er Deutschland wirth- schaftltch unabhängig und aus sich selbst gestützt hinstellen und die Versöhnung mit Millionen von Katholiken beschleunigen wollte. In allen diesen Dingen ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Sicherlich aber hat Fürst Bismarck sein eigenes Wort von 1866 noch nicht vergessen: „Wir haben nur einen zuverlässigen Alliirten, — das ist die deutsche Nation!"
Das wirre Treiben, welches wir jetzt in vielen Gegenden erblicken, wo gesprengte Parteien mit Mühe zu neuen Gruppen fich zu einigen suchen, kann nicht andauern; — es muß in Kürze wieder ein klärender Gedanke sich Bahn brechen, welcher der Nation den richtigen Weg weist. In diesem Gedanken müßen Regierung und Volk wieder Berührungspunkte und wiederVerßändniß und Liebe für gemeinsame, politische Arbeit finden.
er Theil.
Darum begrüßen wir den Sedantag diesmal wie eine Mahnung, ein anderes Wort auf Deutschlands Fahnen zu schreiben, als inneren Kampf und Zwietracht der Parteien. Der Tag der hehren Erinnerung an die patriotische Erhebung des Volkes, an die Siegeszüge der Armee und an die Geburt deS Kaiserreichs mahnt uns gebieterisch zum inneren Frieden und zur Einigung, und aus den Gräbern ruft die Stimme der theuren Todten, uns ihrer Opfer werth zu zeigen. Warum zagen und klagen wir? Ist es Jahrhunderten nicht gelungen, Deutschland zu ruiniren, so wird es auch den Streit seiner Parteien überstehen. Noch sehen wir das deutsche Reich einig in seiner Liebe zu einem milden und gerechten Kaiser, noch kann es stolz sein auf seine Stimme im Weltconcert und auf seine Staatsmänner, noch ist das Volk einig in ehrlicher Arbeit, in Sitte und Gesetz, in Kunst und Wissenschaft, noch ist es einig in dem Ruse: „Deutschland, Deutschland über Alles I" So möge es denn der Tag von Sedan auch an seine Einigkeit im Innern mahnen, an den gemeinsamen Weg aller Guten und Mäßigen, deren einiges Kämpfen ein Sedan erzielen möge, bei welchem Revolution und Reaction vernichtet werden.
Deutschland.
Berlin, 29. August. Die „Post" bringt heute den von Aegidi, Be- thusy-Huc, Franckenberg, Kardorff, Kräh, Stengel, Thilo und Zedlitz unterzeichneten Wahlaufruf der Freiconservativen. Im Eingänge wird erklärt, die freiconservative Partei glaube von der Ausstellung eines eigentlichen Partei- Programms umsomehr absehen zu dürfen, als sie in der Vergangenheit die Grundsätze genugsam bestätigt zu haben glaube, die ihr auch künftig zur Richtschnur dienen würden. Bezüglich des Culturkampfes heißt es in dem Aufrufe: Die Partei beklagt tief den noch immer fortdauernden Zwiespalt innerhalb der Bevölkerung, welcher einen großen Theil unserer Mitbürger bisher von einem gedeihlichen Zusammenwirken mit der Mehrheit derselben vielfach fern- hielt. Aber wie sie ihrerseits den gegenwärtigen Kampf niemals als religiösen oder consesstonellen, sondern immer als vorwiegend politischen auffaßte, so glaubt sie, daß eine feste Grundlage für die Wiederherstellung dauernder Eintracht nur gewonnen werden kann durch eine tatsächlich gleichmäßige Unter» ordnuna aller Staatsbürger und Parteien unter die Gesetze des Landes.
Berlin, 30. August. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Behauptung italienischer Blätter, daß sich der italienische Ministerpräsident Cairoli durch den deutschen Botschafter in Rom, v. Keudell, eine Zusammenkunft mit dem Fürsten Bismarck erbeten, Letzterer aber abgelehnt habe, ist nach zuverlässiger Auskunft vollständig aus der Luft gegriffen. Von keiner Seite ist der Versuch eines Gedankenaustausches über eine Zusammenkunft gemacht worden.
— Die „Nordd. Allg. Ztg.", indem ste darauf hinweist, daß die bei irgend welcher amtlichen Veranlaffung von dem gegenwärtigen Cultusminister gesprochenen Worte von einem Theil der Preße in einer Weise commenitrt wurden, welche weniger das Bestreben objectiver Berichterstattung als die Absicht erkennen laße, die Amtsführung deS Minister- gleich im Beginne in der


