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zur Bestreitung der Verwaltungökosten. Die staatliche Oberaufsicht steht dem preußischen Minister des Innern zu. Die Organe der Anstalt sind: Direk­tion und Ausstchtsrath. Die Direktion besteht aus einem vom Aufachtsrarh gewählten Director ; doch ist demselben vorbehalten, n-ch zwei oder drei Direc- toren, zunächst einen Subdirector zu ernennen. Der Aussichtsrath besteht aus einem Präsidenten und 10 Mitgliedern, von welchen Preußen zwei, die Regie­rungen von Bayern, Sachsen, Württemberg, Boden, Hesien, Mecklenburg, Schwerin, Sachsen-Weimar und Oldenburg je eines ernennt. Der Aufsichts­rath hat zu bestimmen, ob und wre die Ueberschüffe zu verwenden sind, zur Verstärkung des Garantiefonds, Erhöhung der Dividende oder zur Unter-- stützung vorzeitiger Invaliden. Jede Einlage zur Versicherung von Rente oder Capital beträgt 5 Mk. und die Höhe der begründeten Versicherung hängt ab von dem Lebensalter bei der Einzahlung oder dem Zeitpunkt der Fälligkeit. Der höchste Betrag der Versicherung für eine Person sind 1000 Mk. Rente oder das entsprechende Capital. Jede Einlage kann mit sechSmonatltcher Frist gekündigt werden und erfolgt die Rückgabe des eingezahlten Capitols mit 2 pCt. und Zinses-Zins. Auch können baare Darlehen bis zu neun Zehntel der Einlage und gegen Vr pCt. monatlicher Zinsen, aber nur auf 12 Monate bewilligt werden.

r Frankfurt a. M., 31. März. In einer Besprechung, welche gestern verschiedene ttglieder des AusschusieS mit der Centralstelle in Frankfurt über die Situation der Tabakssteuerfrage hielten, wurde beschloffen, eine Sitzung des im vorigen Jahre constiluirten Ausschuffes deutscher Handels- und Ge­werbekammern für die Tabaksfrage aus Sonntag den 6. Aprtl, Vormittags halb 10 Uhr, nach Cassel,Hotel du Nord", zu berufen. In dieser Sitzung soll über eine, sofort nach Bekanntwerden des authentischen Textes des Tabaks- fteuergesetz Entwurfes, einzuberufende allgemeine Versammlung der Handels- kammer-Delegirten und der Jntereffenten, sowie über die augenbltckltch werter nothwendigen Schritte berathen werden. Gegenüber den anderweit, von ein­zelnen Jntereffenten veranlaßten Conferenzen dürfte der in Aussicht genomme­nen allgemeinen Versammlung aus allen Productions- und Fabrikations-Be­zirken Deutschlands eine besonders hohe Bedeutung für die Lösung der zum endlichen Abschluß drängenden Tabaksfrage beizumeffen sein.

AranKreich.

Paris, 30. März. Bet dem heute Vormittag ftattgehabten Empfang der Delegirten der landwirthschaftlichen Gesellschaften Frankreichs versicherte der Präsident der Republik, es würde kein Handelsvertrag abgeschloffen wer­den, bevor die Kammern ihre Entscheidungen getroffen hätten.

England.

London. Die nach dem Tode Schir Ali's in üppiger Fülle auftau- ckenden Gerüchte über bevorstehende Verhandlungen mit Jakub Khan haben sich bisher ntcht bestätigt. Es scheint im Gegentheil, nach den letzten Mit- theilungen des Vicekönigs von Indien zu urthetlen, als ob Jakub Khan zur Abwehr eines vorausgesetzten Vormarsches der Engländer Truppen von Kabul aus nach Butkak, Kurd Kabul und Tezin vorschöbe. Angesichts dieser That- sachen scheinen die Engländer entschloffen zu fein, beim ersten Schmelzen des Schnees, was nicht lange mehr dauern kann, von Jellalabad und Peiwar her gegen Kabul vorzubrechen. Ob sie damit eine thalsächliche Einnahme der afghanischen Hauptstadt bezwecken, oder ob sie Jakub Khan blos zu Unter­handlungen nöthigen wollen, möge freilich dahingestellt bleiben. Durch ihre lange Unthätigkeit in Jellalabad, Peiwar und Kandahar haben die Engländer an Ansehen in jenen Gegenden ntcht wenig verloren. Der Emir fand Zeit und Gelegenheit, seine Streitkräfte zu reorganistren, die Bewohner von Kabul erholten sich von ihrer ersten Besorgntß und die ungebändigten kleinen Raub­stämme verübten tm Rücken der Engländer straflos allerlei Unthaten. Beson­ders unangenehm bat aber der Rückzug des Generals Roberts aus dem Khost- thal berührt, und so ist es wohl an der Zett, die Angriffsbewegungen wieder aufzunehmen.

London, 30. März. Laut Meldung aus der Capstadt vom 11. d. batte die FregatteSchah" am 5. d. in Natal die ersten Verstärkungen aus- geschlfft- Das TransportschiffTamar" kam am 10. d. in Natal mit dem 57. Regiment an, welches zunächst versuchen soll, die Garnison von Ekowe zu entsetzen. Das Transvaal-Land ist ruhig.

Italien.

Neapel, 30. März. Als heute Paffanante das königliche Decret, betr. die Umwandlung der Todesstrafe, vorgelesen war, äußerte derselbe: Das Herz, welches in der Brust der Mitglieder des Hauses Savoyen schlägt, konnte ntcht anders handeln.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. «orrespondenz-Bureau.

Berlin, 31. März. Am Mittwoch wird sich der Bundesrath mit der Zolltactsvorlage beschäftigen und zunächst über die geschäftliche Behandlung derselben beschließen; in die materielle Berathung wird am Mittwoch noch nicht eingetreten. Die Meinung der Vertreter der Mittelstaaten im Bundesrath schließt sich wesentlich den Anschauungen des Reichskanzlers übtr möglichst schnelle Behandlung an und geht dahin, daß noch vor Ostern die Vorlage für den Reichstag fertiggestellt werde. In der Sitzung am Mittwoch wild jeden- falls die schleunigste Form für Feststellung der Vorlage festgesetzt werden. Die Plenarberathung derselben im Bundesrathe wird von einer großen Anzahl der Bundesraths-Vertreter für zweckentsprechend erachtet nachdem bereits zwischen der Reichsregierung und den Einzelregierungen ein Meinungsaustausch über die Vorlage stattgefunden hat. Die Hansaftädte halten, wie bekannt, an ihrem Standpunkt fest. Am Mittwoch gelangt auch die Vorlage betreffs Regelung des Gütertarifwesens zur Abstimmung und hat der württembergische Antrag, die vom Reichskanzler gewünschte Commission aus Bundesrathsmitgliedern und Sachverständigen zusammenzusetzen, die Zustimmung des Reichskanzlers gefunden und dürfte wohl angenommen werden.

Berlin, 31. März. Dor dem Eintreten in die Tagesordnung theilt Präsident v. Forckenbeck mit, daß Ihre Majestäten der Kaiser und. die Kaiserin sowie der Kronprinz das Präsidium empfangen, die Beileidsbezeugungen desselben anläßlich des Todes des Prinzen Waldemar entgcgengenommen und ihren Dank dafür ausgesprochen haben. Das Haus beginnt die Berathung der Anträge der Abgeordneten Rcichenspcrger (Olpe) und v. Kleist- Retzow, betreffend Maßregeln gegen den Wucher. Reichensperger (Olpe) begründet seinen Antrag, indem er sich auf das Unheil nationalökonomischer Autoritäten und das Beispiel des Auslandes beruft. Hierauf begründet Kleist-Retzow seinen Antrag tm Gegensätze zu den Vor­

schlägen Reichensperger's, wobei er insbesot^M die Beschränkung der Wechselfähigkeit, sowie die gesetzliche Fntrung des Zinsfußes bekä^M Freund polemisirt gegen die Ausführungen Reichensperger s und Kleist Retzow's und^^Wbt sich ,m Namen der Fortschrittspartei für Ver­wesung der Anträge an eine Fürst Hobenlobe-Langenburg u. Gen. stellen den

Antrag, beide Anträge einer besonderen WMnission von 21 Mitgliedern zur weiteren Prüfung zu überweisen. Dreyer kritisirt die AntA^e namentlich vom juristischen Gesichtspunkte aus. v. Schorlemcr Alst sucht die Bedenken Kleist-Retzow's gegen die Beschränkung der Wechselfähigkeit zu entkräften. Staatssecretär Friedberg erklärt: Er erkenne den Nothstand an, glaube aber nicht, daß die Gesetzgebung gut tbun würde, die Lösung der Frage auf dem von Reichensperger vorgeschlagenen Wege zu unternehmen, insbesondere halte er die Beschränkung der Wechsel- fähigkcit nicht für angezeigt. Der Hauptübelstand liege in bet, wucherischen Ausbeutung der Roth; das sei der Punkt, wo der Hebel angesetzt werden müsse. Man werde dies können ohne bedenklichen Eingriff in das Civilrecht Redner empfiehlt Verweisung an die Commission und hofft, es werde gelingen, die Frage im Einverständniß von Regierung und Reichstag zu erledigen. Nach weiterer unerheblicher Debatte wird der Antrag Hohenlohe auf Verweisung an eine Commission von 21 Mitgliedern beinahe einstimmig angenommen. Nächste Sitzung Dienstag. 8 0

ftairo, 31. März. Das Gericht hat entschieden, daß die Hypothek, welche die Gläubiger der Regierung sich auf die für die Domanial-Anluh? verpfändeten Güter haben erteilen laffen, null und nichtig sei.

London, 1. Aprtl, früh. Unterhaus. Nach langer Discusston zieht Mure feinen Zus tzantra zurück. Darauf wird Dilke's Tadelsvotum mit 306 gegen 246 Stimmen verworfen, also mit einer Majorität von 60 Stimmen zu Gunsten der Negierung.

Petersburg, 31. März. DieAgence Ruffe" behandelt das Pro- ject der gemischten Occupat'on Ostrumeliens und schreibt diesbezüglich: Die gemischte Occupat'on ft be im Princip fest. Oesterreich, England, Rußland und die Türket sagten ihre Behelligung zu, ebenso Italien, welches indeffen einige Po-behalte machte. Die definitive Entschließung Frankreichs sei noch nicht bekannt. Deutschland werde sich an der Occupation nicht betheilig 'n. Ein Oberbefehlshaber des Occupa'ions-Corps solle nicht ernannt werden; jedes (Kontingent werde feinen Befehlshaber haben. D.ese Befehlshaber wür­den nach gemeinschaftlichen Jnstmctlonen in den resp. Distncten verfahren. Der Zweck der Occupation sei allein, feindliche Zusammenstöße zwischen Bul­garen und Türken zu verhindern, nach Analogie der früheren französischen Occupation Syriens.

Der deutsche Botschafter v. Schweinitz begiebt sich demnächst auf Urlaub.

Karlsruhe, 31. März. Prämienziehung der Badischen 35 fl.-Loose. Nr. 55362 gewinnt 40,000 fl., Nr. 114616 10,000 fl., Nr. 73919 und 232,769 j» 4000 fl., Nr. 137517 239026 257248 und 368665 je 2000 fl., Nr. 36420 57730 82178 92556 92573 92593 137538 172056 211777 304091 316872 und 336409 je 1000 fl.

Lokales.

Gießen, 1 April. Se. Kaiser!. Hobeit der Kronprinz mit hoher Familie trafen heute Morgen >*.10 von Cassel auf hiesigem Bahnhof ein. Nach eingenommenem Frühstück setzten Hochderselbe die Reise nach Wiesbaden über Frankfurt fort.

Auf dem Bahnhof passirte heute Morgen einem kronprinzlichen Diener ein etgenthüm- liches Malheur. Derselbe stieß, jedenfalls in Eile, mit dem Kopfe eine der dicken Spiegelscheiben am Salonwagen ein und verletzte sich ziemlich an demselben, wenigstens schien die heftige Blutung davon zu zeugen.

Am Samstag Abend geriethen in Alt-Buscck in einer Familie Mutter und Sohn in Wortwechsel, der damit endigte, daß der gerade mit Holzhauen beschäftigte Sohn der Mutter mehr­mals mit dem Beile auf den Kopf schlug und diese bewußtlos aus dem Hofe in das Haus getragen werden mußte. In der Nacht wurde der Kreisarzt gerufen und da er erklärte, vaß Der Schädelknochen durchgeschlagen und die Wunde lebensgefährlich sei, wurde eine gerichtliche Unter­suchung eingeleitet. Der Thäter, welcher sich versteckt batte, wurde gestern Morgen in seinem Versteck entdeckt und in's Gefängniß abgeltefert. Derselbe soll die That gar nicht leugnen.

Gicsicn, 1. April. Tagesordnung für die Stadtverordneten - Sitzung am Donnerstag den 3. April 1879, Nachmittags 4 Uhr r

1. Gesuch des Conrad Leib um Bauerlaubniß.

2. Desgleichen des Christian Wagner.

3. Gesuch des Buchhändlers Otto Roth um Erlaubniß zur Erbauung eines Neben­gebäudes.

4 Gesuch der Johannes Jsterlings Wittwe um Erlaubniß zur Vornahme von Bauvcränderungen

5. Gesuch des Balthaser Stohr um Erlaubniß zur Vornahme von Bauveränderungen.

6. Gesuch Der Christian Löber I. Wittwe um Erlaubniß zur Anlegung eines Hofthors. 7. Gesuch des Daniel Weller um Erlaubniß zur Herstellung einer Einfriedigung.

8. Die Errichtung von Grabdenkmälern.

9. Der Neubau eines Universitätsgebäudes

10. Die Erbauung eines neuen Justiz Gebäudes.

11. Gesuch des Ferdinand Kreiling um Erlaubniß zur Aufführung einer Mauer längs des Stadtgrabens an seinem Besitzthum in der Wetzsteingasse.

12. Pflasterung der Banquctte auf dem Seltersberg.

13. Die Straßen-Beleuchtung betr.

14. Anlagen in der Wieieck.

15. Die Holznaturalien-Rechnung vom Jahr 1*78.

16. Ausbesserung von Feldwegen im Neustädter Feld.

17. Verbesserung eines Feldwegs an der Rodheimer Chaussee.

18. Bedürfnisse für die Realschule.

19. Daß Realschulbudget für das erste Quartal 1879.

20. Gehaltsregulirung Der Volksschullehrer insbesondere auch der Lehrer an den Vor­schulen zur Realschule.

21. Die Theilung der fünften Classe der Stadtmädchenschule.

22. Gesuch des Kaufmanns Aron Katz um Erlaubniß zur Errichtung eines Freilagers für octroipflichttge Gegenstände.

Theater.

^Der Sonnwendhof'', Charaktergemälde in 5 Acten von Mosenthal, ist eines der besten Werke des allgemein bekannten und beliebten Dickters, das auf allen großen Bühnen noch heute auf dem Repertoir ist und ihm ebensoviel Ehre eintrug, wie seineDeborah" und seinePiatra" Es ist so wahr und treu aus dem Volksleben des HochgebirgS heraus­gegriffen, daß der Zuschauer sich ganz in diese Gebirgswelt versetzen und so zu sagen das Stück mit durchleben kann! - Die Charactere sind treu der Natur abgelauscht und bilden so im Verein mit einer schönen Sprache interessante und spannende Situationen und effectvollen Act­schlüssen ein Ganzes, das den Zuschauer unwillkürlich fesseln und packen muß! Herr Hantke und-Frl. Ackermann haben dieses Stück zu ihrem Benefiz gewählt und verdienen schon deß« halb Anerkennung, daß sie das Werk eines unserer besten Dichter zur Aufführung bringen! D s Stück kann für die hiesigen Bühnenverhältnisse in den Rollen gut besetzt werden, so daß voraussichtlich derSonnwendhof" eine gute Aufführung wird. Der NameMosen thal" aber dürfte bei der gebildeten Welt jedenfalls eine Anziehungskraft bilden!

Den Beneficianten aber, die auch durch Fleiß und Streben an hiesiger Bühne ihr Scherflein beitrugen, wünschen wir ein gut besetztes H«us! k>.

Handel und Verkehr.

Gießen, 1. April. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. 80 bis 85 Hühnereier, per Stück 5 , 2 Stück 9 H, Gänseeier, »er Stück 12 Enteneier,

per Stück 6 Käse, per Stück 410 Käsematte, per Stück 3 H, Erbsen, 1 Liter 18

Linsen, 1 Liter 22 Tauben, das Paar 90 Hübner, per Stück JL 1.60, Hahnen, per Stück JL 1 60, Enten, per Stück .X 2.40 Kartoffeln, per 100 Kilo JL 67., Zwiebeln, per Str. 1011 Ochsenfleisch 70 H per Pfd., Kuh- und Rindfleisch 5660 H, Schweinefleisch 58 60 Kalbfleisch 50 <4, Hammelfleisch 6070 H.