187»
Mx. 28.
9tetoction6tmr«iut l s*ulfttaje b. 18.
«kpkdittonSburcau, I ’______
Grstes Blatt. Sonntag, den 2. Februar
Gießen, am 1- Februar 1879.
Betreffend: Watfenbüchfengelder pro 1878.
Das Großhcrzogliche Krcisamt Gießen
an die Großherzoglicken Bürgermeistereien des Kreises.
Unter Hinweis auf unser Amtsblatt Nr. 3 vom 10. Februar 1877 eitnnern wir Sie an Einsendung der Watsenbüchsengelder und zwar durch eine Kosten nicht veranlassende Gelegenheit.
Dr. Boekmann.
Gießener Anzeiger
Amige- uni AMKtt für ta Kreis Gießen.
’ " "" " a Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. £ur$ bie bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Noritisch
Deutschland.
Darmstadt, 30. Januar. Das Großherzvgliche Regierungsblatt Ar. 2 enthält:
1. Allerhöchste Verordnung, die Aushebung des Univerfitätsgenchts an der Landes-Universität Gießen und die Rechtsverhältnisse der Studtrenden betr.
2. Vorschriften über das akademische Bürgerrecht und die Handhabung der akademischen Dtsciplin an der Landes-Universität Gießen.
Darmstadt, 30. Januar. Für Erweiterung des überfüllten Landeszuchthauses Martenschloß find von Glvßh. Regierung 60,000 Mk. angesordert worden. Der erste Ausschuß zweiter Kammer beantragt Verwtlltgung dieser Summe, unter der Voraussetzung, daß auch die Kosten für Herstellung der seitherigen Krankensäle zu Gefangenen-Localen aus der angesorderten Summe mitbestrttten werden. — Der erste Ausschuß erster Kammer ist ebenfalls für Bewilligung der angeforderten Summe.
Karlsruhe, 29. Jan. Die erste Kammer hat die Petition in Betreff einer E'.senbahn EppingewSteinssurtb-Helmstadt zum Anschluß an die Oden- Waldbahn der Regierung zu thunl'chster Berücksichtigung überwiesen. Der Staatsminister gab wenig Hoffnung aus eine baldige Aussührung der Bahn.
Meisten.
Brüffel, 30. Jan. Die Santtäts. Commission der Schelde verordnete eine Revision der Quarantäne für alle aus dem Schwarzen und dem Asow- schen Meere kommenden Schiffe.
er H h e i ü
lich auf seinem Schloß im Departement Lotret refidiren. Grevy wird sich demnächst tm Elys^e installtren.
Wien, 31. Januar. Abgeordnetenhaus. Anknüpfend an die Antwort des Ministerpräsidenten auf die kürzliche Interpellation wegen der Pestgefahr erklären mehrere Mitglieder strenge Maßregeln für nothwendig. Ministerpräft- dent Auersperg legt dar, daß alle Maßregeln zur Sicherheit getroffen seien. Mit Ungarn, Deutschland, Italien und Rumänien sei ein Einvernehmen angebahnt und verschiedene Maßregeln bereits gemeinschaftlich beschloffen, wie z. B. die sosoritge Entsendung von Aerzten. Auersperg warnt vor Sensations- und Allarm-Nachrtchten. (Lebhafter Beifall).
Paris, 31. Januar. Sämmtltche Zeitungen find einstimmig in Anerkennung der würdigen und correcten Haltung Mac Mahons während des gestrigen Tages. Das „Journal des Debates" äußert, die Republik sei durch eine furchtbare Krisis in eine gesicherte Lage übergegangen. Die „Republique sran^aise" erklärt: Es genügt zur Characterifirung der seit gestern vollendeten Thatfache das Eine Wort: Wir find in der Republik- Das Journal „Dixneuvieme Siecle" stellt die Wahl Gambetta's zum Präsidenten der Depu- tirtenkammer als gewiß hin.
Petersburg, 31. Januar. Offictelle Meldung des Gouverneurs von Astrachan vom 30. Jan. : In Wetltanka und den anderen Dörfern der Umgegend ist kein neuer Erkrankungsfall vorgekommen; in Selikrenn starben vom 27. bis 28. b. 4 Personen, während eine Person erkrankte. Alle mit Kranken und Gestorbenen in Berührung Gekommene werden isolirt, alle Wäschegegenstände verbrannt, an deren Stelle die Gesellschaft des rothen Kreuzes neue Wäsche und Kleider verabreicht.
Telegraphische Depeschen.
Wagrter'S telegr. «orrespondenr-Bureau.
, 31. Januar. Deputirtenkammer. Gambetta wird mit 314 von 405 abgegebenen Stimmen zum Präsidenten gewählt; 67 Wahlzettel sind unbeschrieben oder ungültig.
Senat. Ueber die Interpellation Fresneau (Legitimist) bezüglich der Wahlumtriebe von Beamten im Departement Morbihan wird, nachdem die Minister Marcere und Dusaure bezügliche Ausschlüffe gegeben haben, zur einfachen Tagesordnung übergegangen. — Senat und Kammer haben sich bis Donnerstag vertagt.
Heute Vormittag war der Ministerrath bei Grevy versammelt. Eine Botschaft Grevy's wird erst in nächster Woche erwartet. Gambetta wird nach der Botschaft das Präsidium der Kammer übernehmen.
Bukarest, 31. Januar. Die Deputirtenkammer bewilligte einstimmig einen Credtt von 450,000 Frcs. für die Kosten der gegen die Verbreitung der Pest zu treffenden Vorsichtsmaßregeln.
Karlsruhe, 31. Januar. Der „Bad. Landes-Ztg." zufolge besteht die Absicht, die oberrheinische Kirchenprovtnz folgendermaßen zu organistren: Straßburg und Metz werden von dem Metropolitanverband Bejanyon, resp. Rheims losgelöst. Straßburg wird zum Erzbisthum erhoben, Freiburg-Konstanz zum Bisthum gemacht und Rottenburg selbständig. Neu errichtet wird ein Bisthum Bruchsal-Worms, Trier wird Erzbisthum mit den Suffraganen Metz, Mainz, Fulda und Limburg. Der Jnstanzenzug für die genannten Bis- thümer geht künftig nach Köln und Straßburg.
Berlin, 31. Januar. Die im Auftrage der Regierung in nächster Woche unter Leitung des Prof. Hirsch abgehende Commission zur Untersuchung der Pest-Eptdemie wird in Breslau mit den von Oesterreich delegirten Aerzten zusammentreffen und von da aus ihren Weg über die galizische Grenze nach Rußland nehmen. Von hiesigen Aerzten ist der Stabsarzt Dr. Sommerbrodt zu dieser Mission delegtrt, ein anderer ärztlicher Delegirter wird von Halle erwartet. Russtscherseits scheint man ein baldiges Eintreffen von fremden ärzt- lichen Autoritäten sehr zu wünschen, um durch diese die bisherigen Uebertrei- bungen in den Nachrichten über die Ausbreitung der Epidemie conpatirt za sehen.
Paris, 31. Januar. Mac Mahon begibt sich nicht, wie zuvor gemeldet war, nach Graste, sondern wird roch einige Tage in Paris verweilen, nm den Uebergang der Gewalt auf Grevy zu erleichtern. Der Marschall hat bereits sein Hotel in der Rue Bellechafle bezogen und wird später wahrschein-
Lokales.
Gießen, 1- Februar. Als Illustration zum Futter-Mangel des Wildes möge Folgendes dienen: Sattlermeister G. aus G. erzählte in einer Wirthschast zu Bersdorf, daß dem Landbriefträger N. N. auf seiner Tour ein Reh zugelaufen sei, welches durch Mangel an Nahrung so zutraulich geworden sei, daß es der Briefträger mit seinem Brode gefüttert habe. Mögen die Gemeinden und Jagdbeftände in ihrem eigenen Interesse Erbarmen mit den armen Geschöpfen haben und dieselben eben mit Futter versorgen. — Auf dem hiesigen Markte wurden heute zwei Rehe mit Beschlag belegt, welche nicht geschossen waren. s
--Dor einiger Zeit machte ein Bürschchen von Großen-Buseck, welches hier on der Bahn arbeitet, auf der Polizei die Meldung: es sei mehrmals in der Nahe des Philosophenwaldes von einem Strolche angefallen worden und nur durch Hinzukommen von anderen Personen sei derselbe verscheucht worden und in den Wald gesprungen. Bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, daß die ganze Sache auf Schwindel beruht und wird sich der angeblich Ueberfallene hierüber zu verantworten haben.
--Gestern Abend wurde in der Neustadt eine solenne Prügelei in Scene geseüt.
--Ein betrunkener Jünger des hl. Crispinus verübte in der Sonnenstraße Nachts 12 Uhr einen Heidenlärm, weil er nicht in seine Wohnung gelangen konnte. Mit Hülfe eines Soldaten wurde er mühsam die Treppe hinauf spedirt.
— Heute Nachmittag gegen 3 Uhr brachen auf dem Eise unterhalb der Lahnbrücke 4 Personen ein. Glücklicherweise kamen die Betreffenden mit dem Schrecken und nassen Kleidern davon. Das Schlittschuhlaufen unterhalb der Woog sollte unbedingt verboten werden, weil dort das Eis fast nie die richtige Tragkraft erhält.
Vermischtes.
Schlüchtern, 26. Januar. In dem Forste des benachbarten Dorfes Marjoß find in den letzten 9 Monaren nicht weniger als 29 Wildschweine, -um größten Theil: e»leqt, zum kleineren in einem sogenannten Saufange gefangen worden Das Verdienst der Verminderung dieses der Feldflur Marjoß so großen Schaden bringenden Wildes gehört unstreitig dem H^rn Oberförster Nickel, welcher mit großer Umsicht und rastloser Tbätigkeit keine Mühe und Anstrengung scheut, die Jagd auf Sauen zu betreiben. Auch die Bereitwilligkeit der Bewohner von Marjoß zu der für die Jagd auf Wildschweine nöthigen Hülfeleistung muß rühmend anerkannt werden. Würde allenthalben mit derselben Umsicht und Energie, wie dort, dem Sch^arz- wild zu Leibe gegangen, sa müßten die Klagen wegen des UeberhandnehmenS der Wildschweine von selbst aufhören. , . . ,. r. ,
Staßfurt. In der Nacht vom Sonntag zum Montag hat in einem hiesigen Tanz- locale eine jener fürchterlichen Schlägereien stattgefunden, wie sie leider in unserem io hochge^ priesenen Zeitalter der Bildung und Cultur an der Tagesordnung sind^ Kurz nachdem der Streit wegen irgend einer Bagatelle auögebrochen war, löschte er Wirth die Lichter un ging es in der Dunkelheit mit Stöcken, Seideln und Stuhlbeinen über einander her - aner prügelte den andern, ob Freund oder Feind, der ihm unter die Hande kam - daß der Saal am andern Morgen einem Orte glich, auf dem Vandalen gehaust hotten. D welcher dem Wirth mancherlei Dienste leistete und sich zu se neu. Unglück üig im Gewühl befand, Verletzungen erhielt, die seinen Tod herbeifuhrlen, so durfte d.e Angelegenheit ihren Abschluß vor dem Criminalrichter sinden.


