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sidenten Muhl. Die Debatte eröffnet Seine Excellenz der Staatsminister Freiherr von Starck.

Es sei kein freudige? Gefühl so führt derselbe aus mit dem er sich an­schicke, den vorliegenden Vertrag zu vertreten und er könne sehr wohl mit denen em­pfinden, welche die Rechte an der Main-Weser-Bahn, welche uns der Krieg von 1866 und die traurigen Folgen desselben für unser Land noch gelassen habe, noch zu be­bewahren wünschen. Nicht aber Empfindungen und Wünsche seien es, welche im Staatsleben für die Entschließungen maßgebend sein dürsten, und wenn die klare Er- kenntniß der Sachlage zu der Ueberzeugung führe, daß die Interessen des Landes am besten durch die Ratifikation des vorliegenden Vertrags gewahrt werden, so werde man fich zu diesem Schritte entschließen, auch wenn er dem eigenen Gefühle wehe thue. Doch sei dies nach der Ueberzeugung der Regierung allerdings der Fall, da man in dem Vertrag wirklich werthvolle Rechte nicht aufgebe, das große Kapital aber, welches in dem Unternehmen der Main-Weser-Bahn angelegt sei, dem Lande unvermindert und unentwer-thet erhalten werde. Die Main - Weser-Bahn sei für Hessen kein Mittel des Einflusses mehr, Hessen trage nur noch das Risiko aus der Kapitalbetheiligung und sei sogar in der Lage,^ eigene weitere Kapitalverwendungen auf dieses seiner Einwirkungen fast entzogene Objekt nicht immer ablehnen zu können und produktive Verwendungen seines Miteigentümers die Rente seines Kapitals sich mindern zu sehen. Redner geht nun des Näheren auf den geringen Einfluß ein, welchen der Commissär der hessischen Regierung bei der Direktion der Main-Wefer-Bahn auszuüben vermöge und erachtet jetzt, wo die Gefahr drohe, daß auch die Rente der Main-Weser-Bahn sich zu unserem Nachtheil ändere, die Zeit für gekommen, Preußen zu der seitherigen Betriebsleitung auch das finanzielle Risiko für das Bettiebsergebniß zu überlassen. Eine politische Be­deutung lege die Regierung der Beibehaltung der südlichen Strecke der Main-Weser- Bahn nicht bei, doch werde die Regierung umsomehr im Stande sein, die künftige Ent­wickelung des Eisenbahnwesens im Interesse des Landes zu benutzen und zu beeinflussen je mehr wir auf eine entgegenkommende Haltung Preußens rechnen können und je fester gegründet unser Staatskredit sein wird. In diesen beiden Beziehungen sei der vor­liegende Vertrag nur geeignet, unsere Stellung zu stärken. Eine Ablehnung des Ver­trags würde den Interessen des Landes zuwiderlaufen und die Regierung könne nur wünschen, daß die Kammer demselben ihre Zustimmung ertheile. Gegen den Vertrag spricht zunächst Abg. Bockenheimer, der an der Hand statistischen Materials nachzu­weisen sucht, daß die in den letzten Jahren aufgetretene geringe Rente der Main-Weser- Bahn die Folge übermäßiger Anschaffungen zu den Zeiten der Blüthe des Handels und der Industrie im Anfang dieses Jahrzehnts gewesen, daß die Befürchtungen einer Ver- kehrscntziehung von der Main-Weser-Bahn unbegründet seien und diese jedenfalls ihre natürlichen Grenzen finden würde, daß überhaupt die Rentabilität der Main-Weser- Bahn, wenn man die einzelnen Positionen in's Auge fasse, eine so ungünstige nicht sei, als sie auf den blos einmaligen Anblick des Reingewinnes der letzten Jahre erscheine. Abg. Freiherr von Nordeck zur Rabenau ist ebenfalls entschieden gegen den Verkauf der Main-Weser-Bahn, obgleich er sich heute, wie früher, als Anhänger des Reichs­eisenbahnprojekts bekennt. Er erblickt in dem Verkauf der Main-Weser-Bahn das Auf­geben eines großen Theils der Selbstständigkeit unseres Staates, den er für einen lebensfähigen hält. Wer die Eisenbahnen in der Hand habe, werde für die Zukunft alle Macht in der Hand haben. Auch die Gesetzgebung werde fich demnächst den Ver­kehrsmitteln in erschöpfender Weise zuwenden. Er sei entschieden der Ansicht, daß die Main-Weser-Bahn unmöglich einer Verminderung ihrer Rente entgegen gehen könne, vielmehr eine Vermehrung derselben zu erwarten fei.

Es wird ein Antrag auf namentliche Abstimmung eingebracht. Für die Vor­lage spricht Ministerialrath Fink; dagegen Abg. Frank. Nach einer kurzen Pause ergreift Seine Excellenz der Ministerialpräsident Schleiermacher das Wort für die Vorlage. Der vorgelegte Vertrag biete in Bezug auf die wirthschaftlichen Verhältnisse des Landes im Wesentlichen dieselben Vortheile, wie der seit 1868 bestehende, außerdem aber den weiteren Vortheil, daß wir für unser Anlagekapital in der Main-Weser-Bahn uns dauernd eine bestimmte Rente sichern. Sehr wohl begründet sei die Furcht, daß die Main-Weser-Bahn durch die bestehenden ober noch entstehenden Concurrenz-Bahnen in der Rente geschädigt werde, und indem der Vertrag diese Furcht beseitige, biete er wesentliche Vortheile für das Land. Wiederholt und in der eingehendsten Weise unter fpecieUer Anführung aller einschlägigen technischen und anderen Momente befür­wortet Ministerialrath Fink die Vorlage der Regierung, während Oberfinanzrath Schulz detaillirte Miltheilungen über die Verkehrsverhältnisse der Main-Weser-Bahn macht. Dittmar erklärt sich ebenfalls für die Vorlage, in welcher er eine Annäherung an die Verwirklichung des Reichseifenbahnprojekts erblickt. Als letzter Redner in heutiger Sitzung tritt Abg. Wolfskehl auf, der als Berichterstatter der die Verwerfung der Vorlage beantragenden Majorität seinem eingehenden Berichte noch einige münd­liche Ausführungen anfügt. Wegen vorgerückter Tageszeit wird die Berathung abge­brochen und deren Fortsetzung auf morgen Vormittag 9 Uhr anberaumt.

Darmstadt, 29. October. Die Abgg. Ellenberger, Wadsack, Theo­bald, Jockel, Pfannstiel, Sturmfels, Haustein, Dr. Muhl, Grünewald, Schmalbach und Dr. Schröder haben folgende Interpellation, den Fahrplan der Oberheff. Bahnen betreffend, gestellt:

Die ergebenst Unterzeichneten beehren sich, an Gioßh. Ministerium der Finanzen die Anfrage zu stellen:

Kann der am 15. October 1879 in Kraft getretene Fahrplan der Oberheff. Bahnen, wodurch sehr wesentliche Veränderungen eingetreten sind, in Rücksicht daraus, daß die Jntereffen des Verkehrs aus das Em­pfindlichste geschädigt erscheinen und von allen Seiten Klagen laut wer­den, nicht demnächst wieder in der Weise geändert werden, daß der frühere, dem Verkehr weit günstigere und darum dem eigentlichen Zweck der Oberheff. Bahnen mehr entsprechende alte Fahrplan wieder etnge- fübrt werde?"

Dom Rhein. Aus dem Dortmunder Montanbezirk wird derF. Z." am 27. d. Mts. geschrieben:Im Eisengeschäft mehren sich fortwährend die Aufträge; insbesondere aber werden Walzwerkfabrikate in großen Posten be­stellt, so daß in Folge deffen der Grundpreis des Stabeisens wieder um einige Mark gewonnen hat und 117 bis 120 Mk. pro 1000 Kg. notirt. In Roheisen, besonders in Gießerei-Roheisen, ist noch immer viel zu thun; die Bestände von solchem Fabrikat, die vor wenigen Wochen noch maffenhafr auf manchen Hochösenwerken lagerten, sind bis auf kleine Posten verschwunden und auf anderen wird das Eisen sozusagen noch warm in die Waggons verladen und versandt. Vieles geht davon in's Ausland, namentlich nach Belgien. Die Preise haben sich mittlerleile befestigt. Neuerdings ist auch in Blechen bedeu­tende Nachfrage. Der Absatz im Kohlengeschäft ist ebenfalls noch immer im Wachsen begriffen. Die Preise sind zwar noch nicht gestiegen, aber die Koh­lenwerke find zurückhaltend bei neuen Abschlüffen und gewähren nur kurze Contracte. Es liegt auch für die Kohlen endlich, wie uns scheinen will, etwas wie steigende Conjunctur in der Luft."

Hamburg, 29. Octbr. Gestern Abend ist von hervorragenden hiesi­gen und anderen Actionären der Rheinischen Eisenbahn an die Direction der Gesellschaft der Antrag ergangen, eine außerordentliche Generalversammlung zu dem Zweck zu berufen, den von der Regierung vo^gelegten Entwurf wegen Verstaatlichung der Rheinischen Eisenbahn anter der Modification zu genehmi­gen, daß für die Actien eine 6l/zproc. Rente gewährt werde. Die Antrag­steller repräsentiren ein Actien-Capltal von 23 Millionen.

Straßburg, 29. Octbr. Nach einer soeben imGesetzblatt für Elsaß-Lothringen" erschienenen Verordnung des Statthalters v. Manteuffel, betr. die Feststellung des Wahltermins für die vorzunehmenden Wahlen der Abgeordneten zum Landesausschuffe findet die Wahl der Wahlmänner am 6. November, Nachmittags um 2 Uhr, und die Wahl der Abgeordneten am 18. November, Vormittags um 11 Uhr, statt.

AranLreich.

Paris, 29. Octbr. Der neue päpstliche Nuntius stattete gestern Garn- betta ein Besuch ab. Don Carlos erhielt bei seiner Rückkehr nach Paris die Anzeige, daß er aus Frankreich ausgewiesen werde, wenn er seine jetzige Haltung sortsetze. Aus den Ostpyrenäen und des Landes wird von großen Überschwemmungen gemeldet.

tzugland.

London, 28. Octbr. Gestern stand General Roberts in heliographi­scher' Verbindung mit Ali-Khel und den Stationen zwischen Kushi und Sha- turgardan. DerTimes" wird aus Jellalabad gemeldet: Oberst Noel Money war am 17., 18. und 19. ds. im Shaturgardan von große Masten Gbilzais welche auf 10,000 und mehr geschätzt wurden umzingelt. Dieselben besetzten die umliegenden Hügel, umfaßten ihn enger und enger und schnitten ihn schließlich durch heftiges Feuer vom Wasserzufluß ab. Oberst Money schonte Munition und Leute und enthielt sich des Angriffs. Die Ghilzais sandten eine Botschaft an den Obersten, in welcher sie den Engländern das Leben zusicherten, falls sie sich ergeben wollten. General Hugh GouA, welcher von Kushi heranrückte, Heliographirte an Money aus Schinkae. Am 19. ds. griff Money an und zersprengte die Ghilzais, deren Rückzug von dem General Gough beobachtet wurde. Die Ehre, die Gdilzais versprengt zu haben, wird von Verschiedenen beansprucht, kommt aber rechtmäßig nur dem General Gough für seinen Vorstoß und Oberst Money für seinen Angriff zu. General Gough erwartet im Shaturgardan 400 Mann Verstärkungen.

Telegraphische Depeschen.

Wagner's telegr. Correspondenz - Bureau.

Berlin, 30. October. Abgeordnetenhaus. Alterspräsident v. Bockum- Dolff's eröffnet die Sitzung nut geschäftlichen Mittheilungen, darunter ein Schreiben des Viceprästdenten des Mmisterrathes bezüglich der Bewilligung der nachgesuchten Dienstentlastung des Justlzrninisters Leonhardt und Ernen­nung deö Staatssecretärs Friedberg zum Staats- und Justizminister. Unter den eingegangenen Vorlagen sind Hervorzuheben die, Gesetzentwürfe wegen Er­werbung mehrerer Prioatbahnen für den Staat, wegen Erweiterung der Staats­eisenbahnen und Betheiligung des Staates an mehreren Privateisenbahn-Unter- nehmungen. Die Abtheilungen haben bereits 362 Mandate geprüft, welche für gültig erklärt sind. Bei der nunmehr folgenden Präsidentenwahl wer­den abgegeben 399 Stimmzettel, von weichen 17 unbeschrieben sind; die ab­solute Majorität beträgt somit 192. v. Köller erhielt 218, v. Bennigsen 164 Stimmen, v. Köller nimmt die Wahl dankend an und verspricht strengste Unparteilichkeit.

v. Benda wird mit 220 von 398 Stimmen zum ersten Viceprästdenten gewählt; 155 Stimmen fallen auf Graf Bethusy-Huc. v. Benda nimmt die Wahl an.

Zum zweiten Viceprästdenten wurde v. Heeremann mit 215 Stimmen gewählt. Bethusi-Huc erhielt 167 Stimmen. Heeremann hat die Wahl angenommen.

Zu Schriftführern wurden durch Acclamation gewählt die Abgg. Grü-- tering, Schmising-Kerstenbrock, v. Quast, Watzdorf, Delius, Sachse, Schmidt (Sagan) und Quadt. Nächste Sitzung morgen Mittag 12 Uhr.

London, 30. Ocibr. DerStandard" meldet aus Kabul vom 29. ds.: Die Bevölkerung Kabuls ist vollständig ruhig, schein: aber nur durch die Furcht niedergehalten zu sein und dürste sich wtedererheben, sobald sie Aus­sicht auf Erfolg bemerkt. Dasselbe Blatt meldet aus Kandahar vom 29. ds.: General Hughes zerstreute die Truppenmacht der Ghilzais unweit Khelat-i-Ghilzai nach lebhaftem Kampfe. Die Engländer hatten einen Ver­lust von 2 Tobten und 78 Verwundeten.

Paris, 30. Octbr.Gazette de France" meldet, Don Carlos begebe sich nach England.

London, 30. Octbr. Durch eine im Amtsblatt veröffentlichte könig­liche Proclamation wird das Parlament bis zum 19. Decbr. vertagt. Dies ist nur die übliche Weitervertagung und deutet nicht auf eine außergewöhn­liche Einberufung

Wien, 30. Octbr. Meldung derPolit. Corresp." Cettinje: 600 Montenegriner sind in Velika und 100 in Orchanitza eingerückt, während 500 gegen Pepich vorrückten. 200 Montenegriner lagern als Reserve zwi­schen Vellka und Orchanitza.

Berlin, 30. Oct. Der Staatssecretär im Reichsjustizamt, Dr. Fried­berg, ist zum preußischen Justizminister ernannt. (Wiederholt, weil nicht in allen Nummern unseres gestrigen Blattes enthalten.)

Madrid, 30. Octbr. Die Ueberschwemrnungen dauern an. Auf der ganzen Halbinsel herrschen allgemeine Regengüsse. Der Ebro ist neuerdings um 5 Meter gestiegen. Tortosa steht unter Wasser.

Gestern wüthete hier ein heftiger Sturm. In Malaga richtete eine Windhose enormen Schaden an. Die Stadt Vera, Provinz Ameria, wird ebenfalls von Ueberschwemwung hetmgesucht. Der Fluß bei Almazora drang in die dortigen Eisen- und Silbergruben und richtete bedeutenden Schaden an, der auf eine halbe Million Pesetas angegeben wird. 21 Personen er­tranken , 30 Häuser wurden zerstört.

Paris, 30. Octbr. Ein Decret der Regierung anullirt den Beschluß des Generalrathes der Seine, welcher den Wunsch nach voller Amnestie aus­spricht. Andere Decrete verfügen die Absetzung von 22 MaireS in der Vendöe und von 4 Maires im Departement Tarne et Garonne wegen Theil- nahme an fact ösen Kundgebungen.

Bukarest, 30. Octbr. Die Kammer votirte mit 64 gegen 5 Stimmen das Gesetz, wonach 883 Israeliten, welche in der Armee gedient, naturalisirt werden. Von der durch die Regierung festgestellten Liste wurden fünf Namen gestrichen.

Lokales.

Gießen, 31. October. Die Generalversammlung des Oberh. Vereins für Lokalge­schichte am gestrigen Abend war zahlreich besucht. Der Vorsitzende deS Vereins, Herr Prof. Gar eis, stattete den üblichen Geschäftsbericht ab, woraus zu ersehen, daß der Verein immer festeren Boden in Stadt und Land gefaßt hat. Die Zahl der Mitglieder beläuft sich eben auf 209 und ist das Museum durch die Beisteuern der Mitglieder im besten Werden begriffen. An Stelle des nach Straßburg als Amtsrichter versetzten Herrn Accessist I r l e wurde als Ersatz- Mitglied in den Ausschuß des Vereins Herr Geh. Rath Prof, v Ritzen per Acclamation erwählt. Der Herr Vorsitzende theilt« nun hierauf die Resultate der Forschungen an der römi-