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Nr. 2S3

Mittwoch, den 30. October

1878

Aichener Anzeiger

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Gießen

| Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Die neue Lage Ver Dinge.

Fritz Fürst Wu

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Feutschkand

Berlin / 26. October.

DieWürttemb. Corresp." schreibt:

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RedaetionSburean r t^xpeditionSbureau r

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Polizei-Präsident hat unzweifelhaft nach dem Sinn und Buchstaben des Gesetzes [ gehandelt, indem er dem Verbot der einzelnen Nummern derBerliner Freien ! Presse" sofort das Verbot des ganzen Blattes folgen ließ. Der Einwand, daß damit dem Gesetz wider die Absicht des Gesetzgebers rückwirkende Kraft gegeben werde, ist völlig grundlos. Die Reichstags-Verhandlungen geben den unwider­leglichen Beweis, daß die rückwirkende Kraft nur insoweit ausgeschlosien wer­den sollte, als nicht das Verbot einer Zeitung auf Grund ihrer früheren Haltung" allein zugelasien worden ist. Dagegen ist es der unzweifelhafte Sinn des früheren Art. 6, jetzigen Art. 11, daß der erste neue Verstoß nach brr Verkündigung des Gesetzes der Regierung das Recht geben soll, in Berücksich­tigung der bisherigen Gesammthaltung eines Blattes das gänzliche Verbot auszusprechen. Das System der Verwarnungen, wonach das gänzliche Verbot erst nach Beschlagnahme zweier Nummern zulässig sein sollte, war schon in der Commission in deren zweiter Lesung verlaflen worden. Der Minister des In­nern hat bet der zweiten Berathung ausdrücklich hervorgehoben, daß dem Gesetz auch nach der Absicht der Mehrheit unzweifelhaft eine rückwirkende Kraft in dem Sinne beiwohnte, daß auf Grund eines in einer einzelnen Nummer erschie­nenen Artikels das Verbot des ganzen Erscheinens eintreten soll. Es komme, sagte der Minister, aber auf den Zusammenhang der ganzen Zeitschrift an. Wenn nun der Zusammenhang bet einer einzelnen Nummer, die seit dem Erlaß des Gesetzes erschienen, dem Verbot zu Grunde gelegt werde, dann trete eben die wirkende Kraft ein, denn das Entscheidende sei das vor Erlaß des Gesetzes Geschehene. Gegenüber dieser ausdrücklichen Erklärung des Ministers des In­nern kann eine Aeußerung des Abg. Lasker, die in heutigen Blättern citirt wird, um so weniger tn's Gewicht fallen, als dieser Abgeordnete bet der Erör­terung des fraglichen Punktes weder tm Namen seiner Fraction und noch weniger im Namen der Reichstags-Mehrheit zu sprechen berufen war. Auch das Verbot der neuen Zeitung unter dem NomenBerliner Tagespost", welche an die Stelle derBerliner Freien Prefle" treten sollte, ist durch das Gesetz vollkommen begründet, da das neue Blatt nach den unverkennbarsten Anzeichen die einfache Fortsetzung des alten mit verändertem Titel gewesen wäre.

Von der spanischen Botschaft geht demBerl. Tagebl." der Wortlaut der Depesche zu, welche sie aus Madrid über das Attentat auf den König Alfonso erhalten hat:

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JU entledigen haben werden. Daß wir dabei auch der Nothwendigkett, stets Mn das Centrum auf unserer Hut zu sein, nicht vergessen, dafür sorgt die ^planSpresse hinlänglich durch ihre frivolen Angriffe auf die besten Männer es Volkes, auf alles, was national und was gut kaiserlich ist. Hoffentlich lehen auch in diesem Kampfe nach wie vor Regierung und Liberale treu

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»Nach einer wahrhaft ruhmvollen Reise durch die Provinzen ist der König heute (25.) nach Madrid zurückgekehrt und mit den lebhaftesten Zeichen der Liebe und Begeisterung empfangen worden. Nahe an der Plaza de la Villa schoß ein Mann aus der Menge ein Terzerol auf den König, glücklicher Weise ohne ihn zu treffen, ab. Se. Majestät, welcher den Blitz deS Schusses gesehen hatte, hielt kaltblütig den Sckritt seines Pferdes an und setzte ruhig seinen Weg bis zum Schlosse fort. Der General-Capttän von Madrid, der auf der Seite ritt, wo der Schuß fiel, faßte den Attentäter, den die Umstehenden be­zeichneten und ihn festnehmen halfen. In demselben Augenblick ließen die näch­sten Personen ein Hurrah ertönen, dessen Bedeutung für die übrige Bevölkerung eine Zeit lang unerklärbar blieb. Alles ist empört. Der Verbrecher, ein Bött­cher, hat ohne Weiteres seine That eingestanden und erklärt, daß er ein inter­nationaler Socialist ist, und vor vier Tagen in besagter Abficht aus Tarra­gona eingetroffen war. Außerdem steht es fest, daß das Verbrechen schon lange vorher vorbedacht war."

Seitens der deutsche» Handelskammern sind an den deutschen Handelö- tag Proteste gegen die Einführung des Tabaksmonopols eingegangen, die sich auf gewisse von Industriellen eingereichten technischen Details stützen. Einer dieser Proteste, der von der Handelskammer zu Mannheim ausgeht und den Reichstags-Abgeordneten Köpfer zum Referenten hat, lautet wie folgt:Die Einführung des Tabaksmonopols im deutschen Reiche ist verwerflich und mit aller Energie zu bekämpfen, weil dadurch die ausgebreitete Tabaksprodvction in bedenklicher Weise geschädigt wird, die in allen Theilen des deutschen Vater­landes weit verzweigte Tabak- und Cigarrenfabrication, sowie die damit tm Zusammenhang stehenden Industriezweige und eine sich auf das In- und AuS' land weit ausdehnende hochwichtige Handelsthätigkeit zu Grunde gerichtet, zahl­reiche Familien existenzlos und Hunderttausende von Arbeitern brodlos gemacht würden. Die Handelskammer protestirt deshalb mit aller Entschiedenheit gegen die Einführung des Tabaksmonopols im deutschen Reiche und ersucht das Pri- sidtum des Handelstags, dem Bundesrath von diesem Protest Kenntniß zu geben."

Nachdem vor Kurzem auch die unterirdischen Telegraphenlinten Berlin- Köln und Frankfurt a. M. - Straßburg vollendet worden sind, erstreckt sich

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ium KrautM humm - 6W blermann *

Bekanntmachung.

ff« wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Daniel Linker von Weitershain beim Militär als Hufschmied ausgebildet worden tst, und daher den Pferdebeflßern zu dem Geschäfte eines solchen empfohlen werden kann.

Gießen, am 27. October 1878. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

______________________ Dr. Boekmann.

»tue aiteiitate auf ihn erfolgen. sobald er noch Berlin komme. Umgekehrt «ird dem Großherzog von Baden mit Attentaten gedroht, falls er seinem kai- , -^S-rvater noch längeren Aufenthalt in seinem Lande gestatte l -ngestchts solcher Thatsachen wollen sich unsere Freiheits-Idealisten beklagen, !tm cnfcI!$ bie Zugel der Ordnung straffer angezogen werden 1"

~ W Kiel stattfindenden Vernehmungen in Sachen des Unter- Km fürsten" sind derKieler Ztg." zufolge durch die bis U gepflogenen kriegsgerichtlichen Untersuchungen veranlaßt worden. Das i r 6 c? cti'ub eimt Aeußerung des genannten Blattes sckwerlick

< n, b 2ahre zusawmentreten und die Erledigung der ganzen Sache, Ich- bei dem Garde-Corps anhängig ist, stände danach vor März nächsten tchres kaum zu erwarten.

®nf*,eitcn des Polizei-Präsidenten gegen die social-

Purtimm elfi ^CT ^Uc Gesch sofort zu umgehen, wird bei Allen

ti I ''nmung finden, welche die Rothwendigkeit des Gesetzes erkannt haben. Der

St. ,| ig Abeni ationAnim i Bügeln «sattel MM in urd hause der Witwe ^aOtborWi-L-

Es ist widerlich avzusehen und legt für den stets so zur Schau gestellten | -cyen Ernst der Ultramontanen ein trauriges Zeugniß ab, wenn sie in so iir Zett nichts besseres zu thun wissen, als Männer, die nach schweren sind Hanen Gewiffenskämpfen ihr Votum für das Gesetz abgegeben haben, in Pivolster Weise mit stockspringenden Hunden oder mit wohl dressirten Pferden zu vergleichen, die bald durch Peitschenhiebe, bald durch ein Stückchen Zucker hu willenlosem Gehorsam gegen den Jupiter tonans erzogen seien. Die Par­tei, die bekanntlich blinden Gehorsam selbst gegen die unbekannten Oberen predigt und für den schönsten Schmuck des Christen erklärt, wagt es mit berschen, wieMuth zeigt auch der Mameluck, Gehorsam ist liberaler Schmuck", über Männer wie Bennigsen, Lasker u. s. w. zu spötteln, weil sie - gewissenhaft ihre Pflicht gethan 1

pro..,- Möge die Zukunft den Beweis liefern, daß die Regierung das Vertrauen verdiente, welches ihr der Reichstag bewiesen! Dazu ist vor Allem noth, daß uf alle mögliche Weise gründliche Kenntniß des wirklichen Wesens der Social' -emokratie in alle Kreise getragen werde, eine Aufgabe, deren sich ganz beson-

Familienwohnungm: ttmietbev.

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.2 Herrn geeignet,! ^uz, Seltersthor l Maschinenfabrik. ilieülöäisUE

Karl Gcrlikl Zimmer zu vermiß -r, Frankfurierstch Rheinischer Hos. lltenlogts mit allnü vermiethen.

Fritz Fürst Wr

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tz yjl ',V4Uit HV'tuycn ivciut:, tuie ÄUsgaoe, oeren pcy ganz vezon- ^Mgensestdieyer. die^ liberalen Vereine alln Art in der eben beginnenden Winter-Saison

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Die Situation, welche das soeben publicirte Socialistengesetz geschaffen bat, ist eine ganz ungewöhnliche und sehr ernste. Wer sich zu den Liberalen rechnet, kann sich zumal nach den Erfahrungen aus der letzten Wahlperiode - ernster Besorgniß über die Art und Weise, wie die Regierungs-Organe, insbesondere die der unteren Regionen, das ihnen anvertraute Schwert Hand­baben werden, nicht entschlagen, denn scharf und schneidig ist es geblieben und eine gefährliche Waffe in der Hand Halbgebildeter, wie es leider nur zu oft __untergeordnete Beamte, als Landbürgermeister und gar Polizeidiener und inner, pattem, mttÄ Gensd'armen sind, denen zum großen Thetl die Anwendung der gefährlichsten Wethen., ----- Bestimmungen des neuen Gesetzes obliegen wird.

Es ist fürwahr ein Akt großer Selbstverläugnung, oder sagen wir lieber erleuchteter Vaterlandsliebe gewesen, daß die kaum erst von den Organen der kMttgJ. Konservativen in den Staub gezerrten National-Liberalen das Gesetz trotz mc. -r Bedenken durchgebracht haben, weil das Wohl des Staates es so er- Juf Dank werden sie von keiner Seite zu rechnen haben. Denn - der Leiter unserer Politik sich durchaus der Lage der Dinge ent- .* ausgedrückt hat, so fangen doch die Deutsch - Conservativen, die für Fln den Aufgaben der Gesetzgebung gegenüber absolut ohnmächtig sind, an, auf den Bundesgenossen, mit dem sie wider Willen an einem ziehen mußten, zu schelten; und die Gegner des Gesetzes, besonders die ontanen, schütten die ganze Schale ihres Zornes über die Partei aus, sie grimmiger hassen als den Fortschritt und die nur pro forma be- » ,ren Soctaldemokraten.

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I v . ' x'uvvv.4u>uiutuiv. esvrreip. ppie

+ ! 111 immer noch eine Menge Drohbriefe des Inhalts,

v*® u neue Attentate ans ibn prfofnpn »» »»4.