pen, ichs.
Wo. 48. Dienstag, den 26. Februar 1878.
Kicüener Wneiger
Arieizk- uni AinisdlM für den Kreis Gießen.
Nedactiontzbirvcall: Gartenstraße B. 165.
ExpeditionSbrn-catt : Schul ft r n ß e B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2. Mark 50 Pf.
o^cert *8 5 Uhr,
ichumann ais aus Giessen, artett Vereins, wer, Kammer- 68 Florentiner 1.
Violoncello, von in modo d una
ffenbach: ranz Schubert. leister Fleisch-
)rte-Begleitung Bob. Schumann.
, 2, von L ran 'chumann). fenbach:
rieh Hilpert:
ra Schumann: .. Schumann.
t’hr, Oeftnen >n Eisenbalmzüge Rückfahrt benutzt
Tertflügel.
j. Rickerschcn zu haben. certvereins.
HiroäüieMn jjnjte gewaschen
3®.
Pensionat iöttger psttvK
Sfr*-*
■dt®*" ** elioallo^' - c{
politisch
er Hheil.
Deutschland.
Darmstadt, 22. Februar. Das Großherzogl. Regierungsblatt, Beil. Nr. 6, enthält:
1. Uebersicht der für das Jahr 1878 bezw. 1878/80 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Be- dürfniffe der israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Bingen.
2. Uebersicht der für das Jahr 1878 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Lauterbach.
3. Uebersicht der für das Jahr 1878 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Oppenheim.
4 Uebersicht der für das Jahr 1878 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen in den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Bensheim.
5. Ramensveränderung.
6. Dienstnachricht.
7. Dienstentlassungen. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 28. Jan. den ordentlichen Professor an der technischen Hochschule zu Darmstadt, Dr. Rudolf Sturm, auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. April d. I. an aus dem Dienste, am 21. Jan. den Lehrer an dtm Gymnasium zu Darmstadt, Dr. AUxander Saalseld, auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 15. April d. I. au aus dem Dienste, am 5. Febr. den Lehrer an der Realschule zu Offenbach, Ludwig Stelz, auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 21. April d. I. an aus dem Dienste zu entlassen.
8. Concurrenzeröffnung. Erledigt ist: die Gemeinde-Schulstelle zu Rodenbach, im Kreise Büdingen, nstt 685 Jl. 71 H Schuldienst- und 85 Jl. 71 H Organisten-Gehalt.
9. Sterbesälle. Gestorben sind: am 11. Jan. der Domänenpfandmeister 1- P- Johannes Geiß zu Darmstadt; am 1. Febr. der charakterisirte General- Major i. P. Freiherr von Gerlach zu Worms; am 5. Febr. der Obergerichts- Secretär ynd Ergänzunsrichter i. P. Justizräth Johannes Christoph Germers- Hausen zu Mainz.
Berlin, 23. Februar. Reichstag. (Fortsetzung der ersten Berathung^ über die Steuervorlagen.) Richter (Hagen) spricht gegen die Erhöhung der Tabakssteuer, gegen das Tabaks-Monopol und gegen die Ausdehnung des indi recten Steuersystems. Er entwickelte seine Ansichten über die Steuerreform und verlangt Einsetzung eines verantwortlichen Reichs-Finanzministers, sowie Verleihung des vollen Steuerbewilligungsrechts an die Einzel-Landtage. Lasker spricht gleichfalls gegen die Vorlagen, besonders gegen die Tabakssteuer-Vorlage. Er erörtert die finanz-politischen Zustände im Reiche und im Anschlüsse hieran die Mängel in der Verfassung der Reichsreqierung. Finanzminister Camphausen verliest sein Votum vom 17. Febr. 1877, worin es heißt: Ich glaube mich behufs angemeffener, dauernder Vermehrung der eigenen Einnahmen des Reiches vorzugsweise für eine höhere Besteuerung des Tabaks aussprechen zu müssen, mit dem Endziele des Monopols, von welchem solche Erträge zu erwarten sind, daß die Steuer auf nothwendige Verzehrungsartikel, namentlich die Salzsteuer, aufgehoben werden und daß auch Preußen auf directe Steuern verzichten und dieselben den Kreis- und Communal-Verbänden überlasten kann. (Beifall.) Minister Camphausen fügt hinzu, er habe noch heute die nämliche Ansicht und übernehme die volle Verantwortlichkeit für die Vorlage und deren Consequenzen. „Wir wollen versuchen, darüber zu einer Einigung zu gelangen. Die Formen dafür lasten sich finden." Redner versicherte, er habe wiederholt dem Reichskanzler feine Entlastung angeboten, im Falle er nicht im Einverständ- niß mit demselben sei. Er denke nicht daran, an der Spitze der Ftnanzver- waltung zu bleiben, wenn er nicht der freudigen Zustimmung der Parteien versichert sei. Fürst Bismarck bestätigte, daß Herr Camphausen wiederholt, zuletzt in diesen Tagenden Wunsch auf Entlastung kundgab, und fügte hinzu, nur aus sachlichen Gründen und mit Widerstreben würde er solchen Wünschen Nachkommen. „Eine Differenz liegt zwischen uns nicht vor. Daß deshalb für "Hch nicht ein Moment der Trennung, sondern der der Hoffnung vorliegt, daß unsere Wege auch weiter zusammenführen, war mir Bedürfnis, hier auszusprechen. _ v. Varnbüler befürwortet das Tabaks-Monopol. Windthorst (Meppen) erklärt sich sehr entschieden gegen die Vorlagen, die er sofort abzulehnen bittet. Fritzsche bekämpft die Vorlagen vom social-demokratischen Standpunkte aus. Bamberger plädirt für verantwortliche Reichsministerien. Das Hans beschließt die Verweisung der Vorlagen an die Budget-Commission.
Stuttgart, 23. Februar. Die evangelische Landessynode wurde heute durch den Cultusminister Geßler im Namen des Königs geschloffen. Der Mini« ster drückte in seiner Schlußrede die Anerkennung der Regierung aus für den Geist und die Mäßigung, in welchem die Synode ihre Arbeiten, insbesondere die Kirchenverfastung, vollendet habe. Die Beschlüste werden nicht dem äußerlichen Kirchenthum dienen, sondern dem religiös-sittlichen Geiste, nicht einzelnen Richtungen, sondern der Eintracht auf dem Boden der evangelischen Kirche.
Frankreich.
Paris, 22. Februar. Die „Agence Havas" meldet: der Handelsminister wird beantragen, die Grenzzölle im allgemeinen um 24 pCt. zu erhöhen; gegenüber denjenigen Nationen aber, welche die gleichartigen französischen Produkte mit einer 20 pCt. vom Werth übersteigenden Eingangsabgabe belegen, sollen die entsprechenden französischen Zollsätze um 50 pCt. erhöht werden.
England.
London, 21. Februar. Die Rede Bismarck's hat die Frtedenshoff- nungen hier nicht gestärkt. Die meisten Morgenblätter heben hervor, daß Bismarck seine frühere Versicherung, Deutschland würde gegenüber einer Schädigung der Lebensinteresten Oesterreichs nicht gleichgültig sein, diesmal nicht wiederholt habe. Die Times schreibt, das praktische Ergebniß der Rede sei, daß Deutschland in dem Congreß die allgemeinen Friedensvorschläge Rußlands moralisch unterstützen, aber einen Widerstand anderer Mächte gegen sie nicht hindern werde. Deutschland wolle nahezu die Stellung Preußens im Krimkrieg einnehmen, wodurch die Friedensaussichten nicht gefördert, aber auch nicht verringert würden. Deutschland überlasse die Entscheidung Rußland, Oesterreich und England. Befriedigend sei lediglich, daß Bismarck und Auersperg an den Zusammentritt des Congresses glauben. Die Daily News schreibt: Die Reden Bismarck's und Auersperg's beweisen klar, daß Deutschland im Ganzen die Vorschläge Rußlands unterstützen, Oesterreich dagegen einige derselben bekämpfen werde. Die Morning Post bezeichnet die Rede Bismarck's als aufrichtig rustenfreundlich, dagegen Auersperg's Rede als Beweis, daß ein etwaiger europäischer Krieg England und Oesterreich als Bundesgenossen finden würde. Der Daily Telegraph findet in Bismarck's Erklärungen wenig Tröstliches. Der Standard nennt sie zweideutig, belobt dagegen die Auersperg's. Dem Daily Telegraph zufolge stellte Gortschakow bezüglich der Nichtbesetzung Gallipolis keinerlei unbillige Forderungen.
London, 22. Februar, Abends. Im Unterhause ging die Creditvor- lage durch die dritte Lesung. Die Vorlage betreffend die Zuständigkeit der englischen Gerichtsbarkeit innerhalb der Zone von 3 Meilen um die Küste wurde der zweiten Lesung unterzogen, worauf sich das Haus vertagte. — Im Unterhause erklärte Unterstaatssecretär Bourke auf eine Anfrage: Seitdem Holland gegen die Zuckerconvention Einwendungen erhoben habe, fänden Verhandlungen zwischen Holland, Frankreich, Belgien und England statt; der Beitritt Rußlands und Oesterreichs zur Convention gelte für unwahrscheinlich.
London, 23. Februar. Das Journal „Standard" meldet aus Konstantinopel vom 21. d.: Der Kaiser von Rußland habe an den Sultan tele- graphirt, er werde die Unterhandlungen abbrechen und Konstantinopel besetzen, wenn der Friede nicht rasch abgeschlossen werde.
— „Standard" meldet, die Canalflotte sei nach Malta beordert, wo ihr weitere Befehle zugehen würden.
London, 23. Februar. „Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 22. d.: Die russischen Frtedensbedingungen hätten einen Artikel enthalten, nach welchem die sechs größten türkischen Panzerschiffe an Rußland überlasten werden sollten, weil andernfalls die Pforte dieselben an England verkaufen könne. Der Sultan habe gegen diesen Artikel Widerspruch erhoben und erklärt, er werde die Schiffe lieber zerstören. Er zeige sich jedoch bereit, das Versprechen abzugeben, die Schiffe an keine fremde Macht abzutreten. Der Zwischenfall sei durch die Verpflichtung des Sultans, die Panzerschiffe nicht an England abzutreten, während Rußland seine Forderung der sofortigen Ueber- lieserung der Schiffe zurückgezogen habe, erledigt worden. Der Friedensabschluß sei soweit gediehen, daß die Unterzeichnung bevorstehe. Es gelte als wahrscheinlich, daß Großfürst Nikolaus den Sultan in Konstantinopel besuchen werde. *
Madrid, 23. Februar. Mon aus Spanien angeordnet.
Spanien.
Die Regierung hat die Ausweisung des Pater Derselbe hat in einer Rede in der Kathedrale
zu Huesca mehrere fremde, bereits verstorbene Souveräne, die liberale Regierung in Spanten, sowie die Monarchie des Königs Alphons XII. lebhaft angegriffen.
Ztußland.
Petersburg, 22. Februar. Die „Agence Rüste" erklärt die Nachricht, Rußland werde die Vertreibung der Türken aus Bulgarien verlangen, für unwahr, und bemerkt, Rußland sei tolerant im eigenen Lande, wo Muselmänner inmitten der russischen Bevölkerung friedlich lebten. Rußland habe im Gegen- theil das Prtncip vollständiger Gleichheit für Muselmänner und Christen in Bulgarien aufgestellt. Obschon gegenwärtig hochgradig erregt, so lebten dieselben doch untereinander in vollständiger Sicherheit und arbeiteten an den nämlichen Arbeiten, glücklich, von den türkischen Beamten, Truppen, Baschi- Bozuks und Tscherkesten befreit zu sein, jener Geißel für Christen und für Muselmänner, deren Entfernung aus Bulgarien Rußland allein verlange.


