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sage, sei nicht neu. Die russische Presie habe ähnlichen Tendenzen in den 5 Jahren vor dem letzten Kriege zur Freude Frankreichs und Sorge Deutsch­lands hinreichend Ausdruck gegeben, um Deutschlands Vertrauen in die Zukunft der russisch-deutschen Beziehungen nicht blind und sicher werden zu laffen. Diese Thatsache gehöre der Geschichte an und solle nicht todtgeschwiegen werden. Unrichtig aber sei, daß Deutschlands Verhalten durch solche Eindrücke bisher beeinflußt worden sei.Deutschland stand in der jetzigen Situation frei genug da, um seiner Neigung und langjährigen Gewohnheit intimer Freund­schaft mit Rußland bis an die äußerste Grenze folgen zu können, welche diplo­matischen Beistand von militärischem trennt. Deutschland hat sein volles Ge­wicht dem befreundeten Nachbar auf dem Congrefle zur Verfügung gestellt, wie die Congreßacten beweisen. Was Blowitz von der Niederlage Rußlands auf dem Congrefle sagt, ist eine tendenziöse Wendung, auf die Erweckung von Ver­stimmung berechnet. Blowitz verfolgt damit seine eigene Politik und ist als englischer Publtcist dazu berechtigt; aber von einer Niederlage kann er doch nur sprechen, wenn er die ersten Ignatieff'schen Fciedensbedingungen für den berech tigten Ausdruck der Situation hält; wären diese nicht vorhergegangen, so würde Jedermann auch in Rußland in dem Berliner Ergebniß einen glänzenden Erfolg der russischen Politik sehen und dafür nächst der Tapferkeit des russischen Heeres dem diplomatischen Geschick Schuwaloff's Anerkennung zollen." Gewiß werde das der künftige Geschichtsschreiber thun; diesem werde selbst Blowitz nicht einreden, daß Rußlands Siege nicht die Erfolge gehabt hätten, durch welche diejenigen früherer Türkenkriege des Czaren-Reiches in Schatten ge­stellt sind.

Berlin, 21. Septbr. DieKceuz-Ztg." schreibt: Als den Anlaß zu Differenzen zwischen dem Chef der Admiralität und Admiral Werner bezeichne man weniger die neuliche Rede des Generals v. Stosch als die literarische Thätigkeit Werner's. Letzterer soll (wie dieWes.-Ztg." hinzufügt) bei dem vielbesprochenen Artikel derDeutschen Revue" über den Untergang desGroßen Kurfürsten" bethetligt sein.

Berlin, 22. Septbr. Die im Auftrage der deutschen Reichsregierung zu Olympia begonnenen Ausgrabungen werden voraussichtlich am 12. October von Neuem ausgenommen werden. Bekanntlich ruhen dieselben wegen der heißen Jahreszeit im Sommer bis zur Beendigung der Ernte, welche einen großen Theil der zur Verfügung stehenden Arbeiter in Anspruch nimmt. Von den bevorstehenden Arbeiten verspricht man sich einen sehr günstigen Erfolg, da vor Abschluß der letzten Ausgrabungen verschiedene Anzeichen dafür sprachen, daß man dem reichsten Theile des ehemaligen Tempels sich nähere. Aus Ithaka waren auch Berliner wiflenschaftltchen Kreisen directe Meldungen zuge­gangen, daß es unserem unermüdlichem Landsmanne Schliemann gelungen sei, aus der Insel Grundvesten anscheinend cykloptscher Bauart zu entdecken.

Vor einiger Zeit durchlief die Blätter eine Nachricht über die parti- kularistischen Strömungen, welche in dem königl. sächsischen Kadetten-Corps ge­pflegt würden. Diese Nachricht war derNat.-Liber. Corresp." entnommen. Jetzt hat das königl. sächsische Kciezsmtnistertum das genannte Organ diesert- wegen gerichtlich belangt; auf den Ausgang dieses Proceffes, der jedenfalls mehr Licht über die Angelegenheit verbreiten wird, darf man gespannt sein.

Frankreich.

Paris, 22. Septbr. Das JournalSoir" meldet, in Folge der letzten polizeilichen Untersuchungen würden verschiedene Fremde als Affiliirte der Inter­nationale ausgewiesen werden.

Aus Anlaß des Jahrestages der Proclamirung der ersten Republik sanden in Paris, Marseille und anderen Städten Bankette statt. In Paris trat u. A. Louis Blanc, in Marseille Naquet als Redner auf, um das Pro­gramm der radikalen Partei zu entwickeln, welches die Abschaffung des Amtes des Präsidenten der Republik, des Senats und des Budgets der Culten, sowie die Etnsührung absoluter Preß- und Vereinsfreiheit fordere. Blanc äußerte ferner mit einem kritischen Seitenblick auf die politische Methode Gambetta's: es sei eine traurige Berechnung, wenn man eine Verstärkung der Zahl der Republikaner durch die Monarchtflrung der Republik erzielen wolle. Zum Schluß brachte Redner ein Hoch der Republik, die auf wahrhaft republikanische Institutionen begründet sei.

DerTemps" meldet: Da der socialisttsche Arbeiter-Congreß am Donnerstag wiederum eine Sitzung zu halten versuchte, so wurden neuerdings Haussuchungen vorgenommen, welche zur Beschlagnahme der Protokolle der Vereinssitzungen führten.

Italien.

Rom, 21. Septbr.Liberia" hebt die Umsicht und den Eifer hervor, welche die österreichischen Behörden bei der Ausforschung der der Ermordung des Consuls Perrod Schuldigen entwickelten und bemerkt, diese Haltung Oester­reich-Ungarns entspreche vollständig den Erwartungen Italiens. Es sei indeß nicht überflüssig, dieses Vorgehen zu constatiren, welches die niemals getrübten guten Beziehungen zwischen den Regierungen des Königs von Italien und des Kaisers von Oesterreich nur noch fester knüpfen werde.

Ftußlaud.

Petersburg, 22. Sept. Aus London wird hierher gemeldet:Times" erfährt, Rußland habe Unterhandlungen mit der Pforte eröffnet, um diejenigen Stipulationen des Vertrages von San Stefano, welche lediglich Rußland und die Türkei betreffen und im Berliner Vertrag nicht berührt sind, in einen defini­tiven Vertrag zu verwandeln. Eingezogenen Erkundigungen zufolge ist an berufener Stelle hiervon nichts bekannt.

Telegraphische Depeschen.

Waguer'4 telegr. Torrespoude-rr-B»reart.

Berlin, 23. Septbr. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Der bis­herige Verlauf der Commissionsoerhandlungen über das Socialistengesetz entsprach nicht den Erwartungen, welche die Generaldebatte im Plenum und die Com- mtssionswahlen Hervorrufen mußten. Es schien, als ob die national-liberale Fractton in ihrer Mehrheit gewillt sei, die Reichsregierung in der Bekämpfung des socialdemokratischen Unwesens zu unterstützen und angesichts der vorliegenden ernsten und verantwortlichen Aufgabe die Geltendmachung doktrinärer Weisheit möglichst zu beschränken. Diese Hoffnung sei nicht erfüllt. Der Artikel der Norddeutschen" weist namentlich auf die Haltung Lasker's hin und fügt hin­zu: schon jetzt sind einige Beschlüfle gefaßt, welche die verbündeten Regierungen!

voraussichtlich als unannehmbar bezeichnen werden. Das Zustandekommen des Gesetzes erscheint gefährdet, mindestens erschwert, falls nicht im Fortgmze der Verhandlungen, namentlich bei der dritten Lesung, diejenigen Mitglieder die Oberhand gewinnen, welche eine Verständigung mit der Regierung auf Grund­lage des praktischen Bedürfniffes wirklich erstreben.

Wien, 23. September. Der Berichterstatter derPolit. Corresp." aus Serajewo äußert anläßlich des gemeldeten militärischen Erfolges der östwreichi- chen Truppen bei Senkooic seine zuversichtliche Ansicht, daß der bosnische Auf. stand im Ganzen und Großen innerhalb einiger Wochen niedergeworfen sein werde. Derselbe conftatirt ferner, drß nach den Erfahrungen sänmtlicher Heereskörper weder die christliche noch die israelitische Bevölkerung Bosniens den kaiserlichen Truppen entgegengetreten sei. In der Regel ständen nur von fanatischen Priestern aufgehetzte, von türkischen Civil- und Militärbehörden, sowie von türkischen Truppentheilen unterstützte Mohamedaner im Kampf gegen die österreichischen Waffen. Allseitig strömten zahlreiche Einwohner, darunter auch mohamedanische, nach Serajewo und anderen Städten, um sehnsüchtig das Ende des Aufstandes erwartend, sich unter den Schutz der österreichischen Armee zu stellen. Aus Bukarest meldet diePolit. Corresp.: zwei italienische Ofstciere, der Oberst vom Generalstabe Rossi und Hauptmann Fanfani, sind in einer militärischen Mission hier eingetroffen.

Berlin, 23. Septbr. Fürst Bismarck ist heute nach Varzin abgereist; er wird daselbst mit seinen beiden Söhnen einige Tage verweilen und dann nach Berlin zurückkehren.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Die vonPesti Naplo" neuer­dings verbreitete Behauptung, daß Fürst Bismarck während des Congreffes der von den österreichischen Delegtrten gestellten Forderung betreffs des europäischen Mandats zur Besetzung Bosniens und der Herzegowina sich energisch widersetzt habe, ist eine Erfindung von seltener Dreistigkeit. Es ist nicht nur den Cabi- neten bekannt, sondern auch in weitere Kreise gedrungen, daß die Vorschläge der österreichischen Bevollmächtigten während des Congreffes nicht nur bezüglich Bos­niens, sondern auch in allen anderen Fragen bet Bismarck stets die bereiteste nachdrücklihste Unterstützung gefunden haben, wie dies den engsten freundschaft­lichen Beziehungen dec beiden Nachbarstaaten entspricht.

Wien, 23. Septbr. Officiell. Von, der 36. Truppendtvision wird ge- meldet, daß die Entwaffnung in Kozara und dem Prosavagebirge anstandslos beendigt sei. Der Commandant des Truppencordons in Unterlapac berichtet, daß seine Demonstration gegen Kulen Bakus vollkommen gelungen sei; 10 No­table aus Bakus, Otrovica, Orasac und Havala überreichten eine Ergebenheits- adreffe, welche die Unterwerfung dieser Orte ankündigt, sowie Verzeihung für die verübten Grenzverletzungen erbittet.

Das hiesigeTelgr.-Corresp.-Bureau" meldet aus Rom vom Heuti­gen : Die päpstliche Regierung machte Preußen den Vorschlag, rücksichtlich der wegen Verletzung der Matgesetze abgesetzten oder zu Gefängntß verurtheilten Geistlichen daflelbe Vorgehen zu adopttren wie der Kanton Bern und denselben die einfache Rückkehr auf ihre Posten zu gestatten. (Stehe jedoch das Dementi unter Rom. D. Red.).

Rom, 23. Septbr. Die hier verbreitete Nachricht, daß die päpstliche Regierung vorgeschlagen habe, Preußen solle die abgesetzten oder mit Gefängntß bestraften Geistlichen gleich der Regieruna des Kantons Bern einfach auf ihre Posten zurückkehren lasten, ist nach anderweitigen Informationen mehr alS zweifelhaft.

Konstantinopel, 23. Septbr. Ein aus englischen, österreichischen und französischen Capitalisten und Unternehmern bestehendes Syndicat für den Bau der asiatischen Bahnen überreichte dem Großoezir einen Protest gegen die principielle Annahme des Klapka'schen Projectes. Das Syndicat reclamirt die Priorität für den von ihm etngebrachten Antrag.

Berlin, 23. Septbr. Die gestern stattgehabte Uebernahme von 30 Mill. Mark Reichsanleihe durch das Consorttum erfolgte zu gleichen Bedingungen wie die letztoorhergegangene Uebernahme eines Theilbetrazes dieser Anleihe.

Berlin, 23. September, Abends. Die Reichstags-Commission für das Socialistengesetz berteth heute über den § 4 und diejenigen Paragraphen, welche die Beschwerde-Instanz betreffen. Gneist stellte folgende Anträge: im § 4, Ab­satz 1, stattBundesrath" zu setzenReichskanzler"; ferner den § 10 folgender­maßen zu fasten: gegen Personen, welche es sich zum Geschäft machen, die in § 1 bezeichneten Bestrebungen zu fördern, kann im Falle der Verurtheilung wegen Zuwiderhandlung gegen dieses Gesetz neben der verwirkten Strafe auf Stellung unter Polizeiaufsicht erkannt werden. § 17, Absatz 2, soll nach Gneist's Amendement lauten: dem Betreffenden steht die Beschwerde an den Reichskanzler offen; derselbe hat, soweit es sich um die Untersagung des Ge­werbebetriebes handelt, die Sache dem obersten Verwaltungsgerichtshofe des betreffenden Bundesstaates oder der nach den Landesgesetzen dafür zuständigen höchsten Behörde zu überweisen.

Endlich soll dem Amendement Gneist's zufolge ein neuer Paragraph be­stimmen, daß die Ausübung dieser Befugniste des Reichskanzlers im ganzen Umfange oder in einzelnen Zweigen einem Stellvertreter übertragen werden kann. Zur Ueberwachung des Gesetzes soll der Bundesrath einen Ausschuß von 7 Mit­gliedern aus seiner Mitte bilden. Minister v. Mittnacht sprach sich für die Bundesraths-Vorlage aus, Lasker für sein Amendement, Minister Abeken und Ackermann für die Vorlage, Reichensperger für das Amendement Lasker's, mit dem Unterschiede, daß er statt dem Reichsoberhandelsgericht das Oberlandesge­richt in den Staaten, welche keine Verwaltungsgerichte haben, als Beschwerde- Jnstain einsetzen will. (Die Sitzung dauert fort.).

Neapel, 23. Septbr. Die in der verflossenen Nacht begonnene Erup­tion des Vesuvs nimmt zu.

Berlin, 23. Septbr. Die Wahlprüfungs-Commission des Reichstages beschloß beim Plenum zu beantragen, daß die Wahlen der Abgg. Bär (Offen­burg) und Knobloch (Wehlau) beanstandet werden.

1 W ......

Lokal,Notiz.

Gießen, 24. September. Tagesordnung für die Stadtverordnetm-Sttzung am Donnerstag den 26. September 1878, StachmittagS 4 Uhr r

1 Die Erbauung eines Schlachthauses.

2. Ankauf des Hauses der Jeremias Friedels Wtttwe.

3. Das Pfandlokal betreffend.

4. Die Verpachtung eine« städtischen KellerS.

5. Die städtischen Uhren betreffend.

6. Gesuch des Emil LooS um Erlaubntß zur Anlegung eines Abflußrohrs.

7. Gesuch des Christian Zimmer um Erlaubntß zur Anlegung eines Treppentritts.

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